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Kadmium: Cadmium


 

 

Kaiser: Steinkohle- Flöze


 

 

Kaiserplatz: Zwischen 1887 u. 1891 vor dem Rathaus als sogenannter Kaisergarten angelegter Park *BRECHER, A. (1990) Seite 77 mit Rasenflächen, Baumanpflanzungen, Promenadenweg u. zentral angeordnetem Kaiser-Denkmal (Wilhelm II). Diese Anlage entwickelte sich nicht nur zum geographischen, sondern auch zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der aufstrebenden Neustadt, wo beispielsweise Konzerte oder Militärparaden stattfanden.

Bild Kaiserplatz um 1910

Bis kurz nach 1900 entstand rund um den Kaisergarten ein repräsentatives Bauensemble mit den prächtigen Gebäuden der früheren preußischen Hauptpost, des alten Gymnasiums sowie des ehemaligen Amtsgerichtes. Die gesamte Baugruppe spiegelt mit dem für den Historismus charakteristischen Stilpluralismus den damaligen Zeitgeschmack u. die damalige Architekturauffassung in eindrucksvoller Weise wider.

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Kaiserplatz mit altem Rathaus
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Altes Amtsgericht
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Ehemaliges Gymnasium
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Alte Hauptpost
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 Fotos: Axel Pfaff

Die Außenfassaden des an der Rathausstraße gelegenen Eckhauses sind mit insgesamt acht farbigen Fresken ausgestattet, welche Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Industrie, Chemie, Bergbau, Schiff-Fahrt u. Elektrizität symbolisieren. Obschon sich die Motive auf teilweise moderne Themen beziehen (Industrie, Chemie,  Elektrizität), sind die Fresken in stark historisierendem Stil ausgeführt. Diese bemerkenswerten u. nicht alltäglichen Arbeiten verdeutlichen das für die Gründerzeit charakteristische Repräsentationsbedürfnis der wohlhabenden Bürgerschaft.

1927 wurde der Kaisergarten unter Beibehaltung des Baumbestandes zu einem vollflächig befestigten Platz umgestaltet.

1989 erfolgte eine weitere Umgestaltung des Kaiserplatzes mit aufwendiger Natursteinpflasterung und mit der Anlage von neuen Beeten sowie einem Brunnen als zentrales Gestaltungselement.

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Foto: Axel Pfaff

Quellen BRECHER, A. (1990) Seite 77


 

 

Kalabasse: Typisches Tiefwaren-Produkt der Stolberger Messingindustrie. Diese mit Deckel versehenen, kugeligen Messing- Gefäße wurden bis ca. 1970 in unterschiedlichen Größen (bis zu einem Außendurchmesser von 24 Zoll, also ca. 60 cm) in Stolberg hergestellt und waren hauptsächlich für den Export nach Nigeria bestimmt. Kalabassen dienten den afrikanischen Stammesfürsten zusammen mit weiteren Gefäßtypen aus Messing (Lissaboner Pfannen) als Zierrat u. waren Ausdruck für Macht, Wohlstand u. Prestige.

Bei Hochzeiten war es in Kreisen der afrikanischen Stammesfürsten- Familien üblich, der Braut einige Kalabassen zu überreichen, in welchen sie persönliche Dinge aufbewahren konnte.

Häufig sollen in den Kalabassen auch Textilien (z.B. Festgewandung) aufbewahrt worden sein, was durchaus plausibel erscheint, da die dünnwandigen Behältnisse einerseits relativ leicht, andererseits jedoch absolut termitensicher waren. Offenbar nahmen die alten Stolberger Bezug auf diesen Umstand, wenn sie Kalabassen in der Umgangssprache als "afrikanische Kleiderschränke" bezeichneten.

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Foto: F. Holtz
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Firmenprospekt SMW
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Foto:
Axel u. Gerda Pfaff

Auf Grund der rundlichen Formen der Kalabassen wird bei der Frage nach der Herkunft des Begriffes in Stolberg häufig und gerne auf den Flaschenkürbis verwiesen, dessen Name nun allerdings "Kalebasse" lautet.

Eine weitere, sehr einleuchtende Deutungsmöglichkeit ergibt sich, wenn man als (vornehmlichen) Bestimmungsort die nigerianische Hafenstadt Calabar annimmt. Dieser Interpretationsansatz scheint in sofern plausibel, als dass ein weiteres, in Stolberg für den afrikanischen Markt gefertigtes Messingprodukt offiziell als Calabar- Tablett bezeichnet u. vertrieben wurde.

Bei der Wortschöpfung "Kalabasse" wäre auch eine Kombination der beiden Begriffe "Calabar" u. "Kalebasse" durchaus denkbar.


 

 

Kaledonische Orogenese: Orogenese


 

 

Kali-Chemie: Firmenverbund, der 1928 durch Fusion der RHENANIA mit den KALIWERKEN NEUSTRASSFURT-FRIEDRICHSHALL entstand.


 

 

Kaliol: Von dem franz. Caillou abgeleiteter Ausdruck für Rühreisen, die bei der Herstellung von Rohmessing Verwendung fanden.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1974) Seite 50


 

 

Kaliumkarbonat: Pottasche


 

 

Kalk: Sammelbegriff für die drei folgenden Kalziumverbindungen:

Während im umgangssprachlichen Gebrauch der Ausdruck Kalk vorwiegend als Bezeichnung für Brannt- u. Löschkalk Verwendung findet, ist es in der Geologie beispielsweise durchaus gebräuchlich, auch den Kalkstein einfach als Kalk zu bezeichnen.

Durch Erhitzen (Brennen) von Kalkstein entsteht unter Abgabe von Kohlendioxid der Branntkalk. Auf der Basis der heimischen Kalksteinlagerstätten fand u. findet dieses Verfahren im Stolberger Raum meist unter Einsatz von Schachtöfen in einer Vielzahl von größeren u. kleineren Steinbruchbetrieben Anwendung (z.B. WESTDEUTSCHE KALKWERKE, HASTENRATHER KALKWERKE).

Fügt man dem Branntkalk Wasser hinzu (löschen), so entsteht unter starker Wärmeentwicklung der sogenannte Löschkalk. Dieser wiederum bildet neben Sand u. Wasser den wichtigsten Bestandteil bei der Zubereitung von Kalkmörtel. Nach der Verarbeitung des Mörtels als Fugenmaterial oder als Putzschicht auf einem Mauerwerk geht der Löschkalk unter dem Einfluss des Kohlensäuregehalts der Luft wieder in den gesteinsartigen Kalk über. Die Verfestigung (das sogenannte Abbinden) erfolgt also über eine Verkittung der Gemengekörner durch kristalline Brückenbildung.

Dieser Kreisprozess lässt sich wie folgt darstellen:

CaCO3 → CaO + CO2 (Brennen)

CaO + H2O → Ca(OH)2 (Löschen)

Ca(OH)2 + CO2 → CaCO3 + H2O (Abbinden)

Von großer Bedeutung ist Kalk im Baugewerbe, in der Chemischen Industrie (u.a. zur Herstellung von Soda), in der Zuckerindustrie, bei der Erzeugung von Eisen (u.a. zur Entphosphorung), als Düngemittel in der Land- u. Forstwirtschaft, als Packlagenmaterial im Wege- u. Straßenbau sowie zur Seuchen- bzw. Schädlingsbekämpfung.


 

 

Kalkmagerrasen: Vegetationsform, die auf flachgründigen, kargen, extrem trockenen Kalkböden (Karst) heimisch ist (Pedobiom).

Kalkmagerrasen findet sich im Stolberger Raum auf praktisch allen Kalksteinzügen, wobei die größte, mit Kalkmagerrasen bestandene Fläche am Schlangenberg zu finden ist. Als spektakulärste Pflanzengattung kommen im Kalkmagerrasen mehrere Orchideenarten vor.


 

 

Kalk-Soda-Verfahren: Natronlauge


 

 

Kalkspat (Kalzit): Trigonales Kristallsystem, CaCO3 Kalziumkarbonat. Kalkspat kommt in den Kalkstein- Zügen des Stolberger Raumes als Kluft- Mineral (auch als Gangart) vor u. bildet sich aus übersättigten, kalkhaltigen Lösungen als Ausfällungen in kristalliner Form. Kohlensäurehaltige Sickerwässer greifen an der Oberfläche des Kalksteins an, lassen diesen in Lösung gehen u. reichern sich mit gelöstem Kalk an, der dann wieder ausgefällt wird (auskristallisiert), wenn die Kohlensäure entgasen kann. (Karst)

Häufig kommt der Kalkspat im Stolberger Raum als idiomorphe, modellhaft ausgebildete Kristalle vor, die bei Mineraliensammlern sehr geschätzt sind.


 

 

Kalkstein: Hauptsächlich aus Kalziumkarbonat (CaCO3) bestehendes, weit verbreitetes Sediment-Gestein. Der in seiner Reinform weiße Kalkstein ist in der Natur meist durch Nebengemengteile mehr oder weniger grau bzw. auch rot-bräunlich gefärbt.

Die in Stolberg vorkommenden Kalksteinformationen sind in zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden erdgeschichtl. Epochen, nämlich in der Devon-Zeit (devonische Kalke, Eifelkalke) u. in der Karbon-Zeit (Kohlenkalk, Blaustein) in einem tropischen Flachmeerbereich abgelagert worden. Während des Devons und Unterkarbons kam es zur Ablagerung eines mehr als 4.000 m mächtigen Sedimentstapels. REDECKE, P.(1992) Seite 3

Die mächtigen, teilweise dickbankigen Kalksteinschichten sind reich an Fossilien, wobei insbesondere Brachiopoden, Korallen u. Stromatoporen zu nennen wären.

Die ursprünglich horizontal abgelagerten, kalkigen Sedimente wurden von anderen Schichten überdeckt, zu Stein verfestigt u. später aufgefaltet (Falte, Orogenese). Die Faltenprofile wurden zwischenzeitlich durch erosive Einflüsse wieder teilweise eingeebnet, so dass die durch Faltung mehr oder weniger schräg gestellten Kalksteinschichten (auch Kalksteinzüge genannt) fast an der Oberfläche anstehen, sieht man von der sie bedeckenden Bodenschicht ab.

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Skizzen: F. Holtz

Diese an der Oberfläche anstehenden Kalksteinschichten folgen, entsprechend der Orientierung der Faltenachsen, einer von Südwest nach Nordost verlaufenden Generalrichtung u. erstrecken sich in fast ununterbrochener Längenausdehnung von jenseits des Maastales bis zur Sandgewand kurz vor Hastenrath u. Gressenich.

Teilweise ist der Kalkstein in diesen Kalksteinzügen durch Metasomatose in Dolomit umgewandelt worden.

Bedingt durch die Tatsache, dass Kalkstein (oder besser dessen Hauptbestandteil Kalziumkarbonat) durch die in Sickerwässer üblicherweise enthaltene Kohlensäure extrem gut gelöst wird, können Spalten u. feinste Risse im Gebirgskörper durch eindringendes Wasser aufgeweitet werden (Karst).

Hieraus ergibt sich einerseits eine sehr schnelle Ableitung auftreffender Niederschlagswässer in den Untergrund, so dass die Böden, welche die Kalksteinzüge überdecken, gut drainiert u. folglich vergleichsweise trocken sind. Andererseits bildet die durch fortschreitende Lösungsprozesse bedingte Aufweitung der Kluftsysteme ein ständig zunehmendes Hohlraumvolumen, woraus sich innerhalb der Kalksteinformationen eine beträchtliche Wasserführung ergibt.

Hieraus ergaben sich im Bergbau teilweise massive Probleme mit der Wasserhaltung. Häufig setze man Schächte nicht im Kalkstein, sondern im wenig wasserführenden Deckgebirge an, um beim Abteufen Wassereinbrüche zu vermeiden. Erst in größeren Teufen erfolgte der Zugang zu den  erz-, aber auch  wasserführenden Kalksteinschichten meist durch Stollenvortrieb.
HASSLACHER, A. (1861) Seite 181

Die Kalksteinvorkommen haben die Entwicklung der Stolberger Region in vielfacher Hinsicht beeinflusst:

Aus den bei der Entstehung der Erze wirksam gewordenen Bildungsmechanismen (Schalenblende- Entstehung) ergab sich eine enge Bindung der Erz-Lagerstätten an die Kalksteinvorkommen. Beim Verlassen der Kalksteinzüge werden die Gänge sogleich weniger mächtig und verlieren sich nach wenigen Metern. GUSSONE, R. (1964) Seite 31

Allerdings war die starke Wasserführung in den Kalksteinformationen sehr hinderlich für den Bergbau, insbesondere als man in größere Teufen vordrang. Dies galt sowohl für den Abbau von Erzen als auch für die Förderung von Steinkohle u. war letztlich ausschlaggebend für das Ende des Bergbaus in der Stolberger Region.
PLUM, H. (1937) Seite 33,  PASTOR, K. (1958) Seite 60

Aus weiter oben erwähnten Gründen stellten sich in der Frühzeit die trockenen, vegetationsarmen Kalksteinzüge als großräumig verlaufende Schneisen in der sie damals umgebenden Urwaldlandschaft dar. An diesen Schneisen orientierten sich die frühen Reise u. Handelswege.
KASIG, W. (1980) Seiten 1 u.142, SCHWICKERATH, M. (1954) Seite 79
Auch die Bewirtschaftung der Kalkböden (hauptsächlich als Wiesen- u. Weideland) war u. ist erheblich einträglicher als die landwirtsch. Nutzung der sich im Süden anschließenden sumpfig-sauren Eifelböden.

Der in zahlreichen Steinbrüchen abgebaute Kalkstein dient(e) als Baumaterial, als Rohstoff für die Kalkgewinnung, als Zuschlagstoff in der Eisenhütten- u. Glasindustrie sowie als Grundstoff bei der Herstellung von Soda nach dem Leblanc- Verfahren.

Bis zur Schließung der Stolberger Betriebsstätten der RHEINISCH WESTFÄLISCHEN KALKWERKE im Jahr 1974, gehörte der hiesige Raum zu den bedeutendsten Kalklieferanten in Deutschland.

Quellen: KASIG, W. (1980) Seiten 1 u. 142, SCHWICKERATH, M. (1954) Seite 79 
HASSLACHER, A. (1861) Seiet 181, REDECKE, P.(1992) Seite 3,
GUSSONE, R. (1964) Seite 31, PLUM, H. (1937) Seite 33, PASTOR, K. (1958) Seite 60


 

 

Kalksteinzug: Kalkstein


  

 

Kalkwerke Hastenrath: Hastenrather Kalkwerke


 
 

Kalkwerke Heinrich Gehlen: 1897 gegründeter Steinbruchbetrieb (Kalkstein) östl. der heutigen oberen Bergstr. bzw. der Katzhecke. Zunächst wurde lediglich der eingewonnene Rohstein hauptsächlich an das Aachener Hüttenwerk Rothe Erde verkauft. 1899 errichtete man drei Brennöfen zur Herstellung von Branntkalk. Die Kalkwerke Gehlen belieferten in beträchtlichem Maße auch die Rhenania (Herstellung von Soda nach dem Leblanc- Verfahren).
HAMACHER, R. (1956) Seite 61

Nachdem die Anlage in den 1950er Jahren aufgegeben worden war, wurde einer der drei zwischenzeitlich verfallenen Brennöfen Mitte der 1980er Jahre restauriert und stellt heute ein authentisches Dokument des für unsere Gegend charakteristischen, traditionellen Kalkgewerbes dar. Das zugehörende Steinbruchgelände hat sich (auch auf Grund seiner Stadtnähe) zu einem Landschaftselement mit hohem Freizeitwert entwickelt. Die mittlerweile hier anzutreffende Vegetation kann dem Typus der fortgeschrittenen Sukzession zugeordnet werden.

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Restaurierter Kalkofen im Steinbruch Gehlen.
Fotos: F. Holtz

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 80, HAMACHER, R. (1956) Seite 61


 

 

Kaltverfestigung: Das Ansteigen von Härte u. Festigkeit fast aller Metalle u. Legierungen bei der Kaltverformung durch Verzerrungen der Kristallgitter. Eine Kaltverfestigung kann durch Glühen wieder rückgängig gemacht werden.


 

 

Kaltverformung: plastische Formung eines Werkstückes bei normaler Raumtemperatur (durch z.B. Biegen, Treiben, Hämmern, Tiefziehen oder Kaltwalzen). Bei den meisten Metallen u. Legierungen tritt bei der Kaltverformung eine Kaltverfestigung ein.


 

 

Kalzinieren: Erhitzen (Brennen) fester Materialien meist zur Abspaltung von (Kristall-) Wasser u./oder Kohlensäure (CO2).

In Stolberg fand Kalzinieren

Anwendung. RÜBMANN, A. (1925) Seite 8

Durch das Kalzinieren des Galmeis wurde zunächst ein Austreiben von sowohl Kohlensäure als auch von eingeschlossener Restfeuchte erreicht, wodurch sich die Masse um mehr als 30% reduzierte. Fernerhin bewirkte das Kalzinieren im stückigen Brenngut eine Lockerung des Gefüges, was den nachfolgenden Zerkleinerungs- u. Mahlvorgang wesentlich erleichterte, da große Teile des gebrannten Galmeis ohne nennenswerte Kraftanstrengung zerbröselten.

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stückiger
Rohgalmei
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kalziniert
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zerkleinert
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gemahlen
Modellversuch und Fotos:
Helmut Ullwer, Hettstedt.

Streng genommen lässt sich auch das Brennen von Kalk als Kalzinieren einstufen:
CaCO3 → CaO + CO2

Quellen: RÜBMANN, A. (1925) Seite 8


 

 

kalzinierte Soda: Durch Eindampfen von Sodalauge entstandene, kristallisierte Soda, die nach der Filtration zwecks Austreibung des Kristallwassers erhitzt wurde (Kalzinieren, Leblanc- Verfahren).


 

 

Kalzit: Kalkspat


 

 

Kalziumhydroxid: Gelöschter Kalk


 

 

Kalziumkarbonat: (CaCO3) Kalkspat, Kalkstein


 

 

Kalziumoxid: Branntkalk (Kalk)


 

 

Kalziumsulfid (CaS): Substanz, die bei der Herstellung synthetischer Soda nach dem Leblanc- Verfahren entstand u. nach dem Auswaschen der Schwarzasche vermengt mit Asche, Kalk- u. Kohlereste als graue, übelriechende Masse zurückblieb. Diese wurde über Jahrzehnte als lästiger Abfallstoff auf Halden deponiert (z.B. Atscher Rhenania-Halde).

Später entwickelte die Rhenania in Stolberg ein Verfahren, welches das Kalziumsulfid erstmalig in Deutschland zur Schwefelrückgewinnung nutzte. Bevor jedoch die Entschwefelung in großtechn. Maßstab eingesetzt werden konnte, war das Leblanc- Verfahren bereits techn. überholt u. von dem wirtsch. günstigeren Solvay- Verfahren abgelöst worden, bei welchem dieser lästige Abfallstoff nicht anfiel.

Beim Zusammentreffen des Kalziumsulfids mit säurehaltigen Wässern (aus der Luft ausgewaschene Kohlensäure u. Schwefeldioxid - saurer Regen) wird giftiger Schwefelwasserstoff freigesetzt, der auch heute noch in ganz erheblichem Maße die Luft belastet. Die aus den Halden austretenden Sickerwässer enthalten fernerhin Schwefelverbindungen, die durch Folgereaktionen entstehen u. die Gewässer belasten.


 

 

Kammerbusch: Englischer Garten



  

Kammkies: Markasit


 

 

Kampagne: Hüttenkampagne


 

 

Kapuzentracht: Arbeitskleidung der mittelalterlichen Bergleute. Die typischen, kennzeichnenden Bestandteile der Kapuzentracht waren die mit Schulterschutz versehene Kapuze u. das Bergleder, welches in der berm. Umgangssprache auch Arschleder genannt wurde.

Die Kapuzentracht ist bestimmend gewesen für die Vorstellungen, die man sich hinsichtlich des Aussehens von Zwergengestalten machte (Zwergensagen).

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Mittelalterlicher Bergmann in Kapuzentracht,
Quelle: Bersch (1898)


 

 

Karbon: Erdgeschichtl. Epoche des Erdaltertums (Paläozoikum), die vor ca. 345 Millionen Jahren begann u. vor ca. 280 Millionen Jahren endete. Der Name Karbon leitet sich von dem lat. Ausdruck carbo = Kohle ab u. wurde deshalb gewählt, weil während dieser Epoche die mächtigsten, bauwürdigen Steinkohle-Formationen entstanden sind.

Während dieser Epoche entstanden im Stolberger Raum die karbonischen Kalke als marine Ablagerungen (Sedimente) in einem damals sich hier ausbreitenden tropischen, mit Korallen besetzten Flachmeer.

Die Kalksteinzüge des Stolberger Raumes gehören mit Ausnahme des südlichsten (devonische Kalke) dem Karbon an u. bilden mächtige, dickbankige Schichtpakete. Kalkgesteine des Karbons werden auch als Kohlenkalk u. im hiesigen Gebiet als Blaustein bezeichnet.


 

 

Karbonat(e): Gruppe der kohlensauren Salze, die als kennzeichnendes Bauelement CO3 enthalten.

Die wichtigsten Karbonate in der Stolberger Geologie sind: Kalkstein, Kalkspat, Dolomit, Zinkspat und Weißbleierz.


 

 

karbonatischer Galmei: Galmei


 

 

karbonisch: dem Karbon zugehörig


 

 

Karl: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg.


 

 

Karrenköhler: Köhler


 

 

Karst: Zusammenfassender Ausdruck für Erscheinungen, Oberflächenform u. Bodenbeschaffenheit in Gebieten mit wasserlöslichen Gesteinen, insbesondere Kalkstein. Karst ist das Ergebnis lösungsbedingter Auswaschungen des Grundgesteins durch kohlensäurehaltiges Sickerwasser. Charakteristisch für Karstgebiete ist die unterirdische Entwässerung durch Kluftsysteme u. Höhlen, woraus sich trockene, relativ vegetationsarme Böden ergeben.

Skizze
Skizze: F. Holtz

Karsterscheinungen (u.a. auch Schlotten) sind im Stolberger Raum im Bereich der Kalksteinzüge zu beobachten. In den Karsthohlräume befinden sich häufig Kalkspatbildungen unterschiedlicher Erscheinungsformen.

Quellen: KASIG, W. (1980) Seite 96


 

 

Katzengold: Pyrit


 

 

Kaue: Bergm. Ausdruck für Umkleide- u. Waschräume


 

 

kaustifizierte Soda: Ätznatron


 

 

Kaustifizierung: Die Überführung der nur schwach reagierenden ‘milden’ Alkalien Pottasche u. Soda in die ‘stark ätzenden’ Alkalien Kalilauge bzw. Natronlauge. Hierzu wird die jeweils entsprechende Salzlösung mit gelöschtem Kalk umgesetzt.


 

 

kaustische Soda: Ätznatron


 

 

Kehrgewand: Geol. Störung


 

 

Keilhaue: Zum Gezähe der Bergleute gehörende Spitzhacke.

Bild
Bergmann mit Keilhaue,
Ausschnitt aus dem "Sächsischen Bergwerk", Einzelblatt um 1530
(Vollansicht)

 

 

Keller: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg.


 

 

Kelmis (oder Kelmes): In früherer Zeit (insbesondere in der Mundart) gebräuchlicher Ausdruck für Galmei.

Ebenfalls Ort in Ostbelgien, der zum dortigen Erzabbaugebiet Altenberg gehört und dessen Name sich, einschließlich der französischen Variante La Calamine, von Galmei ableitet.


 

 

Kerschgens: Stahlbaufirma, die 1907 von Heinrich Kerschgens in der Kupfermeisterstr. gegründet wurde. Heute befindet sich das Unternehmen in der Atsch (am Rand des Atscher Waldes).


 

 

Kersting, Theo, Dr. med. (1901-1976): Internist, der 1930 seine Praxis in der Hermannstr. eröffnete u. von 1940 bis 45 die neu eingerichtete Innere Abteilung des  Bethlehem-Hospitals leitete. Außerdem gründete u. leitete er 1936 die Kinderklinik im damaligen Waisenhaus Frankental.


 

 

Kessel: Steinkohle- Flöze


 

 

Kesselmühle: Tiefmühle


 

 

Kessler: Kupferschläger


 

 

Kever, Hubert: VEREINIGTE KETTENFABRIK


 

 

Kies: Schwefelkies


 

 

Kiesel: Stark abgerundetes (durch den Transport in Fließgewässern abgerolltes) Quarzstück. Kiesel kommen in Stolberg vorwiegend in den Konglomeraten vor.


 

 

Kieselgalmei: Kieselzinkerz


 

 

Kieselzinkerz (Hemimorphit, Kieselgalmei): rhombisches Kristallsystem, Zn4 [(OH)2 / Si2O7] . H2O Zinksilikat. Die Vorsilbe hemi (halb) des wissenschaftlichen Namens Hemimorphit bezieht sich auf die hemimorphe Form der Kristalle, die an den beiden Enden jeweils unterschiedlich ausgebildet sind.

Kieselzinkerz kam in den Lagerstätten des Altenberges meist als körnige, erdige Massen vor u. bildete in den tieferen Abbauzonen das Hauptfördererz.

Kieselzinkerz ist neben Zinkspat u. Willemit Hauptbestandteil des Galmeis.


 

 

Killewittchen: Flurname eines westl. von Hastenrath gelegenen Gebietes mit gleichlautendem Ausflugsrestaurant.

Diese Flur erhielt ihre Bezeichnung von gleichnamigen Zwergen, die der Sage nach in diesem Bereich ansässig gewesen sein sollen (Zwergensagen). Die Erzählgebilde um die Killewittchen lassen u.a. Bezüge zu frühgeschichtl. Bergbau erkennen (Messing, römisches Messing).

Die Wortsilbe 'Kille' in Killewittchen ist abzuleiten von dem keltischen Wortstamm 'cill', womit Höhlen, insbesondere auch Erdhöhlen gemeint sind. Der gleiche etymologische Zusammenhang gilt auch für die im rheinischen Raum gebräuchlichen Begriffe wie Kuhle, Kaule, Kull, die sich allesamt auf Schürfstellen jeglicher Art u. insbesondere auch auf Steinbrüche beziehen. KASIG, W. (1980) Seite 145

Bei den Killewittchen ist das Element der hilfreichen Geister (Penaten überlieferung) besonders stark ausgeprägt. Sie sollen ,wie das ehemals zu Köln bei den Heinzelmännchen üblich war, den Bauern u. Handwerkern oft zur Hand gegangen sein u. während der Nacht so manche Arbeiten verrichtet haben.

Killewittchen - Gedichte

Vor ihrem Verschwinden sollen die Killewittchen lange in der Erde gegraben, die kostbaren Schätze verpackt u. diese mitgenommen haben. Durch dieses Motivelement wird der Bezug zwischen Zwergen u. Bodenschätzen ganz besonders deutlich.
Hoffmann(1914) Nr. 285a-c

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Vielleicht kann man sich so die Killewittchen beim Verpacken der reichen Schätze vorstellen.
Quelle: Bersch (1898)

Die besonders schönen Kalkspäte, die genau dort vorkommen, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, lassen sich als mineralogische Bildung, als Ergebnis einer Geländeverkarstung oder eben auch als Zwergenschätze auffassen.

Nun gibt es tatsächlich genau dort, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, in den hier gut ausgebildeten Karsthöhlen spektakuläre Kalkspatbildungen. Ob Kalksinter, Tropfsteine, Tropfleisten oder Kalkspatkristalle, diese Bildungen sind allesamt von wirklich hervorragender, modellhafter Erscheinungsform. Man könnte also durchaus vermuten, dass es sich hierbei um die besagten Zwergenschätze handelt.

Es gibt aber auch eine weitere, eine ganz andere Möglichkeit, das Motivelement der kostbaren Zwergenschätze zu deuten. Dieser Interpretationsansatz geht davon aus, dass sich in den Geschichten um unsere lokalen Zwerge ursprünglich eine Symbiose aus römischen Hausgeistern und römischen Bergleuten widerspiegelt. Somit wären mit dem Einfall der Franken und dem Abzug der Römer natürlich auch die Zwerge verschwunden.

Und vielleicht haben die Zwerge bzw. die römischen Bergleute keinen wirklichen, tatsächlichen Schatz mitgenommen. Was sie möglicherweise mitgenommen haben, war das Geheimnis um Galmei und um die Herstellung von Messing. Und dieses Geheimnis, dieses Wissen, mag damals nun tatsächlich so wertvoll wie ein kostbarer Schatz gewesen sein. Nach dem Fortgang der Römer hat es in der Tat bis zum Mittelalter, also über 600 Jahre gedauert, bis man in unserer Gegend wieder das damals so kostbare Messing herstellte. MATHAR, L. und VOIGT, A. (1956)  Seiten 57, 63.

Quellen: HOFFMANN, H. (1914), Nr. 285a bis 285c. KASIG, W. (1980) Seite 145. MATHAR, L. und VOIGT, A. (1956)  Seiten 57, 63.


 

 

Kirchenhütte: Ehemaliges Reitwerk in Zweifall, das seinen Standort in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche hatte. Über lange Zeit hielt die Zweifaller Familie Kettenis ca. zwei Drittel der Anteile in ihrem Besitz. 1637 begann Jeremias Hoesch Anteile der Kirchenhütte aufzukaufen u. brachte sie bis 1641 gänzlich in seinen Besitz.

Auch die Eisenproduktion der Kirchenhütte wurde von Hoesch zentralisiert u. auf dem Junkershammer zusammengefasst. Hierbei ging die Berechtigung der Kirchenhütte auf Holzkohle ebenfalls auf den Junkershammer über. Die Kirchenhütte selbst wurde zur Kornmühle umgebaut.

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (1993) Seite 127


 

 

Kirchfeld-Heidchen (Heidgen): Ehemalige, im Ortskern von Eilendorf gelegene Galmei-Grube, die zwei für unsere Gegend völlig atypische Besonderheiten aufwies. Kirchfeld-Heidchen wurde nämlich erstens als nahezu reine Galmeigrube im Untertagebau betrieben, wahrscheinlich deshalb, weil sie sich (im Gegensatz zu den anderen Erzgruben) zweitens in bewohntem Gebiet befand.

Die Lagerstätte war durch zahlreiche Schächte u. drei Förderstrecken erschlossen. Die unterste Förder-Sohle lag bei einer Teufe von nur 20 Meter.


 

 

Kirschbaum: Steinkohle-Flöze


 

 

Kirschbaumgewand: Geol. Störung


 

 

Klapper: Klapperhammer


 

 

Klapperhammer: Eines der wahrscheinlich ältesten Eisen- Hammerwerke des Vichttales, welches unweit der von Vicht nach Zweifall führenden Straße in der Talsohle zwischen Junkershammer u. Vicht-Jägersfahrt gelegen hat. Der Name ‘Klapper’ dürfte auf das Klopfen der Hämmer oder auf das Klappern der Wasserräder zurückzuführen sein. Während einige Gemäuer des Klapperhammers um 1900 noch als Ruinen existierten, deuten heute nur noch flache, verlandete Teichläufe auf die ehemalige Anlage hin.

Der ursprüngliche Eisenhammer war 1552/53 schon nicht mehr in Betrieb u. 1556 erhielt Dietrich Korner die herzogliche Erlaubnis, dort eine Kornmühle zu errichten, die von dieser Familie über mehrere Generationen betrieben wurde.

Nach der Verlagerung u. Konzentration der Eisenproduktion von der Kirchenhütte zum Junkershammer hatte die Familie Hoesch die Kirchenhütte als Kornmühle umgebaut. Der sich hieraus ergebende Konkurrenzdruck im Mühlengewerbe veranlasste die Familie Korner wahrscheinlich dazu, die Klappermühle aufzugeben u. 1677 an Jeremias Hoesch III vom Junkershammer zu verkaufen.

Das Interesse Jeremias’ III. galt weniger der Mahlmühle, als vielmehr der damit verbundenen Wassergerechtsame u. der Produktionsberechtigung des alten Eisenhammers. Letzteren baute er im Sommer 1689 neu auf u. nutzte selbigen als Reckhammer für das auf dem Junkershammer erschmolzene Eisen.

Auf Grund einer Genehmigung von 1740 wurde die Kornmühle auf der Klapper zu einer Drahtmühle (Drahtzug) umgebaut. Bezüglich des Aufschlagwassers erhielt der große Eisenhammer jedoch den Vorzug, wogegen man die Drahtmühle nur bei hinreichendem Wasserdargebot betrieb.

Nachdem Jeremias Hoesch V. 1760 in Konkurs geriet (Junkershammer), wurden die Eigentums- sowie Nutzungsrechte äußerst verzwickt u. die Betriebsbedingungen auf dem Klapperhammer gestalteten sich zunehmend schwieriger.

1786 wurde der Klapperhammer zur Kupfermühle umgebaut. Diese Umwidmung war kein Einzelfall, sondern insofern typisch für die Nutzung der alten Eisenwerke, als dass die Verarbeitung von Messing auch während u. nach dem Kohlzirkelstreit wirtsch. interessant blieb.

Als auch das Messinggewerbe in Schwierigkeiten geriet, baute Philipp Wilhelm Hoesch um 1820 auf dem Klapperhammer eine nach ihm benannte Papiermühle (Philippstal). Diese wurde bis 1861 betrieben.

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (1998) Seite 14, 33 u. 64,
SCHREIBER, K. und H. (1993) Seiten 234-246


 

 

Klapperloch: Heute noch gebräuchliche Flurbezeichnung für die Niederung, in welcher der Klapperhammer ehemals gestanden hat.


 

 

Klappermühle: Klapperhammer


 

 

Kleinbücking: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleingyr: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinhupp: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinkirchbaum: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinkohl: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinplattenkohl: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinscholl: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinsteinkohl: Steinkohle-Flöze


 

 

Kleinstock: Steinkohle-Flöze


 

 

Klenk: Mundartl. Ausdruck für "Klinke", der u.a. in der Stolberger Halbzeugindustrie für einen speziellen Typ von Mikrometerschrauben gebräuchlich war. Diese Mikrometerschrauben wurden beim Blechwalzen zum Messen und Kontrollieren der Dicke des kontinuierlich weiterlaufenden Blechbandes eingesetzt. Mit dem Messgerät klinkte man sich also bei der Dickenmessung sozusagen in den laufenden Walzprozess ein.

Zur schnellen Ablesung der Messwerte war die Mikrometerschraube mit einem runden Skalenteller u. einem mit der Gewindespindel verbundenen, drehbaren Anzeigesegment versehen. Letzteres war mit einem Nonius ausgestattet, wodurch eine Ablesegenauigkeit von 1/1000 Millimetern ermöglicht wurde.

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Fotos: F. Holtz

Für den Messvorgang war das mundartl. abgeleitete Verb "klenke" üblich. Gelegentlich fanden in der Umgangssprache auch die hochdeutschen Ausdrücke "Klinke" bzw. "klinken" Verwendung.


 

 

Klinke: Klenk


 

 

Klopphengst: Volkstümlicher Ausdruck für eine von der Bleihütte Binsfeldhammer ab 1923 betriebene elektrostatische Filteranlage. Der sich an der Wandung des Filters absetzende Staub wurde im Stundenrhythmus durch Hämmer abgeklopft, die an der Außenseite des Filtermantels angebracht waren. Die metallisch hallenden Schläge waren weithin zu hören, was den Volksmund veranlasste, diese Anlage Klopphengst zu nennen.


 

 

Kluckensteine: Konglomerat


 

 

Kluft: Riss oder enge Spalte im Gebirgskörper, welche die Gesteine bzw. deren Schichtung meist ebenflächig durchsetzt. Klüfte entstehen häufig durch Tektonik, können jedoch auch durch sonstige Spannungen im Gebirge (Temperaturänderung, Druckentlastung, Volumenänderung) verursacht werden.

Die Anordnung von Kluftsystemen gestattet oft auch Rückschlüsse auf tektonische Spannungen (Klufttektonik).


 

 

Kluftletten: Letten


 

 

Knautzenhof: Ehemaliger, hinter der Schart gelegener Kupferhof. Der Knautzenhof wurde zusammen mit der Schart kurz vor 1600 von Leonhard Schleicher für seine Söhne erbaut.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1974) Seite 15


 

 

Knoch: Steinkohle-Flöze


 

 

Knottenerz: Vererzung, bei welcher die Erze als vollständige oder partielle Ausfüllungen ehemaliger Hohlräume meist partikelartig (Knotten) im Gestein mehr oder weniger gleichmäßig verteilt sind (Maubacher Bleiberg).

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Sandstein mit Bleiglanzknotten
BildKonglomerat mit Kupferkies
Fundort: Maubacher Bleiberg
Sammlung u. Fotos: F. Holtz

 

 

Kohlberg: Abbaugebiet auf Steinkohle. In unserem Raum wurde die von Flözen durchzogene Indemulde unterteilt in Eschweiler Kohlberg u. Münsterkohlberg.


 

 

Kohlbergsdirektor: Bergvogt


 

 

Kohlbusch: Steinkohle-Abbaufeld im Bereich von Münsterbusch. Heute gleichnamige Verbindungstr. zwischen Schneidmühle u. Buschmühle.


 

 

Kohle: Steinkohle, Holzkohle


 

 

Kohlenkalk: Blaustein


 

 

Kohlenmeiler: Meiler


 

 

Köhler: Handwerker, der die Herstellung von Holzkohle gewerblich betreibt.

Im Gewäld der Nordeifel arbeiteten die Köhler fast ausschließlich im Auftrag der Kupfer- bzw. Reitmeister u. betrieben ihre Meiler in den ihnen zugewiesenen Kohlzirkeln.

Selbständige Köhler, die ihre Meiler mit Leseholz u. Holz aus Wind- bzw. Schneebrüchen beschickten, wurden Raff- oder Karrenköhler genannt.

Die Lebens- u. Arbeitsweise der Köhler lag für die bäuerlich geprägten Dorfgemeinschaften außerhalb der Normvorstellungen, weshalb den Köhlern vielfach etwas Geheimnisvolles u. Mystisches anhaftete. Nicht zuletzt die nächtliche Tätigkeit am schwelenden Meiler trug dazu bei, dass das Köhlerhandwerk innerhalb des ländlichen Alltags eine besondere Stellung einnahm. Der Köhler war der schwarze Mann, der im Wald zu finden war, der nach wochenlanger Abwesenheit mit rußgeschwärztem Gesicht zu seiner Familie zurückkehrte oder ohne festen Wohnsitz von Meilerplatz zu Meilerplatz zog.

Der notwendige Aufenthalt im nächtlichen Wald war verantwortlich dafür, dass der Köhler häufig mit Spukgestalten in Verbindung gebracht wurde.

Da dem Köhler der Kontakt u. Austausch mit der Dorfgemeinschaft zeitweilig fehlten u. ihm somit alltägliche Informationen, die für die Allgemeinheit als selbstverständlich galten, oftmals nicht zugänglich waren, wurde er häufig als einfältig u. naiv charakterisiert. Aus dieser Einstellung resultierte auch der Begriff des Köhlerglaubens, der kindlich-unkritischen Übernahme kirchlicher Lehrmeinungen.

Eine andere Redensart bezog sich ebenfalls auf das Köhlerhandwerk: Auf dem Holzweg zu sein, war für den Wanderer zwar eine Sackgasse, die Köhler jedoch erreichten ihr Ziel, nämlich den Meilerplatz.


 

 

Kohlerde: Gemisch aus Asche, Kohlegrieß u. Humus zum Abdecken eines Meilers.


 

 

Kohlholz: Holz, welches zum Zwecke der Gewinnung von Holzkohle geschlagen wird.


 

 

Kohlzirkel: Waldstück innerhalb einer Hut, welches zum Schlagen von Kohlholz genutzt wurde. Auf Grund knapper werdender Holzkohle kam es im 18. Jh. vielfach u. immer wieder zum Streit um die Zuteilung der einzelnen Kohlzirkel der Nordeifel (Kohlzirkelstreit).


 

 

Kohlzirkelstreit: Sich im 18. Jh. zuspitzender u. verstärkt geführter Verteilungskampf zwischen den Kupfermeistern u. Reitmeistern um die in unserer Gegend verfügbare Holzkohle. Sowohl der Prozess des Messingbrennens als auch der des Erschmelzens von Eisen (Hochofen) benötigte als Zuschlagstoff Holzkohle. Beide Prozesse wurden im Stolberger Tal bereits vor 1700 in einem Maße betrieben, dass zur Deckung des Holzkohlebedarfs deutlich mehr Holz (insbesondere Buchenholz) geschlagen werden musste, als im entsprechenden Zeitraum nachwachsen konnte.

Nachdem um 1700 die Waldbestände der nördl. Eifel durch das Schlagen von Kohlholz bereits stark dezimiert waren, wurde die Holzkohle zunehmend knapper. Es entbrannte ein heftiger Kampf um diese dringend benötigte Ressource, der sowohl mit juristischen Mitteln als auch über Bittstellungen an die jeweiligen Territorialherren u. teilweise auch über den Preis geführt wurde. Die zu einem regelrechten Verdrängungswettbewerb eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Kupfer- u. Reitmeistern gingen fast ausschließlich zu Lasten der Reitmeister, deren Eisenhämmer in vielen Fällen von den Kupfermeistern übernommen wurden.

Die Übermacht der Kupfermeister in diesem Streit erklärt sich zunächst aus der Tatsache, dass diese für ihren Prozess des Messingbrennens die Holzkohle lediglich als Reduktionsmittel benötigten u. zur eigentlichen Beheizung Steinkohle einsetzen konnten. Bei der Verhüttung von Eisen hingegen diente die Holzkohle sowohl der Reduktion der Erze als auch der Ofenbeheizung.

Bezüglich des Einsatzes von Steinkohle als Wärmeenergieträger bei metallurgischen Prozessen kann das Messingbrennen in gewisser Weise als Sonderfall gelten, denn der eingesetzte Brennstoff musste nicht notwendigerweise (wie bei der üblichen Verhüttung) gleichzeitig als Reduktionsmittel dienen. Dies war deshalb möglich, weil das eigentliche Messingbrennen innerhalb von Schmelztiegeln erfolgte, die u.a. das Reduktionsmittel (Holzkohle) enthielten, während die Beheizung der Tiegel mit Brennstoffen jedweder Art erfolgen konnte.

Beim Messingbrennen kam man daher mit erheblich weniger Holzkohle aus, als dies bei der Verhüttung von Eisen der Fall war. Fernerhin war der Wert des hergestellten Messings deutlich höher als der des erschmolzenen Eisens. Somit ließen sich höhere Holzkohlepreise von den Kupfermeistern betriebswirtsch. besser verkraften.

Außerdem gelang es den Kupfermeistern, ihr Gewerbe für die Landesherrlichkeit als sehr viel einträglicher darzustellen. Das Herzogtum Jülich vertrat bei der 1753 erfolgten Neueinteilung der Kohlzirkel den Standpunkt, das Gewerbe, welches die größten Abgaben erbringe, verdiene eine entsprechende Förderung.

Wegen der eminenten gesamtwirtsch. Bedeutung der Holzkohle wurde strengstens verboten, selbige in Gebiete zu verkaufen, die nicht zum Herzogtum Jülich gehörten.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1974) Seiten 41-45,
SCHREIBER, K. und H. (1998) Seite 22, 40 u. 46,
SCHREIBER, K. und H. (1993) Seiten 365-368


 

 

Kokille: Meist wassergekühlte Stahlform zum Vergießen von Metallen u. Legierungen. Im Gegensatz zu Sandformen lassen sich Kokillen mehrfach (nahezu beliebig oft) verwenden.

Bei den zur Herstellung von Plattenmessing üblichen Bretaniern war das Verfahrensprinzip der späteren Gieß-Kokille, nämlich die nahezu unbegrenzte Wiederverwendung der Formen, bereits deutlich erkennbar, obschon die apparative Auslegung sich damals noch völlig anders darstellte.

Die Entwicklung der wassergekühlten Stahlkokille durch den bei VON ASTEN & LYNEN tätigen Werkmeister Andreas Junker führte 1912 zu einer grundlegenden Revolution in der Gießereitechnik.

Die wassergekühlte Kokille lieferte eine gute und reproduzierbare Qualität der gegossenen Blöcke. Das neue, anfänglich in der Messingproduktion eingesetzte Verfahren fand später zum Vergießen nahezu aller NE-Metalle Verwendung. Erst ein halbes Jahrhundert später setzte sich das heute übliche Stranggussverfahren als vollkontinuierlicher Gießprozess durch.

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Andreas Junker mit seiner ersten marktreifen Kokillen-Version.
Mit freundlicher Genehmigung der Otto Junker GmbH.

 

 

Kollergang: Zerkleinerungsmaschine für meist mineralische Stoffe, bei der schwere, breite Räder (Läufer) auf einer waagerechten Plattform (Mahlbahn) kreisförmig abrollen u. hierbei das auf die Mahlbahn aufgebrachte Gut zerdrücken.

Der Kollergang fand in Stolberg häufig als Galmei-Mühle u. auch zur Herstellung von Glasmehl Verwendung. In früherer Zeit war der Kollergang ebenfalls unter dem franz. Ausdruck Broyeur bekannt.

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Kollergang
nach Krünitz
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Foto: F. Holtz
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Foto: F. Holtz

 

 

Kolonie: Volkstümlicher Ausdruck für die Werkssiedlung der früheren Zinkhütte Birkengang im Bereich der alten (oberen) Wiesenstr.

Diese Siedlung ist ein gutes Beispiel für die in frühindustrieller Zeit allgemein gebräuchliche, großangelegte Schaffung von Wohnraum seitens der Unternehmen zur Anwerbung u. Bindung von Mitarbeitern.

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Zinkhütte Birkengang, im Vordergrund die sogenannte Kolonie.

 

 

Kommanditgesellschaft Bredt & Co.: Bredt


 

 

Kommanditgesellschaft de Sassenay & Cie.: Von dem Marquis de Sassenay 1841 gegründete Nachfolgerin der METALLURGISCHEN GESELLSCHAFT ZU STOLBERG.

Nach Erlass des preußischen Aktiengesetzes 1843 betrieb de Sassenay die Umwandlung der Kommanditgesellschaft de Sassenay in eine Aktiengesellschaft. Diese wurde 1845 als SOCIÉTÉ ANONYME DES MINES ET DES FONDERIES DE ZINC DE STOLBERG (Gesellschaft für Bergbau u. Zinkfabrikation zu Stolberg) gegründet. Diese war über lange Zeit unter ihrem Kurznamen STOLBERGER GESELLSCHAFT bekannt.


 

 

Kondensationsgefäß: Vorlage


 

 

Konglomerat: Grobkörniges Sediment-Gestein bestehend aus durch Umlagerung u. Transport stark abgerundeten Gesteinstrümmern (Gerölle), die durch kalkiges, sandiges, kieseliges oder toniges Bindemittel miteinander verkittet sind.

Im Stolberger Raum sind Konglomerate durch aus dem Vennmassiv transportierten Verwitterungsschutt entstanden, der über weite Flächen zunächst als Lockermaterial abgelagert wurde u. sich später durch die o.g. Verkittung zu Stein verfestigt hat. Die Grobbestandteile bestehen vorwiegend aus Quarziten u. Gangquarzen, welche auf Grund ihrer Härte u. Festigkeit die durch den Transport bedingten Beanspruchungen relativ unbeschadet (mit teilweise nur geringem Abrollungsgrad) überstehen konnten. Am nördlichen Vennabfall unterscheidet man zwei verschiedene Arten: das Gedauer- u. das Vichter Konglomerat.

Das Erscheinungsbild der in feinkörnigem Material eingebetteten, recht groben Gerölle hat den Volksmund dazu verleitet, Steine dieser Art als Naturbeton zu bezeichnen.

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Gedauer Konglomerat
Foto: F. Holtz

Gold-führende Quarzgänge in den verwitterten u. abgetragenen Teilen des Vennmassivs haben dazu geführt, dass die Konglomerate schwach goldhaltig sind.

Das dem Ober-Karbon zuzurechnende Gedauer Konglomerat ist am Oberlauf der Inde am besten aufgeschlossen u. zeigt sich im Bereich der gleichnamigen Flur Gedau als eindrucksvolle, den gesamten Talhang überdeckende Steilwand, die im Volksmund Tatternsteine genannt wird.

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Gedauer Konglomerat, im Volksmund Tatternsteine genannt.
Foto: F. Holtz

Am augenfälligsten tritt das dem Mittel- Devon angehörende Vichter Konglomerat am südlichen Ortsausgang von Vicht in Erscheinung, wo es an der östlichen Talflanke des Vichtbaches die Felsformation der Kluckensteine bildet. An der westlichen Seite der Vicht, die das Konglomerat querschlägig durchschneidet, stellt sich das quarzhaltige Konglomerat ebenfalls als harter, riegelförmiger Kern im Gelände dar.

Die stark quarzhaltigen Gesteine des Vichter Konglomerates dürften häufig als feuerfeste Innenausmauerung von Hochöfen in den Reitwerken verwendet worden sein. Da diese Ausmauerung von glockenförmiger Gestalt war, scheint eine Namensdeutung des Ausdruck Kluckensteine über Klockensteine, Glockensteine denkbar.

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (2008): Seite 27


 

 

Königreich: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg.


 

 

Königreichgang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg. Erzführung: Galmei, Blende, Bleiglanz u. Schwefelkies.


 

 

Konradshammer: Vichter Hütte


 

 

Konzentrat: Aufbereitung


 

 

Konzession: verwaltungsrechtl. Erlaubnis zur Ausübung eines Gewerbes oder zum Betrieb gewerbl. Anlagen. Im Falle von Bergwerken wird der Konzessionsantrag Mutung genannt. Der Ausdruck Konzession ist auch für Geländeabschnitte üblich, für die eine bergrechtliche (Bergrecht) Abbaugenehmigung vorliegt.


 

 

konzessionieren: Vorgang des Erteilens einer Konzession.


 

 

Korallen: Zu den Anthozoen gehörende Polypentiere des tropischen Flachmeerbereiches. Da die kalkigen Skelettablagerungen der in Kolonien lebenden Korallen durch Akkumulation häufig mächtige Korallenbänke u. Korallenriffe aufbauen, werden sie den gesteinsbildenden Organismen zugerechnet.

Im Kalkstein des Stolberger Raumes kommen fossile Korallen häufig vor u. waren an der Gesteinsbildung maßgeblich beteiligt.

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Devonischer Korallenstock
Sammlung u. Fotos: F. Holtz

 

 

Kortum: Stolberger Arztfamilie, die über zwei Generationen (Vater u. drei Söhne) von 1790 bis 1895 mit insgesamt vier Ärzten in Stolberg tätig war.

Ähnlich wie Dr. Peill waren auch die Kortums mit mehreren wohlhabenden Kupfermeisterfamilien verschwägert, was durchaus Rückschlüsse auf das hohe Ansehen ihres Berufsstandes zulässt.

QuelleBRANS, H. O. (1992)

 

Kortum, Carl Georg Theodor, Dr. med. (1765-1847): Mediziner von durchaus überregionaler Bedeutung, der von 1790 bis zu seinem Tod als praktizierender Arzt in Stolberg (Haus Kortum, Steinweg 63) tätig war.

Neben insgesamt fünf Buchpublikationen verfasste Dr. Kortum etwa 20 medizinische Schriften und Aufsätze. Von besonderem Interesse für Stolberg ist das erste Kapitel seiner 1796 erschienenen Publikation „Beiträge zur praktischen Arzneiwissenschaft“. In besagtem Kapitel beschreibt Dr. Kortum unter der Überschrift „Kurze medicinische Topographie des Fleckens Stolberg und der umliegenden Gegend“ sehr anschaulich die damaligen Lebensbedingungen in den unterschiedlichen sozialen Schichten.

Durch seine langjährige Tätigkeit in Stolberg war Dr. Kortum natürlich auch mit medizinischen u. ergonomischen Problemen vertraut, die sich in den Kupferhöfen aus der Messingherstellung u. -verarbeitung ergaben.

So beschreibt er beispielsweise Gesundheitsprobleme bei den Messingarbeitern, die in den Schmelz- bzw. Gießhallen bereits im Alter von 12 Jahren als Ofenjungen eingestellt wurden. Da sie den Dämpfen der Messingschmelze ausgesetzt waren, traten im Laufe ihres Berufslebens durch das Einatmen der Metalldämpfe häufig Lungenkrankheiten auf.

Bei den sogenannten Soldierern, die für das Löten der Tiefwaren zuständig waren, berichtet Dr. Kortum von Grünfärbungen der Haare, die durch Kupfersalze verursacht wurden.

Auf Grund des Geräuschpegels stellte sich bei den Hammerknechten in den Latsch- u. Tiefmühlen ausgeprägte Schwerhörigkeit ein. Durch die Nähe des spritzenden Aufschlagwassers ergaben sich feucht-kalte Arbeitsbedingungen, die zu Gichtleiden führten. Kontrakturen der Gliedmaßen waren häufig Folge des ausdauernden Krummsitzens vor den Hämmern.

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Gießhalle nach Krünitz
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Tiefmühle

Mit seinen Arbeiten lieferte Dr. Kortum bereits zu vorindustrieller Zeit einen grundlegenden Beitrag zu einem Wissenschaftsbereich, den wir heute mit Arbeitsmedizin u. Ergonomie umschreiben.

Drei von insgesamt fünf erwachsenen Söhnen des Carl Georg Theodor Kortum studierten das Fach Medizin u. waren zumindest zeitweise als praktizierende Ärzte in Stolberg tätig.

 

 

Kortum, Carl Leonhard, Dr. med. (1803-1836): Ältester Sohn von Dr. Carl Georg Theodor Kortum, der von 1825 bis 1827 als niedergelassener Arzt in Stolberg tätig war. 1827 wurde er als Kreisphysikus nach Düren berufen. Zwischen 1830 u. 34 publizierte er fünf Beträge in medizinischen Fachzeitschriften u. folgte somit neben dem Arztberuf auch den wissenschaftlichen Interessen u. Neigungen seines Vaters.

 

 

Kortum, Wilhelm Theodor, Dr. med. (1808-1895): Sohn von Dr. Carl Georg Theodor Kortum, der von 1832 bis zu seinem Tod als praktizierender Arzt in Stolberg tätig war.

Neben seinem Arztberuf bekleidete der spätere Sanitätsrat im Presbyterium der Lutherischen Gemeinde und der Stadtverordnetenversammlung auch öffentliche Ämter.

Zwei seiner Söhne wählten ebenfalls den Arztberuf, sind aber in Stolberg nicht tätig gewesen.

 

 

Kortum, Johann August, Dr. med.: Jüngster, 1820 geborener Sohn von Dr. Carl Georg Theodor Kortum, der, mit einer kurzen Unterbrechung (Eröffnung einer Praxis in Eupen), von 1844 bis 1849 als praktizierender Arzt in Stolberg tätig war.


 

 

Kraftwasser: Bergm. Ausdruck für das zum Antrieb eines Wasserrades erforderliche Aufschlagwasser. Der Ausdruck Kraftwasser war insbesondere bei Anlagen gebräuchlich, die der Wasserhaltung dienten. Im Gegensatz hierzu: Lastwasser.


 

 

Krall: Steinkohle-Flöze


 

 

Kraus, Moritz: Stolberger Fabrikant u. Teilhaber an der Firma KRAUS, WALCHENBACH + PELTZER. Kraus ersteigerte 1888 die stark verfallene Burg Stolberg u. ließ diese wieder aufbauen. 1909 schenkte er die restaurierte Anlage den Stolberger Bürgern.

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Moritz Kraus
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Burg um 1900, nach dem Umbau durch Moritz Kraus.

Quellen: ALTENA, C. (2012), BRECHER, A. (1990) Seite 75, 90


 

 

Kraus, Walchenbach & Peltzer: Stolberger Unternehmen der Metall-Verarbeitung, welches 1861 von Johann Adolf Peltzer u. Henry Walchenbach als WALCHENBACH & PELTZER in der Steinwegstr. gegründet wurde. In den 1880er Jahren kam Moritz Kraus als Teilhaber hinzu u. der Firmensitz wurde zur Prattelsackstr. verlegt.

Über Jahrzehnte war Kraus, Walchenbach & Peltzer als Hersteller von Zinkornamentik weltbekannt.

1909 übernahmen die Gebrüder Julius, Karl u. Ernst Peltzer alle Anteile von Henry Walchenbach u. Moritz Kraus.

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1963 wurde das Unternehmen in Peltzer Werke umbenannt.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 59, HAMACHER, R. (1956) Seite 38


 

 

Krautlade: Ehemaliger Kupferhof, der 1611 von Jeremias Hoesch erbaut wurde u. zu einem umfangreichen Gewerbekomplex gehörte, welcher sich im Bereich Stolberg- Mühle um die Jan-Ravens-Mühle entwickelt hatte (Alte Krautlade).

Quellen: SCHLEICHER, KURT. (1964) Seite 142, BRECHER, A. (1990) Seite 18


 

 

Krebs: Steinkohle-Flöze


 

 

Krebsformel: Geheimnisvolle, symbolhafte Zauberformel (Symbolstenogramm) aus dem Bereich der Alchemie, die sich ursprünglich auf den Stein der Weisen (auf die Herstellung von Gold) bezogen haben soll.
WACHENFELD I., STÄUDEL L., WÖHRMANN H. (1981) Punkt 3.3.

Die kleinere Symbolabfolge unterhalb der eigentlichen Krebsformel wird als Bemerkung folgenden Inhalts interpretiert: „Wer das begriffen hat, wird glücklich sein“.

Es gibt allerdings auch Interpretationsansätze, die in diesem geheimnisumwitterten Symbolkonstrukt eine Anleitung zur Herstellung des Messings sehen. Hiernach würde die "Übersetzung" wie folgt lauten:

"Achtung! Eingeweihter, füge der fertigen Mischung Kupferrost bei, sodann zweimal Kupfer mit weißem Blei vermischt." 
MARECHAL, J.R. (1954) Seite T 217

Unter den folgenden Annahmen:

könnte die Übersetzung der Formel tatsächlich das 2-Stufenverfahren der Messingherstellung beschreiben (Rohmessing u. Plattenmessing).

Auf Grund des besonderen u. damals rätselhaften Umstandes, dass sich beim sogenannten Galmeiverfahren die Zinkbestandteile jeglicher Anschauung entzogen (gelbes Kupfer) u. auch begründet durch den goldartigen Glanz bzw. der goldartigen Farbe des gewonnenen Metalls, entsprach das klassische Verfahren der Messingherstellung in ganz besonderer Weise der Gedankenwelt der Alchemisten. Manche Alchemisten glaubten (oder gaben vor), sie hätten das Geheimnis der Goldherstellung, den Stein der Weisen gefunden. Zahlreiche europäische Fürstenhäuser sind durch dieses Verfahren bewusst oder unbewusst getäuscht bzw. betrogen worden.

Quellen: MARECHAL, J.R. (1954) Seite T 217,
WACHENFELD I., STÄUDEL L., WÖHRMANN H. (1981) Punkt 3.3.


 

 

Kristall: homogen aufgebauter Körper, dessen atomare Bestandteile im Gegensatz zu amorphen Körpern eine geometrisch regelmäßige Raumverteilung aufweisen (Kristallgitter). Bei günstigen Wachstumsbedingungen können Kristalle ihre, durch den Gitterbau vorgeschriebene Eigengestalt entwickeln (idiomorph). Ein Körper gilt allerdings auch dann als kristallin, wenn Idiomorphie nicht vorliegt.


 

 

Kristallit: Mikroskopisch kleiner Kristall ohne deutlich ausgeprägte Oberflächenformen; z.B. in der meist mikro- kristallin aufgebauten Zinkblende des Stolberger Raumes.


 

 

kristallin: Ausdruck für aus Kristallen aufgebaute Substanzen. Je nach Größe der Kristalle oder der Kristallkörner unterscheidet man makrokristalline (grobkristalline) oder mikrokristalline (feinkristalline) Bildungen (Kristallit).


 

 

Kristallsoda: kalzinierte Soda


 

 

Kristallsystem: Ordnungsprinzip zur Einteilung von Kristall-Formen, das hauptsächlich auf Symmetrieelementen basiert. Unterschieden werden die folgenden sieben Kristallsysteme: kubisch, hexagonal, trigonal, tetragonal, orthorhombisch, monoklin u. triklin. Bei der Anwendung visueller Bestimmungsmethoden ist das jeweils vorliegende Kristallsystem ein wichtiges Kriterium. Gelegentlich kann der gleiche Stoff, abhängig von den Bildungsbedingungen, Kristalle bilden, die unterschiedlichen Kristallsystemen zuzurechnen sind. Abgesehen davon, dass ein Mineral in derartigen Fällen durch seine chem. Zusammensetzung alleine nicht mehr hinreichend beschrieben wird, lässt das gebildete Kristallsystem oft Rückschlüsse auf die Bildungsbedingungen zu.

Rückschlüsse dieser Art können im Falle der Stolberger Lagerstätten durch das Vorkommen von Wurzit gezogen werden. Schalenblende- Entstehung.


 

 

Krone: Tuchmacherhof, der laut Wappenstein 1725 von den beiden Tuchmachern Conrad Hendrich von Deuterone mit Ehefrau Catharina Gertrud von Asten und Jakob Bernhard Schmidts mit Ehefrau Anna Gertrud Lynen gegründet wurde.
SCHLEICHER, K. (1973) Seite 14, SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 180

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Wappenstein
Foto: B. Engelen

Der Name des Hofes leitet sich von einem Keilstein ab, der eine Adelskrone zeigt. Dieser „Kronenstein“ dürfte auf Conrad Hendrich von Deuterone zurückgehen, der hiermit seine Zugehörigkeit zum Adelsstand symbolisieren wollte. SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 181

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Kronenstein
Foto: B. Engelen

1765 wurde der Nordflügel des Tuchmacherhofes nach Osten hin erweitert. 1771 kaufte Anton Sebastian Stoltenhoff die Anlage,  welche anschließend fast 90 Jahre im Besitz der Familie verblieb.
SCHLEICHER, K. (1973) Seite 20

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Tuchmacherhof Krone
Foto: B. Engelen

1860 wurde die Krone von dem Brauereibesitzer Richard Brückmann (Ketschenburg) gekauft. Bis 1971 wurde in dem zum Steinweg gelegenen Haupthaus die Gastwirtschaft „zur Post“ bzw. später „zur Krone“ betrieben. SCHLEICHER, K. (1973) Seite 25

Der Abriss des gesamten Komplexes erfolgte 1973 und an gleicher Stelle wurde ein Hochhaus für Wohnungen, Geschäftsräume, Arztpraxen und Apotheke errichtet. SCHLEICHER, K. (1973) Seite 5

Der weiter oben erwähnte Wappenstein und auch der „Kronenstein“ finden sich heute am nördlichen Gebäudetrakt des Offermann-Platzes, wobei der „Kronenstein“ als Schlussstein im Torbogen des zur Steinwegstraße führenden Durchganges vermauert ist.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1973) Seiten 5, 14, 20. 25,
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seiten 180-182


 

 

Kronenhütte: Cronenhütte


 

 

Kropp: Allgemeiner bergm. Ausdruck für eine geol. Störung bzw. auch für die spezifische Störung, die im Bereich Buschmühle in südsüdwestl. Richtung verläuft.


 

 

Krösen: Schmelztiegel für den Messing-Guss.


 

 

Krug: Rauchfang eines Messingofens


 

 

Krünitz, Johann Georg: Herausgeber der 1802 in Berlin erschienenen 'Ökonomisch-technologischen Encyclopädie'. Das Werk wurde bis 1858 auf insgesamt 242 Bände erweitert u. beinhaltet u.a. eine ausführliche Technologie-Beschreibung der Stolberger Messing-Industrie mit anschaulichen, detaillierten Abbildungen.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 37


 

 

kubisch: Kristallsystem


 

 

Kuhklau: An der heutigen Hermannstr. gelegene, kurz nach 1650 durch Jan Peltzer u. Christian Prym errichtete, ehemalige Kupfermühle, deren Gewerke von den Grubenwässern der Grube Birkengang betrieben wurden. Später besaß die Firma Schleicher in der Kuhklau eine Drahtzieherei u. Julius Raymond von Asten betrieb dort eine Metallwarenfabrik. 1873 ging die gesamte Anlage an die Firma VON ASTEN & LYNEN.

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 Kull: Mundartlicher Ausdruck für Kuhle bzw. Grube. In früherer Zeit war es allgemein üblich, den Ausdruck Kull auch für Bergwerke und Steinbrüche zu verwenden (siehe bspw. Gehlen's Kull).

Ein anderes Beispiel ist das Steinkohlenbergwerk Atsch, welches im Volksmund „et Küllche“ (Verniedlichungsform von Kull) genannt wurde.

In der Umgangssprache waren als Arbeitsplatzbezeichnung sowohl „enn de Kull“ als auch „op de Kull“ gebräuchlich, wobei mit „enn de Kull“ untertägige und mit „op de Kull“ offenbar übertägige Arbeitsplätze gemeint waren.


 

 

Küllche: Atsch


 

 

Kunst: Bergm. Ausdruck für Maschinen u. mechanische Einrichtungen jedweder Art z.B.:


 

 

Kupfer: Rotfarbiges, mäßig hartes, zähes, dehnbares Metall. Kupfer konnte in der Frühzeit neben dem Blei als eines der ersten Metalle aus seinen Erzen dargestellt, sowie als Gebrauchsmetall in größerem Maßstab erschmolzen werden u. diente der Herstellung von Werkzeugen u. anderem Gerät.

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Kupfererz (Mansfelder Kupferschiefer)
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Rohkupfer
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Kupfertopf
Fotos: F. Holtz

Auf Grund seiner guten elektrischen- u. Wärme-Leitfähigkeit findet Kupfer heute vorwiegend als Kabelmetall u. in Wärmetauschern Verwendung.

Kupfer war u. ist insbesondere auch von Bedeutung als Legierungs-Metall zur Herstellung von Bronze (in Verbindung mit Zinn), von Bleibronze (in Verbindung mit Blei) u. von Messing (in Verbindung mit Zink). In frühgeschichtl. Zeit wurden häufig Kupfer-Legierungen hergestellt, die neben dem Grundmetall Kupfer sowohl Zinn, Zink als auch Blei enthielten (Kupferlegierungen).

Für den Stolberger Raum spielte Kupfer als Grundstoff zur Messing - Herstellung eine wichtige Rolle, musste jedoch in Ermangelung lokaler Kupfererz-Lagerstätten aus weit entfernten Regionen (z.B. Mansfelder Raum) herangeschaft werden.

Bild Kupferscheibe aus Mansfeld
(damals übliche Handelsform für Stückkupfer).
Foto: F. Holtz

Der für Stolberg gebräuchliche Name Kupferstadt leitet sich sehr viel weniger von dem Reinmetall Kupfer ab, als vielmehr von der früher in großem Maßstab hier hergestellten Kupfer- Legierung Messing, die damals auch gelbes Kupfer genannt wurde.

(Weitere Einzelheiten zu Kupfer aus lokalhistorischer Sicht)

 

 

Kupfer (lokalhistorischer Kontext): Nach heutigem Sprachverständnis sind die in der hiesigen Region geläufigen, zusammengesetzten Substantive, die mit dem Begriff Kupfer beginnen, zunächst missverständlich und irreführend. Jedenfalls ist in Stolberg und Umgebung nie Kupfererz gefördert oder Kupfer verhüttet worden. Wenn der Begriff Kupfer in lokalhistorischem Kontext auftaucht, ist hierzulande in den meisten Fällen Messing (eine Legierung aus Kupfer und Zink) gemeint.

Auch die Ausdrücke Kupfermeister, Kupferhof sowie Kupferstadt beziehen sich auf das Messinggewerbe und gehen zurück auf eine frühere Sprachgewohnheit, die sich aus den verfahrensbedingten Eigenarten der damaligen Messingherstellung erklärt. Verstehen lässt sich diese umgangssprachliche Eigentümlichkeit erst, wenn man sich vergegenwärtigt, wie zu früherer Zeit Messing hergestellt wurde.

Da man zur damaligen Zeit Zink in seiner metallischen Reinform weder kannte noch herstellen konnte, wurden bei dem uralten Verfahren des "Messingbrennens", als Grundstoffe Kupfer, Holzkohle sowie Galmei eingesetzt. Letzterer ist ein Zinkerz, das in der Gegend um Stolberg abgebaut wurde. Diesen Galmei hat man zunächst gemahlen und mit ebenfalls gemahlener Holzkohle gut vermischt. Das so entstandene Gemenge gab man, zusammen mit Kupferstücken, in einen Schmelztiegel, der auf 950 bis 1000 oC erhitzt wurde.

Nun kann man sich leicht vorstellen, dass die im Tiegel befindliche Holzkohle bei diesen Temperaturen unbedingt verbrennen wollte. Ein klassischer Verbrennungsvorgang war allerdings nicht möglich, da der dazu erforderlich Luftsauerstoff innerhalb des Tiegels fehlte. In Ermangelung des Luftsauerstoffes nahm die Holzkohle sich den zum Verbrennen erforderlichen Sauerstoff aus dem Erz, wodurch metallisches, elementares Zink entstand.

Die Prozesstemperatur lag nun allerdings weit oberhalb der Siedetemperatur des Zinks, so dass im Tiegel zunächst Zinkdämpfe entstanden. Diese lösten das Kupfer an und bildeten somit die Messing-Legierung.

Bild Kupfer, am äußeren
Rand zu Messing umgebildet.
Sammlung: F. Holtz, Foto: RWTH Aachen

Wenn man also einen Messingtiegel aus dem Ofen nahm und hineinschaute, konnte man das Zink nie sehen. Die im Tiegel befindlichen Zinkdämpfe hatten entweder durch Anlösen des Kupfers bereits Messing gebildet oder entwichen aus der Tiegelöffnung, wo sie in Verbindung mit dem Luftsauerstoff sofort zu Zinkoxid umgewandelt wurden, ein weißliches Pulver, mit dem man damals auch nichts anzufangen wusste.

Weitere Einzelheiten zur Chemie des Messingbrennens

Das Zink entzog sich bei diesem Verfahren also jeglicher Anschauung. Man glaubte, der Galmei sei eine Art Farbstoff, der das rote Kupfer zwar farblich, nicht aber substanziell veränderte. Hieraus ergab sich die in früherer Zeit als selbstverständlich empfundene Vorstellung, Messing sei nichts anderes als veredeltes, nämlich goldgelb eingefärbtes Kupfer.
RÜBMANN, A. (1925) Seite 8

Daher wurden sowohl das reine Kupfer als auch das Messing in der Umgangssprache schlicht und einfach als Kupfer bezeichnet. Wollte man zwischen den beiden Werkstoffen differenzieren, sprach man bezüglich des Reinmetalls von rotem Kupfer und hinsichtlich des damals noch nicht als Legierung erkannten Messings von gelbem Kupfer.

Folglich wurden die Messingfabrikanten eben nicht Messingmeister, sondern Kupfermeister und ihre Wohn- bzw. Betriebsstätten Kupferhöfe genannt. Letztlich geht die für Stolberg üblich gewordene Bezeichnung "Kupferstadt" ebenfalls auf diese ehemalige Sprachgewohnheit zurück.

Den Kupfermeistern war allerdings eine als Messingzubrand bezeichnete, deutliche Gewichtszunahme (von bis zu 40 %) des gefärbten Kupfers aufgefallen, was bereits auf einen Legierungsvorgang hätte hindeuten können. ENGELSKIRCHEN, L. (2006) Seite 13 Aber wahrscheinlich hat man sich nicht lange irritieren lassen, denn mit der wundersamen Gewichtszunahme wird man sich verständlicherweise auch ohne Erklärung gerne und bereitwillig abgefunden haben.

Sehr viel weniger augenfällig als die bei der Messingherstellung auftretende Farbänderung des eingesetzten Kupfers, dafür aber umso bedeutender, waren Verbesserungen in den Verarbeitungseigenschaften der hergestellten Legierung. Im Vergleich zum reinen Kupfer war die Messingschmelze sehr viel dünnflüssiger und ließ sich daher problemlos und blasenfrei vergießen. Letztlich ermöglichte dies die Produktion von qualitativ hochwertigem Halbzeug und die Herstellung von Fertigwaren, die neben einer ansprechenden Farbe auch einen hohen Gebrauchswert besaßen.

Spätestens im 18. Jahrhundert beherrschten die Stolberger Kupfermeister monopolartig die Messingmärkte in ganz Europa und Stolberg wurde für ein gutes Jahrhundert zur bedeutendsten Messingstadt der Welt.

Quellen: RÜBMANN, A. (1925) Seite 8, ENGELSKIRCHEN, L. (2006) Seite 13


 

 

Kupferambacht: (Eigentlich Messingambacht, siehe auch gelbes Kupfer oder Kupfer aus lokalhistorischer Sicht). Gewerbegenossenschaftlicher Zusammenschluss der Kupfermeister u. anfänglich auch der Kupferschläger (Ambacht). In Aachen wurde das Kupferambacht 1450 gegründet u. erfuhr nach 1466 durch den Zuzug der Batteurs aus Dinant zunehmende Bedeutung.

Während die Kupfermeister sich zu wohlhabenden Messing- Fabrikanten mit entsprechenden Unternehmensstrukturen entwickelten, blieben die Kupferschläger den eher handwerklich orientierten Betriebsformen verhaftet. Auf Grund stark divergierender Interessenlage dieser beiden Gewerbezweige spaltete sich 1587 das Kesslerambacht von dem Kupferambacht ab.

Aber auch die Kupfermeister wurden durch das Kupferambacht u. dessen Reglementierungen in ihren Möglichkeiten stark eingeengt, wobei die teilweise rigiden Reglementierungen ursächlich durch eine standortbedingte, natürlich vorgegebene Limitierung der Ressourcen im engen Aachen begründet waren. So z.B. wurde die Zahl der maximal zu betreibenden Messingöfen für jeden Kupfermeister vorgeschrieben u. es bestand ein Verbot, wassergetriebene Hammerwerke zum Austreiben (Treiben) der gegossenen Messingplatten zu benutzen, da die verfügbare Wasserkraft der alteingesessenen Tuchindustrie vorbehalten bleiben sollte.

Diese Umstände führten, teilweise verstärkt durch Strömungen der Gegenreformation, dazu, dass die Kupfermeister zu Anfang des 17. Jh. zunehmend von Aachen nach Stolberg abwanderten, wo sie in jeder Hinsicht ideale Bedingungen vorfanden.


 

 

Kupferhammer: Kupfermühle


 

 

Kupferhof: Wohn- u. Betriebsanlage der Kupfermeister. (Eigentlich Messinghof, siehe auch: gelbes Kupfer oder Kupfer aus lokalhistorischer Sicht.) Der Betriebsbereich eines Kupferhofes bestand meist aus mehreren Messingöfen, den Hammerwerken zum Austreiben (Treiben) der gegossenen Messingplatten (Messing, Messing - Herstellung), den Wasserrädern zum Antrieb der Hämmer u. Blasebälge, den Teich-Anlagen zum Zuführen u. Speichern des Aufschlagwassers u. letztlich einem wohlverwahrten Schuppen zur Lagerung des wertvollen Rohkupfers u. der hergestellten Messingwaren.

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In den Messingöfen wurde das Messing unter Verwendung von Galmei, Kupfer u. Holzkohle nach dem Galmeiverfahren hergestellt.

Der erste Kupferhof wurde 1575 von Leonhard Schleicher an der heutigen Burgstr. erbaut. Das Herrenhaus dieser Anlage, heute bekannt als ehemalige Adler Apotheke, war (neben der Burg) das erste aus Stein gebaute Haus in Stolberg.

Entsprechend der allgemeinen Unsicherheit u. Wirren, die zur Entstehungszeit der ersten Kupferhöfe außerhalb der befestigten Städte herrschten, wurden die Kupferhöfe in Stolberg ursprünglich als verteidigungsfähige, geschlossene Hofanlagen errichtet, die üblicherweise einen von Wohn- sowie Betriebsgebäuden u. Stallungen völlig umbauten Innenhof bildeten. Die Anlage war nur durch ein wohlbefestigtes Tor zugänglich. Während die Fenster ausschließlich dem Innenhof zugewandt waren, präsentierte sich ein Kupferhof nach außen hin als eine mit Schießscharten versehene Festung. *SCHLEICHER, K. (1974) Seite 24. SCHILD, I. u. HIRSCH, H. (1981) Seite 40 (Abbildungsbeispiel).

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Die nahezu unverändert gebliebene rückwärtige Fassade des Kupferhofes Rose lässt auch heute noch erkennen, wie abweisend sich das äußere Erscheinungsbild eines frühen Kupferhofes ursprünglich darstellte.
Foto: Axel Pfaff

Wehrhaftigkeit als unerlässlicher und konzeptioneller Aspekt bei der Planung und Errichtung von Kupferhöfen verlor im Laufe der Zeit mehr und mehr an Bedeutung. NAGEL J.G. (2000) Seite 167
Mit wachsendem Wohlstand u. steigendem Selbstbewusstsein bauten die Kupfermeister ihre Kupferhöfe zu stattlichen Anlagen aus, wobei das ursprüngliche Erscheinungsbild der typischen u. namengebenden Hofanlagen weitgehend verloren ging u. sich in Richtung einer Herrenhausarchitektur wandelte, die meist in landschaftstypischem Kalkstein ausgeführt wurde (siehe auch Grünenthal u. Rosental). *SCHLEICHER, K. (1974) Seite 25

Ein Kupferhof mittlerer Größe mit fünf Messingöfen, einer Galmeimühle und drei Mühlenbäume mit je drei Hämmern (Hammerwerk, Tiefmühle) beschäftigte etwa 40 Arbeitskräfte.

Während des 18. Jh. dürften im Stolberger Messinggewerbe zwischen 600 u. 1.200 bis 1.300 Arbeitskräfte beschäftigt gewesen sein. Für das Jahr 1726 sind 200 Messingöfen mit einer Produktionsleistung von insgesamt 60.000 Zentnern p.a. (3.000 Tonnen) belegt.

Insbesondere die attraktiven Wohntrakte einer Vielzahl von Kupferhöfen sind als Zeugen der damaligen wirtsch. Hochblüte des Messinggewerbes bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.

Die frühesten bildlichen Darstellungen von Gebäuden, die zu späterer Zeit als Kupferhöfe dienten, stammen aus den Jahren 1544 u. sind im Vichttalplan von Walschaple enthalten.

Obwohl Kupferhöfe geradezu charakteristisch für Stolberg sind, handelt es sich bei diesen frühneuzeitlichen Hofanlagen keineswegs um eine Ansammlung stereotyper Bauwerke. Eine Einzelanlage, die als „typischer Stolberger Kupferhof“ gelten kann, ist jedenfalls kaum zu benennen. Abhängig von der jeweiligen Zeitstellung ihrer Errichtung variieren die einzelnen Bauformen ganz erheblich.

Weitere Informationen zu den
Stolberger Kupferhöfen

Quellen: NAGEL J.G. (2000) Seite 167, SCHLEICHER, K. (1974) Seiten 24, 25.
SCHILD, I. u. HIRSCH, H. (1981) Seite 40


 

 

Kupferhöfe im Stolberger Raum (siehe auch Einträge unter den einzelnen Stichworten):

Gebäude der ehemaligen Adler Apotheke (Schleicher's Hof), Alte Krautlade, Alter Markt, Bernardshammer, Bierweide, Binsfeldhammer, Dollartshammer, Ellermühle, Enkerei, Feldmühle, Fingerhut, Frankental, Gedau, Grünenthal, Jan-Ravens-Mühle, Knautzenhof, Krautlade, Mommas Hof, Peltzerhof, Roderburgmühle, Rose, Rosental, Salzrumpf, Schart, Sonnental, Steinfeld, Stöck, Stürenhof, Unterster Hof, Velau, Vogelsang, Weide, Wuppermannshof.

Neben den eigentlichen Kupferhöfen gab es eine Vielzahl weiterer Betriebsstätten des Messing-Gewerbes, die allesamt die Wasserkraft der hiesigen Bäche nutzten u. demzufolge auch Kupfer- bzw. Messing-Mühlen genannt wurden. Die meisten dieser Anlagen wurden nur zeitweise zur Messingverarbeitung (Hammerwerke u./oder Drahtzüge) genutzt u. sind teilweise aus Getreidemühlen oder anderen Gewerken entstanden, u.a.:

Alter Hof, Atscher Mühle, Blankenberg, Bocksmühle, Buschmühle, Derichsberger Mühle, Elgermühle, Hamm, Haumühle, Nepomucenus-Mühle, Kuhklau.

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Kupferlegierungen: Legierungen des Grund- Metalls Kupfer mit Zinn (Bronze), mit Blei (Bleibronze) oder mit Zink (Messing).

Insbesondere in der Frühzeit hergestellte Kupferlegierungen wiesen neben dem Grundmetall Kupfer sowohl Zinn, Blei als auch Zink in wechselnden Mengenverhältnissen auf. In der Umgangssprache werden Kupferlegierungen (insbesondere auch von Archäologen) unabhängig von den darin enthaltenen Legierungsbestandteilen häufig als Bronzen bezeichnet. Obwohl eindeutig aus einer Messinglegierung bestehend, werden die Hemmoorer Eimer z.B. oft (fälschlicherweise) als Bronzegefäße bezeichnet.

Die für Stolberg mit Abstand wichtigste Kupferlegierung ist das hier in großem Maßstab hergestellte Messing gewesen. Seit der 2. Hälfte des 19. Jh. spielt in der Stolberger Metallindustrie auch das Neusilber, welches ebenfalls unter der Bezeichnung Alpaka bekannt wurde, eine gewisse Rolle.


 

 

Kupfermeister: (Eigentlich Messingmeister, siehe auch: gelbes Kupfer oder Kupfer aus lokalhistorischer Sicht.) Die Kupfermeister waren Messing-Fabrikanten, die ab etwa der Mitte des 15. Jh. (meist von Dinant kommend) in Aachen ansässig waren u. gegen Anfang des 17. Jh. nahezu gänzlich nach Stolberg abwanderten. Insbesondere im Stolberger Raum konnte sich das Messinggewerbe auf der Basis verschiedenster Standortfaktoren

zu einer Hochblüte entfalten (Messing - Herstellung).

Skizze
Übersicht Standortfaktoren
Skizze: F. Holtz

Im Gegensatz zu dem von den Batteurs in Dinant hergestellten Ziergerät (Dinanderien) bestand die Produktpalette der Kupfermeister (neben Plattenmessing und Arco zur Weiterverarbeitung) hauptsächlich aus Gerätschaften des täglichen Bedarfs (Tiefwaren).

Zunächst hatte sich die Freie u. Reichsstadt Aachen nach dem Niedergang Dinants zum europäischen Messingzentrum entwickelt. Die wohlhabenden Kupfermeister erlangten zunehmenden gesellschaftlichen Einfluss u. majorisierten zeitweise als protestantische Minderheit den Stadtrat des katholischen Aachens. Allerdings wurden die Kupfermeister in Aachen durch das Kupferambacht (Zunftzwänge) in ihren Möglichkeiten stark eingeengt, wobei die teilweise rigiden Reglementierungen ursächlich durch eine standortbedingte, natürlich vorgegebene Limitierung der Ressourcen im engen Aachen begründet waren.

In  diesem Zusammenhang ist bezeichnend, dass der erste Kupfermeister (Leonhard Schleicher) bereits in den frühen 1570er Jahren nach Stolberg kam, zu einer Zeit also, als der Einfluss der protestantischen Kupfermeister im Stadtrat noch dominant war. Der Entschluss, seinen Betrieb samt Wohnsitz nach Stolberg zu verlegen, dürfte somit vorwiegend (wenn nicht gar ausschließlich) unternehmensstrategische Gründe gehabt haben, und nicht (wie häufig behauptet) eine Folge von religiös motivierten Auseinandersetzungen gewesen sein. *EYLL, K. Van (1998) Seite 87

Im Zuge der Gegenreformation sahen sich die protestantischen Kupfermeister später allerdings auch gewissen Repressalien ausgesetzt. Diese jedoch scheinen weniger religiös motiviert gewesen zu sein, als dies häufig in der Literatur dargestellt wird. Das Verhalten beider Parteien lässt eher den Schluss zu, dass die katholische Seite den wachsenden Einfluss der Kupfermeister zu fürchten begann u. sich den privilegierten Zugriff auf knappe Ressourcen (insbesondere Wasserkraft, Kupferambacht) dauerhaft sichern wollte.

Die Tatsache, dass sich mit zunehmender Abwanderung der Kupfermeister auch auf katholischer Seite Bestrebungen durchsetzten, das Messinggewerbe mit seinen Kupfermeistern aus wirtsch. Gründen in Aachen zu halten, wäre bei einem fundamentalistisch geprägten, fanatisch ausgetragenen Religionskonflikt kaum nachvollziehbar. Eine Vielzahl der abgewanderten Kupfermeister wiederum unterhielt nach der Übersiedlung noch Handelshäuser u. Dependancen in Aachen, was ebenfalls nicht für einen Religionskrieg im klassischen Sinne spricht. Außerdem wurden die Kupfermeister in einem Gebiet ansässig, in welchem auch wieder katholische Institutionen, nämlich die Grafen von Jülich u. die Reichsabtei Kornelimünster Territorialrechte besaßen.

Im Gegensatz zu Aachen allerdings lagen in Stolberg insbesondere bezüglich der Wasserkraft Entwicklungspotentiale brach, deren Nutzung durch die Kupfermeister auch im wirtsch. Interesse der Landesherren lag. Die zur Nutzung der Wasserkraft erforderliche Weitläufigkeit des neuen Siedlungsgebietes, in welchem sich die Kupfermeister entlang der Bachläufe von Vicht, Inde u. Wehe ohne Zunftzwang niederlassen konnten, sowie die weiteren oben genannten Standortvorteile ermöglichten im Stolberger Raum eine Entwicklung, die im engen Aachen nicht denkbar gewesen wäre. Im 18. Jh. beherrschten die Kupfermeister nahezu konkurrenzlos u. monopolartig die Messingmärkte in ganz Europa.
NAGEL J.G. (2000) Seite 167

Der erste Kupfermeister, der die Standortvorteile des Vichttales erkannt hatte und von Aachen nach Stolberg umsiedelte, war Leonhard Schleicher. Er errichtete 1575 an der heutigen Burgstr. einen Kupferhof. Das Herrenhaus dieser Anlage, heute bekannt als ehemalige Adler Apotheke, war (neben der Burg) das erste aus Stein gebaute Haus in Stolberg.

Mit wachsendem Wohlstand u. steigendem Selbstbewusstsein bauten die Kupfermeister ihre Kupferhöfe zu stattlichen Anlagen aus, wobei das ursprünglich wehrhafte Erscheinungsbild der für Stolberg typischen Hofanlagen weitgehend verlorenging u. sich in Richtung einer Herrenhausarchitektur wandelte.
NAGEL J.G. (2000) Seite 167

Ausdruck dieses Selbstbewusstseins war auch das Führen von Familienwappen, die, neben den Mircken, über Generationen in allen Kupfermeisterfamilien gebräuchlich waren.

Mundartgedicht Kupfermeister

Zur Blütezeit der Stolberger Messingindustrie im 17. u. 18. Jh. waren in Stolberg ca. 40 Kupfermeister-Familien tätig.

Nachdem um die Mitte des 19. Jh. metallisches Zink in Reinform zur Verfügung stand, verlor Stolberg seinen wichtigsten Vorteil als Messingstandort (Messing - Herstellung). Der Not gehorchend arrangierten sich die Kupfermeister teilweise in anderen Wirtschaftszweigen (z.B. Glas- u. Textilindustrie). Andere wiederum, wie beispielsweise die Kupfermeisterfamilie Prym, spezialisierten sich auf die Massenproduktion von Kurzwaren.

Der technologische Umbruch in der Messingherstellung führte u.a. dazu, dass sich der Kupfermeister Matthias Leonhard Schleicher auf die Herstellung von Messsing-Halbzeug spezialisierte. Seinen Betrieb verlegte er von der Atsch zum Untersten Hof, wo er 1873 eine neue Produktionshalle errichtete, die als weltweit erstes, industriell betriebenes Messingwerk gilt.

Nicht ohne Stolz verweist der Schriftzug „Ältestes Messingwerk der Welt“, der über der Einfahrt zum Werk II der Stolberger Metallwerke (Eisenbahnstraße) angebracht war, auf die lange Tradition der industriellen Messingverarbeitung in Stolberg. Dieses Signet befindet sich heute an der südlichen Frontseite der alten, 1873 errichteten Produktionshalle und lässt gewisse Rückschlüsse auf das neue Selbstverständnis der Kupfermeister zu. 

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Foto: Privatarchiv Schleicher

Offenbar setzte man sich ganz bewusst vom alten Messinggewerbe traditioneller Prägung ab und betonte ganz explizit die Zugehörigkeit zur neu entstandenen, modernen Industriegesellschaft. Die neue Messingtechnologie, in welcher man elementares Zink statt Galmei einsetzte, wurde als Ursache für einen tiefgreifenden Strukturwandel empfunden, der das vorindustrielle Messinggewebe zum Bestandteil der lokalen Industrialisierung werden ließ.

(Siehe auch hier)

Quellen: EYLL, K. Van (1998) Seite 87, NAGEL J.G. (2000) Seite 167,
SCHLEICHER, K. (1974) Seite 35, SCHREIBER, K. und H. (2008): Seite 13


 

 

Kupfermeisterfamilien: Familiendynastien, die über Generationen als Kupfermeister im Stolberger Messing -Gewerbe tätig waren. Hierzu gehörten (siehe auch Einträge unter den einzelnen Stichworten):
Beck, Dollart, Hansen, Lynen, Mewis, Momma, Peltzer, Prym, Schardinel, Schleicher, von Asten, Wuppermann.

Einfluss, Wohlstand u. zunehmendes Selbstbewusstsein veranlassten die bürgerlichen Kupfermeister im Laufe der Entwicklung nicht nur höchst repräsentative Kupferhöfe zu errichten, sondern auch Familienwappen zu führen (siehe auch Allianzwappen).

Wappen oder Stichwort bitte anklicken
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Beck
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Hoesch
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Lynen
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Mewis
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Momma
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Peltzer
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Prym
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Schardinel
 
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Schleicher
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von Asten

In den Wappenschilden sind vorwiegend Symbolelemente dargestellt, die biblische bzw. religiöse Bezüge aufweisen. Besonders häufig spielt die Trinität (Zahl 3), welche auf die göttliche Dreifaltigkeit hinweisen soll, eine dominante Rolle. Besagte Trinität ist in den Wappen der Familien Beck, Hoesch, Peltzer, Schleicher und von Asten unverkennbar.

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Allianzwappen
Peltzer - Schleicher
Foto: F. Holtz

Beispielsweise verweisen die drei fallenden Blätter im Wappen der Kupfermeisterfamilie Peltzer u.a. auf die göttliche Dreifaltigkeit. Fernerhin beziehen sich die fallenden Blätter auf den Psalm 103, dessen Sinngehalt sich auch in einem alten Kirchenlied wiederfindet:

Er kennt das arm Gemächte,
und weiß, wir sind nur Staub.
Ein bald verwelkt Geschlechte,
ein Blum und fallend Laub.

Im Wappen der Kupfermeisterfamilie Schleicher sind im oberen Teil des Wappenschildes drei Hufeisen dargestellt. Diese drei Hufeisen deuten auf die Unvollkommenheit des irdischen Daseins hin. Das Pferd, mit dem der Kupfermeister sein Erz (Galmei) aus den Bergen holt, lahmt oft schmerzlich. Sein viertes Eisen ging ihm verloren. Aber die Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist, stehen helfend zur Seite. Mit anderen Worten: Die drei Hufeisen spannen den symbolischen Bogen zwischen der Mühsal auf Erden (lahmendes Pferd) und der himmlischen Verheißung (Dreifaltigkeit).

Ende der 1940er Jahre wurden in Stolberg allerdings noch zwei gänzlich andere Geschichten erzählt. Diese beiden Geschichten reflektieren die stark unterschiedlichen Auffassungen, die auch in der einschlägigen Literatur bezüglich der Migration und deren Hintergründe bzw. deren Auslöser ihren Ausdruck finden.

In der ersten Geschichte wurde behauptet, das vierte Hufeisen sei auf der Flucht von Aachen nach Stolberg verloren gegangen.

Die zweite Geschichte nahm offensichtlich Bezug auf den Umstand, dass die Kupfermeister auch nach dem Umzug von Aachen nach Stolberg häufig Dependancen (Filialen) in Aachen unterhielten. SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 83

Es wurde nämlich erzählt, das vierte Bein des Pferdes sei in Aachen verblieben.

Quellen SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 83


 

 

Kupfermeister-Friedhof: Unter altem Baumbestand liegt unmittelbar neben der Finkenbergkirche der stimmungsvolle, malerische Kupfermeisterfriedhof, auf dem die Kupfermeisterfamilien ab 1695 ihre Verstorbenen bestatteten.

Beeindruckend sind insbesondere die aus Blaustein gehauenen und wappengeschmückten Grabplatten, welche vermutlich aus dem ehemaligen Steinbruch Rotsch stammen und in den meisten Fällen das Allianzwappen der verstorbenen Kupfermeister-Ehepaare tragen. Nicht nur die schiere Größe der Grabplatten, sondern auch deren Gestaltung zeugen vom Selbstwertgefühl und der sozialen Stellung der wohlhabenden Kupfermeister. In diesem Zusammenhang ist auch bemerkenswert und vielsagend, dass die bürgerlichen Kupfermeister das traditionell nur in Adelskreisen übliche Privileg für sich in Anspruch nahmen, Familienwappen zu führen.

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Fotos: Video-Produktion Karl Irle

 

 

Kupfermühle: Betriebsstätte des Messing-Gewerbes (gelbes Kupfer, Mühlen), deren Gewerke (Hammerwerke, Drahtzüge) durch Wasserkraft angetrieben wurden.


 

 

Kupferschläger: (Eigentlich Messingschläger, siehe auch: gelbes Kupfer oder Kupfer aus lokalhistorischer Sicht.) Die Kupferschläger waren Handwerker u./oder Künstler, die Tiefwaren oder Ziergerät vorwiegend aus Messing austrieben.

In Dinant wurden die Kupferschläger Batteurs genannt u. waren mit den später in Aachen u. Stolberg ansässigen Kupfermeistern insofern zu vergleichen, als dass sie ihr Messing selbst herstellten u. zumeist einen hohen sozialen Status innehatten.

In Aachen jedoch wurde später das von den Kupfermeistern hergestellte Messing von den Kupferschlägern weiterverarbeitet. Während die Kupfermeister schon fast als Fabrikanten anzusehen waren, bildeten die Kupferschläger, die hier auch Kessler genannt wurden, eher handwerklich orientierte Betriebsformen.


 

 

Kupferstadt: Gebräuchlicher Name für die Stadt Stolberg. Der Ausdruck Kupferstadt leitet sich sehr viel weniger von dem Reinmetall Kupfer ab, als vielmehr von der früher in großem Maßstab hier hergestellten Kupferlegierung Messing, die damals auch gelbes Kupfer genannt wurde (siehe auch Kupfer aus lokalhistorischer Sicht bzw. Kupferstadt Stolberg.


 

 

Küpper, Nikolaus: WIRTHS, BACH & CO

 

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