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Sagen: Ursprünglich mündlich überlieferte, einfache, wenig ausgeschmückte Erzählgeschichten, die meist auch Motivelemente enthalten, die dem Übernatürlichen zuzurechnen sind. Im Gegensatz zu den Märchen wurden die Sagen zumindest zur Zeit ihrer Entstehung u. frühen Tradierung auch bezüglich der Aspekte aus dem Bereich des Übernatürlichen mit einem Wahrheitsanspruch erzählt u. weitergegeben.
HEILFURTH, G. (1967) Seiten 24, 27-28

Auch im Stolberger Raum kursierten Sagen noch bis nach der Wende zum 20. Jh., darunter u.a. Bergbau- u. Zwergensagen, die für die hiesige Sagenlandschaft in hohem Maße kennzeichnend sind und auf montanhistorische Gegebenheiten aus frühgeschichtlicher Zeit hinweisen.

Während Hexensagen, wie fast überall in der Welt, auch in Stolberg erzählt wurden, scheint der Ortsteil Zweifall in den überörtlichen, regionalen Hexenerzählungen eine besondere Rolle gespielt zu haben.

Lokale Popularität hatten in früherer Zeit auch Sagen, die sich um den Jungfernstein rankten.

Eine umfangreiche Sammlung regionaler Sagen wurde um 1900 von Heinrich Hoffmann erstellt.

Quellen: HEILFURTH, G. (1967) Seiten 24, 27-28


 

 

Salband: bergm. Ausdruck für die Grenzfläche zwischen einem Gang u. seinem Nebengestein.


 

 

Salzkuchen-Männer: Arbeiter, die an Natriumsulfatöfen beschäftigt waren. Verursacht durch das aus den Arbeitsöffnungen austretende Salzsäuregas waren ihre Arme u. Hände von schlecht heilenden Wunden gezeichnet u. ihre Zähne dunkel verfärbt.


 

 

Salzrumpf: Teilanlage des Dollartshammers.

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Salzrumpf,
Quelle Willems (1968)

 

 

Salzsäure: Wässrige Lösung von Chlorwasserstoff. In Stolberg wurde Salzsäure aus dem in den Natriumsulfatöfen anfallenden Chlorwasserstoff gewonnen (Tourils). Salzsäure fand als billige techn. Säure vielfach Verwendung, so z.B. auch zur Herstellung von Chlorkalk.


 

 

Salzsäuregas: Chlorwasserstoff


 

 

Sandgewand (Verbotener Kropp): Geol. Störung, die östl. von Stolberg entlang der Westgrenze des Hastenrather Grabens verläuft u. sich am Rand des Eschweiler Waldes als Abbruchkante zum Hastenrather Grabenbruch (Omerbachtal) darstellt. Der Gesamtversatz der Schichtung beträgt ca. 400 m. Die Sandgewand ist eine der beiden lokalen Hauptstörungen u. lässt sich nach Norden hin bis zum Niederrhein verfolgen.

Der Sandgewand sind folgende Erzlagerstätten zuzuordnen: Glücksburg, Albertsgrube, Diepenlinchen, Römerfeld und Hammerberg. GUSSONE, R. (1964) Seite 26

Insbesondere im lokalen Steinkohlebergbau war die Sandgewand äußerst berüchtigt, da bei der Durchfahrung starke Wasser- u. Fließsandeinbrüche zu erwarten waren. Wurde die Sandgewand auch nur erwähnt, so pflegten sich die Bergleute früher zu bekreuzigen u. die heilige Barbara anzurufen.

Wegen der äußerst ungünstigen Abbauverhältnisse im Bereich dieser Störung bildete die Sandgewand über Jahrhunderte die östliche Abbaugrenze im Inderevier

Quellen: GUSSONE, R. (1964) Seite 26


 

 

Sandguss (Sandformverfahren):  Zur Formgebung von Metallen u. Legierungen fanden in früherer Zeit häufig Sandformen Verwendung, in welche das flüssige Metall hinein gegossen wurde. Nach dem Erstarren der Schmelze konnte das gegossene Werkstück aus dem Sand entnommen werden, was zwangsläufig mit einer Zerstörung der Form verbunden war. Die Form ging also nach einmaligem Gebrauch verloren (Verlorene Formen).

Bei diesem Verfahren wurde das zu gießende Werkstück zunächst in der Modellschreinerei als Holzmodell im Maßstab von etwa 1:1 hergestellt, wobei der beim Erkalten des Metalls auftretende Schwund berücksichtigt werden musste. Das Holzmodell hatte u.a. den Vorteil, dass Holz sich einfacher verarbeiten lässt als hartes Metall. Außerdem konnte das Modell aus mehreren zusammengesetzten Einzelteilen bestehen, was die Modellherstellung erheblich vereinfachte.

Das fertige Modell wurde in Formsand eingebettet und nach Verdichtung des Sandes wieder vorsichtig entfernt. Im Formsand verblieb somit ein Hohlraum, dessen Gestalt der Modellform entsprach und mit flüssigem Metall ausgegossen wurde.

Der Formsand befand sich in sogenannten Formkästen (aus Holz oder Eisen), so dass die Form zusammen gehalten wurde. Zur Gewährleistung einer gewissen Formstabilität musste der Sand in geringfügigem Maße lehmig-tonige Bestandteile enthalten. Häufig wurde die Stabilität des verdichteten Sandes auch durch Beimischung von geringen Ölmengen erreicht.

Mit einem Holzmodell, dessen Geometrie nahezu beliebig komplex werden konnte, ließen sich nahezu beliebig viele Gusskörper herstellen. Insbesondere bei der Fertigung kleinerer Losgrößen findet dieses Verfahren auch heute noch Anwendung.

Maschinenteile, Haushaltswaren, Kanonenkugeln, Takenplatten u.v.a.m. waren Produkte, die im Eisenhüttengewerbe unter Verwendung verlorener Formen hergestellt wurden.

Bild Bild

Gusseiserne Ofenteile
(um 1900).
Fotos: F. Holtz

Auf Grund der nahezu unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten ließen u. lassen sich mit diesem Verfahren nicht nur technische Funktionsteile, sondern auch kunsthandwerkliche, teilweise höchst grazile Objekte bester Qualität herstellen.

Eine Sonderform des Sandgusses fand bei der Herstellung sogenannter Gösen (Roheisen) Verwendung.


 

 

Sankt Anna: Anna


 

 

Sankt Barbara: Barbara


 

 

Sankt Heinrichhütte: Zinkhütte Münsterbusch


 

 

Sassenay, Marquis Henri Etienne Bernard de: Teilweise zwielichtiger Unternehmer, der 1841 sämtliche Betriebseinrichtungen der METALLURGISCHEN GESELLSCHAFT zu Stolberg pachtete. Die Pachtrechte brachte er in die von ihm gegründete KOMMANDITGESELLSCHAFT DE SASSENAY & CIE. ein u. wurde deren erster Geschäftsführer.

Nach Erlass des preußischen Aktiengesetzes 1843 betrieb Sassenay die Umwandlung der Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft. Diese wurde 1845 als SOCIÉTÉ ANONYME DES MINES ET DES FONDERIES DE ZINC DE STOLBERG (Gesellschaft für Bergbau u. Zinkfabrikation zu Stolberg) gegründet u. war über lange Zeit unter ihrem Kurznamen STOLBERGER GESELLSCHAFT bekannt.

Auch hier blieb Sassenay Geschäftsführer u. führte das Unternehmen durch unseriöse Geschäftspraktiken u. Mismanagement bis 1855 zu einem Beinahe-Zusammenbruch.

Als bezeichnendes Beispiel für das zwielichtige Gebaren Sassenays kann ein aufsehenerregender Schmelzversuch gelten, den Sassenay im Zusammenhang mit den Ramsbecker Erzen durchführte. Mit diesem Schmelzversuch sollte nachgewiesen werden, dass im Ramsbecker Bleiglanz erheblich mehr Silber enthalten sei, als bisher allgemein angenommen. Die Probe jedoch war durch vorher beigefügtes Silber manipuliert. Auf Grund dieses Betruges erfolgte ein Ausbau der Ramsbecker Gruben.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seiten 48, 54,
KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 43 ff


 

 

Sattel: Falte


 

 

Sedgwick, Adam (1785-1873): Geologie-Professor an der University of Cambridge. Sedgwick wurde bekannt durch stratigraphische Studien im Gebiet North Wales - Devonshire u. erstellte zusammen mit Murchison eine der frühesten geol. Karten des Gebietes zwischen Maas u. Eschweiler.

Quellen: KASIG, W. (1980) Seite 25


 

 

Sedimentation: Ablagerung von Sedimenten. Hierbei wird entsprechend des wirksam werdenden oder wirksam gewesenen Transportmittels unterschieden in: äolische Sedimentation (Luft, Wind) u. aquatische Sedimentation (Wasser). Letztere wiederum kann unterteilt werden in fluviale Sedimentation (Fließgewässer), limnische Sedimentation (Seen), marine Sedimentation (Meer), glaziale Sedimentation (Gletscher) u. glazial-fluviative Sedimentation (Schmelzwasser des Eises).


 

 

Sedimente: Durch Sedimentation abgelagerte Schichten. Fossile Sedimente höheren Alters sind im Laufe der Zeit meist zu Stein verfestigt worden.

In Stolberg herrschen marine Sedimente der Devon- u. Karbon-Zeit vor. Während des Devons und Unterkarbons kam es zur Ablagerung eines mehr als 4.000 m mächtigen Sedimentstapels.
REDECKE, P.(1992) Seite 3

Vereinzelt treten auch fluviale Sedimente auf, wie beispielsweise die Konglomerate u. die Ablagerungen im Bereich der Talböden, die auf Grund ihres geringen Alters u. der fehlenden Überdeckung noch als Lockermaterial vorliegen. Zu den äolischen Sedimenten gehören die Lößböden in der angrenzenden Kölner Tieflandbucht.

Quellen: REDECKE, P.(1992) Seite 3


 

 

Seife: Sekundäre Lagerstätte, wo Metallkörner, Erze oder Edelsteine in Lockermaterial wie Sand, Schotter bzw. Lehm eingebettet sind. Seifen bilden sich durch natürliche Dichtesortierung (Aufkonzentration) beim Transport von Verwitterungsschutt in Fließgewässern.

In Stolberg kommen Goldseifen (in allerdings nur geringer Ergiebigkeit) im Bereich der Konglomerate vor.


 

  

Seife: Wasch- u. Reinigungsmittel, das durch die Spaltung (Verseifung) von Fetten bzw. Ölen entsteht. Beim Kochen der Fette in Natron- oder Kalilauge bildet sich der sogenannte Seifenleim, eine aus Salzen der Fettsäure (den eigentlichen Seifen) u. Glycerin bestehende, zähflüssige Emulsion. Durch Zugabe von Kochsalz entmischt sich diese Emulsion, so dass der aufschwimmende, sogenannte Seifenkern u. die Unterlauge, bestehend aus überschüssiger Lauge, Glycerin u. gelöstem Kochsalz, entsteht. Nach Abtrennung des Seifenkerns von der Unterlauge wird ersterer zwecks Absonderung verbliebener Verunreinigungen mit reichlich Wasser u. etwas Lauge erneut aufgekocht. Nach nochmaligem Aufsalzen entsteht die Kernseife, welche durch Zugabe von ätherischen Ölen und/oder Farbstoffen zu Fein- bzw. Toiletteseife veredelt werden kann.

Bis weit ins 19. Jh. hinein war Seife ein hochpreisiges Luxusprodukt, da die Grundstoffe zur Herstellung der erforderlichen Laugen, nämlich Pottasche bzw. Soda knapp u. teuer waren. Mit der Verfügbarkeit von synthetischer Soda wurde um die Mitte des 19. Jh. die Herstellung billiger Seife als Massenprodukt möglich, mit weitreichenden Folgen für Volksgesundheit und für die allgemeine Hygiene. In England beispielsweise stieg zwischen 1810 u. 1880 die Seifenproduktion um das Vierfache an, und Seife wurde zum lukrativen Exportartikel.

In Stolberg begann die in der Klatterstr. ansässige Firma Mäurer & Wirtz (ursprünglich Bäckerei u. Kolonialwarenhandel) 1851 mit einer zunächst für den Eigenverkauf bestimmten Seifenproduktion.

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Anfängliche Seifensiederei der Firma Mäurer & Wirtz (Ansicht von der Steinwegstr.)
Zeihnung: G. Mertens.
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Stammhaus der Firma Mäurer & Wirtz (links)
in der Klatterstr.
Foto. F. Holtz

Mit der im Ortsteil Atsch gelegenen Waldmeisterhütte (der späteren Rhenania) war 1850 ein Betrieb der Großchemie entstanden, der nicht nur Soda, sondern in großtechnischem Maßstab auch Natronlauge herstellte. Beides, sowohl Soda als auch Natronlauge, waren wichtige Grundstoffe zur Herstellung von Seife u. Waschmitteln.

Ob dieser Umstand den Entschluss der Firma Mäurer & Wirtz zum Aufbau einer Seifenproduktion beeinflusst hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls dürfte die örtliche Nähe zur Rhenania der Entwicklung des Seifen- u. Waschmittelbetriebes durchaus zuträglich gewesen sein.

Quellen: RAMM, H.J. (2008)


 

 

Seifenhof: ehemaliger, im oberen Teil der Vogelsangstr. gelegener Kupferhof.

Der Name Seifenhof leitet sich ab von "Sief", ein Ausdruck, der in früherer Zeit für kleinere Fließgewässer üblich war. Das Wasser dieser vom Donnerberg kommenden "Sief" wurde nicht nur vom Seifenhof genutzt, sondern auch von den unterhalb liegenden Gewerken wie Fingerhut, Rose und Schleichers Hof.

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Der Seifenhof um 1900

 

 

seiger: bergm. Ausdruck für senkrecht


 

 

Seilfahrt: bergm. Ausdruck für das Ein- u. Ausfahren der Bergleute mittels eines Seiles, das entweder über handbetriebene Haspeln oder über mechanisch getriebene Bobinen auf- bzw. abgewickelt wurde (Fahrt).

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Mittelalterlicher Bergmann bei der Seilfahrt.
Quelle: Bersch (1898)

 

 

Sekundärerz: Erze, die nach ihrer Entstehung durch Metasomatose umgewandelt (verdrängt) worden sind. Bei der Verdrängung einer gesamten Paragenese wird die Summe der umgewandelten Erze häufig auch als Sekundärparagenese bezeichnet.

Wichtigstes Sekundärerz war in Stolberg der Galmei, der durch die Umwandlung der Zinkblende nach Zinkspat entstand (Galmei-Entstehung). Da in Stolberg zusammen mit der Zinkblende teilweise auch der Bleiglanz zu Weißbleierz u. in besonders hohem Maße der Markasit zu Limonit umgewandelt wurde, lässt sich hier auch von einer Sekundärerzparagenese (Galmeiparagenese) sprechen. Gegensatz zu Sekundärerz: Primärerz.


 

 

Sekundärerzparagenese: Erz- Paragenese, die nach ihrer Entstehung in ihrer Gesamtheit umgewandelt worden ist. Sekundärerz


 

 

Septarie: knollige, durch Austrocknung innen rissige, gekammerte Konkretion aus meist kalkhaltigen Tonen. Im Stolberger Raum finden sich gelegentlich Septarien, in welchen sich auf den inneren Kammerflächen Kalkspat-Kristalle gebildet haben.

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Septarie (links), mit Kalkspat-Kristallen auf den inneren Kammerflächen (rechts).
Fotos: F. Holtz

 

 

Setzmaschine: Aufbereitung


 

  

Siedamgrotzky, G.A.; Aachener Wasserwerksdirektor, der 1888 von der Stolberger Wasserwerks-Gesellschaft mit dem Bau der Wassergewinnungsanlage Nachtigällchen, der Versorgungsleitungen nach Stolberg sowie des Verteilernetzes betraut wurde.


 

 

Silber: weißglänzendes, polierfähiges Edelmetall, das in der Natur als Bestandteil von Erzen (z.B. Silberglanz), aber auch gediegen vorkommt. Silber ist ein chemisches Element, Formelzeichen Ag (lat. Argentum).

Silber findet hauptsächlich bei der Herstellung von Schmuck u. Münzen, aber auch für techn. Zwecke in der Elektroindustrie u. bei der Verspiegelung von Gläsern Verwendung. Die Silbersalze spielten bei der Fotographie eine bedeutende Rolle.

Silber kommt in Stolberg als Bestandteil des Bleiglanzes vor (Substitution von Bleiatomen durch Silberatome in der Kristall-Gitterstruktur).

Der Silbergehalt des Bleiglanzes war in Stolberg im Bereich der oberflächen-nahen Vorkommen am höchsten u. verringerte sich generell mit zunehmender Abbau-Teufe. Ebenso traten erhebliche Unterschiede im Silbergehalt zwischen den einzelnen Gängen auf. Besonders silberreicher Bleiglanz wurde aus kleineren Neben-Trümern gefördert. Die Gesamtstreubreite der Silbergehalte lag ungefähr zwischen 100 u. 1300 Gramm Silber pro Tonne Bleiglanz. Bei der Bleiverhüttung wurden die Silbergehalte mittels Seiger- u. Treiböfen abgeschieden.

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Silberperle (Mitte u. rechts),
gewonnen aus einer Werkbleiprobe (links).
Fotos: F. Holtz

 

 

Silberblick: Dokimastik


 

 

Silene inflata: Taubenkropf


 

 

silikatischer Galmei: Galmei


 

 

Simon: Neuer Simon, Alter Simon


 

 

Sintern: Verdichten u. Zusammenbacken von feinkörnigem Erz zu verhüttungsfähigem, stückigem Agglomerat. Der Prozess des Sinterns wurde nach Einführung der Flotations-Aufbereitung erforderlich, weil das hierbei entstehende Konzentrat (z.B. bei der Verhüttung von Blei und Zink) in seiner sehr feinkörnigen Form als Aufgabegut für die üblichen Schacht- und Muffelöfen nicht geeignet war.

Das Sintern erfolgt häufig gleichzeitig mit dem Rösten (Sinterröstung). Dieses Verfahren wurde in den Stolberger Metallhütten in den 1920er Jahren eingeführt.

Quellen: Stolberger Zink, (1960), Seite 5


 

 

Sinterröstung: Rösten von meist sulfidischen Erzen, bei dem gleichzeitig ein Sintern erfolgt.


 

 

Smithsonit: Zinkspat


 

 

Société anonyme des Mines et des Fonderies de Zinc de Stolberg: STOLBERGER GESELLSCHAFT. Die Initialen SS des franz. Kurznamens SOCIÉTÉ STOLBERG dienten als Warenzeichen für Stolberger Hüttenzink.


 

 

Société anonyme des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne: Vieille Montagne


 

 

Société Stolberg: Kurzname für SOCIÉTÉ ANONYME DES MINES ET DES FONDERIES DE ZINC DE STOLBERG (STOLBERGER GESELLSCHAFT). Die Initialen SS der Société Stolberg dienten als Warenzeichen für Stolberger Hüttenzink, welches auch beibehalten wurde als sich die Gesellschaft ab 1938 STOLBERGER ZINK nannte.


 

 

Soda (Natriumkarbonat) Na2CO3: Ein weißes, in Wasser leicht lösliches Salz, welches üblicherweise in seiner Kalzinierten Form als pulverförmiges Gut hergestellt u. gehandelt wird.

Soda findet hauptsächlich als Flussmittel in Glashütten, zum Auswaschen des Wollfettes u. zum Bleichen in der Textilindustrie sowie in der Seifen- bzw. Waschmittelindustrie Verwendung.

In der Natur kommt die Soda als krustenförmige Abscheidungen in vielen Salzseen vor. Geringere Mengen natürlicher Soda wurden im vorigen Jh. in Ägypten abgebaut.

In gewisser Weise war die Soda im ausgehenden 18. u. im beginnenden 19. Jh. ein Ersatzstoff für das Kaliumkarbonat (K2CO3), welches damals aus Holzasche ausgewaschen u. Pottasche genannt wurde. Der mit einsetzender Industrialisierung entstehende Mengenbedarf ließ sich bei der Vielzahl von Anwendungsgebieten auf Grund mangelnder Holzvorräte sehr bald nicht mehr abdecken. RÜSBERG, F. (1949) Seite 25

In Verbindung mit den aufgeführten Verwendungszwecken war beim Kaliumkarbonat allerdings weniger das Kalium selbst, als vielmehr das zugehörige Anion von Bedeutung. Aus diesem Grund ließen sich auch die Aschen von See- u. Strandpflanzen verwenden, wobei in diesem Fall nicht mehr Kaliumkarbonat, sondern Natriumkarbonat (also Soda) aus den Aschen ausgewaschen werden konnte. Bezüglich der gewünschten Eigenschaften war die so gewonnene Soda eine völlig gleichwertige Alternative zur Pottasche.

Durch die Verwendung von See- u. Strandpflanzen ergab sich, wenn auch nur für kurze Zeit, eine gewisse Entspannung bei den Lieferengpässen. Einen bedeutenden Beitrag zur Sodaherstellung aus organischer Substanz lieferte die Westküste Spaniens, wo man aus den dort angebauten Barillapflanzen die sogenannte Barilla-Soda gewann. RÜSBERG, F. (1949) Seite 26

Der mit fortschreitender Industrialisierung immer weiter steigende Bedarf einerseits, u. die nur begrenzte Verfügbarkeit von Soda bzw. deren natürlicher Ausgangsstoffe andererseits, drohten gegen Ende des 18. Jh. die allgemeine Industrieentwicklung ernsthaft zu behindern. Vor diesem Hintergrund setzte die franz. Akademie der Wissenschaften einen Preis auf die Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung synthetischer Soda aus. Um 1790 stellte Nicolas Leblanc ein entsprechendes Verfahren vor, welches später nach ihm benannt wurde (Leblanc-Verfahren). Dieses Verfahren wurde im letzten Viertel des vorigen Jh. zunehmend von dem energetisch günstigeren Solvay- Verfahren verdrängt.

Soda wurde in Stolberg zunächst in der 1850 von Friedrich Wilhelm Hasenclever gegründeten Waldmeisterhütte u. später in der Rhenania bis 1925 in großtech. Maßstab nach dem Leblanc- Verfahren hergestellt u. fand auch in den umliegenden Industrien (Glashütten, Textilfabriken sowie Seifen- u. Waschmittelindustrie) guten Absatz.

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Skizze: F. Holtz

Das Leblanc-Verfahren war für den Standort Stolberg geradezu prädestiniert, da (mit Ausnahme des Steinsalzes, welches mit nur ca. 15% Gewichtsanteilen beteiligt war) alle anderen zu seiner Anwendung erforderlichen Roh- u. Betriebsstoffe in unmittelbarer Nähe verfügbar waren. Eine ganz wichtige Rolle spielte hierbei die beim Rösten sulfidischer Erze (Zinkblende, Bleiglanz) anfallende Schwefelsäure. Die erforderliche Steinkohle wurde anfangs in unmittelbarer Nähe der Rhenania (Atsch) gefördert u. ließ sich später auf Grund der unmittelbar vorbeiführenden Bahnlinie aus benachbarten Gebieten (z.B. Wurmrevier) kostengünstig transportieren. Ein weiterer Grundstoff, nämlich Kalkstein, wurde in den Steinbrüchen gewonnen, die sich u.a. in den südlichen Bereichen des heutigen Stadtgebietes befinden.

Skizze
Skizze: F. Holtz

Quellen: OSTEROTH, D. (1985) Seite 36 ff, RÜSBERG, F. (1949) Seiten 25-26


 

 

Sodalauge: Wässrige Lösung von Soda. Sodalauge entstand u.a. als Zwischenprodukt bei der Sodaherstellung (Leblanc-Verfahren, Mutterlauge).


 

 

Sodaofen: Oberbegriff für Industrieöfen unterschiedlicher Bauformen, die bei der Herstellung von Soda nach dem Leblanc-Verfahren Verwendung fanden, u. in Stolberg hauptsächlich bei der Rhenania im Einsatz waren.

Anfangs wurden sogenannte Soda-Handöfen (Leblanc-Sodaöfen) u. später mechanisierte Drehrohröfen (Sodarevolver) verwendet, wobei sich die in den Bezeichnungen angedeutete manuelle bzw. mechanisierte Betriebsart hauptsächlich auf das Umkrücken bezog.

Das in den Natriumsulfatöfen gewonnene Natriumsulfat (Na2SO4) wurde im Sodaofen zu Natriumsulfid (Na2S) reduziert, wobei gemahlener Koks als Reduktionsmittel diente.

Na2SO4 + 2 C → Na2S + 2 CO2

Das freiwerdende Natriumsulfid (Na2S) konnte unter starker Hitzeeinwirkung mit dem ebenfalls zugesetzten, gemahlenen Kalkstein (CaCO3) reagieren, wobei Soda (Na2CO3) u. Kalziumsulfid (CaS) entstanden.

Na2S + CaCO3 → Na2CO3 + CaS

Die Soda u. das Kalziumsulfid bildeten, vermengt mit Asche, Kalk- u. Kohleresten, die Rohsoda bzw. die sogenannte Schwarzasche

Skizze
Skizze: F. Holtz, nach OSTEROTH, D. (1985) Seite 40

Das in den Sodaofen eingefüllte Gemenge aus Natriumsulfat, Koks u. gemahlenem Kalkstein wurde zunächst bei mäßiger Hitze reduziert u. nach Ablauf der Reaktion zum feuerseitigen Ofenteil gezogen. Hier wurde das Material dann unter heller Rotglut umgesetzt u. als Schwarzasche (Rohsoda) ausgebracht. Der Ofen besaß seitliche Arbeitsöffnungen zum Umkrücken, zum Verlagern des Materials von der einen Ofenplattform zur anderen u. zum Abziehen der fertigen Charge.

Insbesondere bei den Handöfen war die Beurteilung des Schmelzzustandes äußerst kritisch u. verlangte viel Erfahrung. Der richtige Zeitpunkt zum Abziehen der fertigen Charge musste minutengenau abgeschätzt werden u. geringfügige Abweichungen in der Verweilzeit, in der Temperatur oder im Ofenzug machten die Schmelze unbrauchbar.

Ganz wichtig war auch das sorgsame u. gründliche Umkrücken der Masse, um erstens eine gute u. gleichmäßige Erwärmung zu erzielen u. zweitens die unterschiedlichen Bestandteile der Masse in möglichst direkten Kontakt zueinander zu bringen, da nur so eine vollständige Reaktion möglich wurde. Dieses Umkrücken erforderte nicht nur Geschicklichkeit, sondern auch große Kraftanstrengung, die überdies auch noch bei großer Hitze zu erbringen war.

Quellen: OSTEROTH, D. (1985) Seite 40


 

 

Sodarevolver: Mechanisch betriebener Sodaofen, der Ende der sechziger Jahre des vorigen Jh. den beim Leblanc-Verfahren üblichen Handofentyp ablöste.

Bild
Sodarevolver, Quelle: Ost (1900)

Die Bauform des Sodarevolvers wurde ebenfalls in anderen Industriezweigen verwendet u. entsprechend seiner Form bzw. Wirkungsweise auch Zylinderofen oder Drehrohrofen genannt. Dieser Ofentyp bestand aus einem drehbar gelagerten, 5 bis 10 m langen Zylinder mit einem Durchmesser zwischen 3 u. 4 m, wobei die Drehbewegung das beim Handofen erforderliche manuelle Umkrücken ersetzte. Hierdurch wurden nicht nur eine rationellere Arbeitsweise, sondern auch entscheidende Vorteile bezüglich der Arbeitsbedingungen erzielt.

Bei der Verwendung von Sodarevolvern konnten Chargenansätze von mehreren Tonnen Natriumsulfat pro Stunde verarbeitet werden.

Die Beheizung des Sodarevolver erfolgte nach dem Prinzip der Flammöfen.

In Stolberg wurde dieser Ofentyp u.a. in der Rhenania eingesetzt, wo er insbesondere unter Robert Hasenclever weiterentwickelt u., wie das gesamte Leblanc-Verfahren überhaupt, zu techn. Reife geführt wurde.

Quellen: OSTEROTH, D. (1985) Seite 41


 

 

Sodastein: Ätznatron


 

 

Sohle: Unterste Begrenzungsfläche eines Grubenbaues; auch Ausdruck für die Gesamtheit der in einer bestimmten Ebene liegenden Baue. Eine bestimmte Sohle wurde meist in Verbindung mit ihrer Teufe, seltener mit einem Eigennamen benannt (z.B. 150 m Sohle oder James-Sohle).


 

 

Solvay, Ernest (1838-1922): Belgischer Chemiker. Erfinder des nach ihm benannten Verfahrens (Solvay- Verfahren) zur Herstellung von Soda.


 

 

Solvay-Verfahren (Ammoniak-Soda-Verfahren): Das techn. wichtigste, nach seinem Erfinder Ernest Solvay benannte Verfahren zur Herstellung von Soda, welches um 1780 das  Solvay-Verfahren sukessive ablöste.

Beim Solvay-Verfahren wird eine Kochsalzlösung (Natriumchlorid NaCl u. Wasser H2O) zusammen mit Kohlendioxyd (CO2) u. Ammoniak (NH3) nach folgendem Reaktionsschema zu Ammonchlorid (NH4Cl) u. zu Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) umgesetzt.

(1): NaCl + CO2 + NH3 + H2O → NH4Cl + NaHCO3

Letzteres kann durch Erhitzen in Drehrohröfen in kalzinierte Soda (Na2CO3) überführt werden:

(2): 2 NaHCO3 → Na2CO3 + H2O + CO2

Das hierbei freiwerdende CO2-Gas kann dem Prozess in (1) erneut zugeführt werden.

Auf Grund der Tatsache, dass man für dieses Verfahren Ammoniak benötigte, bezeichnete man die nach dem Solvay-Verfahren hergestellte Soda auch als Ammoniaksoda. Solvay-Anlagen wurden anfänglich häufig dort errichtet, wo das zur Herstellung notwendige Ammoniak anfiel u. leicht verfügbar war, nämlich in der Nähe von Kokereien u. Gasfabriken. Dieser Standortfaktor dürfte auch eine Rolle gespielt haben, als Moritz Honigmann 1870 die erste deutsche Ammoniaksoda-Fabrik in Würselen gründete, die 1910 an den Solvaykonzern überging.

Sehr bald schon gelang jedoch die Rückgewinnung des Ammoniaks aus dem in (1) anfallenden Ammonchlorid (NH4Cl). Hierzu wurde der Ammonchloridsole gebrannter Kalk zugesetzt, wobei neben dem rückgewonnenen Ammoniak (NH3) eine Kalziumchloridlauge (CaCl2) entstand.

(3): 2NH4Cl + CaO → CaCl2 + NH3 + H2O

Da man somit nur noch die im Prozess auftretenden Ammoniakverluste ersetzten musste, war der Standortvorteil nicht mehr relevant, der sich anfangs durch die geographische Nähe von Ammoniaklieferanten ergeben hatte. Die Standortwahl für Ammoniaksoda-Fabriken wurde zunehmend bestimmt durch Steinsalzvorkommen u. deren Bauwürdigkeit.

Beim Brennen des zur Ammoniakrückgewinnung (3) benötigten Kalks (CaO) aus Kalkstein (CaCO3) wurde auch Kohlendioxyd (CO2) frei.

CaCO3 → CaO + CO2

Dieses Kohlendioxyd wurde zum Ausgleichen von CO2-Verlusten in den Prozess-Schritten (1) u. (2) genutzt.

Auf Grund seiner techn. Überlegenheit löste das Solvay- Verfahren das bis dahin gebräuchliche Leblanc-Verfahren ab. Der grundsätzliche Unterschied zwischen den beiden Verfahren bestand darin, dass die Reaktionen beim Leblanc-Verfahren in der festen Phase bzw. in der Schmelze u. bei vergleichsweise hohen Temperaturen abliefen, während die Umsetzung beim Solvay-Verfahren mit sehr viel weniger Energieaufwand in wässriger Lösung erfolgte. Hieraus ergab sich bei Anwendung des Solvay-Verfahrens eine Kokseinsparung von ca. 95%.

Durch die niedrigeren Reaktionstemperaturen unterlagen die eingesetzten Apparaturen u. Produktionsanlagen beim Solvay-Verfahren einem weniger hohen Materialverschleiß u. erforderten geringere Reparatur- u. Wartungskosten.

Als weiterer Vorteil wäre anzumerken, dass das beim Leblanc-Verfahren anfallende, lästige Abfallprodukt Kalziumsulfid bei der Herstellung von Ammoniak-Soda nicht entstand u. somit auch nicht entsorgt werden musste.

Quellen: OSTEROTH, D. (1985) Seite 108 u.113


 

 

Sonnental: Ehemaliger Kupferhof an der heute gleichnamigen Straße oberhalb des Kaiserplatzes. Die Anlage entstand 1730 als Erweiterung der Enkerei und wurde von Abraham Friedrich Peltzer als eigenständiges Bauensemble erbaut. 
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 287

Wie ebenfalls am Kupferhof Schart ist auch hier die örtliche Nähe zum Vichtbach und der funktionale Zusammenhang zwischen Fließgewässer (Wasserkraft) und Kupferhof zu erkennen.

In den 1760er Jahren wurde der Kupferhof Sonnental von Abraham Friedrich Peltzer an Michael Michels verkauft.
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 289, EYLL, K. von (1999) Seite 42

1835 wurde im Sonnental durch die Firma SCHUH & GRÄFF eine Glashütte eingerichtet BRECHER, A. (1990) Seite 45 die weißes u. grünes Hohlglas (Flaschen) herstellte. Es handelte sich hierbei um einen vergleichsweise kleineren Betrieb, der mit nur einem Glasofen betrieben wurde. SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 290

1850 gründete die Firma DECHESNE dort eine Eisengießerei, die ab 1932 von Josef Benz zunächst als Pächter und ab 1952 als Eigentümer zur Herstellung von Graugussteilen betrieben wurde. BRECHER, A. (1990) Seite 51

Nach Aufgabe der Gießerei in den 1960er Jahren nutzte das Transportunternehmen Breuer die Gewerbegebäude hauptsächlich als Betriebsstätte des Heizölvertriebs.
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 291

Im Zuge der Altstadtsanierung wurde der ehemalige Kupferhof Sonnental in den 1980er Jahren umgestaltet, und es entstand eine attraktive Wohnanlage. Die sich nach Norden anschließenden Gewerbegebäude (heute vom Parkhaus Sonnentalstraße überdeckt) wurden abgerissen. Mauerreste der ehemaligen Eisengießerei (Bruchstein) sind in der nördlichen Begrenzungsmauer des Innenhofes noch zu erkennen.
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 292

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Fotos: Axel Pfaff

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seiten 45 u. 51, EYLL, K. von (1999) Seite 42
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seiten 287-292


 

 

Sous, Albert: Überregional bekannten Goldschmied und Metallbildhauer (siehe auch Vogelmensch).


 

 

Speerkies: Markasit


 

 

Speriferen: Brachiopoden


 

 

Sphalerit: Zinkblende


 

 

Spill (Wellenbaum, Mühlenbaum): Hauptantriebswelle eines Wasserrades (Hammerwerk, Pochwerk).


  

 

Spindelpresse: Vorrichtung zum Pressen und Formen unterschiedlichster Materialien. Die Bewegung des Pressenstempels und die Schließkraft der Presse wird durch Drehen einer Gewindespindel erreicht. Zur Erzielung einer hohen Druckkraft ist die Spindel am oberen Ende mit einem großen Handrad oder einer Querstange fest verbunden.

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Foto: Zinkhütter Hof

Die am äußeren Rand des Handrades bzw. an den Enden der Querstange angebrachten Gewichte erhöhen bei schnellem Zufahren der Presse durch ihre kinetische Energie die Schließkraft ganz erheblich, ohne dass eine nennenswerte Kraftanstrengung aufgebracht werden muss.

Spindelpressen fanden in Stolberg u.a. zum Pressen von Stückseife u. in der Nähnadelfertigung zum Ausstanzen der Nadelöhre Verwendung.

Durch die Selbsthemmung der Gewindespindel bleibt die Schließkraft erhalten, bis man durch gegenläufige Drehbewegung der Spindel das System entspannt. Auf Grund der Schließkrafterhaltung findet das Konstruktionsprinzip der Spindelpressse seit Jahrhunderten bei Fruchtpressen (Keltern) Anwendung.


 

 

Spirlet-Ofen: Röstöfen


 

 

Spierling: Steinkohle-Flöze


 

 

Spliss: Steinkohle-Flöze


 

 

SS: Warenzeichen für Stolberger Hüttenzink, welches sich von den Initialen der SOCIÉTÉ STOLBERG ableitet.

Quellen: Stolberger Zink, (1960), Seite 3


 

 

St. Anna: Anna


 

 

St. Barbara: Barbara


 

 

St. Heinrichhütte: Zinkhütte Münsterbusch


 

 

Stahl: Schmied- u. walzbares Eisen mit einem Kohlenstoffgehalt von bis zu 1.7 %. Höhere Kohlenstoffgehalte machen das Eisen spröde u. lassen nur eine Verwendung als Gusseisen zu.

In der Vichttaler Eisenhüttenindustrie wurde Stahl in den Frühschmieden erzeugt.


 

 

Stalagmit: Tropfsteine


 

 

Stalagnat: Tropfsteine


 

 

Stalaktit: Tropfsteine


 

 

Stalburg: In einer Urkunde aus dem Jahr 1118 erstmals erwähntes Rittergeschlecht (Reinardus von Stalburg), welches von der Mitte des 12. Jh. bis zur Mitte des 13. Jh. Besitzer der Stolberger Burg bzw. deren Vorgängerbau sowie den dazu gehörenden Ländereien gewesen ist. Das Geschlecht derer von Stalburg wurde namengebend für den späteren Siedlungsweiler u. der heutigen Stadt Stolberg.

Quellen: ALTENA, C. (2012) Seite 21ff


 

 

Stampes: veralteter, mundartl. Ausdruck für den Arbeitsplatz in einem Kupferhof, wo der frische Ton für die Schmelztiegel geklopft (gestampft) wurde, abgeleitet von stampe (stampfen); Werkes.


 

 

Stanzes: veralteter, mundartl. Ausdruck für Stanzerei, abgeleitet von stanze (stanzen); Werkes.


 

 

Steffens: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg.


 

 

Steinbrüche: Wie an den Fundamenten der gallo- römischen Tempelanlage Varnenum zu erkennen ist, sind Kalkstein als landschaftstypisches Baumaterial und somit auch die Spuren der Steingewinnung, also aufgegebene sowie noch in Betrieb befindliche Steinbrüche, seit mindestens 2000 Jahren evidenter Bestandteil unserer Kulturlandschaft und unserer Tradition. Die Bebauung der alten Ortskerne wie beispielsweise Breinig, Venwegen oder Kornelimünster wird geprägt durch den heimischen Blaustein, welcher auch der Stolberger Burg ihr unverwechselbares Erscheinungsbild gibt.

Die aus heutiger Sicht wichtigsten Kalkstein-, Dolomit- und Blausteinbrüche sowie Kalkwerke im Stolberger Raum waren (bzw. sind):

Atzenach, Bärenstein, Bernardshammer, Binsfeldhammer, Hitzberg (Vygen bzw. BSR), Kalkwerke Gehlen, Kalkwerke Hastentath, Rotsch, Rüst, Schomet.

In den meisten Fällen wurde (bzw. wird) der eingewonnene Rohstein zerkleinert und als Schotter im Straßen- bzw. Wegebau, sowie als Zuschlagstoff in den Glashütten (Stabilisator) bzw. in der Sodaindustrie (Rhenania) verwendet oder in Schachtöfen zu Branntkalk verarbeitet.

Im Gegensatz hierzu kam es in manchen Fällen (insbesondere beim Abbau von Blaustein) darauf an, möglichst große Steinblöcke zu erhalten, die von Steinmetzen oder Bildhauern zu Quadern, Wegekreuzen, Grabsteinen bzw. Grabplatten (Kupfermeister-Friedhof), Statuen etc. weiter verarbeitet wurden.

Während zur Herstellung von mehr oder weniger grobkörnigem Schüttgut das Gestein bedenkenlos aus dem Gebirgsverband heraus gesprengt werden kann, sind zur Gewinnung großvolumiger, möglichst rechteckiger Blöcke andere Abbaumethoden erforderlich.

Bereits seit der Antike war es üblich, in die vom Gebirge abzuspaltende Steinbank eine Vielzahl von V-förmigen Keiltaschen einzumeißeln, deren Anordnung dem gewünschten Verlauf der Bruchlinie entsprach. In diese Keiltaschen wurden dann Eisenkeile eingetrieben, die (zum Erreichen gleichmäßig verteilter Spannung) abwechselnd eingehämmert wurden bis sich Rissbildung zeigte. Letztlich konnte der losgelöste Block mit Hilfe von Brechstangen aus der Abbauwand gehebelt werden.

In neuerer Zeit werden statt der Eisenkeile spezielle Hydraulik-Flachzylinder verwendet. Nach Möglichkeit nutzt man auch im Gebirgskörper natürlich entstandene Klüfte und Spalten zum Einsetzen von Hydraulik-Zylindern oder Pressluftkissen und erspart sich somit das Anlegen von Taschen zum Ansetzen der Spaltwerkzeuge.

Insbesondere im Bereich Venwegen - Hahn werden großformatige Werksteinblöcke auch heute noch unter Verwendung dieses Verfahrens abgebaut.

An vielen Beispielen lässt sich insbesondere im Stolberger Raum zeigen, dass sich in den ehemaligen, offen gelassenen Steinbrüchen gänzlich ohne Rekultivierungsmaßnahmen interessante, ökologisch höchst wertvolle Biotope bilden, die zum Teil höchstmöglichen Schutzstatus (FFH bzw, Natura 2000) genießen und alle Stadien der Sukzessionsvegetation erkennen lassen.

In einigen der unter Schutz gestellten Steinbrüche sind neben seltenen, geschützten Kleinvogelarten wie Neuntöter und Heidelerche ebenfalls Greifvogelarten (darunter auch der Uhu) heimisch, die ihre Horste vorzugsweise in den Steilwänden der ehemaligen Abbaukanten anlegen.


 

 

Stein der Weisen: Mythologischer Begriff, der sich ursprünglich auf die Herstellung von Gold bezogen haben soll.

Auf Grund der über mehrere Jahrtausende gemachten Erfahrungen gehörte zu jedem Metall ein gewisser Stein (ein Erz), aus welchem das entsprechende Metall ausgeschmolzen werden konnte u. der in entsprechenden Lagerstätten massenhaft vorkam. Dies galt gleichermaßen für Kupfer, Zinn, Silber, Blei, und Eisen. Hieraus folgernd postulierte man, dass es auch einen Stein, ein Erz geben müsse, aus dem sich Gold ausschmelzen ließ. Diese Vorstellung mit den damit verbundenen Hoffnungen und Erwartungen sowie die vergebliche Suche nach eben diesem Stein trug dazu bei, dass der Mythos vom "Stein der Weisen" entstehen konnte (siehe auch Krebsformel).

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass das Galmeiverfahren zur Herstellung von Messing die Phantasie der Alchemisten beflügelte. Auch hier nutzte man einen Stein (Galmei), um eine stoffliche Umwandlung des Kupfers zu erreichen. Und dieser umgewandelte Stoff, das Messing nämlich, schien sich dem ersehnten Gold offenkundig stark anzunähern.


 

 

Steinfeld: Ehemaliger Kupferhof an der heute gleichnamigen, zum Krankenhaus führenden Straße. Der direkt an dieser Straße liegende, zum Bethlehem-Krankenhaus gehörende, runde Turm sowie die sich anschließenden Bruchsteingebäude sind Teile der ursprünglichen Hofanlage Steinfeld.

Der Kupferhof Steinfeld wurde 1679 von Johannes Peltzer errichtet (Vorderes Steinfeld) u. 1698 von Hermann Peltzer (Hinteres Steinfeld) als Doppelhofanlage ausgebaut.

Zur Deckung des Energiebedarfes wurde die Wasserkraft einiger kleinerer, vom Donnerberg zufließender Bäche genutzt. Deren Wasser wurde in insgesamt sechs kleineren Staubecken gesammelt, die sich nördlich des jetztigen Friedhofes in einer auch heute noch sichtbaren Flachmulde befanden (Parkplatz Bergstr.). Nach dem Öffnen der Weiherschleusen reichte das Wasser allerdings nur für jeweils eine halbe Stunde Mühlenbetrieb.

Das Anwesen blieb im Besitz der Familie Peltzer bis die Kirchengemeinde St. Luzia 1866 die Anlage zwecks Einrichtung eines Hospitals erwarb.

In der mundartl. Umgangssprache fand der Ausdruck Steinfeld häufig als Synonym für Krankenhaus Verwendung (op Steefeld lijje- im Krankenhaus liegen).

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 Aquarell von G. Dodt

Quellen: PELTZER, F. (1955), BRECHER, A. (1990) Seite 25,
SCHLEICHER, K. (1974) Seite 46


 

 

Steinfurt: Zinkhütte Steinfurt


 

 

Steinkohle: Fossile, durch Inkohlung hauptsächlich zu Kohlenstoff umgewandelte u. stark verfestigte Pflanzensubstanzen, welche ursprünglich aus tropischen Sumpfwäldern der Karbon-Zeit stammen u. später von Sand-, Ton- u. Geröllschichten überlagert wurden. Hierdurch entstanden die für einen hohen Inkohlungsgrad erforderlichen Temperatur- Druckbedingungen.

Je nach Höhe des Inkohlungsgrades unterscheidet man Braun- u. Steinkohle, wobei die Steinkohle wiederum je nach Gehalt an flüchtigen Bestandteilen (Summe aus Wasserstoff, Sauerstoff u. Stickstoff in %) wie folgt unterteilt werden kann: Gasflammkohle (35-40), Gaskohle (28-35), Fettkohle (18-28), Esskohle (12-18), Magerkohle (10-12), Anthrazit (<10).

In der näheren Region befanden sich bauwürdige Steinkohle- Lagerstätten in den nordöstl. u. nordwestl. Teilen des heutigen Stolbergs, nämlich im Bereich Münsterbusch, Atsch, Birkengang u. Eschweiler Kohlberg (Indemulde).

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Lage der Steinkohle - Flöze
in der Indemulde

Die hier lagernde Steinkohle scheint schon zu römischer Zeit genutzt worden zu sein, da man bei der Ausgrabung einer römischen Anlage nahe des heutigen Stolberger Bahnhofs sowohl Steinkohlevorräte als auch Eisen- Schlacke mit anhaftender Steinkohle gefunden hat.

Die Steinkohle war in Stolberg zur Zeit der Kupfermeister von hoher wirtsch. Bedeutung, da sie zur Beheizung der Messingöfen Verwendung fand.

Bezüglich des Einsatzes von Steinkohle als Wärmeenergieträger bei metallurgischen Prozessen kann der Stolberger Wirtschaftsraum in gewisser Weise als Sonderfall gelten. Sehr im Gegensatz zur Eisenverhüttung nämlich (Hochofen), musste bei dem zur Messing-Herstellung üblichen Zementationsverfahren der eingesetzte Brennstoff nicht notwendigerweise gleichzeitig als Reduktionsmittel dienen, sondern es konnten durchaus verschiedene Stoffe entsprechend ihrer Zweckdienlichkeit für den jeweiligen Verwendungszweck herangezogen werden. Dies war deshalb möglich, weil das eigentliche Messingbrennen innerhalb von Schmelztiegeln erfolgte, die u.a. das Reduktionsmittel (Holzkohle) enthielten, während die Beheizung der Tiegel mit Brennstoffen jedweder Art (also auch mit Steinkohle) erfolgen konnte.

Obwohl die Steinkohle schon seit einigen Jh. mit bergtechn. mehr oder meist weniger aufwendigen Mitteln insbesondere dort abgebaut worden war, wo die Flöze an der Tagesoberfläche austraten (Ausbiss) oder in nicht allzu großer Teufe lagerten, begann die eigentliche wirtsch. Bedeutung der Steinkohle erst, als man zu Anfang des 19. Jh. durch den Einsatz von mittlerweile betriebssicheren, zuverlässigen Dampfmaschinen den Heizwert fossiler Brennstoffe in mechanische Energie konvertieren konnte. Hierdurch ließ sich mechanische Antriebsenergie in nahezu beliebiger Menge bereitstellen, u. das an fast jedem beliebigen Ort u. zu jeder beliebigen Zeit.

Das uralte Problem des Bergbaus, die Wasserhaltung nämlich, schien plötzlich durch den Einsatz von Dampfmaschinen lösbar, u. einem Tiefenausbau der Gruben in einer bis dahin kaum vorstellbaren Größenordnung stand nichts mehr im Wege. Als symptomatisch für diese Entwicklung kann der Umstand gelten, dass die Dampfmaschinen zunächst hauptsächlich in den Steinkohlegruben zum Zwecke der Wasserhaltung u. später auch als Antrieb für die Fördermaschinen Einzug hielten. So wurde auch die erste Dampfmaschine in unserer Region im Steinkohlebergbau eingesetzt u. unterstützte die am Kohlberg (Eschweiler Pumpe) zur Wasserlösung installierte Herrenkunst, einer Wasserradanlage, die mit dem Aufschlagwasser der Inde betrieben wurde.

Sehr bald aber fanden Dampfmaschinen auch in den Erzgruben hauptsächlich zur Wasserhaltung Verwendung u. erlaubten auch hier einen Tiefenausbau der Gruben (z.B. Diepenlinchen oder Breinigerberg).

Der Einsatz von Steinkohle bzw. eines ihrer Derivate als Reduktionsmittel in den Verhüttungs-Prozessen (z.B. Eisen, Blei, Zink) wurde ebenfalls möglich, nachdem man die Steinkohle in den Kokereien von den flüchtigen, öligen u. bituminösen Substanzen befreien konnte.

Die daraus resultierende Verfügbarkeit von Eisen u. Stahl als Massengüter ermöglichte mit der Entwicklung der Eisenbahnen eine Revolution des Verkehrswesens u. sorgte für einen Austausch von Wirtschaftsgütern zwischen den in unterschiedlichen Regionen entstehenden Industriezentren.

Basierend auf einer äußerst günstigen Lagerstättenkonstellation (Steinkohle im Norden u. Erze im Süden) konzentrierte sich im Stolberger Raum die Industrialisierung aus Gründen des Energiebedarfs auf den Bereich der Steinkohle-Lagerstätten.

Zwischen 1855 u. 1891, der Zeitepoche des industriell betriebenen, großtechn. Abbaus, wurden bis zur Aufgabe der letzten Steinkohlengrube (James-Grube) in den Bergwerken Atsch, Birkengang, Probstei u. James (deren Standorte dem heutigen Stadtgebbiet zuzurechnen sind) ca. 2.250.000 t Steinkohle gefördert. Hinzu kamen noch die viel größeren Mengen aus den äußerst ergiebigen Binnenwerken des Eschweiler Kohlbergs (Grube Centrum).


 

 

Steinkohle-Abbaufelder: Entsprechend des Vorkommens von Steinkohle-Flözen entwickelten sich im Norden Stolbergs rege Schürf- u. Fördertätigkeiten auf Steinkohle. Die wichtigsten Steinkohle-Abbaufelder im unmittelbaren Stolberger Raum waren: Atsch, Birkengang, Georgsfeld, James (benannt nach James Cockerill) u. Vereinigte Centrum.

Atsch, Birkengang u. Vereinigte Centrum gehörten zum sogenannten Eschweiler Kohlberg, wohingegen die Steinkohle-Abbaufelder des Münsterbusches Münsterkohlberg oder auch Kohlbusch genannt wurden.


 

 

Steinkohle-Flöze: Im Stolberger Raum treten bzw. traten Steinkohle-Flöze in großflächiger Erstreckung im Bereich der Indemulde auf u. waren entsprechend des Verlaufes der sie umlagernden Schichten schüsselförmig eingewölbt. Entsprechend ihrer Abfolge u. der erosiven Abtragung des Gebirges traten viele der Steinkohle-Flöze an der Tagesoberfläche aus (Ausbiss) u. erlaubten hier einen einfachen Abbau in Pingen-Bauweise.

Soweit die in der Indemulde auftretenden, insgesamt 44 Steinkohle-Flöze Eigennamen trugen, sind diese wie folgt aufgelistet, wobei die Reihenfolge so gewählt wurde, dass sie der Abfolge zur Teufe hin bzw. auch des Auftretens an der Oberfläche in Richtung Muldenzentrum zum Muldenrand entspricht. Die Klammerwerte geben die ungefähren bzw. maximalen Mächtigkeiten der Steinkohle-Flöze in cm an:

Binnenwerke: Furth (80), Kleinscholl (20), Großscholl (30), Kleinplattenkohl (35), Kleinkohl (55), Plattenkohl (60), Makrel (20), Spierling (30), Kleinbücking (20), Großbücking (30), Rheinfisch (25), Kleinsteinkohl (40), Knoch (20), Stock (60), Kleinstock (15), Mumm (50), Häring (30), Großhupp (65), Kleinhupp (20), Schlemmerich (105), Bein (25), Kirschbaum (40), Klein-Kirschbaum (20), Fornegel (45), Krebs (25), Großkohl (130), Kessel (35), Hartekohl (65), Kaiser (30), Gor (75), Rapp (45).

Breitgang Schichten: Padtkohl (65), Langenberg (30), Huppenbroich (30), Leimberg (30), Breitgang (60).

Außenwerke: Jülcher (25), Eule (40), Krall, Spliss (30), Großkohl (75), Kleinkohl (55), Gyr, Kleingyr.

Die Gesamt-Mächtigkeit der bauwürdigen Steinkohle-Flöze betrug in den Binnenwerken des Eschweiler Kohlbergs ca. 3.40 Meter u. in den Außenwerken bzw. im Münsterkohlberg knapp 2 Meter.

Skizze
Abfolge der Steinkohleflöze im Bereich der Grube Atsch.
Skizze: F. Holtz

 

 

Steinwegsgewand: Geol. Störung, die im Bereich von Münsterbusch in nord- südlicher Richtung verlief u. das Konzessions-Gebiet der James-Grube in zwei Abbaufelder zerteilte.


 

 

Stock: Steinkohle-Flöze


 

 

Stöck: Ehemaliger Kupferhof an der heutigen Straße "Auf der Mühle". Das Eingangstor der 1726 errichteten Stöck zeigt eine Wappendarstellung des Erbauerehepaares Peltzer - Prym (*1). Die Fassade des Herrenhauses blieb in seiner ursprünglichen Form erhalten, während die übrigen Gebäudeteile durch Kriegseinwirkungen zerstört wurden. Seit dem Wiederaufbau dient die Stöck als Wohnanlage.

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Fotos: Axel Pfaff
Radierung von
A. Holler

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Portal des Herrenhauses mit Ochsenauge u. Allianzwappen.
Fotos: F. Holtz

Bemerkenswert an dieser Anlage ist u.a. das kunstvoll ausgeführte Portal des Herrenhauses mit Ochsenauge (ovales, aus Blaustein gefertigtes Oberlicht) sowie dem dekorativen Allianzwappen der Kupfermeisterfamilien Peltzer und Schleicher.

Häufig wird das Anwesen auch neue Stöck genannt, da es einen Vorgängerbau (die alte Stöck) gegeben hat, der sich rechts des heutigen Gebäudekomplexes befand.

Quellen: (*1): BRECHER, A. (1990) Seite 28


 

 

Stockgeld: Abgaben, die für den Bezug von Holzkohle an den Landesherrn abgeführt werden mussten (Schätzmeister).

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (1998) Seite 19,
SCHREIBER, K. und H. (1993) Seite 357


 

 

Stockumerberg: Erzfelder


 

 

Stockwerk: bergm. Ausdruck für ein engmaschiges (mit Erzen ausgefülltes) Netz von Klüften u. Spalten im Gebirgskörper.

In den Stolberger Lagerstätten wurden Stockwerke von Gängen gebildet, die sich in eine Vielzahl von dicht beieinander angeordneten Trümern netzartig verzweigten u. verästelten. Stockwerke waren die sowohl größten als auch ergiebigsten Erzkörper u. lieferten beste Abbaubedingungen.

Die Füllung eines Stockwerks bestand aus mit Erz verkitteten Kalksteintrümmern. GUSSONE, R. (1964) Seite 28

Im Stolberger Raum war die bekannteste Anordnung von Erzmitteln dieses Types das Brennesselstockwerk der Grube Diepenlinchen. Gelegentlich wurden Stockwerke nach ihrem überwiegenden Erzinhalt benannt (z.B. Schwefelkiesstockwerk, Diepenlinchen).

Quellen: GUSSONE, R. (1964) Seite 28


 

 

Stolberg: Südöstlich von Aachen gelegene Industriestadt im Vichttal mit langer Tradition in der Herstellung u. Verarbeitung von NE- Metallen (insbesondere Messing, Blei u. Zink). Weitere Einzelheiten zur allgemeinen Ortsgeschichte und zur Stadtentwicklung siehe auch <<hier>>.

Die natürlichen bzw. naturnahen Landschaftsformen (z.B. Galmeiflora) im Bereich der am Eifelnordrand gelegenen Ortsteile sowie die malerische Altstadt am Fuße der Burg und die historischen Kupferhöfe geben der Stadt Stolberg auch touristische Attraktivität.

Die ursprüngliche Ortslage entwickelte sich aus einem recht kleinen Siedlungskern unterhalb der Burg, der zusammen mit dem Bereich der östlich des Vichtbaches gelegenen Talflanke eine Unterherrschaft der Grafen von Jülich bildete. Die um den Dollartshammer, Ellermühle u. Jan-Ravens-Mühle schon sehr früh entstandenen Weiler können neben den Ansiedlungen um die Burg als Siedlungskerne gelten, die in späterer Zeit allmählich zusammengewachsen sind. Das Gebiet westlich des Vichtbachlaufes gehörte bis zu deren Säkularisierung zur Reichsabtei Kornelimünster.

Eine deutliche Vergrößerung des Stadtgebietes ergab sich 1935 durch die Eingemeindung der bis dahin eigenständigen Gemeinde Büsbach mit den hierzu gehörenden Ortsteilen Münsterbusch u. Dorff sowie des bis dahin zu Eilendorf gehörenden Stadtteils Atsch. Das damals weitgehend unbebaute u. zu Eschweiler bzw. Hastenrath gehörende Gelände des Donnerbergs wurde ebenfalls dem Stolberger Stadtgebiet zugeschlagen.

Mit der kommunalen Neugliederung von 1972 dehnte sich das Stadtgebiet beträchtlich aus. Insbesondere im Süden ergab sich eine Erweiterung durch die Übernahme der Gemeinde Gressenich, wozu neben Gressenich sebst auch Mausbach, Vicht, Werth u. Schevenhütte gehörten. Das ehemals zur Gemeinde Rötgen gehörende Zweifall wurde ebenfalls dem neuen Stadtgebiet zugeschlagen. Die Ortschaften Breinig, u. Venwegen sowie die westlich des Vichtbaches gelegenen Flurstücke von Vicht und Zweifall kamen aus der Gemeinde Kornelimünster hinzu.

Die wirtschtl. Entwicklung des Stadtgebietes wurde entscheidend beeinflusst von reichen Erzlagerstätten (Erzabbauepochen) u. bauwürdigen Steinkohle- Vorkommen, die sich in unmittelbarer Nähe der ursprünglichen Orts- bzw. Stadtlage befanden.

Im Bereich der Erzlagerstätten, die hauptsächlich im Süden Stolbergs lagen, können keltische Schürftätigkeiten als wahrscheinlich u. Bergbauaktivitäten zu römischer Zeit als zweifelsfrei belegt gelten. Der römische Erzabbau u. das daraus resultierende Metallgewerbe (römisches Messing) dürften im 2. u. 3. Jahrhundert zu einer ersten wirtsch. Hochblüte geführt haben. Eine besondere Rolle spielten hierbei die als Galmei ausgebildeten Zinkerze, die für die Herstellung der aus Kupfer u. Zink bestehenden Messing- Legierung Verwendung fanden.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde mit dem Zuzug der sogenannten Kupfermeister aus Aachen der Grundstock für eine zweite Hochblüte der Messingindustrie gelegt, die im 18. Jh. zu einer europaweiten Monopolstellung der im Stolberger Raum ansässigen Messingproduzenten führen sollte.
NAGEL J.G. (2000) Seite 167

Neben den für die Messingherstellung zwingend notwendigen Grundstoffen Galmei u. Kohlholz aus der waldreichen Umgebung waren mit Vicht, Inde u. Wehe Bachläufe mit hinreichender Wasserführung sowie mit ausreichendem Gefälle zum Betrieb der Hammerwerke verfügbar.

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Etwas früher bereits hatten sich im oberen Vicht- u. Wehetal die Reitmeister angesiedelt, deren Eisenhüttengewerbe u.a. auf dem Vichttaler Eisenstein basierte. Diese Eisenhüttenindustrie (Vichttaler Eisen) wurde jedoch durch den Konkurrenzdruck der Kupfermeister um die knapper werdende Holzkohle stark behindert (Kohlzirkelstreit).

Mit beginnender Industrialisierung wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts andere Aspekte der hier vorliegenden Standortkonstellation für die weitere Entwicklung dominant. Die Kombination der bereits erwähnten Erzlagerstätten mit den in nächster Nähe gelegenen, bauwürdigen Steinkohleflözen ließ hauptsächlich im Norden Stolbergs die erste Industrielandschaft auf deutschem Boden entstehen. *KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 13 Neben den Zink- Blei- u. Eisenhütten siedelten sich auch Glashütten an, die zunächst allesamt ihren Energiebedarf aus den heimischen Kohlezechen (Atsch, Eschweiler Kohlberg, Münsterkohlberg) ohne nennenswerte Transportkosten decken konnten. Die bei der Verhüttung von sulfidischen Erzen anfallende Schwefelsäure (Rösten) ermöglichte die Entwicklung einer großchemischen Industrie, die sich hauptsächlich auf die Herstellung von Soda spezialisierte (Rhenania). Die Verfügbarkeit von Soda wiederum war eine wichtige Voraussetzung für die rasante Entwicklung der Textil- u. Waschmittelindustrie sowie der Glashütten, da letztere Soda in erheblichen Mengen als Flussmittel einsetzen mussten.

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Stolberg
im 19. Jh.
Quelle: Stolberg - Wie es einst war.

Während die Kohlevorräte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Neige gingen, reichten die bauwürdigen heimischen Erzlager noch bis 1919, als mit der Grube Diepenlinchen das letzte u. zugleich größte Erzbergwerk im Stolberger Raum aufgegeben werden musste.

Trotzdem ist immer noch eine Vielzahl von Großbetrieben der NE-Industrie in Stolberg ansässig, darunter auch die Bleihütte Binsfeldhammer, welche seit 1990 mit dem hochmodernen, umweltverträglichen QSL- Verfahren arbeitet.

Quellen: KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 13, NAGEL J.G. (2000) Seite 167


 

 

Stolberger Bleikinder: Umgangssprachlicher Ausdruck für durch Schwermetallbelastung (insbesondere Blei) geschädigte Kinder. Bereits in den 1950er Jahren wurden bei Stolberger Kindern erhöhte Bleibelastungen festgestellt.

Während die Toxizität des Bleis schon lange bekannt war, stellte sich in zunehmendem Maße heraus, dass der akzeptable Grenzwert für den Blutbleispiegel bei Kindern sehr viel niedriger angesetzt werden muss als dies bei Erwachsenen der Fall ist, um Schäden im Nervensystem bei Kindern auszuschließen. Bei einer 1978 durchgeführten Reihenuntersuchung von Kindern aus verschiedenen Stadtteilen wurde eine deutliche Korrelation zwischen Bleigehalt im Blut bzw. in den Milchzähnen und der Nähe des Wohnortes zur Bleihütte gefunden.

Außerdem fand man einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen erhöhten Blutbleiwerten und dem Auftreten von ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom). Bei einer 1982 durchgeführten Vergleichsstudie lagen die entsprechenden Werte bei allen Kindern unter dem als kritisch angesehenen Grenzwert von 30 Mikrogramm pro Deziliter.

Die Bleikinder-Problematik bildete zusammen mit dem Auftreten der  Gressenicher Krankheit in den 1970er Jahren den Anlass zur Durchführung eines umfangreichen Umweltschutzprogrammes in Stolberg.

Insbesondere mit der Einführung u. der Weiterentwicklung des QSL- Verfahrens in der Bleihütte Binsfeldhammer kann die akute Schwermetallproblematik in Stolberg heute als gelöst gelten.

Quellen: BRANS, H.O. (2008) Seite 106, HAESE U. (1999) Seite 130


 

 

Stolberger Gesellschaft: Kurzname für die GESELLSCHAFT FÜR BERGBAU, BLEI- UND ZINKFABRIKATION ZU STOLBERG (SOCIÉTÉ ANONYME DES MINES ET DES FONDERIES DE ZINC DE STOLBERG), die 1845 durch Umwandlung der Gesellschaftsform aus der KOMMANDITGESELLSCHAFT DE SASSENAY & CIE. entstanden war.

Ähnlich wie bereits ihre Vorgängerinnen deckte die Stolberger Gesellschaft ihren Erzbedarf (sowohl Zink als auch Blei) zunächst ausschließlich durch den Abbau der Stolberger Lagerstätten (insbesondere durch die Erzgrube Diepenlinchen).

1848 kaufte die Stolberger Gesellschaft die Blei- u. Silberhütte Münsterbusch von der AKT. GES. ZU BLEYBERG ES MONTZEN.

Hauptsächlich zur Erweiterung der Erzbasis kam es 1853 zur Fusion mit dem RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BERGWERKSVEREIN, wodurch man sich vor allem Zugriff auf die reichen Ramsbecker Erzlagerstätten verschaffte. Nach dieser Fusion firmierte das Unternehmen unter dem Namen GESELLSCHAFT FÜR BERGBAU UND ZINKFABRIKATION ZU STOLBERG UND IN WESTFALEN. HAMACHER, R. (1956) Seite 33

1855 geriet das Unternehmen hauptsächlich durch die Politik des Marquis de Sassenay in eine schwere Krise, die von seinem neu berufenen Nachfolger, dem aus einer Elberfelder Bankiersfamilie stammenden Generaldirektor Wilhelm von der Heydt mit viel Geschick gemeistert wurde.

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1851
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1860
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1864
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1879
Briefköpfe und Firmenstempel
Quelle: Privatarchiv Dr. B. Laurs

1909 erwarb die Stolberger Gesellschaft das 1871 aus der GEWERKSCHAFT REMY, HOFFMANN entstandene EMSER BLEI- UND SILBERWERK u. gelangte somit in den Besitz wichtiger Zink- Bleierzgruben an der unteren Lahn. HAMACHER, R. (1956) Seite 34

1922 wurde zwischen der Stolberger Gesellsc haft u. dem zweiten Großunternehmen der Zinkerzförderung u. -verhüttung, der ESCHWEILER GESELLSCHAFT, eine Betriebsgemeinschaft gebildet, die sich als Vorläuferin einer späteren, endgültigen Fusion herausstellen sollte. Diese erfolgte im Juni 1926, wobei die ESCHWEILER GESELLSCHAFT gänzlich übernommen wurde u. nach langjährigen erfolgreichen Unternehmensaktivitäten in der Stolberger Gesellschaft aufging.

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Skizze: F. Holtz, nach RÜBMANN, A. (1925) Tafel 1

1938 entschloss sich das Unternehmen unter dem Namen STOLBERGER ZINK AKTIENGESELLSCHAFT FÜR BERGBAU UND HÜTTENBETRIEB AACHEN zu firmieren. Hierfür setzte sich sehr bald schon der Kurzname STOLBERGER ZINK durch, der auch überregional zu einem festen Begriff geworden ist.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 106 u. 111, RÜBMANN, A. (1925) Seite 18
KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 89, HAMACHER, R. (1956) Seite 33 u. 34


 

 

Stolberger Gold:  Im Zusammenhang mit Messing wird gelegentlich auch von „Stolberger Gold“ gesprochen. Dieser Begriff bezieht sich nicht nur auf die goldähnliche Farbe und auf den goldähnlichen Glanz von blankgeputztem Messing, sondern auch auf den Umstand, dass die Herstellung und Verarbeitung von Messing in Stolberg ein goldenes Gewerbe gewesen ist, das seinen Betreibern Reichtum und Wohlstand gebracht hat.

Die attraktiven, schloss- bzw. herrenhausartigen Wohntrakte vieler Kupferhöfe sind als Zeugen der wirtschaftlichen Hochblüte des Messinggewerbes bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.

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Kupferhof Rosental
Foto: Axel Pfaff

Bei näherem Hinsehen und in völlig anderem Kontext ist der Begriff “Stolberger Gold“ allerdings nicht nur als reine Allegorie zu verstehen. Spätestens seit Beginn der Industrialisierung spielen Edelmetalle (darunter auch Gold) in Stolberg eine reale, durchaus bedeutende Rolle.

In den lokalen Erzen (hauptsächlich im Bleiglanz) waren geringe Mengen Edelmetalle (vorwiegend Silber) enthalten, die der Bleischmelze entzogen werden konnten. Dieses sogenannte Güldischsilber enthielt seinerseits wiederum etwas Gold, das in Metallscheideanstalten als Feingold abgetrennt werden konnte. Die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer stellt heute neben 155 000 Tonnen Blei auch 500 Tonnen Silber pro Jahr her, in dem etwa 15 kg „Stolberger Gold“ enthalten sind. Bei den heutigen Edelmetallpreisen entspricht dieses Gold einem Wert von etwa 450 Tausend Euro, wobei sich der Marktwert des Silbers auf ca. 200 Millionen Euro beläuft.

Bei dieser Betrachtung sind weitere Edelmetalle (bspw. Platin) und auch das eigentliche Hauptprodukt, nämlich Blei nicht berücksichtigt.

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Bleihütte Binsfeldhammer,
Fotos: Berzelius Stolberg.


 

Stolberger Metallwerke (SMW): Auf die Herstellung u. Verarbeitung von Kupfer-Legierungen (meist Messing) spezialisiertes Unternehmen mit Betriebsstätten an der Frankentalstr. u. der Eisenbahnstr. (Unterster Hof).

Das Unternehmen wurde 1933 als Zusammenschluss der Firmen von Asten & Lynen u. MATTHIAS LUDOLF SCHLEICHER SOHN gegründet. Die o.g. Betriebsstätten wurden von den Stolberger Metallwerken in Pacht genommen. 1967 gingen die Grundstücke mit den aufstehenden Gebäuden u. Einrichtungen in den Besitz der Stolberger Metallwerke über. Die KABEL- UND METALLWERKE GUTE HOFFNUNGSHÜTTE HANNOVER übernahmen 1969 49% des Kommanditkapitals. 1987 wurden die KABEL- UND METALLWERKE OSNABRÜCK alleiniger Anteilseigner.

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Firmenprospekt SMW

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 121


 

 

Stolberger Schwermetall: Schwermetall Halbzeugwerk GmbH & Co KG


 

 

Stolberger Wappen: Wappen der Stadt Stolberg


 

 

Stolberger Zink: Kurzbezeichnung für STOLBERGER ZINK AKTIENGESELLSCHAFT FÜR BERGBAU UND HÜTTENBETRIEB AACHEN, die 1938 aus der STOLBERGER GESELLSCHAFT entstand. Die Stolberger Zink war führender deutscher Hersteller von Zink u. Blei u. betrieb u.a. die Zinkhütte Münsterbusch in Stolberg sowie die Zinkhütte Nievenheim bei Neuss.

Der Bergwerksbetrieb der Stolberger Zink erstreckte sich über den gesamten westdeutschen Mittelgebirgsraum vom Sauerland bis zum Schwarzwald. Ebenso hielt die Stolberger Zink Grubenbesitz u./oder -anteile im Ausland, wie beispielsweise in Bulgarien (BERGWERKS AG PIRIN) oder in Spanien u. in Italien.

Nach ausgiebiger Prospektion u. anschließendem Versuchsbetrieb eröffnete die Stolberger Zink Anfang der 1950er Jahre den Grubenbetrieb im MAUBACHER BLEIBERG.

In Stolberg betrieb die Stolberger Zink bis 1967 die Zinkhütte Münsterbusch. Die ehemals zur Stolberger Zink gehörende Bleihütte Binsfeldhammer ist bis auf den heutigen Tag in Betrieb u. arbeitet mittlerweile nach modernsten Verhüttungs-Verfahren (QSL- Verfahren).

Seit 1972 betreibt die Stolberger Zink nur noch Restaktivitäten (hauptsächlich Liegenschaftsverwaltung). Unter wechselnden Beteiligungsgesellschaften blieben verschiedenste Zweige der Zinkverarbeitung bis Ende März 1991 erhalten, wobei die METALLGESELLSCHAFT FRANKFURT eine dominante Rolle spielt. Die Bleihütte Binsfeldhammer wurde 1970 der BERZELIUS METALLHÜTTENGESELLSCHAFT DUISBURG angegliedert.

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 133,
KLASS, G. von (1957): Stolberger Zink, Seite 101 ff


 

 

Stollen: bergm. hergestellter Zugang zum Erdinnern, der entweder in einer Bergflanke von der Tagesoberfläche ausgehend oder als Schachtabzweigung ansetzt und mehr oder weniger waagerecht verläuft.

Stollen dienen zum Ein- bzw. Ausfahren der Bergleute, der Erschließung von Lagerstätten, dem Abführen von Grubenwässern (Wasserhaltung) und/oder als untertägiger Transportweg für eingewonnene Fördergüter.

Abhängig vom Zeithorizont eines Stollenvortriebes variieren die Stollenquerschnitte ganz erheblich. In vor- bzw. frühgeschichtlicher Zeit legte man entsprechend der technischen Möglichkeiten vorwiegend Kriechstollen an. Im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit erreichten die Stollen deutlich größere Querschnitte. Großtechnisch betriebene Gruben der jüngeren Neuzeit weisen z.T. Stollenquerschnitte auf, die den Betrieb untertägiger Grubenbahnen erlauben.

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Stollenmundloch,
Quelle: Bersch, W. (1898)

Im Falle eines Wasserhaltungsstollens wird der Verlauf leicht ansteigend ausgeführt, damit die Grubenwässer abfließen können. Das Stollenmundloch befindet sich meist kurz oberhalb der Talsohle, weil man hierdurch eine Entwässerung bis in möglichst großen Teufen gewährleistet.


 

 

Stollenwerk: Ehemaliges Reitwerk im Vichter Oberdorf an der heutigen Fischbachstr. Das Stollenwerk wurde 1557 erstmals schriftlich erwähnt u. bildete damals einen kleineren, eigenständigen Siedlungsweiler. Auf dem  wurde auch eine Schmelzhütte mit Hochofen betrieben. 1573 wurde zusätzlich eine Getreide- u. Ölmühle eingerichtet. Gegen Ende des 16. Jh. fand ein Umbau dieser Mühle zur Kupfermühle statt, die später in den Besitz der Familie Schleicher gelangte.

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Foto: F. Holtz

In der ersten Hälfte des 18. Jh. wurde die Kupfermühle umgebaut u. mit einem Drahtzug ausgerüstet. Um die Wende zum 20. Jh. wurde ein Drahtzug von Emil Reidt betrieben, der hier auch die erste Dampfmaschine in Vicht installierte. Bei einem Brand im Jahr 1908 wurde das Werk zerstört u. nicht wieder aufgebaut.

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (1998) Seite 21,
SCHREIBER, K. und H. (1993) Seiten 288-296


 

 

Stollenwerk, Bert (1912 – 1997): Stolberger Maler, Grafiker, Restaurator und Kunsterzieher.

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Bert  Stollenwerk (1995)

Nach seiner Lehre als Dekorationsmaler besuchte Bert Stollenwerk bereits im Alter von 15 Jahren die Kunstgewerbeschule in Aachen. Mit seinen hervorragenden Leistungen qualifizierte er sich schließlich zum Meisterschüler von Professor Jordan.

Nach erfolgreichem Abschluss der Schule machte er sich 1932 in seiner Heimatstadt Stolberg als freischaffender Maler und Grafiker selbständig. Schon als junger Künstler konnte er zahlreiche Erfolge verbuchen und sich im Raum Aachen einen Namen machen.

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Altstadt 1953
Ölgemälde
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Altstadtansicht 1953
Ölgemälde
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Burgstraße 1953
Ölgemälde
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Enkereistr. 1954
Ölgemälde
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Enkereistr. 1954
Ölgemälde
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Kupfermeisterfriedhof
1930, Tempera

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Komposition 1964
Tempera
 

Sein erstes Atelier richtete er im Dachgeschoss der Burg Stolberg ein. Leider wurde der größte Teil seiner Werke durch den Krieg zerstört, denn sein Atelier in der Burg fiel den Flammen zum Opfer. Nach dem Krieg machte sich Bert Stollenwerk direkt wieder selbständig und arbeitete u.a. als Wandmaler und Zeichner bei der belgischen Armee.

Ab 1956 war er 14 Jahre lang an verschiedenen Schulen als Kunsterzieher tätig. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Thea zog er sich 1974 in sein Atelier auf dem Finkenberg zurück. Seine Lehrtätigkeit gab er 1976 auf und arbeitete weiterhin als freier Maler und Restaurator.

Das Schwergewicht seiner Arbeit lag in der Porträtmalerei, die ihn auch nachhaltig bekannt machte. Seine Vorliebe galt der Darstellung charakteristischer Köpfe. Die Menschen mit ihren Wesensmerkmalen waren es, die ihn interessierten.

Aber auch Landschaften und Stadtansichten malte er gerne - und es gelang ihm eindrucksvoll, dem Charakter einer Landschaft oder dem Erscheinungsbild eines Straßenzuges seinen individuellen Ausdruck zu verleihen.

Bert Stollenwerk machte keinen Wertunterschied zwischen Zeichnen und Malen. In seinen Zeichnungen suchte er nach dem Wesentlichen, perfekt beherrschte er die Technik des Weglassens. Dies drückt sich auch in seinen ungegenständlichen Bildern aus.

Zu Lebzeiten zeigte Bert Stollenwerk seine Werke in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und im benachbarten Ausland. Die letzte Ausstellung "In Memoriam Bert Stollenwerk" fand 2014 in der Villa des Museums Zinkhütter Hof in Stolberg statt.

Die hier gezeigten Bilder sowie die Texte zum Leben und Werk von Bert Stollenwerk wurden freundlicherweise von seiner Tochter Gabriele und seinem Schwiegersohn Lars Harmens zur Verfügung.gestellt.


 

 

Störung: geol. Ausdruck für tektonisch entstandene Trennfuge im Gebirge, mit meist vertikalem bzw. horizontalem Versatz (Verwerfung, Gewand) des Schichtenverlaufs.

Skizze
Skizze: F. Holtz

Die Störungen mit ihren begleitenden Kluft- u. Spaltsystemen spielten bei der Bildung der Stolberger Zink-, Blei-, Eisen-Paragenese eine entscheidende Rolle. Schalenblende- Entstehung

Die im Stolberger Raum auftretenden Störungen sind vor ca. 290 Millio. Jahren während der u. durch die asturische(n) Phase(n) der variszischen Orogenese entstanden, wobei die zur Devon- u. Karbonzeit abgelagerten, bereits zu Gestein verfestigten Sedimente zunächst aufgefaltet (Falte) wurden. Später erfolgte eine weitere Deformation, die zu zahlreichen Störungen führte. Diese Störungen folgen allesamt einer von Süd-Ost nach Nord-West verlaufenden Generalrichtung

Im Stolberger Raum gibt es zwei Hauptstörungen, die beide bis in das Kohlengebirge des Wurmreviers reichen u. sich teilweise bis zum Niederrhein verfolgen lassen.

Die östlich von Stolberg gelegene Hauptstörung wird Sandgewand (auch verbotener Kropp) u. die westlich des Stadtgebiets verlaufende Hauptstörung Münstergewand (auch Feldbiss) genannt.

Störungen haben den großtechn. betriebenen Bergbau in erheblichem Maße behindert, da man auf Grund des gelockerten Gefüges im Bereich der Störungen aufwendigen Grubenausbau betreiben musste. Fernerhin bestand die Gefahr, dass es zu Einbrüchen der Fugenfüllungen kommen würde, die aus Fließsand oder Wasser bestanden. Der häufig verwendete Namenszusatz "Gewand" in der Bezeichnung von Störungen bezieht sich auf herabrieselnde Sandvorhänge, die vielfach dann auftraten, wenn eine Störung angefahren wurde.

Durch die Störungszone verlaufende Flöze waren sehr oft versetzt u. verschoben, was den Abbau ebenfalls erschwerte. Auf Grund dieser Schwierigkeiten orientierten sich die Markscheiden der Bergwerke häufig am Verlauf der Störungen, so dass ein Durchfahren der schwierigen Störungszonen entbehrlich wurde.

Der vorindustrielle Erzabbau wurde durch das gelockerte Gefüge im Bereich der Störungen eher begünstigt.

Zwischen den beiden Hauptstörungen Münstergewand u. Sandgewand treten von West nach Ost die folgenden kleineren Störung auf: Kropp, Steinwegsgewand, Zittergewand, Kirschbaumgewand, Dicke Gewand.


 

 

Stoßherd: Herd


 

 

Strahlkies: Markasit


 

 

Stratigraphie: Ein Teilgebiet der Geologie, das sich mit der Abfolge von Schichten, ihrem Fossil-Inhalt u. dem Gesteinsmaterial befasst. Das Ergebnis der Stratigraphie ist die Zeitskala zur Datierung geol. Vorgänge.

Die Stratigraphie im Stolberger Tal ist generell dadurch gekennzeichnet, dass die Schichten talaufwärts, nach Süden also, ein zunehmendes Alter aufweisen, wenn man von kleinräumig auftretenden, durch Faltung verursachten Wechsellagerungen absieht.


 

 

Streichen: Bergm. geol. Ausdruck für die Richtung einer gedachten Schnittlinie, welche sich bei der Durchdringung einer natürlichen Ebene (Schicht-, Kluft- oder Verwerfungs-Fläche) mit einer ebenfalls gedachten Horizontalfläche ergibt. Die Raumlage der natürlichen Ebene ist zusätzlich durch das Fallen oder Einfallen (Neigungswinkel) der betrachteten Ebene definiert.

Skizze
Skizze: F. Holtz

Im Stolberger Raum verläuft das General-Streichen der Schichten weitestgehend in einer sich von Süd-West nach Nord-Ost erstreckenden Richtung.


 

 

Streichofen: Flammofen


 

 

Strickblende: Meist in Zinkblende eingelagerter Bleiglanz, dessen geometrische Anordnung durch das Kristallsystem des Bleiglanzes vorgegeben wird.

Bei relativ schnell ablaufenden Kristallisationsvorgängen kommt es häufig zu bevorzugtem Kantenwachstum der Kristalle (Skelettwachstum), die hierdurch verzerrt dargestellt werden. Beim Bleiglanz kann dies gelegentlich zu einem Muster führen, das an Strickmaschen  erinnert. Der solchermaßen ausgebildete Bleiglanz wird somit Strickblende genannt.

Hauptsächlich im Bereich des Altenberges kam die Strickblende häufiger vor u. kann als eine für diese Lagerstätte typische Besonderheit gelten. GUSSONE, R. (1964) Seite 51 u. 68

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Sammlung u. Fotos: F. Holtz

Quellen: GUSSONE, R. (1964) Seite 51 u. 68


 

 

Stromatoporen: Ausgestorbene, marine Tierart, die den Schwämmen, Moostierchen (Bryozoen), Foraminiferen oder Algen zugeordnet wird. Ähnlich wie die Korallen bauten die Stromatoporen gesteinsbildende, kalkige Skelette auf.

In Stolberg kommen fossile Stromatoporen häufig im Kalkstein vor.


 

 

Stubben (Füchse): Beim Ausräumen eines Meilers aussortierte, nicht ganz durchgekohlte Hölzer, die nicht als Holzkohle verkauft werden konnten u. zum Anzünden weiterer Meiler Verwendung fanden (Vorfeuer).


 

 

Stückofen: Zwischenstufe in der Entwicklung vom Rennofen zum Hochofen. Ähnlich wie der Rennofen, lieferte der Stückofen das Eisen immer noch in Form einer Luppe, die jedoch deutlich größer war. Der Stückofen fand im Mittelalter Verwendung, bis sich im 14. Jh. als weiterer Entwicklungsschritt der Hochofen durchsetzte.

Quellen: HENSELING, K.O. (1989) Seite 38


 

 

Stufe (Mineralstufe): Mineral von möglichst ansprechender, modellhafter Ausbildung, welches als Anschauungs-, Ausstellungs- bzw. Sammelobjekt geeignet ist. In aller Regel zeigt eine Stufe gut sichtbare, idiomorph ausgeprägte Kristalle, reizvolle Farbeffekte oder - ganz allgemein - kennzeichnende Charakteristika, die für das jeweilige Mineral typisch sind.

Häufig wird der Begriff Stufe zusammen mit dem jeweiligen Mineralnamen verwendet; z.B. Quarzstufe, Kalkspatstufe, Erzstufe etc.

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Mineralstufe
(Kalkspat)
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Erzstufe
(Bleiglanz)
Sammlung u. Fotos: F. Holtz

Die Herkunft des Begriffes Stufe ist im vorliegenden Kontext nicht geklärt. Möglicherweise bezieht sich dieser Ausdruck auf kantige, stufenförmig ausgebildete Kristall- Aggregate. Ein weiterer Grund könnte sein, dass man mit diesem Begriff implizit eine qualitative Ein- bzw. Zuordnung (höchste Qualitätsstufe) vornimmt. Hierbei können die Qualitätskriterien durchaus unterschiedlich sein (z.B. Reinheit, Größe, Farbe, Gestalt, Glanz etc.).


 

 

Stürenhof: Gegenüber dem heutigen Mühlener Markt gelegener, ehemaliger Kupferhof, der zu einem umfangreichen Gewerbekomplex gehörte, welcher sich im Bereich Stolberg- Mühle um die Jan-Ravens-Mühle entwickelt hatte.


 

 

Sturzguss: Verfahren zur Herstellung von großvolumiger Zinkornamentik. Nach dem Einfüllen von flüssigem Zink in eine kalte Metallform kam es an der Kontaktschicht zur kalten Wandung zu einem Erstarren der Zinkschmelze. Ein sofortiges Umstürzen der Form ließ die in noch flüssigem Zustand verbliebene Schmelze des Innenbereiches abfließen, so dass man einen Hohlkörper erhielt, dessen Außenseite exakt der gewünschten Geometrie entsprach.


 

 

Styrenbend: Alter Ausdruck für das Gelände an der heutigen Steinfeldstr. u. Standort des Kupferhofes Grünenthal.


  

 

Sukzessionsvegetation: Natürliche Abfolge von unterschiedlichen Pflanzengesellschaften, die sich im Laufe der Zeit ohne menschliches Zutun auf ungenutzten Flächen entwickeln.

In den ehemaligen Steinbrüchen des Stolberger Raumes sind, anhängig von der jeweiligen Dauer der Betriebsruhe, die unterschiedlichen Stadien der Sukzession nahezu idealtypisch ausgeprägt. Vom Initialstadium, nämlich dem zaghaften Vordringen von Pionierpflanzen auf nahezu vegetationsfreie Flächen, über das Auftreten stark gefährdeter Arten, die hier eine Überlebensnische finden, bis hin zur völligen Verbuschung lassen sich in den verschiedenen Steinbrüchen alle Zwischenstufen der Sukzession beobachten, woraus sich letztlich der Wald als sogenannte Klimax-Gesellschaft entwickelt.

Der Terminus Sukzession wird gelegentlich auch als Synonym für das fortgeschrittene Stadium der Verbuschung verwendet.

Bezüglich des Erhalts von Offenlandflächen, wie beispielsweise Heidelandschaften, ist die  Sukzession ein durchaus unerwünschtes Phänomen, welches man in vielen Fällen mit Hilfe landschaftspflegerischer Maßnahmen zu kompensieren sucht. Das gilt auch für die heimischen Galmeifluren, die insbesondere durch die Ausbreitung der eigentlich landschaftsfremden Kiefernbestände (erst im 19. Jh. hier eingeführt) bedroht sind. Hier werden gelegentlich drastische Aktionen (Fällen von vordringenden Kiefern) durchgeführt, die von Teilen der Bürgerschaft häufig nicht verstanden werden und nur mit Mühe zu vermitteln sind.


 

 

Sulfide: chem. Verbindungen des Schwefels (in den hier betrachteten Fällen meist mit Metallen).


 

 

sulfidisch: chem. gebundenen Schwefel enthaltend (Sulfide)


 

 

Sumpferz: Limonit


 

 

Swab, Anton von, (1703-1768): Renommierter schwedischer Naturforscher u. Präsident der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. 1742 gelang ihm die Gewinnung von Zink aus Galmei. (Zink, geschichtliches)


 

 

Synklinale: Falte

 

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