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Blei: blaugraues, weiches Schwermetall mit vergleichsweise u. sprichwörtlich hohem spez. Gewicht. Blei ist ein chemisches Element, Formelzeichen Pb (lat. Plumbum). An der Luft bildet Blei sehr schnell eine mausgraue dichte Oxidationshaut, wodurch sich eine gewisse Beständigkeit dieses Materials ergibt. Das Schwermetall Blei wirkt insbesondere in Form seiner Verbindungen stark giftig.

Das wichtigste Bleierz ist der Bleiglanz, der nach dem Rösten (Überführung nach Bleioxid) früher in Schachtöfen zu Werkblei reduziert wurde (Reduktion, Bleiverhüttung).

Blei ist nach heutigem Erkenntnisstand das erste Metall, das der Mensch bereits zwischen 7000 und 9000 v.Chr. aus Erzen ausgeschmolzen hat. Zunächst diente Blei der Herstellung von Schmuck, Münzen u. Gegenständen des täglichen Bedarfs.

Im antiken Rom entwickelte sich der Werkstoff Blei zu einem Massenprodukt u. fand zur Herstellung von Wasserleitungsrohren Verwendung. Aus Blei getriebene Bleche wurden zur Auskleidung von Bädern u. zum Beschlagen von Schiffswänden benutzt. Ebenfalls setzte man Blei zur Befestigung von Mauerankern ein.

Im Mittelalter fand Blei bei der Herstellung von Kirchenfenstern (Stege) sowie als Abdeckung von Gebäuden Verwendung. Nach der Erfindung des Schießpulvers um 1320 diente Blei sehr bald zur Herstellung von Munition. Als um 1450 die Buchdruckerkunst Bleilettern einzusetzen begann, ergab sich wiederum ein neues Anwendungsgebiet für den Werkstoff Blei.

Im ausgehenden Mittelalter führte der wachsende Bedarf an Münzsilber zur Entwicklung des Seigerhüttenprozesses, mit dessen Hilfe man durch Zusatz von Blei den Silbergehalt aus Rohkupfer extrahieren konnte (Scheibenreißer).

Blei findet heute in großen Mengen als Material für Kabelummantelungen (biegsam, korrosionsbeständig), im Strahlenschutz (Abschirmung von Röntgen- u. Neutronenstrahlung), als Gefäßmaterial für aggressive Flüssigkeiten (z.B. Schwefelsäure, Salzsäure) u. als Akkumulatorplatten Verwendung.

In Stolberg gab es neben einer Vielzahl von kleineren Bleischmelzen zwei größere Bleihütten (Binsfeldhammer, Münsterbusch), die ursprünglich ihre Bleierze aus den hiesigen Lagerstätten bezogen. Die Bleihütte Binsfeldhammer ist bis auf den heutigen Tag in Betrieb u. arbeitet mittlerweile nach modernsten Verhüttungsverfahren (QSL- Verfahren).

Das in der Hütte Binsfeldhammer hergestellte Hütten-Weich-Blei trug bis 1960 den Handelsnamen ESCHWEILER RAFFINÉ. Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese Hütte zeitweise der ESCHWEILER GESELLSCHAFT gehörte. Seit 1.1.1961 wird als Handelszeichen der Schriftzug STOLBERG verwendet.


 

 

Bleibtreu: Unterster Hof


 

 

Bleierze: Die wichtigsten Bleierze, die im Stolberger Raum abgebaut u. verhüttet wurden (Reduktion), waren Bleiglanz (Galenit) u. Weißbleierz (Cerrusit), wobei letzteres eine nur untergeordnete Bedeutung hatte.


 

 

Bleiglanz (Galenit): Kubisches Kristallsystem, PbS Bleisulfid. Bleiglanz ist weltweit u. war auch in Stolberg wichtigstes Bleierz. Bleiglanz ist ein Primärerz u. kam in Stolberg in Form idiomorpher Kristalle (Hexaeder, Oktaeder), als derbe Gang-Füllungen u. als Bestandteil der Schalenblende vor. Wie alle sulfidischen Erze musste der Bleiglanz vor der Verhüttung geröstet (Rösten) werden. Reiner Bleiglanz weist einen Bleigehalt von 86.6% auf.

Hauptsächlich im Gebiet des Altenberges kam Bleiglanz auch in Form der Strickblende vor.

Bei der Kristallisation konnten Bleiatome in der Kristall-Gitterstruktur des Bleiglanzes durch Silberatome ersetzt (substituiert) werden. Daher weist Bleiglanz häufig einen gewissen Silber-Gehalt auf. Dieser lag in Stolberg zwischen ca. 100 u. 1300 Gramm Silber pro Tonne Bleiglanz. GUSSONE, R. (1964) Seiten 99-107

Rohblei
Silberperle
Silberperle
Silberperle (Mitte u. rechts),
gewonnen aus einer Werkbleiprobe (links).
Sammlung u. Fotos: F. Holtz

QuellenGUSSONE, R. (1964) Seiten 99-107


 

 

Bleigrube: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg


 

 

Bleigrubengang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg.
Erzführung: hauptsächlich Bleiglanz.


 

 

Bleigrubenstockwerk: Stockwerkartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg, Erzführung: stark silberhaltiger Bleiglanz. Das Bleigrubenstockwerk wurde durch Gangerweiterungen des Bleigrubenganges gebildet.


 

 

Bleihütte: Röst- u. Schachtofen-Anlage zur Verhüttung von Bleierzen. (Blei, Bleiverhüttung)

In Stolberg gab es neben einer Vielzahl von kleineren vorindustriellen Bleischmelzen die beiden größeren Bleihütten Binsfeldhammer u. Münsterbusch, die ursprünglich ihre Bleierze aus den hiesigen Lagerstätten bezogen. Die Bleihütte Binsfeldhammer ist bis auf den heutigen Tag in Betrieb u. arbeitet mittlerweile nach modernsten Verhüttungsverfahren (QSL- Verfahren).


 

 

Bleihütte Binsfeldhammer: 1846 von einer franz. Interessengruppe gegründete Bleihütte, die 1848 von der ESCHWEILER GESELLSCHAFT übernommen wurde u. 1926 nach Fusion in den Besitz der STOLBERGER GESELLSCHAFT überging. Ursprünglich bezog die Bleihütte Binsfeldhammer ihre Bleierze aus den hiesigen Erzlagerstätten, verarbeitet heute jedoch ausschließlich auswärtige Erze.

Binsfeldhammer
Ehemaliger
Kupferhof
Binsfeldhammer
Berzelius
um 1900
Berzelius
um 1960
Berzelius
um 1970
Berzelius
um 1980
Berzelius
nach 2005
Bleihütte Binsfeldhammer,
Fotos: Berzelius Stolberg.

Die Bleihütte Binsfeldhammer wurde 1970 der BERZELIUS METALLHÜTTENGESELLSCHAFT DUISBURG angegliedert u. trägt seither den Namen (BERZELIUS HÜTTE). Über BERZELIUS u. ab 1990 über die RHEINISCHE ZINKGESELLSCHAFT gehörte die Bleihütte Binsfeldhammer zur METALLGESELLSCHAFT FRANKFURT, bis sie 1995 in den Besitz der amerikanischen Gesellschaft QUEXCO (heute ECO-BAT TECHNOLOGIES) gelangte.

Bis 1990 wurde die Bleihütte Binsfeldhammer als Schachtofen-Anlage mit einer 1956 von der LURGI erbauten Sinterröstung u. mit zwei Schachtöfen der Baujahre 1955 u. 1970 betrieben. Die maximale Leistung betrug 400 t Werkblei pro Tag.

Eine über lange Zeit in Gebrauch gewesene Filteranlage wurde auf Grund der bei der Filterreinigung entstehenden hallenden Schläge im Volksmund Klopphengst genannt.

Seit 1990 findet in der Bleihütte Binsfeldhammer das QSL- Verfahren Anwendung, welches nicht nur wirtsch., sondern vor allem auch umweltverträglicher arbeitet. Vor dem Hintergrund eines allgemein wachsenden Umweltbewusstseins war eine Reduzierung der Schadstoffemissionen von hoher Wichtigkeit, da sich das Unternehmen auf Grund der Schwermetall- u. Schwefeldioxid- Emission seit Mitte der 60er Jahre zunehmender Kritik ausgesetzt sah (Schwermetallbelastung).

Die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer stellt heute neben 120 000 bis 150 000 Tonnen Blei sowie ca. 130.000 Tonnen Schwefelsäure auch etwa 750 Tonnen Silber pro Jahr her, in welchem etwa 5 Tonnen Gold enthalten sind.

Die Schwefelsäure findet in der Kunststoff- und Düngemittelindustrie Verwendung und die Bleihütte liefert somit neben Blei und Edelmetallen u.a. auch einen bedeutenden Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung. 

Das in der Bleihütte Binsfeldhammer hergestellte Hütten-Weich-Blei trug bis 1960 den Handelsnamen ESCHWEILER RAFFINÉ. Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese Hütte ursprünglich der ESCHWEILER GESELLSCHAFT gehörte. Seit 1.1.1961 wird als Handelszeichen der Schriftzug STOLBERG verwendet.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 49, 50


 

 

Bleihütte Luzilia: von der ALLIANZ betriebene Bleihütte im Grubenfeld Büsbacherberg- Brockenberg.


 

 

Bleihütte Münsterbusch: 1846 von der AKT. GES. ZU BLEYBERG ES MONTZEN gegründete Bleihütte, die 1848 von der STOLBERGER GESELLSCHAFT übernommen wurde u. bis 1916 in Betrieb war. Stolberger Zink, (1960), Seite 5

Ihr Standort befand sich am heutigen Schellerweg, gegenüber dem Zinkhütter Hof. Da bei der Verhüttung von Blei als Nebenprodukt auch Silber anfiel (Bleiglanz), trug die Bleihütte Münsterbusch offiziell den Namen Blei- u. Silberhütte.

Die Jahresproduktion der Hütte betrug im Mittel 12 000 Tonnen Blei und 25 Tonnen Silber.

Münsterbusch
Links: Reste der alten Bleihütte Münsterbusch, Rechts: Zinkhütte Münsterbusch

Bleihütte Münsterbusch
Reste der Bleihütte Münsterbusch um 1920


Rechts: Schellerweg mit Bleihütte Münsterbusch

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 48, 49, KLASS von, G. (1957) Seite 152,
Stolberger Zink, (1960), Seite 5


 

 

Bleikammeranlage: Anlage zur Gewinnung von Schwefelsäure aus dem beim Rösten sulfidischer Erze entstehenden Schwefeldioxid. Die einzelnen Anlagenkomponenten waren wegen der starken Aggressivität der Schwefelsäure mit Bleiblech ausgekleidet, was für diesen Anlagetyp namengebend gewesen ist.

Bleikammeranlagen wurden in Stolberg in unmittelbarer Nähe der Rösthütten hauptsächlich von der Rhenania, in Einzelfällen jedoch auch von den Blei- u. Zinkhütten betrieben.

Bleikammer
Skizze: F. Holtz,
nach OSTEROTH, D. (1985)
Seite 35

Eine Bleikammeranlage bestand aus drei oder mehr Bleikammern, einem vorgeschalteten Glover-Turm u. einem nachgeschalteten Gay-Lussac-Turm. Durch die Kombination dieser Anlagenkomponenten konnten auch hochgiftige Restgase wie Stickoxide u. Schwefeltrioxid ausgewaschen werden, wobei die Stickoxide beim Umsatz des Schwefeldioxids in den Bleikammern als Katalysator wirkten.

Im Glover-Turm trafen die heißen Röstgase im Gegenstrom auf kalte, herabrieselnde Nitrose-Säure (Schwefelsäure, die Stickoxide enthielt). Aus dieser Schwefelsäure konnten dabei die Stickoxide als nitrose Gase entweichen u. wurden alsdann zusammen mit den Röstgasen in die nachgeschalteten Bleikammern geleitet. Die heißen Röstgase bewirkten außerdem durch Verdampfen von Wasser ein Aufkonzentrieren der von Stickoxiden gereinigten Schwefelsäure auf etwa 80% (Glover-Säure).

In den Bleikammern wurden die Röstgase durch die katalytisch wirkenden Stickoxide nach der Zugabe von eingesprühtem Wasser zur sogenannten Kammersäure (ca. 60%-ige Schwefelsäure) aufoxidiert.

Ein Teil der Glover-Säure wurde dem Gay-Lussac-Turm zugeführt u. hier dazu benutzt, alle Stickoxide aus dem Abgas auszuwaschen. Hierbei handelte es sich einerseits um die Stickoxide, die im Glover-Turm freigesetzt worden waren u. andererseits auch um die Stickoxide, die im nachströmenden Röstgas enthalten waren. Die so gebildete nitrose Säure wurde dann wiederum dem Glover-Turm im Kreislauf zugeleitet.

Gay-Lussac-Turm
Gay-Lussac-Turm der Bleihütte Binsfeldhammer

Quellen: OSTEROTH, D. (1985) Seite 34-35


 

 

Bleikinder: Stolberger Bleikinder


 

 

Bleivergiftung: Vergiftung durch metallisches Blei oder Bleiverbindungen, die über die Nahrung oder durch Inhalation aufgenommen werden können.

Bei akuter Bleivergiftung treten Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie heftige Bauchschmerzen auf.

Vom Körper aufgenommenes Blei kann kaum abgebaut werden u. akkumuliert insbesondere in den Knochen als Substitution (Ersatz, Austausch) von Kalzium. Bei entsprechender Exposition kommt es zu chronischer Bleivergiftung mit Schädigung des Nervensystems (Fallhand als typisches Symptom), Beeinträchtigungen der Blutbildung und Nierenschäden (Siehe auch Stolberger Bleikinder).

Besonders heimtückisch ist das Bleiacetat, eine Bleiverbindung, die über Jahrhunderte zum Aufsüßen von Wein Verwendung fand u. zu chronischer Bleivergiftung führte.


  

 

Bleiverhüttung: Die Gewinnung von Blei kann auf der Basis sulfidischer oder anderer Erz-Typen (Bleierze) erfolgen, wobei der Bleiglanz die bei weitem bedeutendste Rolle spielt. Auf Grund der häufig vorkommenden Blei- Zinkerz- Paragenese kommen 70 % der Weltbleierzförderung aus Erzlagerstätten, aus welchen sowohl Blei- als auch Zinkerze gefördert werden. Dies gilt bzw. galt auch für die Stolberger Lagerstätten (Schalenblende).

Die Bleiverhüttung erfolgte früher mittels Schachtöfen, die heute (wie auch in Stolberg) zunehmend durch das QSL- Verfahren abgelöst werden. Bevor der Bleiglanz zur Reduktion in den Schachtofen gegeben werden konnte, mussten die Schwefelbestandteile durch Rösten ausgetrieben werden. Das Hierbei als Röstgas freiwerdende Schwefeldioxid stellte in früherer Zeit ein ernstes Umweltproblem dar, bis es gelang, die Röstgase aufzufangen u. zur Herstellung von Schwefelsäure zu nutzen (Bleikammeranlage).

Insbesondere bei der Verwendung von fein- bis feinstkörnigem Flotationsmaterial (Aufbereitung) war das Sintern, welches ein grobstückiges Röstgut lieferte, von großer Bedeutung. Im Schachtofen nämlich gewährte dessen Schüttung den aufsteigenden Gasen freien Durchlass.

Der Reduktionsprozess lief im Schachtofen ab, der schichtweise mit Röstgut (Sinter) u. Koks beschickt wurde. Die in den Unterofen eingeblasene Luft (Sauerstoffzufuhr) sorgte für Verbrennungstemperaturen von ca. 1250 °C. Die aufsteigenden heißen Reduktionsgase bewirkten ein Aufschmelzen des kontinuierlich nachsackenden Beschickgutes. Im oberen Teil des Ofenschachtes erfolgte bei niedrigeren Temperaturen die eigentliche Reduktion des Röstgutes (Bleioxid) zu metallischem Blei.

Die im Erzkonzentrat noch enthaltenen Restbestandteile von Gangart wurden ebenfalls erschmolzen u. bildeten flüssige Schlacke, die auf Grund ihres geringeren spezifischen Gewichtes auf dem flüssigen Blei aufschwamm, welches sich im unteren Teil des Schachtofens ansammelte. Die flüssige Schlacke konnte durch ein in entsprechender Höhe angebrachtes Stichloch abgezogen werden.

Bei der Bleiverhüttung mittels Schachtöfen fiel ein staubbeladenes Abgas an, welches erst nach intensiver u. aufwendiger Reinigung dem Kamin zugeführt werden konnte (Klopphengst). Trotz aller Bemühungen ließen sich relativ hohe Emissionen von Schwermetallen (Schwermetallbelastung) nicht vermeiden.

Gegenwärtig findet bei der Bleiverhüttung zunehmend das wesentlich umweltverträglichere QSL- Verfahren Anwendung, welches seit 1990 auch in der Bleihütte Binsfeldhammer im Einsatz ist.


 

 

Blende: Zinkblende


 

 

Blendeverhüttung: Verhüttung von Zinkblende (Rösten, Zinkreduktionsofen).


 

 

Blicksilber: Dokimastik


 

 

Blindschacht: Schacht


 

 

Blum, Erasmus: Lutheranischer Pfarrer, der maßgeblich am Bau der Vogelsangkirche beteiligt war.


 

 

Blumeschacht: 358 m tiefer Wasserhaltungsschacht der Erzgrube Diepenlinchen. Er besaß Bolzenschrotzimmerung u. bis zu einer Teufe von 196 m einen Querschnitt von 2.5 x 3.8 m, darunter 3.3 x 4.3 m. Zur Lösung der gehobenen Grubenwässer war ein ca. 2 km langer, leicht geneigter Verbindungsstollen zwischen der Vichttalsohle u. dem Blumeschacht angelegt. Dieser Stollen traf bei entsprechender Teufe auf den Blumeschacht u. ließ das Wasser durch natürliches Gefälle in den Vichtbach abfließen. Der Schacht ist benannt nach dem Grubendirektor Blume). PLUM, H. (1937) Seite 36

Quellen: DUNKEL, F. (1989) Kapitel 5, PLUM, H. (1937) Seite 36


 

 

Blutstein: Hämatit


 

 

Bobine: bergm. Ausdruck für eine Rolle (Spule), über welche das bei der Schacht-Förderung verwendete Seil auf- bzw. abgewickelt wird.


 

 

Bocksmühle: Im oberen Indetal gelegene Mühle, die 1646 als Besitz der Abtei Kornelimünster erstmalig Erwähnung fand. Damals wurde die Bocksmühle als Tiefmühle zur Kesselherstellung genutzt, während man sie 1690 als Drahtzug ausgewiesen hatte.

Ab 1810 befand sich dort eine Spinnerei mit Wollwäscherei, die von Johannes Josef Frohn und seinem Schwiegersohn Josef Havenith betrieben wurde. Der untere und mittlere Teil des Gebäudekomplexes wurde 1894 von dem Brander Textilunternehmer Cornel Meurer gekauft, modernisiert und als Spinnerei weiter betrieben. 1906 wurde die Anlage mit der fast neuwertigen Maschinenausrüstung durch einen Brand vernichtet.

Der obere Teil der Bocksmühle wurde im 19. Jh. von der Aachener Tuchmacherfamilie Degive erworben.

Ab 1954 wurden große Teile der Bocksmühle für viele Jahre als Ökonomie (landwirtschaftlicher Betrieb) vom Stolberger Krankenhaus genutzt.

QuellenDODT, G.: Der historische Wanderweg von Atsch bis Elgermühle


 

 

Böden: Runde Blech-Rohlinge zur Herstellung von Tiefwaren. Die Böden wurden in der Latschmühle aus geschnittenem Plattenmessing durch Hämmern ausgetrieben.

Als man das gegossene Messing später zu Blech auswalzen u. Tiefwaren mittels Drücken herstellen konnte, wurden die kreisförmig zugeschnittenen Blechrohlinge Ronden genannt.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1974) Seite 52


 

 

Bogg: veralteter Ausdruck für Hammerstock.


 

 

Boudouard-Gleichgewicht: (benannt nach Octave Leopold Boudouard, 1872–1923) beschreibt die Mengenrelation zwischen Kohlendioxid (CO2) und Kohlenmonoxid (CO), das sich bei der Umsetzung von glühendem Kohlenstoff einstellt.

Bei steigender Temperatur nimmt der CO-Gehalt stetig zu und nähert sich asymptotisch dem Grenzwert von 100%. Analog dazu nimmt der CO2-Gehalt stetig ab und strebt bei entsprechend hohen Temperaturen gegen null (siehe Diagramm).

Da bei der Reduktion von Erzen hohe CO-Gehalte erforderlich sind, müssen die Verhüttungs- Temperaturen entsprechend hoch sein und liegen teilweise (wie beim Zink beispielsweise) deutlich oberhalb der Siedetemperatur des zu verhüttenden Metalls. Hieraus ergibt sich auch eine Erklärung für den Umstand, dass bei der Verhüttung von Zinkerzen bzw. bei der Herstellung von Messing das Zink zunächst in dampfförmigem Zustand frei wird.

Weitere Einzelheiten zur Chemie des Messingbrennens

 

 

Brachiopoden: Weichtierähnliche, schalentragende, muschelartige Tierart aus der Familie der Armfüßler. Charakteristisch für die Brachiopoden sind zwei fleischige Kieferarme, die häufig durch kalkige Bildungen (Armgerüst) gestützt sind.

In Stolberg kommen fossile Brachiopoden im Kalkstein vor, wobei insbesondere die Unterart der Speriferen (spiralförmig eingerollte Kieferarme) in den devonischen Kalken auftreten.

Devonische Brachiopoden
aus den Stolberger Kalksteinzügen:
Brachiopoden
Brachiopoden-
schalen auf Kalkstein:
Brachiopoden
Brachiopode im Muttergestein:
Brachiopode
Brachiopode
Sammlung und Fotos: F. Holtz

 

 

Brändgen: Erzgrube im Bereich Burgholz, die zu vorindustrieller Zeit in Pingen- bzw. Packenbauweise betrieben wurde.


 

 

Branntkalk: Kalk


 

 

Brauneisenstein: Limonit


 

 

Brauner Glaskopf: Limonit


 

 

Bredt, Jakob: Regierungsrat u. Unternehmer, der um die Mitte des 19. Jh, insbesondere im Stolberger Raum vielfältige Wirtschaftsaktivitäten betrieb. Um 1845 vertrat Bredt als Bevollmächtigter die Interessen des Grubeneigners (Johann Jakob Langen aus Köln) an der Erzgrube Zufriedenheit. Ab 1846 war Bredt Hauptanteilseigner der Albertsgrube u. übernahm 1847 die Grube Zufriedenheit. Im gleichen Jahr gründete er als Hauptbeteiligter die KOMMANDITGESELLSCHAFT BREDT & CO., aus welcher 1851 die ALLIANZ hervorging.

Quellen: RÜBMANN, A. (1925) Seite 17


 

 

Breinig: Seit 1972 zu Stolberg gehörender Stadtteil römischen Ursprungs, der am westl. Rand des Stadtgebietes direkt an einer alten Römerstraße liegt, die von Nordfrankreich (Gallien) nach Köln führte. Der Ortsname ist von der römischen Urform Britaniacum abgeleitet.

Im Bereich der gesamten Ortslage kommen karbonische bzw. devonische Kalksteinzüge vor, welche die Grundlage für intensiven Steinbruchbetrieb bildeten (z.B. Schomet). Diese Steinbrüche lieferten u.a. den Blaustein, der als landschaftstypisches Baumaterial Verwendung fand u. insbesondere im Bereich des modellhaft erhalten gebliebenen Straßenzuges Alt-Breinig das Ortsbild dominiert.

Breinig
Foto: F. Holtz

Hauptsächlich im Bereich des Breinigerbergs waren die Kalkzüge in reichem Maße vererzt. Insbesondere die Zinkerze des Galmei-Types wurden bereits von den Römern (römisches Messing) u. in späterer Zeit für die Kupfermeister abgebaut. 1923 grub der Aachener Archäologe M. Schmidt-Burgk im Ortsteil Breinigerberg eine römische Bergarbeitersiedlung aus.

Um die Mitte des 19. Jh. erreichte der Bergbau in Breinig großtechn. Dimensionen. Bedingt durch den Tiefenausbau der Gruben wurden in dieser Zeit in zunehmenden Maße Primärerze gefördert.

Eine ebenfalls bedeutende Rolle spielte der Eisenerzabbau der Grube Cornelia.

Ein deutlicher Hinweis auf die alte Bergbautradition dokumentiert sich in der Wahl der Schutzpatronin der Pfarrkirche, die der heiligen Barbara geweiht ist.

Breinig
Foto: F. Holtz

 

 

Breinigerberg: Die nach Diepenlinchen größte u. ergiebigste Erzgrube im Stolberger Raum, welche hauptsächlich auf Zinkerz u. Bleierz baute. Im Bereich des gleichen Erzfeldes gab es bereits während der Römerzeit (insbesondere im 2. u. 3. Jh.) einen für die damaligen Verhältnisse bedeutenden Erzbergbau (römisches Messing). Zur Zeit der Kupfermeister (16. - 19. Jh) wurde durch den Betrieb von Kleinbergbau hauptsächlich Galmei eingewonnen (Erzabbauepochen). GUSSONE, R. (1964) Seite 38

Die Groß-Konzession Breinigerberg entstand im zweiten Viertel des 19. Jh. durch Zusammenlegung von stark zersplittertem Grubenbesitz. Das Grubenfeld lag beidseits der von Nachtigällchen zum dem Ort Breinigerberg führenden Straße, wobei der Hauptteil des Feldes süd-östlich eben dieser Straße lag. Zu Anfang des Großbetriebes gehörte die Grube mehreren Anteilseignern, darunter dem ESCHWEILER BERGWERKSVEREIN (bzw. später ESCHWEILER GESELLSCHAFT), die METALLURGISCHE GESELLSCHAFT (später STOLBERGER GESELLSCHAFT) u. die ALLIANZ.

1853 wurde eine für die damalige Zeit recht aufwendige Aufbereitungs-Anlage errichtet. Nach Auflösung der ALLIANZ gelangte die Grube Breinigerberg 1856 gänzlich in den Besitz der ESCHWEILER GESELLSCHAFT.

Breinigerberg
Erzgrube Breinigerberg,
Lithographie von Adrien Chanelle.

Der Umfang des Betriebes kam bis 1870 dem der Grube Diepenlinchen gleich. Die Jahresförderung belief sich auf 3.000 bis 6.600 t bei einer Belegschaftsstärke von über 500 Leuten. Die Grubenbaue erreichten eine Teufe von 105 m, so dass im Gegensatz zu Diepenlinchen, ein Großteil der geförderten Erze der Galmeiparagenese angehörte. Erst in den späteren Betriebsjahren spielten die Primärerze eine größere Rolle. GUSSONE, R. (1964) Seite 39

Während der Kriegsjahre 1870/71 kam der Grubenbetrieb völlig zum Erliegen, wurde jedoch 1881 nach einjähriger Vorbereitungszeit nochmals aufgenommen. Die endgültige Schließung erfolgte 1883. Ausschlaggebend für die Grubenschließung waren, wie häufig bei den Stolberger Gruben, Probleme mit der Wasserhaltung sowie die Tatsache, dass man während der Kriegsjahre nicht in der Lage gewesen war, teilweise noch vorhandene Erzmittel für den Abbau vorzurichten.

Das Grubenfeld Breinigerberg stellt sich heute als ausgeprägte Pingen- Landschaft dar. Auf Grund der zu Tage tretenden Kalkstein- Formationen hat sich hier der typische Kalkmagerrasen entwickelt. Dort, wo die Erze an der Tagesoberfläche anstehen (Ausbiss) bzw. durch anthropogene Umlagerung dorthin gelangten, ist das Gebiet von der regionaltypischen Galmeiflora überprägt.

Nach Aufgabe der Grube ließ man das Gelände (wie damals üblich) als Industriebrache liegen, ohne sich auch nur im geringsten um Rekultivierung zu kümmern. Es entstand eine wenig geschätzte Ödlandfläche, die im Volksmund verächtlich als Balkan bezeichnet wurde.

Ödland
Ödland
Ödlandrelikte mit spärlicher bzw. lückenhafter Vegetationsdecke im Bereich des Schlangenberges.
Fotos: R. Ethen

Bis in die späten 1980er Jahre ist das Gelände militärisch als Übungsplatz genutzt worden. Durch das zwischenzeitlich gewachsene ökologische Bewusstsein begann man, den Wert der hier vorkommenden, endemischen Vegetationsformen (Kalkmagerrasen u. Galmeiflora) zu erkennen u. stellte das Gebiet um den Schlangenberg Anfang der 90er Jahre unter Naturschutz.

Anders als bei allen anderen Erzgruben im Stolberger Raum sind die Erzmittel der Grube Breinigerberg ausschließlich im devonischen Eifelkalk eingelagert.

Soweit die Schächte der Grube Breinigerberg Eigennamen trugen, sind diese wie folgt aufgelistet:

Bleigrube, Brett, Duhm, Emilie - Maria, Fetis, Gosselin, Haas I u. II, Henriette, Hermannstein I u. II, Hillmann, Karl, Keller, Königreich, Lintert, Loenie, Lohkuhl, Quarsack I II u. III, Schlangenberg I u. II, Schleicher, Steffens, Toschee I u. II, Wasserbund.

Die Erzkörper trugen ebenfalls häufig Eigennamen, wobei die Namen der Erzmittel oft mit der Benennung der sie aufschließenden Schächte identisch waren:

Adolphsgang, Bernhardgang, Bleigrubengang, Bleigrubenstockwerk, Brennesselgang, Duhmgang, Eickhold-Nester, Erzgrubengang, Gosselingang, Haasgang, Heinrichstockwerk, Hermannsteingang, Hillmannsgang, Königreichgang, Lintertgang, Lohkuhlgang, Macnamaragang, Nagelmackersgang, Quarsackgang, Rainbeauxgang, Schafberggang, Schlüsselgang, Schmittchengang, Schmitzgang, Schnellewindgang, Schwefelkiesstockwerk, Toschée-Stockwerk, Wolfsgrubegang.

Quellen: RÜBMANN, A. (1925) Seite 21, GUSSONE, R. (1964) Seite 38 u. 39


 

 

Breitgang: Steinkohle- Flöze


 

 

Brekzie: Gesteinsart, die aus eckigen, scharfkantigen Bruchstücken eines Gesteins oder eines Minerals besteht, wobei die einzelnen Trümmerstücke durch toniges, kalkiges oder kieseliges Bindemittel verkittet sind. Im Gegensatz zum Konglomerat wurden bei der Brekzie die Trümmer vor der Verkittung wenig oder überhaupt nicht verfrachtet, so dass die einzelnen Körner scharfkantig blieben.

Gelegentlich kamen in Stolberg brekziöse Schalenblenden vor. Entsprechend ihrer Entstehung können diese den Verwerfungs- Brekzien bzw. den Gang- Brekzien zugeordnet werden.

Brekzie
Sammlung u. Foto: F. Holtz

 

 

Brennen: Erhitzen von meist festen Substanzen zur Erzielung einer stofflichen Änderung.

In Stolberg war der Ausdruck des Brennens im Zusammenhang mit Galmei (Kalzinieren), mit Messing (Galmeiverfahren) u. mit Kalk gebräuchlich.


 

 

Brennen des Galmeis: Kalzinieren


 

 

Brennessel (Brennehsel Brennesstel): Erzgrube im Bereich Burgholz, die zu vorindustrieller Zeit in Pingen- bzw. Packenbauweise betrieben wurde.

Diese Grube dürfte auch namengebend für die spätere Bezeichnung Brennesselgang bzw. -stockwerk des Erzbergwerkes Diepenlinchen gewesen sein.


 

 

Brennesselgang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchen, der vom Brennesselstockwerk ausging.

Erzführung: in den oberen Teufen Galmei u. Bleiglanz, in den unteren fast nur Blende.

Einen gleichnamigen Erzgang gab es auch in der Erzgrube Breinigerberg.


 

 

Brennesselschacht:  Ein im Bereich des Brennesselstockwerks der Erzgrube Diepenlinchen angelegter Wasserhaltungsschacht mit einer Teufe von etwa 150 m und ausgerüstet mit zwei Dampfmaschinen (500 u. 300 PS), der bis 1858 in Betrieb war. Dieses Schacht wurde durch den 1855 begonnenen Widmannschacht ersetzt.

Quellen: HASSLACHER, A. (1861) Seite 181


 

 

Brennesselstockwerk: Stockwerkartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchenu. zugleich größter u. ergiebigster Erzkörper im gesamtem Stolberger Erzabbaugebiet. In der Vertikalen wies dieser Erkörper eine Ersreckung von über 300 m auf. Die horizontale Ausdehnung entsprach auf der 200m-Sohle mit 7.000 m² etwa der Größe eines Fussballfeldes.
GUSSONE, R. (1964) Seite 28 u. 42

Erzführung: in den oberen Teufen Galmei, Bleiglanz, Weißbleierz u. Schwefelkies, in den unteren fast nur noch Blende.

Quellen: GUSSONE, R. (1964) Seite 28 u. 42


 

 

Bretanier: Gießstein aus geglättetem Granit zum Gießen von Messingplatten (Messing - Herstellung, Plattenmessing).

Zur Herstellung von Plattenmessing nach dem Galmeiverfahren wurde die fertige Messingschmelze in Steinformen vergossen. Diese bestanden aus zwei übereinander liegenden Granitplatten, die von einem Rahmen aus Vierkanteisen auf Abstand gehalten und mittels Gewindestangen fest verspannt wurden. Letzteres war erforderlich, um ein durch den durch den hydrostatischen Druck der Messsingschmelze bedingtes Aufschwimmen des oberen Gießsteines zu verhindern.

Bretanier
Bretanier vom Untersten Hof
Foto: F. Holtz
Bretanier
Messing - Gießhalle
nach Krünitz (unten links: Bretanier)
Bretanier
Ausschnitt mit Bretanier

Die Bretanier wurden in den Häfen der Bretagne verladen, wovon sich auch die damals umgangssprachliche Bezeichnung ableitet. Der eigentliche Ursprung dieser Steinplatten waren Steinbrüche in der Normandie.

Da die aus Bretaniern hergestellten Formen für eine Vielzahl von Gießvorgängen eingesetzt werden konnten, ließe sich bei diesem Verfahren auch von Kokillenguss sprechen. Allerdings wurden bei dem später üblichen, eigentlichen Kokillenguss Eisenformen eingesetzt.

Bretanier
Bretanier
Gegossene Messingplatte zwischen zwei Bretaniern
Modell- Installation im Industriemuseum
Zinkhütter Hof

Die Produktionspalette der Kupfermeister bestand größtenteils aus sogenannten Tiefwaren (Kannen, Schüssel, Töpfe, Teller etc.), zu deren Herstellung man Messingblech benötigte. Die in den Bretanier gegossenen Messingplatten kamen auf Grund ihrer geringen Dicke den Erfordernissen der Blechherstellung in den wassergetriebenen Latschmühlen (Hammerwerke) entgegen, wo das Material aud Blechstärke ausgetrieben bzw. ausgehämmert wurde. Die so hergestellten Messingbleche ließen sich durch geschicktes Führen der Werkstücke unter dem Tiefhammer zu Fertigprodukten ausformen.

Bild
Tiefhammer im Untersten Hof

Als man im ausgehenden 18. Jh. die Latschmühlen in zunehmendem Maße durch wassergetriebene Walzwerke ersetzte, konnte man das traditionell hergestellte Plattenmessing auch als Rohling (Bramme) für den Walzprozess einsetzen.

Im weiteren Verlauf der technischen Entwicklung und dem Trend der im 19. Jh. einsetzenden Industrialisierung folgend, modernisierten die Stolberger Kupfermeister ihre Betriebe u. stellten in großtechnischem Maße Halbzeug her. Die Kupfermeisterfamilie Schleicher beispielsweise errichtete 1873 an der Eisenbahnstraße eine Anlage, die als weltweit erstes industriell betriebenes Messingwerk gilt.

Bild Das 1873 erbaute Messingwerk
der Fa. Schleicher um 1890.

Die in dem alten Kupferhof Frankental 1858 gegründete Firma VON ASTEN & LYNEN erbaute um 1900 an der damaligen Feldstraße (heute Kupfermeisterstraße) eine neue Betriebsstätte, wo ebenfalls nach modernsten Produktionsmethoden Messing-Halbzeug hergestellt wurde.

Die Handhabung der bis etwa 1850 zur Herstellung von Plattenmessing verwendeten, archaischen Bretanier entsprachen kaum noch den Erfordernissen einer industriellen Fertigung. Ein Bersten dieser Granitplatten durch thermische Spannungen konnte nur durch langsames Aufheizen bzw. Abkühlen der Gießsteine verhindert werden. So mussten die Steinplatten nach dem Entformen der gegossenen Messingplatten in Wolldecken eingeschlagen werden, damit eine zu rasche Abkühlung verhindert wurde.

Rechnet man die Abkühl- bzw. Erstarrungszeit der Messingschmelze innerhalb der Form hinzu, ergab sich für jede Gießform eine Gesamtzeit von 12 Stunden bis zum jeweils nächsten Gießzyklus.

Außerdem musste nach etwa zwanzigmaligem Gebrauch die auf der Formoberfläche aufgebrachte, aus Ton oder Kuhdung bestehende Glättungs- bzw. Trennschicht mühsam entfernt und erneuert werden. Hierbei wurde der obere von zwei aufeinander liegenden Formsteinen mit großem Kraftaufwand so bewegt, dass die alte Beschichtung durch das dazwischen eingebrachte, sogenannte Messinggekrätz (Schleifmittel) abgescheuert wurde.

Zunächst versuchte man (erstmals 1843) das Messing in Sandformen zu vergießen, die durch eiserne Rahmen zusammen gehalten wurden. Nach jedem Guss mussten die Sandformen jedoch zerschlagen und erneut hergestellt werden. Bevor die neuen Formen zum Einsatz kommen konnten, waren längere Trocknungszeiten erforderlich.

Um 1880 wurden bei der Fa. Schleicher auch eiserne Kokillen eingesetzt, die bezüglich der Temperaturführung allerdings äußerst kritisch waren. Während bei unzureichender Vorheizung „schiefriger“ Guss entstand, führte eine Überheizung der Form zu blasigen Gussblöcken.

Mit der Entwicklung der wassergekühlten Stahlkokille erzielte der bei VON ASTEN & LYNEN tätige Werkmeister Andreas Junker 1912 den Durchbruch, was zu einer grundlegenden Revolution in der Gießereitechnik führte. Die wassergekühlte Kokille lieferte eine gute und reproduzierbare Qualität der gegossenen Blöcke. Das neue, anfänglich in der Messingproduktion eingesetzte Verfahren fand später zum Vergießen nahezu aller NE-Metalle Verwendung. Erst ein halbes Jahrhundert später setzte sich das heute übliche Stranggussverfahren als vollkontinuierlicher Gießprozess durch.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seiten 56,70, SCHLEICHER, K. (1974) Seiten 45-46, 105


 

 

Bretanische Steine: Bretanier


 

 

Brett: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg


 

 

Brockenberg: Erzfeld südöstlich von Büsbach, welches zusammen mit dem Büsbacherberg konzessioniert war. Die außerordentlich reichen Galmeilager wurden in vorindustrieller Zeit bereits weitgehend zur Herstellung von Messing abgebaut (Kupfermeister). 

Auf Grund der äußerst ergiebigen Erzmittel, die im oberflächen- nahen Bereich zur Zeit des vorindustriellen Erzabbaus angestanden hatten, und ermutigt durch den guten Erfolg mit den tiefer niedergebrachten Grubenbauen sowohl von Breinigerberg als auch von Diepenlinchen, hatte man im 19. Jahrhundert ebenfalls im Bereich des Brockenbergs tiefer liegende Primärerz- Lagerstätten vermuten und erwarten können.

Daher entschloss man sich 1846, ausgehend von der Talsohle des Vichtbachs, einen Stollen bis unterhalb Büsbach vorzutreiben, der von dort aus bis zum Brockenberg fortgeführt werden sollte. Dieser insgesamt 1800 m lange Stollen sollte die erhofften Erzmittel erschließen und eine Ableitung der zufließenden Grubenwässer ermöglichen. Gleichzeitig wurden zwei Schächte, der Luciliaschacht auf dem Büsbacherberg und der Lillaschacht auf dem Brockenberg abgeteuft. Nachdem beide Schächte die vorgesehene Stollensohle erreicht hatten, stellte sich allerdings heraus, dass die Lagerstätte nicht bauwürdig war. Der Stollenvortrieb wurde bei einer erreichten Länge von 310 m aufgegeben.

Das um 1850 unmittelbar neben dem Lillaschacht errichtete Grubengebäude mit Maschinenhaus steht heute noch auf der Höhe des Brockenbergs u. wird als Wohnhaus genutzt.

Die auf dem Grubenfeld Brockenberg heute anzutreffende Galmeiflora ist hinsichtlich der Populationsdichte von Galmeiveilchen u. Grasnelke mehr als bemerkenswert u. liegt dort in erheblich reinerer Form vor, als dies an flächenmäßig größeren u. bekannteren Standorten (Schlangenberg) zum Teil der Fall ist. Die Galmeiflur am Brockenberg ist jedoch nicht nur bezüglich ihrer idealtypisch ausgebildeten Zinkpflanzengesellschaft interessant, sondern stellt zugleich auch eines der letzten, halbwegs erhaltenen Erzschürfgebiete aus vorindustrieller Zeit dar. Das stark zerfurchte Gelände wäre somit auch als montanhistorisches Zeugnis durchaus schützenswert.

Brockenberg
Brockenberg
Fotos: F. Holtz

 

 

Broyeur: Kollergang


 

 

BSR: Schotterwerk und größter Steinbruch-Betreiber im Stolberger Raum. Die Abkürzung BSR steht für „Bahn-Schotter-Recycling“ und bezieht sich auf die ursprünglichen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens, das im Steinbruch Rüst eine Anlage zur Aufarbeitung von Bahnschotter betrieb.

Das Geschäftsfeld der BSR erstreckt sich mittlerweile vorwiegend auf die Schotter- bzw. Splitt-Herstellung. Die Produkte finden hauptsächlich im Straßen- und Wegebau sowie in Asphalt-Mischanlagen (Straßenbeläge) Verwendung.

Der Rohsteinabbau (Kalkstein und Dolomit) erfolgt kurz bei Gressenich (ehemals Steinbruch Vygen) sowie zwischen Kornelimünster und Breinig (ehemals Steinbruch Blees). Das zur Schotter- bzw. Splittherstellung nicht verwertbare Abbaumaterial und die beim Zerkleinerungsprozess anfallenden, feinkörnigen Fraktionselemente dienen als rein geogenes Restmaterial zur Verfüllung des ehemaligen Steinbruchs Franzen am nördlicher Ortsausgang von Vicht.


 

 

Buchacker: Gewerke der 1809 verliehenen Konzession Diepenlinchen.


 

 

Burg Stolberg: Burganlage, deren Ursprünge bis ins 12. Jh. zurückreichen. Der 1118 erstmals genannte Edelherr (Ritter) Reinardus von Stalburg dürfte am Standort der heutigen Burg spätestens 1156 eine einfache Burganlage besessen haben, Besagter Reinardus von Stalburg war auch namengebend für den Ort und die spätere Stadt Stolberg.
ALTENA, C. (2012) Seite 21ff

Die Erscheinungsform der ursprünglichen Burg ist uns zwar weitgehend unbekannt, dürfte aber dem Typus einer hochmittelalterlichen Höhen- bzw. Spornburg zugeordnet werden können. ALTENA, C. (2012) Seite 36ff

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Zeichnung: Chr. Altena

Nachdem die Burg 1375 belagert, eingenommen und geschleift worden war ALTENA, C. (2012) Seite 39, errichtete Wilhelm von Nesselrode, Lehensmann der Grafen von Jülich, um 1450 an gleicher Stelle eine neue, spätmittelalterliche Anlage, die explizit als Neubau und nicht als Wiederaufbau der alten Burg zu verstehen ist und sowohl dem Anspruch einer verteidigungsfähigen Festung als auch dem eines repräsentativen Wohnsitzes genügte.

Das Aussehen der spätmittelalterlichen Burg ist auf der Stolberg-Darstellung von Egidius Walschaple (1544) bestens dokumentiert.

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Bezüglich des Grundrisses zeigt diese Anlage bereits große Ähnlichkeit mit dem heutigen Erscheinungsbild. Dem im Osten liegenden mächtigen Rundturm schließt sich nach Westen das große Hallengebäude, ein mit Kreuzstockfenstern versehener Anbau, ein Torbau und letztlich der sogenannte Westturm an. Hinsichtlich der Gliederung der Baugruppe haben sich die aus der mittelalterlichen Terminologie entlehnten, allerdings missverständlichen Begriffe Bergfried, Palas und Kemenate eingebürgert. In seiner Publikation weist Altena, C. (2012) darauf hin, dass auf Grund von Funktion, Architektur und Zeitstellung richtigerweise von Geschützturm, bzw. Rondell ALTENA, C. (2012) Seite 77 und anschließendem Saalbau ALTENA, C. (2012) Seite 59 zu reden wäre. Der Eindruck eines bergfriedartigen Turmes entstand erst gegen Ende des 19. Jhs., nachdem er im Zuge des historistischen Umbaus auf die doppelte Höhe aufgestockt worden war. Auch der Begriff Kemenate (beheizbarer Wohnraum) ist als Bezeichnung für den westlichen Anbau der frühneuzeitlichen Burg nicht zutreffend.

In der gleichen Publikation wird als kennzeichnendes Merkmal dieser Anlage eine mächtige Schildmauer beschrieben, die im Zuge des historistischen Umbaus der Burg gegen Ende des 19. Jh. verloren ging. Besagte Schildmauer ALTENA, C. (2012) Seite 81 erstreckte sich  von der Nordseite des Geschützturmes nach Westen und schützte somit die durch eine flachere Ausbildung des Geländeprofils gefährdete Nordflanke. Als weiterer Teil dieser Fortifikation befanden sich östlich bzw. nordöstlich des Geschützturmes noch zwei kleinere Türme ALTENA, C. (2012) Seite 83, die in stark veränderter Bauform erhalten sind, heute jedoch meist als historistische Schöpfungen wahrgenommen werden.

Durch einen im späten 16. Jh. erfolgten Ausbau erhielt die Burganlage einen fast schlossartigen Charakter, der als zeittypisches Phänomen für den Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit gelten kann. Zeittypisch auch deshalb, weil die fortifikatorischen Bauelemente (Schildmauern und Osttürme) bei diesem Ausbau nicht mehr geändert wurden und der Vernachlässigung anheim fielen.

Zu den frühneuzeitlichen Ergänzungen, die auch heute (wieder) das Erscheinungsbild unserer Burg prägen, gehören insbesondere die Dachaufbauten. Von charakteristischem Wiedererkennungswert ist vornehmlich der Helm des Westturmes.

Abgesehen von den zwischenzeitlich nutzlos gewordenen Festungselementen, wie Geschützturm und Schildmauer, blieb das Bauwerk bis zur Mitte des 19.Jhs. in gutem Erhaltungszustand. Erst als die Burg 1863 von Richard Welter übernommen worden war, begann man mit dem Abbruch des Geschützturmes und verwendete den aufbereiteten Schutt als Baumaterial.

1888 ersteigerte der Stolberger Fabrikant Moritz Kraus die mittlerweile dem Verfall preisgegebene Burg u. ließ sie von den beiden Architekten Carl Schleicher und Alfred Müller-Grah, dem damaligen Zeitgeschmack folgend, mit vielen Stilelementen des Historismus (Zinnenkränze usw.) wieder aufbauen. Wenngleich sich über den stilistischen Wert dieses Wiederaufbaus streiten lässt, ist es zweifelsfrei das Verdienst von Moritz Kraus, dass die eindrucksvolle Anlage erhalten blieb. 1909 schenkte Moritz Kraus die wiederaufgebaute Burg den Stolberger Bürgern als unverkäufliches Erbe.

 Moritz Kraus
 Moritz Kraus

Schwere Beschädigungen während des 2. Weltkrieges machten eine weitere Renovierung erforderlich, in deren Verlauf die stilwidrigen Zutaten abgetragen wurden. Das äußere Erscheinungsbild des zentralen Baukörpers entspricht heute weitgehend dem Bauzustand, der im 17. und 18 Jahrhundert vorhanden war und erfüllt somit wieder den Anspruch historischer Authentizität.

Der Begriff Burg wird in unserer Vorstellung nahezu immer mit Mittelalter assoziiert und auch die Burg Stolberg wird in entsprechender Weise wahrgenommen. Diese z.T. unbewusste und auch unreflektierte Auffassung ist jedoch nur zutreffend, wenn man sie auf die ursprüngliche, im 12. Jahrhundert entstandene Anlage bezieht. Die mächtige Burganlage in ihrer heutigen Ausprägung muss hinsichtlich Architektur und Funktion als frühneuzeitliches Bauwerk eingeordnet werden. Dennoch drängen sich dem Betrachter, angesichts der stolzen und trutzigen Anmutung, mittelalterliche Bezüge und Vorstellungen auf, welche insbesondere durch den historistischen, heute bergfriedartig wirkenden Aufbau des mächtigen Ostturmes, aber auch durch die gegenwärtige Popularität mittelalterlicher Themen zusätzlich befördert werden.

Andererseits lässt sich zur Burg Stolberg in der näheren und weiteren Umgebung kaum eine typologische Entsprechung finden, die mit augenfälligen Analogien eine Einordnung und zeitliche Orientierungshilfe bieten könnte.

In einer jüngeren Veröffentlichung weist Altena, C. (2012) auf den hohen Denkmalwert der Stolberger Burganlage hin, da mit diesem Bauwerk eine Höhenburg als Neuerrichtung des 15. und 16. Jh. erhalten ist, die durch typologische Reinheit und wenig neuzeitliche Überprägung Seltenheitswert besitzt ALTENA, C. (2012) Seite 98. Und genau dieser Umstand, nämlich nicht nur mit einer Burg, sondern mit einer baugeschichtlich höchst interessanten Rarität aufwarten zu können, gibt Stolberg Gelegenheit, sich zu profilieren und mit der außergewöhnlichen Bauform der Burg ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zu reklamieren.

Die Burganlage wird heute vorwiegend als Veranstaltungs- und Begegnungsstätte genutzt. Im Obergeschoss befindet sich die Burggalerie, ein großzügig angelegter Raum, wo regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden. Das Mittelgeschoss mit Rittersaal und Kemenate dient als Veranstaltungsort für Konzerte, private sowie öffentliche Feiern. Unter anderem bietet die Stadt Stolberg Termine für standesamtliche Trauungen an.

Auf der unteren Ebene bietet die Burganlage gepflegte Gastlichkeit in romantischem Ambiente. Aus touristischer Sicht wurde die Burg Anfang 2012 durch eine gelungene Inszenierung mittelalterlichen Flairs stark aufgewertet. Auch die Inneneinrichtung der Burg wird mit zahlreichen nachempfundenen, mittelalterlichen Accessoires den Erwartungen gerecht, die sich dem Besucher auf Grund des imposanten äußeren Erscheinungsbildes der Anlage aufdrängen.

Zahlreiche „Großevents“ wie beispielsweise Stadtfest, Weihnachtsmarkt, Kupfermeistertreffen etc. profitieren von der Strahlkraft und dem Flair der Burganlage mit den auf mehreren Ebenen angeordneten stimmungsvollen Burghöfen.

 

Stolberger Burgherren im Überblick:

Quellen: SCHREIBER, H. (2001), 
ALTENA, C. (2012) Seiten  21ff, 29, 36ff, 59, 77, 81, 83, 98


 

 

Burgberg: Höhenzug am südl. Ortsausgang von Vicht (Erzfelder)


 

 

Burgholz: Ehemals größtenteils bewaldetes Gelände südl. des Hammerbergs zwischen Vichtbach, Mausbach u. Werth. Schon zu vorindustrieller Zeit befanden sich im Burgholz zahlreiche Erzgruben, die auf Galmei, Bleierz, u. Brauneisenstein bauten u. entsprechend der damaligen Gegebenheiten in Pingen- bzw. Packenbauweise betrieben wurden. Die einzelnen Erzgruben im Burgholz waren unter anderem:

An der Derichshecken, Auf der Schroiffen, Auth-Busch (Orthbusch), Brändgen, Brennessel (Brennehsel Brennesstel), Diepen Liengen (Diepenlinchen), Ööck, Schwarze Grube, Weißenberg (Weihsenberg) u Werk am Frösch.


 

 

Burgholzer Mulde: Talförmiger Geländeeinschnitt (Mulde) zwischen Hammerberg u. Ravelsberg.


 

 

Burgstüttgen: Rotsch


 

 

Büsbach: Westl. des Vichttaleinschnittes gelegener Stadtteil von Stolberg, der aus einer fränkischen Siedlung aus dem 9. Jh. entstanden ist u. zur Reichsabtei Kornelimünster gehörte. Nach der Säkularisierung der Abtei war Büsbach bis 1935 eigenständige Gemeinde.

Büsbach liegt auf einem aus Kohlenkalk bestehenden Kalksteinzug, der bis auf den heutigen Tag die Grundlage für intensiven Steinbruchbetrieb bildet (Atzenach).

In der Vergangenheit wurde die Entwicklung des Ortes maßgeblich durch vorindustriellen Bergbau auf Galmei beeinflusst, der hauptsächlich in den Gemarkungen Büsbacherberg, Brockenberg u. Liester betrieben wurde. Im Bereich der heutigen Bischofstr. befand sich eine der größten vorindustriellen Pingen unserer Region.

Um die Mitte des 19. Jh. versuchte man dort einen großtechn. Bergbau aufzuziehen, jedoch waren die hier angefahrenen Erzmittel kaum bauwürdig, so dass man den Grubenbetrieb einstellte (Luzilia-Schacht, Lillaschacht).


 

 

Büsbacherberg u. Brockenberg: In Büsbach bzw. an dessen Peripherie gelegenes Erzfeld. Die außerordentlich reichen Galmeilager wurden in vorindustrieller Zeit bereits weitgehend zur Herstellung von Messing abgebaut (Kupfermeister). Die damals hier angelegten Pingen hatten entsprechend der Größe der anstehenden Erzkörper beträchtliche Ausdehnungen, wobei die Hauptpinge Abmessungen von 200 x 80 m u. eine maximale Teufe von 40 m erreichte. GUSSONE, R. (1964) Seite 47 

Im Oktober 1830 wurde die Grube neu konzessioniert u. seit 1847 von der KOMMANDITGESELLSCHAFT BREDT & CO. betrieben. Ab ihrer Gründung (1851) war die ALLIANZ alleinige Inhaberin.

1846 wurde, ausgehend von der Talsohle des Vichtbachs, ein Stollenvortrieb angesetzt, der neue Erzmittel erschließen u. eine Ableitung der zufließenden Grubenwässer ermöglichen sollte. Dieser Stollen erreichte eine Länge von 310 m. Gleichzeitig wurden zwei Schächte, der Luziliaschacht (80 m Teufe) auf dem Büsbacherberg (heutiges Betriebsgelände der Firma Wimmer an der Bischofstr.) u. der Lillaschacht (53 m Teufe) auf dem Brockenberg abgeteuft. Das um 1850 unmittelbar neben dem Lillaschacht errichtete Grubengebäude mit Maschinenhaus steht heute noch auf der Höhe des Brockenbergs u. wird als Wohnhaus genutzt.

Es stellte sich allerdings heraus, dass die Lagerstätte nicht bauwürdig war, u. der Grubenausbau wurde nach erheblichen finanziellen Verlusten aufgegeben.

Dies verschlechterte natürlich drastisch die Ertragslage der ALLIANZ u. bildete den Hauptgrund für deren Auflösung. Hiernach übernahm die STOLBERGER GESELLSCHAFT den Grubenbetrieb u. erwarb bis 1869 alle Anteile der Grube Büsbacherberg. Damals bildete Brauneisenstein das Hauptförderprodukt. Der Grubenbetrieb wurde 1889 eingestellt.

Soweit die angefahrenen Gänge Eigennamen trugen, sind diese wie folgt aufgelistet:

Gang am Liester, Gang am Sandloche, Gang am Luziliaschacht, Gang am Lillaschacht.

Quellen: RÜBMANN, A. (1925) Seite 22, GUSSONE, R. (1964) Seite 47


 

 

Buschend: Grubendistrikt im Eschweiler Kohlberg.


 

 

Buschmühle: Ehemalige Kupfer- bzw. Messing-Mühle im Indetal an der Verbindungsstraße (Cockerill Straße) zwischen Münsterbusch u. Eilendorf.

Das alte, noch vorhandene Herrenhaus trägt im Wappenstein die Jahreszahl 1573. Eine Verwendung der Anlage als Kupfermühle dürfte deutlich später erfolgt sein. Seit Mitte des 18. Jh. wurde die Buschmühle als Doppelhofanlage (obere Buschmühle südlich und untere Buschmühle nördlich der heutigen Straße) zur Verarbeitung von Messing betrieben. 1816 ging als erstes seiner Art in Stolberg ein Walzgerüst mit vier Walzen in Betrieb. DODT, G.: Der historische Wanderweg von Atsch bis Elgermühle. Entsprechend moderner Terminologie handelte es sich hierbei um ein Quarto Walzwerk mit zwei Arbeits- und zwei Stützwalzen zur Herstellung von breitem und/oder dünnem Messingband.

Buschmühle
Foto: F. Holtz

In der ersten Hälfte des 19.Jh. wurde das Messinggewerbe in beiden Teilen der Buschmühle von der Textilfabrikation abgelöst, die bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts Bestand hatte. Als gewisse Besonderheit ist noch ein Schornstein mit quadratischem Querschnitt zu erwähnen, der vor 1860 entstanden sein muss, da man in der Folgezeit unter Verwendung von Segmentsteinen runde Industriekamine baute.

Obere Buschmühle:

Untere Buschmühle:

QuellenDODT, G.: Der historische Wanderweg von Atsch bis Elgermühle, 
SCHREIBER, K. und H. (2008): Im Schatten des langen Hein, Seiten 54-69

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