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Indemulde


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idiomorph: Erscheinungsform von Mineralien, die bei der Auskristallisation ihre Eigengestalt entwickelt haben (Kristalle). Bei hinreichend großem Platzangebot (z.B. Auskristallisation in größeren Gesteinshohlräumen) u. insbesondere bei langsam ablaufenden Kristallisationsvorgängen haben die Moleküle sowohl hinreichend Zeit als auch genügend Platz, sich entsprechend der natürlich vorgegebenen Kristallgitterstruktur an bereits gebildete Kristalle anzulagern. Hierdurch wird die Form der mikroskopisch kleinen Kristallgittermaschen in makroskopischem Maßstab nachgebildet, wobei geometrische Formen (Kristalle) entstehen, deren Gestalt für den jeweils kristallisierenden Stoff typisch, häufig sogar kennzeichnend ist.

Größere, idiomorphe Kristalle werden in Stolberg insbesondere von Kalkspat u. Bleiglanz gebildet.


 

 

Imprägnation: diffuse Verteilung von infiltrierten Stoffen (oft Erzen) im Gestein.


 

 

Imprägnationszone: Bereich, in dem Imprägnation vorliegt. Bei der Stolberger Schalenblende hat sich am Übergang zum Nebengestein häufig eine wenige mm mächtige Imprägnationszone von infiltierten Erzen gebildet.


 

 

Indemulde: Vom Unterlauf der Inde durchflossene Mulde im Bereich Atsch, Eschweiler, Weisweiler, die in ihrem Untergrund Steinkohle-Flöze enthält, welche teilweise an der Tagesoberfläche anstehen bzw. anstanden (Ausbiss). Die Indemulde war weitestgehend identisch mit dem Inderevier.

Die Indemulde wird im Norden durch den Aachener Devon- Sattel begrenzt, an dem sich die ebenfalls kohleführende Wurmmulde (Wurmrevier) anschließt. Im Süden wird die Grenze von den Ausläufern des Eifelgebirges gebildet.

Zur Karbonzeit (Oberkarbon, Westphal A) konnte sich im Muldengrund eine ausgedehnte Sumpfvegetation entwickeln, die im Laufe der Jahrmillionen häufig überschwemmt u. von Sedimentations-Massen überdeckt wurde. Nach dem Rückzug des Wassers kam es auf den frisch angeschwemmten Sedimentationsdecken erneut zu üppiger Vegetationsbildung, bis der nächste Überflutungsschub auch diese wieder abdeckte. Die Überschwemmungen wurden hervorgerufen durch von Osten her sporadisch vordringendes Meerwasser (Transgression). Die vom Vennmassiv zulaufenden Fließgewässer lieferten mit ihren Schutt- u. Geröllmassen zusätzliches Sedimentationsmaterial.

Der Wechsel von Vegetationsbildung u. Überdeckung trat in einer Vielzahl von zyklisch alternierenden Transgressionen u. Regressionen auf, so dass sich eine Abfolge von eingebetteten Schichten mit organischem Inhalt bildete. Im Laufe der Zeit wurden diese Schichten durch weitere Überlagerung stark verdichtet u. verfestigt, so dass Steinkohle-Flöze entstanden. Durch spätere Erosion des Deckgebirges wurden die eingelagerten Steinkohle-Flöze teilweise wieder angeschnitten u. traten somit an der Tagesoberfläche aus.

Entsprechend des Verlaufes der früheren Territorialgrenzen wurde die Indemulde in Eschweiler Kohlberg u. Münsterkohlberg unterteilt. Während der südwestlich gelegene Münsterkohlberg zur Reichsabtei Kornelimünster gehörte, lag der Eschweiler Kohlberg (nordöstlicher Teil) im Herrschaftsgebiet der Grafen von Jülich.

Die jüngsten Schichtglieder innerhalb der kohleführenden Gesteinslagen befinden sich im Muldenkern u. gehörten zu den Binnenwerken des Eschweiler Kohlbergs. Hieran schlossen sich die sogenannten Breitgangschichten sowie die Außenwerke des Eschweiler Kohlbergs und weiter nach Südwesten der Münsterkohlberg an, wobei in beiden letzteren fast identische stratigraphische (Stratigraphie) Verhältnisse vorlagen.mmmm

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Quellen: KOHLHAAS, A. (1965) Seiten 8-10


 

 

Inderevier: Frühere Bergbauregion (Steinkohle) im Bereich der Indemulde. Zum Inderevier gehörten hauptsächlich der Eschweiler Kohlberg, der Münsterkohlberg u. der Weisweiler Kohlberg.


 

 

Industrialisierung:Umgestaltung des Abbaus sowie der Förderung von Bodenschätzen u. der Produktion von Wirtschaftsgütern auf mechanisierte Methoden u. Großserienfertigung in meist als Kapitalgesellschaften angelegten Großbetrieben.

Die ursprünglich in England entstandene und auf Kontinentaleuropa übergreifende Industrialisierung erreichte im zweiten Viertel des 19. Jh. auch den Großraum Aachen, Stolberg, Eschweiler. Mit dem Abbau von Steinkohle und Erzen sowie einer Vielzahl von Glas- und Metallhütten (Eisen, Blei, Zink) entstand in diesem Gebiet eine Industrielandschaft, die als erstes und ältestes, zusammenhängendes Industrierevier Deutschlands gelten kann  *KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 13. Ausschlaggebende Grundlage für diese Entwicklung waren lokale, bauwürdige Lagerstätten, die einen Abbau von Zink-, Blei- u. Eisenerzen sowie Steinkohle erlaubten.

Während der französischen Besetzung (ab 1794) wurden die traditionellen Herrschafts-, Territorial- und Verwaltungsstrukturen durch den Code Civil abgelöst, der ein im heutigen Sinne modernes Gesellschafts- und Wirtschaftsleben ermöglichte. Zunächst waren um die Wende vom 18. zum 19. Jh. die Abbaurechte zu Groß-Konzessionen zusammengelegt worden, was einen großtechn. Abbau erst lohnenswert machte.

Durch die wirtsch. sehr erfolgreich gewesenen Kupfermeister, deren Gewerbe durch den technologischen Wandel in der Messing - Herstellung zu Ende ging, standen in der Region erhebliche freie Kapitalmengen zur Investition in neue Wirtschaftszweige zur Verfügung, welche auf Grund der positiven Gesamtentwicklung durch ausländisches Kapital ergänzt wurden.

Die Verfügbarkeit von Dampfmaschine u. Steinkohle erlaubte einen Tiefenausbau der Bergwerke u. ließ auf der Basis neuer Verhüttungs-Methoden (Zinkdestillation) eine Zinkhüttenindustrie entstehen, die sich zur Deckung ihres Energiebedarfes im Bereich der Kohlefelder (Münsterbusch, Atsch, Birkengang) ansiedelte.
RÜBMANN, A. (1925) Seite 12

Ebenfalls begünstigt durch die Verfügbarkeit von Kohle entstanden im gleichen Bereich auch Glashütten, welche die Quarzsandvorkommen in der Gegend von Atsch u. Atscher Wald als Rohstoffbasis nutzten.

Die beim Rösten von sulfidischen Erzen anfallende Schwefelsäure wurde, zusammen mit dem ebenfalls lokal verfügbaren Kalkstein, zur Herstellung von Soda verwendet (Waldmeisterhütte, Rhenania). Die Soda wiederum war wichtiger Grund- bzw. Zuschlagstoff für die Glas-, Seifen- u. Waschmittelindustrie, sowie für die Bleichereien des Textilgewerbes.

Als die heimische Kohle knapp u. teuer wurde, sorgte die Eisenbahn, deren Streckenführung in unmittelbarer Nähe des Industriegebietes verlief, für eine Anbindung an auswärtige Abbaugebiete (u.a. auch an das nahe gelegene Wurmrevier).

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Quellen: KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 13, RÜBMANN, A. (1925) Seite 12


 

 

Infiltration: Der Vorgang des Eindringens oder Einsickerns von flüssigen oder gasförmigen Substanzen in Gesteine. Bei der Bildung der Stolberger Schalenblende sind durch Infiltration Imprägnationszonen entstanden.


 

 

Inkohlung: Umbildungsprozess pflanzlicher Stoffe zu den verschiedenen Kohlearten. Innerhalb dieses Prozesses findet eine relative Anreicherung des Kohlenstoffes statt. Die Abfolge der unterschiedlichen Anreicherungsstufen wird Inkohlungsreihe genannt, wobei die entsprechenden Umwandlungsprodukte durch ihren Kohlenstoffgehalt (Klammerwerte in %) gekennzeichnet sind: Torf (55-64), Braunkohle (60-75), Steinkohle (78-90), Graphit (100).

Der Vorgang der Inkohlung wird zunächst eingeleitet durch biochemische Vorgänge, die eine Umwandlung bis zum Weichbraunkohlestadium bewirken können. Weitere Steigerungen des Inkohlungsgrades können nur durch geochemische Prozesse erfolgen, die sich bei Überlagerungen entsprechender Mächtigkeiten durch eine Erhöhung der Druck- u. Temperaturbedingungen ergeben.


 

 

Iserrecker: Arbeiter auf einem Reitwerk, die das Ausschmieden der Luppe besorgten (Frühschmiede).

 

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