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Walschaple


Walzzink


Wappen der Stadt Stolberg


Wasserhaltung


Weide


Wuppermannshof


Alphabet der
Heimatkunde

Buchstabe W


 

 

Walchenbach: KRAUS, WALCHENBACH & PELTZER


 

 

Waldmeisterhütte: Chemische Fabrik, die 1850 von Friedrich Wilhelm Hasenclever im Ortsteil Atsch gegründet wurde.

Ziel des Unternehmens war zunächst die Entwicklung eines Röstofens, der speziell auf die Behandlung von Zinkblende zugeschnitten war. Die Prozessgase, die beim Rösten auch anderer sulfidischer Erze (z.B. Bleiglanz) anfielen, sollten zur Gewinnung von Schwefelsäure, u. diese wiederum zur Herstellung von Soda genutzt werden.

Die Waldmeisterhütte ging in der 1852 von Friedrich Wilhelm Hasenclever mitbegründeten Rhenania auf, welche die gleichen Unternehmensziele verfolgte, u. in der Hasenclever als Teilhaber u. Generaldirektor fungierte.


 

 

Wallstein: Mauerstein im unteren Teil des Gestells eines Hochofens, der mit einer Bohrung, dem sogenannten Eisenloch versehen war (Abstich).


 

 

Walschaple, Egidius von: Mönch in der Reichsabtei Kornelimünster, der auch als Maler u. Zeichner tätig war.

Anlässlich eines langjährigen Rechtsstreites um Landbesitz u. um Wasser- sowie sonstiger Nutzungsrechte zwischen den Herren von Stolberg u. den Reichsäbten von Kornelimünster, erstellte er 1546/48 eine farbige Karte des Vichttales. Diese vom Reichskammergericht zu Speyer in Auftrag gegebene Karte sollte die mit diesem Fall betrauten Richter in die Lage versetzen, die lokale Situation besser einschätzen zu können.

Die im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindliche, ca. 40 x 460 cm große Karte zeigt, beginnend mit der Höhe des Bauschenberges, den Verlauf der Vicht bis zum Schnorrenfeld. Außer der Burg u. der sie umgebenden Bebauung zeigt der Plan die Hofanlagen von Dollartshammer, Ellermühle u. Jan-Ravens-Mühle. Die Ansicht der Burg mit den unterhalb gruppierten Häusern ist auf einem separaten Blatt angelegt u. auf dem Kopf stehend unmittelbar unterhalb des Verlaufes der Vicht in den Plan eingeklebt worden. Für den Burgbereich liegen somit Ansichten beiderseits des Bachlaufes vor, wobei sich der Betrachter bei der hier gewählten Anordnung die Vicht als Standortachse vorzustellen hat.

 
Dollartshammer, Aquarell nach Walschaple von G. Dodt

 
Jan Ravens Mühle, Aquarell nach Walschaple von G. Dodt


Ellermühle,
Zeichnung nach Walschaple von G. Dodt


Burgansicht
nach Walschaple

Trotz des ungewöhnlichen, für eine Publikation wenig geigneten Formates, ist der Vichttalplan mehrfach in der Heimatliteratur veröffentlicht worden, zuletzt 1997 als farbige Darstellung vom Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Zinkhütter Hof. Fernerhin wurden von G. Dodt Detail- Darstellungen als Strichzeichnungen u. als Aquarelle ausgeführt, die gleichfalls mehrfach veröffentlicht wurden.

Vichttalplan


 

 

Walzzink: Erst die Verfügbarkeit von Walzzink ermöglichte den Einsatz dieses korrosionsbeständigen Materials im Baugewerbe u. in der Produktion von Haushaltswaren, Zinkdruckplatten etc. Bereits aus den 1780er Jahren sind erste Walzversuche belegt, die jedoch wenig erfolgreich waren, da man die speziellen Werkstoffeigenschaften des Zinks zunächst noch nicht kannte.

Zu diesen speziellen Werkstoffeigenschaften gehörte die äußerst ungewöhnliche Charakteristik des Zinks, dass dieses Metall nur innerhalb eines Temperaturbereiches von etwa 100 bis 200 oC geschmeidig u. somit walzbar war. Unterhalb u. erstaunlicherweise auch oberhalb dieses Temperaturbereiches wird das Material so spröde, dass eine plastische Verformung unmöglich wird. Diese abnorme Materialeigenschaft des Zinks ist seit etwa 1805 bekannt.

Fernerhin wird durch das Walzen des Zinks seine Korn- u. Gitterstruktur so verzerrt, dass sich im gewalzten Zinkblech eine unerwünschte u. äußerst unangenehme Eigenschaft einstellt. Bei Anwendung des üblichen Walzverfahrens war Zinkblech nämlich stark anisotrop, d.h.: es stellten sich in Walzrichtung deutlich andere Verarbeitungseigenschaften ein als quer zur Walzrichtung.

Ein erstes kommerzielles Walzwerk, welches auf die speziellen Erfordernisse der Zinkverarbeitung zugeschnitten war, entstand 1812 (unter maßgeblicher Beteiligung von Jean Jacques Dony) in Belgien im Bereich des Altenberges (Vieille Montagne).

Die großtechnische Produktion von Walzzink begann (nicht nur in Belgien) in den 1820er Jahren. Im Stolberger Raum hatten bis etwa 1860 mindesten vier Zinkwalzwerke ihren Betrieb aufgenommen.

Das Problem der Anisotropie wurde dadurch gelöst, dass bei den einzelnen Walzdurchläufen das Walzgut um jeweils 90o gedreht wurde (kreuzweises Walzen). D.h.: der jeweils nachfolgende Durchlauf (auch Stich genannt) erfolgte quer zu der Walzrichtung des vorherigen Durchlaufes.

Zur Beschleunigung des Fertigungsablaufes u. zur besseren Handhabung des Walzgutes wurde nicht eine einzelne Zinkplatte auf Blechstärke heruntergewalzt, sondern man arbeitete üblicherweise nach dem Paketwalzverfahren. Zunächst wurden die gegossenen Zinkbarren zu sogenannten Platinen vorgewalzt. Mehrere solcher Platinen wurden sodann (als Paket zusammengelegt) mehrmals, gemeinsam u. "kreuzweise" zum fertigen Zinkblech verwalzt. Das Aufbringen eines Trennmittels zwischen den einzelnen Platinen war hierbei nicht erforderlich, da die Oxydhaut auf den Zinkplatten ein Zusammenhaften der verwalzten Bleche verhinderte.

Da Reversierwalzwerke (umkehrbare Drehrichtung) relativ selten u. nur mit erheblichem konstruktiven Aufwand realisierbar waren, mussten die Pakete nach jedem Durchlauf um das Walzengerüst zur Einlaufseite zurück transportiert werden, um dann erneut in den (zwischenzeitlich enger gestellten) Walzenspalt eingeführt zu werden.

Das immer wieder neue Einführen des Blechpaketes in den enger gestellten Walzenspalt führte zu Laststößen, die das Antriebsaggregat kaum abdecken konnte. Zur Abmilderung dieser Laststöße wurden im Antriebssystem Schwungräder als Energiespeicher eingesetzt. Im Falle wassergetriebener Walzwerke übernahm das wuchtige Mühlrad gleichzeitig die Funktion eines Schwungrades.

Wassergetriebenes Zinkwalzwerk
(Freilichtmuseum Hagen).
Die Maschinenausrüstung stammt aus
Schneidhausen bei Kreuzau (Fa. Hoesch).

Das diskontinuierliche Paketwalzen entsprach kaum den Erfordernissen einer modernen, automatisierten Massenproduktion. Es wurde daher in den 1960er Jahren durch den Einsatz von Gieß- Walzverfahren (Strangguss) abgelöst. Das Problem der Anisotropie wurde dadurch gelöst, dass man nicht mehr reines Zink einsetzte, sondern über Legierungszuschläge (insbesondere Titan) die Materialeigenschaften des Walzzinks entsprechend beeinflusste.

Beim kontinuierlichen Durchlauf durch bis zu fünf hintereinander angeordnete Walzgerüste kann ein endloses Zinkband bis auf Fertigmaß heruntergewalzt werden.


 

 

Wappen der Stadt Stolberg: Nachdem Stolberg 1856 die Stadtrechte erhielt, dauerte es noch 24 Jahre, nämlich bis zum Frühjahr 1880, bis man sich auf einen Entwurf für das Stadtwappen einigte u. selbigen von der Berliner Regierung genehmigt bekam.

Das Stolberger Wappen zeigt als dominantes Element einen aufgerichteten, silbernen Löwen mit ausgeschlagener Zunge auf rotem Grund. Vor dem Löwen, der als Sinnbild für Mut und Stärke gilt, ist ein fünflätziger, so genannter Turnierkragen angeordnet. Verteilt über dem roten Wappengrund sind zwölf rechteckige, gelbe (goldene) Steine eingestreut.

Die Darstellung des Wappens erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Stadt Stolberg.

Als Vorlage des Stolberger Stadtwappens diente das Wappen der Edelherren von Frenz, die im 13. Jh. als Stolberger Burgherren amtierten. Entsprechend ihrer Abstammung übernahmen sie (mit leichten Abweichungen) den Limburger Löwen als Wappentier. Um sich von ihrem Limburger Stammhaus zu unterscheiden, fügten die Frenzer ihrem Wappenschild einen Turnierkragen hinzu.

Der Turnierkragen, ein längliches Tuch mit herabhängenden Lätzen (Streifen), gehörte zur Gewandung eines Ritters u. wurde ähnlich wie ein Schal (oder besser wie eine Stola) um den Hals getragen.

Die im Wappenschild eingestreuten Schindeln (Steine) werden, allerdings ohne Anspruch auf heraldische Korrektheit, als Sinnbild für die Stolberger Bodenschätze (Galmei u. Steinkohle) interpretiert. Diese Deutung entspricht durchaus der ausdrücklichen Intension der Urheber unseres Stadtwappens. Dies geht u.a. aus einem Schreiben des Stadtbürgermeisters vom 8. März 1897 hervor, in dem es heißt: "Die rothe Grundfarbe des Schildes mit den darin zerstreuten goldenen (gelben) Steinen, durch welche Kupfererze etc., Produkte der hiesigen Bergwerke versinnbildet werden, bestimmen die Farbe zu einer städtischen Flagge in gelb und roth".


 

 

Waschgold: Goldkörner, die aus Seifen ausgewaschen wurden. In der deutschen Umgangssprache werden diese Körner heute oft auch Nuggets genannt.

Goldkörner (Waschgold), ausgewaschen aus Fluss- bzw. Bachsand.
(Dichtesortierung)


 

 

Waschherd: Herd


 

 

Wasserbund: Schacht im Grubenfeld Breinigerberg.


 

 

wasserfreie Soda: kalzinierte Soda


 

 

Wasserhaltung (Wasserlösung): bergm. A. für die Gesamtheit von techn. Maßnahmen u. Einrichtungen wie Stollen, Schächte, Pumpen, Göpel, Dampfmaschinen, die in einem Bergwerk zur Be-(Ge-)wältigung der anfallenden Grubenwässer erforderlich sind.

Gerade in den Stolberger Bergwerken (Erze u. Steinkohle) war die Wasserhaltung zu allen Abbauepochen von größter Bedeutung, da die meist kalkigen Grundgebirge enorme Wasserzuflüsse verursachten (Karst, Kalkstein).


 

 

Wasserhaltungsschacht: Schacht, Wasserhaltung


 

 

Wasserhaltungsstollen: Stollen, Wasserhaltung


 

 

Wasserlösung: Wasserhaltung


 

 

Wasserrad: Mühlen


 

Wehr: künstlich angelegte, quer zur Fließrichtung ausgerichtete Schwelle in einem Bachbett, die durch den Rückstau für eine Ableitung von Wasser (z.B. Aufschlagwasser) in einen Teich (Mühlgraben) sorgt.


 

 

Wehrmeister: Oberster Beamter des Jülicher Forstverwaltungsbezirks Wehrmeisterei. Zusätzlich höchster Verwaltungsbeamter des kleineren "Amtes Wehrmeisterei", das im Forstverwaltungsbezirk Wehrmeisterei lag. Der Wehrmeister nahm stellvertretend die aus der Forsthoheit resultierenden Rechte der Jülicher Regenten wahr. Hier sind u.a. Jagd-, Fischerei-, Köhlerei-(Holzkohle), Wasser- u. Mühlenrechte zu nennen. Auch das Bergrecht gehörte bis zum 16. Jh. zum Aufgabenbereich des Wehrmeisters.

Später entstanden vielschichtigere Verwaltungsstrukturen, u. der hiesige Bergmeister, der noch in früherer Zeit die Einkünfte aus dem Bergregal beim Wehrmeister abrechnete, unterstand nun dem Eschweiler Bergvogt.


 

 

Wehrmeisterei: Jülicher Forstverwaltungsbezirks (Gewäld, Wehrmeister). In diesem Forstverwaltungsbezirk lag auch das kleinere "Amt Wehrmeisterei". Der gemeinsame Verwaltungssitz befand sich über lange Zeiträume in Düren.

Zum Amt Wehrmeisterei gehörten die rechts des Hasselbaches u. rechts der Vicht gelegenen Bereiche von Zweifall, die östlich der Vicht befindlichen Ansiedlungen bis zur Vichter Leuwstr. u. Schevenhütte. Für die Bebauung links der alten Straße von Gressenich (Gracht) über Krewinkel, Fleuth u. Lewstr. bis zur Vicht bestand seit 1532 eine besondere Vereinbarung zwischen dem Abt von Kornelimünster u. dem Herzog von Jülich.


 

 

Weide: Ehemaliger Kupferhof am heutigen Mühlener Ring zwischen Bahnlinie u. Eisenbahnstr. Die Ursprünge der Weide gehen vermutlich auf das Jahr 1615 zurück, als Simon Lynen hier einen Kupferhof erbaute. Der älteste, noch erhaltene Gebäudeteil wurde nach 1723 errichtet. Große Teile der Anlage wurden 1905 durch Emil Schleicher entsprechend der damaligen Zeitströmung umgestaltet. Das eindrucksvolle Herrenhaus wurde 1944 durch Kriegseinwirkung zerstört. Heute wird die Weide als Wohnanlage genutzt.


Foto: Axel Pfaff

 
Radierung von
A. Holler


 

 

Weihernest: Alter Flurname für das Gebiet, welches am östl. Ortsausgang von Mausbach (Richtung Gressenich) liegt u. einige sumpfige Stellen aufweist. Ähnlich wie der benachbarte Schieverling, ist auch das Weihernest Gegenstand zahlreicher Sagen gewesen, die von einem uralten Bergwerk in diesem Gebiet berichten (Bergbausagen). Die Sage bringt dieses Bergwerk mit den Römern bzw. mit der Stadt Gression in Verbindung.


 

 

Weißbleierz (Cerussit): Rhombisches Kristallsystem, PbCO3 Bleikarbonat. Weißbleierz entstand in den Stolberger Lagerstätten durch Metasomatose aus dem Bleiglanz u. bildete nur recht kleine Kristalle. Im Vergleich zum Bleiglanz war Weißbleierz nur von untergeordneter wirtsch. Bedeutung.


 

 

Weißbleierzstockwerk: Stockwerkartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchen.

Erzführung: in den oberen Teufen große Blöcke Cerussit u. Galmei, in den unteren fein verteilter Cerussit, Bleiglanz u. Brauneisenstein.


 

 

Weißenberg: Flurname u. Erzgrube im Bereich Burgholz. Da der Weißenberg über lange Zeit Tagungsort des Berggedings gewesen ist (Berggericht Gressenich), dürfte der Name sich von dem A. Weistum ableiten.

Die Grube Weißenberg wurde zu vorindustrieller Zeit in Pingen- bzw. Packenbauweise betrieben.

Heute ist unter dem Namen Weißenberg die Berge- u. Flotations-Halde der ehemaligen Erzgrube Diepenlinchen an der Straße Mausbach - Werth bekannt. Die Halde besteht zu großen Teilen aus sehr feinkörnigem Flotations-Material, das insbesondere durch Verwehungen zur Schwermetallbelastung der Umgebung beitrug. In den 1970er Jahren konnte die hierdurch verursachte Schwermetall-Emission durch Abdecken u. Begrünen des Haldenkörpers abgestellt werden.


 

 

Weißenbergstockwerk: Stockwerkartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchen.

Erzführung: in den oberen Teufen Galmei u. Bleiglanz, in den unteren nur Bleiglanz mit etwas Blende.


 

 

Weistum: Aussagen einer Gerichtsgemeinde zum geltenden Gewohnheitsrecht (auch als weißthum überliefert). Ursprünglich entstand ein Weistum durch Befragen rechtskundiger Männer, den "Weisen". Der Wortstamm wird gelegentlich auch von "Recht weisen" abgeleitet.

Als ordentliche Gerichtsversammlung galt in altgermanischer Zeit die Hundertschaftsversammlung. Sie wurde immer unter freiem Himmel, stets bei Tag an althergebrachten Dingstätten abgehalten. Letztere lagen meist im Bereich auffälliger Landmarken, wie z.B. Berge, größere Felsformationen oder markante Bäume.

Das Berggericht Gressenich nutzte sehr wahrscheinlich mit dem Weißenberg eine derartige frühe Dingstätte als Tagungsort. In der Karte des Münsterländchens von 1646 ist die Erhebung neben dem Burgholz als Hunnenberg eingetragen, was auf die Hundertschaftsversammlung hinweisen könnte.

Aus dem Jahr 1413 existiert ein Weistum, welches die Rechte der Reichsabtei Kornelimünster zur Bergung von Bodenschätzen im Münsterländchen darlegt. Die Herrschaft Gressenich unterstand ebenfalls dem Abt von Kornelimünster, das Bergregal jedoch besaßen die Herzöge von Jülich u. ihre Rechtsnachfolger.

Die schriftliche Festlegung der Schürfrechte im Gressenicher Weistum von 1492 ging eine Befragung der Verantwortlichen von Kall voraus. In einer Neufassung entnahm man den 10 Artikeln des Kaller Weistums die wichtigsten Bestimmungen, welche die Hebung der Bodenschätze regelten. Die Bergordnung, die Wilhelm V von Jülich-Kleve-Berg 1542 erließ, ersetzte das frühere Weistum.


 

 

Wellenbaum (Spill): Hauptantriebswelle eines Wasserrades (Hammerwerk, Pochwerk).


 

 

Weltzerhof: Enkerei


 

 

Werk: Betriebsstätte, insbesondere auch Kurzbezeichnung für Reitwerk.


 

 

Werkblei: unreines Rohblei, welches sich bei der Verhüttung im unteren Teil des Schachtofens ansammelte u. durch Raffination zu Hütten-Weich-Blei weiterverarbeitet wurde.

Das Werkblei enthält u.a. Edelmetalle (Güldischsilber), welche die Ertragslage der Hütten teilweise recht erheblich erhöhte.


 

 

Werkerhütte: Reitwerk in Zweifall, das zwischen ca. 1500 u. 1800 bestand u. seinen Standort in der Nähe der heutigen Werkerstr. hatte.


 

 

Werkes: veralteter, mundartl. A. für einen Ort, an dem gearbeitet wird (abgeleitet von werke = arbeiten). Insbesondere die Tiefmühle im Untersten Hof wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jh. als Werkes bezeichnet.

In der mundartl. Umgangssprache war es üblich, aus Verben, die meist auf "e" endeten, durch Anhängen des Buchstabens "s" ein Substantiv zu bilden, welches für die Örtlichkeit oder Räumlichkeit Verwendung fand, an der die durch das Verb bezeichnete Tätigkeit verrichtet wurde (z.B Backes für Backhaus).

In der Vulgärsprache hat sich mit dem A. Seckes für Herrentoilette ein derartiger Konstrukt noch recht lange gehalten. Offenbar in Anspielung auf schlechte, stickige Luft wurde die Lohnbuchhaltung der Grube Diepenlinchen scherzhafterweise Fotzes genannt (abgeleitet von furzen).


 

 

Werth: Am östl. Rand des Stadtgebietes gelegener Ortsteil von Stolberg, der aus einem ursprünglich freiadeligen Ritter- u. Lehngut entstanden ist u. bis 1972 zur eigenständigen Gemeinde Gressenich gehörte.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde die Entwicklung des Ortes entscheidend von den umliegenden Erzgruben (Diepenlinchen, Römerfeld, Albertsgrube) geprägt. Zur Betriebszeit der Grube Diepenlinchen waren die Haupternährer in 75% aller erwerbstätigen Haushalte im Bergbau tätig.


 

 

Westdeutsche Kalkwerke: 1911 gegründete Aktiengesellschaft mit Firmensitz in Köln. Die wichtigsten Betriebspunkte (Steinbrüche u. Kalkofenanlagen) der Westdeutschen Kalkwerke befanden sich im Stolberger Raum u. nutzten hier die äußerst ergiebigen Kalkstein- bzw. Dolomit-Lagerstätten.

Die Westdeutschen Kalkwerke sind entstanden durch Zusammenschluss der Stolberger Kalkwerke Fritz zur Mühlen GmbH (Bärenstein) u. E.A. Alff sowie weiterer, außerörtlicher Unternehmen (z.B. Hergenrather Kalksteinbrüche GmbH). In den Jahren 1927-28 kamen noch Kalkwerke in Büsbach, Eilendorf u. Niederforstbach hinzu. Ab 1936 nannte sich die Betreibergesellschaft WESTDEUTSCHE KALK- UND PORTLANDZEMENTWERKE AG.

Hinsichtlich der Errichtung moderner Brennofenanlagen u. zunächst auch bezüglich des Abbaus von Kalkstein fand für die Stolberger Betriebspunkte der Westdeutschen Kalkwerke eine Konzentration auf den Steinbruch Rüst statt (hinter bzw. westl. der Bleihütte Binsfeldhammer).

Ab 1955 verlagerte sich der Abbau zum Steinbruch Binsfeldhammer (östl. der gleichnamigen Bleihütte). Dieser Steinbruch wurde großflächig erschlossen u. bildete nunmehr den Hauptlieferanten für den Rohstoff Kalkstein. Der Transport zu den Öfen an der Rüst erfolgte mittels Schwerlaster.

1957-59 fand eine Modernisierung der Brennofenanlage in der Rüst statt. Es wurden neue Rohstoffsilos u. vier neue Hochleistungsöfen mit einer Schachthöhe von 24 m u. einer Tageskapazität von 150-170 Tonnen pro Ofen errichtet.

1967 erfolgte die Übernahme aller Betriebspunkte durch die RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN KALKWERKE AG. DORNAP. Eine geplante Erweiterung des Abbaubetriebs für den Steinbruch Binsfeldhammer wurde nicht mehr realisiert, da man sich auf die von der Stadt Stolberg erhobenen Umweltschutz- u. Rekultivierungsauflagen nicht einlassen wollte.

1974 wurde die Produktion in den Stolberger Betriebsstätten der Westdeutschen Kalkwerke bzw. ihrer Nachfolgegesellschaft eingestellt.


 

 

Westdeutsche Kalk- und Portlandzementwerke AG.: WESTDEUTSCHE KALKWERKE


 

 

Westphal: Geologische Teilepoche des Ober- Karbons. Der weitaus größte Teil der im Stolberger Raum vorkommenden Steinkohle-Flöze kann dieser Epoche zugerechnet werden.


 

 

Wetter: Bergm. A. für die in einem Bergwerk vorliegenden (Atem-) Luftbedingungen (Luft-Gas-Gemisch). Man unterscheidet gute bzw. frische Wetter u. im Gegensatz hierzu matte, böse oder insbesondere im Steinkohlebergbau bei entsprechend starken Staub- oder Gaskonzentrationen auch schlagende Wetter (Bewetterung).


 

 

Wetterfeuer: Bergm. A. für ein in ausziehenden Grubenbauen (Bewetterung) am unterhaltenes Feuer. Auf Grund der aufsteigenden heißen Flammgase u. der ebenfalls aufsteigenden erhitzten Luft wird die Wetterführung in den Grubenbauen verstärkt.


 

 

Wetterschacht: Schacht


 

 

Wetterschornstein: kaminartiger Aufbau oberhalb eines Wetterschachtes zur Verstärkung des natürl. Wetterzuges. (Bewetterung, Froschschacht)


 

 

Wibaco: WIRTHS, BACH & CO.


 

 

Widdauer Hut: Forstbezirk der sich von Monschau bis Hammer erstreckte (Gewäld).


 

 

Widtmannschacht: 306 m tiefer Wasserhaltungsschacht der Erzgrube Diepenlinchen, der 1855 durch den Ingenieur Widtmann projektiert u. abgeteuft wurde.

Bis zu einer Teufe von 150 m oval ausgemauert mit einem Querschnitt von 5.65 x 3.0 m. Unterhalb dieser Teufe besaß er Bolzenschrotzimmerung mit einem Querschitt von 5.5 x 3.5 m. Zur Lösung der gehobenen Grubenwässer war ein ca. 2 km langer, leicht geneigter Verbindungsstollen zwischen der Vichttalsohle u. dem Widtmannschacht angelegt. Dieser Stollen traf bei entsprechender Teufe auf den Widtmannschacht u. ließ das Wasser durch natürliches Gefälle in den Vichtbach abfließen.


 

 

Wiesenerz: Limonit


 

 

Wiesloch: Stadt in Nordbaden (südl. von Heidelberg) mit ergiebigen Blei- Zinkerz- Lagerstätten, die sich zwischen den Orten Wiesloch, Nußloch u. Baiertal erstreckten. Die Erzführung bestand aus stark silberhaltigem Bleiglanz, Zinkblende (Schalenblende) u. Galmei.

Nicht nur bezüglich der Erzführung weist die Lagerstätte starke Ähnlichkeiten mit den Gegebenheiten im Stolberger Raum auf. Die Erze sind auch in Wiesloch an Kalkstein gebunden, wobei es sich hier um Formationen des Muschelkalkes handelt, welche allerdings rund 150 Millionen Jahre jünger sind als die devonischen bzw. karbonischen Kalke der Stolberger Region. Auch die vertikale Gliederung der Erzkörper in Primärerze (Schalenblende unterhalb der Oxydationszone) und Sekundärerze (Galmei in geringeren Teufen) ist vergleichbar mit der in Stolberg vorliegenden Lagerstättenkonstellation.

Ebenfalls ähnlich wie in Stolberg, wird die Lagerstätte von einer Vielzahl von Störungen durchzogen, z.B. Rheingraben-Hauptverwerfung, Nußlocher Spalt, Schlangengrund-Verwerfung u. Baiertaler Sprung. Auch hier fungierten die Störungen als "Erzbringer", so dass von vergleichbaren Bildungsmechanismen auszugehen ist (Schalenblende-Entstehung).

Hauptsächlich lässt sich das Wieslocher Revier in die Teil-Lagerstätten Hessel, Kobelsberg u. Schanz gliedern, deren Markscheiden von o.g. Störungen gebildet werden.

Vom 1. bis 3. Jh. ist römischer Bergbau belegt, welcher insbesondere einer Silbergewinnung aus den geförderten Bleiglanzen, aber auch der Gewinnung von Galmei galt.

Offensichtlich konzentrierte sich der Bergbau in Wiesloch bis zum 19. Jh. auf die Gewinnung von Silber u. somit auf den silberhaltigen Bleiglanz. Daher wurde der anstehende Galmei von den "Alten" nicht gefördert, sondern überwiegend als Versatz genutzt.

Ab etwa 1500 erfolgte, zunächst im Kleinbetrieb, der Abbau von Galmei. Viele 1000 Tonnen loser, lockerer Galmeibrocken befanden sich in den tiefer liegenden, alten Bauen, die um 1850 durch das Abteufen neuer Schächte zur Galmeiförderung wieder erschlossen wurden. Bis 1864 förderte die Altenberger Gesellschaft u. die BADISCHE ZINKGESELLSCHAFT (von 1856 bis 1859 auch Betreiber der Zinkhütte Steinfurth) mehr als 100.000 t. Galmei. Im Anschluss daran konnten in neu angelegten Aufschlüssen nochmals 40.000 t. Galmei gewonnen werden.

Die STOLBERGER ZINK, welche die Anteile der BADISCHEN ZINKGESELLSCHAFT übernommen hatte, baute zwischen 1917 u. 1927 aus dem Grubenfeld Kobelsberg 85.000 t. Galmei u. über 9.000 t. Schalenblende ab. Die Schalenblende konnte allerdings noch nicht genutzt werden, da die innige Verwachsung eine Trennung der Zinkblende von den weiteren Erzmineralien (Bleiglanz, Jordanit, Melnikovit-Pyrit) mittels der damals verfügbaren Aufbereitungstechniken nicht möglich war. Fernerhin wirkten sich die hohen Arsengehalte störend aus.

Autarkiebestrebungen in den 1930er Jahren gaben dem Bergbau um Wiesloch neuen Aufschwung. Das Aufbereitungsproblem konnte mit einer hochmodernen Flotationsanlage gelöst werden. Während der letzten, bis 1953 währenden Abbauphase standen der alte Schafbuckelschacht u. der 1940 abgeteufte Maxschacht (210m Teufe) in Betrieb. Zwischen beiden Schächten bestanden 10 Tiefbausohlen, die fast ausschließlich sulfidische Erze (Schalenblende u. Bleiglanz) lieferten.


Bleiglanz in Schalenblende, Wiesloch


Schalenblende, Wiesloch


Schalenblende, Wiesloch


Der Maxschacht bei Wiesloch um 1950.
Quelle:
Hildebrandt, L.H. (2004)
   


 

 

Wilhelmine: Erzfelder


 

 

Willemit: trigonales Kristallsystem, Zn2 [SiO4]. Willemit kam in den Lagerstätten des Altenberges meist als körnige Aggregate vor u. bildete in den tieferen Abbauzonen zusammen mit dem Hemimorphit das Hauptfördererz.

Willemit ist neben Zinkspat u. Hemimorphit Hauptbestandteil des Galmeis.

Der Altenberg gilt als eine der weltweit höchst seltenen Fundstellen, wo sich der Willemit in idiomorpher Ausprägung zeigt. Dies führte auch zur Erstbeschreibung dieses Minerals, welches nach König Willem I der Niederlande benannt wurde.


 

 

William Prym Werke: Von William Prym u. seinem Sohn Gustav Wilhelm 1859 gegründetes Unternehmen zur Herstellung von Kurzwaren. Die William Prym Werke setzten die Tradition der Kupfermeister-Dynastie fort, nunmehr allerdings als industriell strukturiertes Familienunternehmen.

Anfänglich entwickelten sich die Betriebsaktivitäten auf der Derichsberger Mühle u. im Bereich des ehemaligen Dollartshammers (heutiger Standort des Unternehmens), wurden jedoch sehr bald schon auf letzterem konzentriert.

Die Unternehmensphilosophie bestand darin, sich nicht mehr nur auf die Fertigung von schwer absetzbaren Halbzeugwaren zu beschränken, sondern Fertigprodukte in Form von Kurzwaren herzustellen. Wie für das Zeitalter der beginnenden bzw. fortschreitenden Industrialisierung kennzeichnend, wurde für die einzelnen Fertigungsstufen ein möglichst hoher Mechanisierungsgrad angestrebt.

Das Unternehmenskonzept einer mechanisierten Massenfertigung von Fertigfabrikaten hatte dauerhaften Erfolg, so dass sich die William Prym Werke zu einer Firma von Weltruf entwickeln konnten.

Seit 1993 sind die William Prym Werke in vier selbständige Geschäftsbereiche aufgeteilt:

  1. Prymmetall, - Halbzeugherstellung
    .
  2. Prym Consumer, - Weltmarktführer für Näh- u. Handarbeitsartikel
    .
  3. Prym Fashion, - Bekleidungsverschlüsse u. dazugehörende Verarbeitungsmaschinen
    .
  4. Prymtec, - Edelmetallbeschichtung von Halbzeugen sowie Herstellung von elektronischen Kontakten u. Bauelementen.

Durch Rationalisierung u. Produktionsverlagerung in Billiglohnländer bauten die William Prym Werke im Laufe der 1990er Jahre fast 900 Arbeitsplätze ab u. beschäftigten danach in Stolberg noch ca. 1300 Mitarbeiter.

Prym - Werke
um 1920


 

 

Windloch: Öffnung im Gestell eines Hochofens, durch welche mittels Blasebälge die zum Erreichen einer ausreichend hohen Verhüttungs-Temperatur erforderliche Brennluft zugeführt wurde.


 

 

Windseite: Diejenige Seite eines Hochofens, an welcher mittels Blasebälge die Luftzufuhr durch das Windloch erfolgte.


 

 

Wirths, Bach & Co.: Metallwarenfabrik, die 1904 von Johann Bach, Wilhelm Wirths u. Nikolaus Küpper in der Schartstr. Zur Herstellung von Ketten gegründet wurde. 1906 erfolgte die Verlegung des Betriebes zum Nachtigällchen. Ab 1966 firmierte das Unternehmen unter dem Namen WIBACO u. bestand bis Mitte der 1990er Jahre.


 

 

Wirths, Wilhelm: WIRTHS, BACH & CO.


 

 

Wolfeter Hoffnung: Erzfelder


 

 

Wolfsgrubegang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg.


 

 

Wültgens, Johann Peter: Schultheiß u. um 1780 Pächter der Burg Kinzweiler. Als Entschädigung für die frühzeitige Auflösung des Burgpachtvertrages erhielt Wültgens 1784 eine Belehnung auf die Steinkohle-Flöze Großkohl, Fornegel u. Krebs im Hundend. Seit dieser Zeit versuchte Wültgens ständig, seine Konzessionen u. seinen Einfluss im Eschweiler Kohlberg zu erweitern. Bereits 1785 erhielt er weitere Berechtigungen auf eine Reihe anderer Flöze.

Sein beharrlich angestrebtes Ziel war die Beherrschung des gesamten, im Eschweiler Kohlberg betriebenen Kohleabbaus. Bis zu seinem Lebensende hatte Wültgens es auf 5/9 aller Anteile des gesamten Eschweiler Kohlbergs gebracht. Nach seinem Tod im Jahr 1787 wurden diese Bestrebungen durch seinen Sohn Ferdinand u. durch seine drei Töchter Christine, Katharina u. Walburga fortgesetzt, wobei die Tochter Christine Englerth die bedeutendste Rolle spielte.


 

 

Wuppermann: Stolberger Kupfermeister in der Alten Krautlade.


 

 

Wuppermannshof: Ehemaliger Kupferhof gegenüber des heutigen Mühlener Marktes, der zu einem umfangreichen Gewerbekomplex gehörte, welcher sich im Bereich Stolberg- Mühle um die Jan-Ravens-Mühle entwickelt hatte u. welcher als Erweiterung der Alten Krautlade gelten kann.


 

 

Wurzit: hexagonales Kristallsystem, ZnS Zinksulfid. Wurzit ist ein höchst seltenes Mineral u. chemisch identisch mit der Zinkblende, gehört jedoch dem hexagonalen Kristallsystem an.

Der Wurzit kommt in Stolberg als Bestandteil der Schalenblende u. hier wiederum in Zinkblende eingelagert recht häufig vor, tritt jedoch mengenmäßig stark zurück u. ist makroskopisch nicht nachweisbar. Hierfür benötigt man zumindest ein Durchlichtmikroskop u. die dafür erforderlichen Dünnschliffe von Erzproben. Die Existenz des Wurzites lässt Rückschlüsse auf die Bildungsbedingungen unserer Primärerzparagenese zu. (Schalenblende- Entstehung)


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