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Abschlagwasser: Wasser, das nach der Nutzung seiner Energie (Wassermenge u. Gefälle) vom Mühlrad abfließt. In aller Regel wird dieses Wasser wieder dem gleichen Fließgewässer zugeführt, aus dem es stromaufwärts zum Antrieb der Mühle entnommen wurde.

Aufschlagwasser


Skizze: Bürger, Albrecht u. Partner,
Agentur für Kommunikation u. Design GmbH

Abschlagwasser


 

 

Abstich: Das Ausfließen von metallischer Schmelze aus einem metallurgischen Ofen.

Der Ausdruck Abstich ist insbesondere im Zusammenhang mit Hochöfen (Vichttaler Eisen) gebräuchlich u. meint hier das Durchstoßen der mit einem Lehmpfropfen (Rempel) abgedichteten Abflussöffnung (Eisenloch) im Wallstein, damit die Eisenschmelze abfließen kann. Der Durchstich des Rempels erfolgte mit einer Art Brechstange, dem sogenannten Rengel.

Während die Beschickung u. der eigentliche Verhüttungs- Prozess im Hochofen kontinuierlich abliefen, erfolgte der Abstich in einem gleichbleibenden Rhythmus von 10 bis 12 Stunden. Nach erfolgtem Abstich wurde das Eisenloch wieder verschlossen, so dass sich bis zum nächsten Abstich erneut flüssiges Eisen im unteren Teil des Hochofens ansammeln konnte.

Abstich Schlackenabstich an
einem Rennofen
Quelle: L. Thelen, Mies van der Rohe Schule, Aachen, Berufskolleg für Technik.

Quelle:
SCHREIBER, K. und H. (1993)


 

 

abteufen: (von Teufe). Das Anlegen u. Niederbringen eines Schachtes.


 

 

Adit (Adith): Bergm., meist im früheren Steinkohle-Bergbau gebräuchlicher Begriff für einen offenen Wassergraben (oder auch Stollen), welcher der Wasserhaltung diente.

Der Begriff Adit geht auf den lat. Ausdruck "aquaeductus" zurück.

Quelle: SCHAETZKE, H.J. (1995), Seite 14, SCHLEICHER, K. (1974) Seite 39, KOHLHAAS, A. (1965) Seite 13


 

 

Adler Apotheke, ehemalige: Ursprünglich Herrenhaus der ersten u. ältesten Kupferhof-Anlage im Stolberger Raum (Schleichers Hof). Der Aachener Leonard Schleicher erkannte in den frühen 1570er Jahren als erster Kupfermeister die für das Messinggewerbe wichtigen Standortvorteile (u.a. Wasserkraft sowie nahe gelegene Erz- und Steinkohlelagerstätten) im Stolberger Tal und verlegte seinen Betrieb von Aachen nach Stolberg. Hier erbaute er auf dem bereits 1571 erworbenen Grundstück an der heutigen Burgstraße den ersten Kupferhof und damit auch das erste aus Stein errichtete Wohnhaus in Stolberg. SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 82

Da man diesen sowie auch die späteren Kupferhöfe „auf der grünen Wiese“ errichten musste, kamen als Bauformen zunächst nur geschlossene, verteidigungsfähige Hofanlagen in Betracht, deren Gebäude sich um einen Innenhof gruppierten und von außen einen wenig einladenden, sondern einen durchaus wehrhaften Eindruck vermittelten. Der Innenhof dieser Anlage war ursprünglich nur von der Schartstraße zugänglich. 

Das heutige Erscheinungsbild des ehemaligen Kupferhofes ergab sich erst durch später ausgeführte Umbauten und insbesondere durch die damit verbundene Gliederung der Fassade mit Fenster- und Türöffnungen, die mit dem hellen, landschaftstypischen Blaustein eingefasst wurden. SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 86

Im Bereich dieses Kupferhofes (wahrscheinlich im Nachbargebäude des Herrenhauses) wurde 1790 von Isaac Hausmann eine von (später) insgesamt 7 Landapotheken des Kreises Aachen eingerichtet . BRANS, H. O. (1992)

Nach dem Tod von Isaac Hausmann wurde die Apotheke von seiner Witwe Johanna Mechtildis u. dem Sohn Stefan Hausmann bis 1815 geführt. Da das preußische Apothekenrecht eine entsprechende Ausbildung der Apotheker zwingend vorschrieb u. diese Ausbildung im Falle der Hausmann-Erben nicht vorlag, ergab sich die Notwendigkeit, entweder einen approbierten Provisor einzustellen oder die Apotheke zu verkaufen.

1816 erwarb Gerhard Jakob Welter die Apotheke, die bis 1905 über mehrere Generationen von der Familie Welter betrieben wurde. 1897 erfolgte durch Eduard Welter der Umzug  in das von ihm im gleichen Jahr erworbene Herrenhaus des ehemaligen Kupferhofes.

Von 1905 bis 1928 war die Adler Apotheke im Besitz von Joseph Hollmeyer u. wurde anschließend von dem Aachener Apotheker Karl Schwarz übernommen, der bereits 1926 die Verwaltung der Stolberger Apotheke übernommen hatte. Nachdem Karl Schwarz 1961 in den Ruhestand gegangen war, wurde die Apotheke 1971 nach fast 200 Jahren geschlossen.

Adler Apotheke
Adler Apotheke
Adler
Fotos: Axel Paff

QuelleBRANS, H. O. (1992), SCHREIBER, K. und H. (2008): Seite 13,
SCHREIBER, K. und H. (2012) Seite 82, 86


 

 

Adolphsgang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg.


 

 

Adrienne: Betriebspunkt der Erzgrube Diepenlinchen.


  

  

Afrika-Artikel: Messinggeschirr (Tiefwaren) unterschiedlichster Art, das seit Mitte des 18. Jh. von den Stolberger Kupfermeistern als Exportware für den westafrikanischen Markt hergestellt wurde.

Produktbezeichnungen und Handelsnamen wie Afrika-Pfanne, Guinea-Kessel, Lissaboner Pfanne etc. zeugen von der internationalen Ausrichtung der einstigen Vertriebs- und Handelsstrukturen.

Quellen: SCHLEICHER, K. (1974) Seite 89


 

 

Afrikanischer Kleiderschrank: Früherer in Stolberg häufig verwendeter, umgangssprachlicher Ausdruck für Kalabasse.


 

 

Agricola, Georg (1494 - 1555): Naturforscher, Stadtarzt und Bürgermeister in Chemnitz. Entsprechend der damaligen Zeitströmung lateinisierte der gebürtige Georg Bauer seinen Namen und nannte sich Georg bzw. Georgius Agricola.

Neben einer Vielzahl weiterer Publikationen schrieb Agricola zwischen etwa 1530 und 1553 mit "De re metallica libri XII" die erste systematische Abhandlung über das Berg- und Hüttenwesen und zugleich eines der ersten technologischen Sach- bzw. Lehrbücher der Neuzeit.

Dieses Werk mit seinen detailgetreuen und aufschlussreichen Abbildungen, die nach Agricola's Skizzen und Angaben von Basilius Weffringer als Reinzeichnungen ausgeführt wurden, galt bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als führendes Standardwerk der technischen Fachliteratur.

1556
Ersterscheinung in lateinischer Sprache.
1557
Erste deutsche Übersetzung von Philipp Bechius mit dem Titel "Vom Bergwerk XII Bücher".
1561 - 1657
Insgesamt sechs weitere Editionen in lateinischer, deutscher und italienischer Sprache.
1912
Eine Übersetzung vom Lateinischen ins Englische gilt als richtungsweisend für alle weiteren Agricola-Editionen. Diese hervorragende Arbeit wurde von dem Bergingenieur Herbert Clark Hoover (späterer Präsident der USA) und seiner Ehefrau, der Sprachwissenschaftlerin Lou Henry Hoover erstellt und enthielt zahlreiche historische Anmerkungen bzw. technische Kommentare.
1928
Auf Anregung der Georg-Agricola-Gesellschaft am Deutschen Museum München entstand eine überarbeite deutsche Übersetzung. Als Schriftleiter konnte damals Prof. Dr. Carl Schiffner von der Bergakademie Freiberg gewonnen werden.

Heute muss das Werk "De re metallica" als eines der bedeutendsten Zeitdokumente der Technikgeschichte eingestuft werden. Insbesondere die aussagekräftigen Illustrationen von bspw. Blasebälgen, Göpel, Pochwerke etc. sind auch für das frühneuzeitliche Metallgewerbe in Stolberg relevant.

Agricola
Georg Agricola

Quelle: PERSCHER, H. (1985)


 

 

Albertsgrube: Erzgrube südlich von Hastenrath (in Richtung Werth) gelegen. Die Konzessionierung auf Blei-, Zink- u. Eisenerze erfolgte 1840 an die Konzessionäre Albert Ostländer aus Stolberg (nach welchem die Grube benannt wurde) u. der Wwe. J.W. Heinen aus Hastenrath.

Um 1845 gehört die Albertsgrube dem Kaufmann Johann Jakob Langen aus Köln, dessen Interessen von Jakob Bredt vertreten wurden, wobei letzterer 1846 die Majorität der Grubenanteile erwarb. 1847 befand sich die Albertsgrube im Besitz der KOMMANDITGESELLSCHAFT BREDT + CO. u. wurde ab 1851 von deren Nachfolgerin, der ALLIANZ, betrieben. Zwischen 1853 u. 1859 war die Albertsgrube an die Metallhütte CONCORDIA verpachtet.

Nach Liquidation der ALLIANZ kam die Albertsgrube über Rainer Ahren (Bergheim) 1863 in den Besitz der BERGWERKSGESELLSCHAFT J.W. SCHMALENBACH. Geschäftsführer wurde Friedrich Wilhelm zur Mühlen, der vorher bereits Hüttendirektor u. Grubenverwalter der CONCORDIA gewesen war. Im gleichen Jahr erfolgte die Vereinigung mit der Grube Zufriedenheit.

Das vereinigte Grubenfeld baute auf insgesamt 10 Gängen, einigen Nestern u. einem kleineren Stockwerk.

1906 erhielt die Albertsgrube die Betriebsform einer Gewerkschaft.

Die Grube wurde 1917 bei einer erreichten Teufe von 138 Metern geschlossen. Die Fundamente der Erzwäsche sind im zurückgebliebenen Halden-Gelände noch gut zu erkennen.

Quelle:
MEYER, H. (1987), Seiten 26-29


 

 

Aline u. Erfelbusch: Erzfelder


 

 

Allianz: Kurzbezeichnung für ALLIANZ ANONYME GESELLSCHAFT FÜR BERGBAU UND HÜTTENBETRIEB BEI STOLBERG, die 1851 unter maßgeblicher Beteiligung von franz. Kapital aus der KOMMANDITGESELLSCHAFT BREDT + CO. hervorgegangen ist. Die Hauptbeteiligten der letztgenannten Gesellschaft waren der Reg.-Rat Jacob Bredt u. der Tuchfabrikant A.W. Stoltenhoff.

Die Allianz besaß die Gruben Zufriedenheit, Wolfeter Hoffnung sowie die Albertsgrube u. hielt den Hauptanteil am Grubenfeld Büsbacherberg, Brockenberg wie auch geringe Anteile an der Grube Breinigerberg. Desweiteren betrieb die Allianz die Zinkhütte Steinfurt u. die Bleihütte Luzilia.

Die Allianz löste sich 1856 wegen schlechter Ertragslage auf. Dies wird u.a. damit zu begründen sein, dass man die Grube Büsbacherberg-Brockenberg mit hohem finanziellen Aufwand ausgebaut hatte, die aufgeschlossenen Erzmittel sich jedoch kaum als förderwürdig erwiesen. Nach der Auflösung ging der Hauptteil des Grubenbesitzes über einige Umwege an die STOLBERGER- u. ESCHWEILER GESELLSCHAFT. Die Zinkhütte Steinfurt wurde noch bis 1859 von der BADISCHEN ZINK-GESELLSCHAFT ZU MANNHEIM betrieben. Hiernach entstand an gleicher Stelle die P. PETERS GMBH FABRIK FEUERFESTER PRODUKTE.

Quellen: HAMACHER, R. (1956) Seite 33, RÜBMANN, A. (1925) Seite 17


 

 

Allianzwappen: Kombination zweier (Familien-) Wappen, die in entsprechender Anordnung von Eheleuten verwendet wurde, welche beide einer wappenführenden Familien entstammten. Normalerweise wurde links das Wappen der Manneslinie und rechts das Wappen der Familie der Ehefrau dargestellt, wobei beide Wappen häufig in einem gemeinsamen Rahmen angeordnet waren. Zu Lebzeiten fand das Allianzwappen als Standessymbol und als (u.a. architektonisches) Dekorationselement in Haus u. Hof Verwendung. Auch Grabplatten wurden üblicherweise mit dem Allianzwappen der Verstorbenen versehen (Kupfermeister- Friedhof).

In Stolberg waren Allianzwappen insbesondere bei den Familien der Kupfer- und Reitmeister gebräuchlich.

Portal
Eingangsportal zum Herrenhaus
Allianzwappen
Allianzwappen Peltzer - Schleicher.
Allianzwappen
Allianzwappen Peltzer - Prym oberhalb des Torbogens
Kupferhof Stöck
Fotos: F. Holtz

 

 

Allongen: Vorstecktuten


 

 

Alpacca: Neusilber


 

 

Alpaka: Neusilber


 

 

Alsine verna: Frühlingsmiere


 

 

Alte Krautlade: Ehemaliger, 1565 von Johannes Raven erbauter Kupferhof, am heutigen Mühlener Ring zwischen Stöck u. Weide gelegen. Die Erben des Johannes Raven (Jan-Ravens-Mühle) verkauften die Alte Krautlade 1609 an Heinrich Hansen. Um 1610 wurde die Anlage dann von dessen Schwiegersohn, Jeremias Hoesch dem Älteren übernommen, der kurze Zeit später die (Neue) Krautlade errichtete.

Quellen: SCHLEICHER, KURT. (1964) Seite 140


 

 

Alte Stöck: Stöck


 

 

Altenberg: ehemaliges Erzabbaugebiet im äußersten Nordosten Belgiens im Bereich der Orte Herbesthal, Hergenrath, Kelmis, Lontzen, Walhorn u. Welkenrath. Die westliche Grenze verlief über Moresnet u. Henri-Chapelle, während die Orte Hauset, Eynatten u. Kettenis die östliche Peripherie bildeten. Auf Grund der ungewöhnlich reichen u. qualitativ hochwertigen Galmei- Lagerstätten galt der Altenberg als Europas bedeutendstes Abbaugebiet für Galmei. Altenberger Galmei zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass er nahezu frei von Bleibestandteilen war.

Bezüglich der Entstehung u. Bildungsmechanismen lagen ähnliche Verhältnisse vor wie im Stolberger Raum (Schalenblende- Entstehung u. Galmei-Entstehung), jedoch dominierte bei den tiefer gelegenen Erzmitteln der Oxidationszone der silikatische Galmei. Die Lagerstätte besaß, ähnlich wie in Stolberg, einen Primärerz-Unterbau, welcher der gleichen Paragenese zuzurechnen ist. Als mineralogische Besonderheit kam im Gebiet des Altenberges als Strickblende ausgebildeter Bleiglanz vor.

Der Altenberg befand sich seit spätestens 1344 im Abbau u. stellte die Basis für das Messing-Gewerbe des Aachener- u. Lütticher Raumes dar (Dinant). Auch die im Stolberger Raum ansässigen Kupfermeister nutzten den Altenberger Galmei, wobei dieser häufig dem geringwertigeren, etwas bleihaltigen Stolberger Galmei zur Verbesserung der Messingqualität zugesetzt wurde.

Ab ca. 1850 wurde auch der Primärerztyp Schalenblende des Altenberges wirtsch. interessant u. hauptsächlich von der VIEILLE MONTAGNE zur Zinkherstellung genutzt. Der Grubenbetrieb wurde 1884 eingestellt.

Die große wirtsch. Bedeutung der Erzlagerstätten führte 1815 zu einer territorialen Besonderheit. Mit der Gründung des Königreiches der Niederlande in nach-napoleonischer Zeit wurden größere Teile des Altenberges als NEUTRAL MORESNET einer gemeinsamen preussisch-niederländischen Verwaltung unterstellt, nachdem beide Monarchien die Differenzen um dieses wichtige Gebiet beigelegt hatten.


 

 

Alter Franzgang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchen,

Erzführung: vorwiegend Bleiglanz mit etwas Blende.


 

 

Alter Hof: Ehemalige, neben der Krautlade gelegene Gewerbeanlage. 1766 wurde die Anlage von Johann Hollkamp aus Vaals als Wollweberei genutzt u. 1815 betrieb Matthias Leonhard Schleicher dort vier Messingöfen.


 

 

Alter Markt: Platz u. gleichnamiger, ehemaliger Kupferhof an der heutigen Burgstr. Der Kupferhof am Alten Markt dürfte identisch sein mit der in älterer Zeit als Rose bezeichneten Anlage u. bildete mit dem Hof Fingerhut eine Einheit. Der Hof wurde wahrscheinlich vor 1600 von Lambert Schleicher dem Jüngeren erbaut. *BRECHER, A. (1990) Seite 17

Rose
Die nahezu unverändert gebliebene rückwärtige Fassade der Anlage lässt auch heute noch erkennen, wie abweisend sich das äußere Erscheinungsbild eines frühen Kupferhofes ursprünglich darstellte.
Foto: Axel Pfaff

Die Hofanlage wurde 1840 von der Pfarre St. Luzia gekauft, die hier eine Vikarie einrichtete. Später war die Anlage im Besitz des Stolberger Mediziners Dr. Conrad Schmitz bzw. seines Sohnes Franz. Durch Heirat einer Tochter gelangte das Anwesen an die Familie Brückmann. Die zwischenzeitlich vom Verfall bedrohte Anlage ist mittlerweile renoviert u. dient heute als sogenannter Kunsthof mit Ateliers mehrerer Künstler.

 Rose  Foto: Video-Produktion Karl Irle

QuellenBRECHER, A. (1990) Seite 17, SCHLEICHER, K. (1974) Seite 15


 

 

Alter Simon: Betriebspunkt der Erzgrube Diepenlinchen, östlich des Hauptbetriebspunktes gelegen.


 

 

altes Kupfer: Messingschrott, auch Schrot, Schroo, Schru oder Schroden genannt. Der Begriff altes Kupfer hat den gleichen Hintergrund wie der früher übliche Begriff des gelben Kupfers.

Altes Kupfer war für die Herstellung von Plattenmessing unentbehrlich u. an den Messingstandorten häufig sehr knapp. Ein Verbot der Ausfuhr von altem Kupfer wurde teilweise als Wirtschaftswaffe zwischen konkurrierenden Standorten eingesetzt. Die Schrottausfuhr von Aachen nach Stolberg war z.B. zeitweise ebenfalls verboten.

Der große Bedarf an altem Kupfer ist verantwortlich dafür, dass alte Messingarbeiten außerordentlich selten sind. Besonders während der franz. Besatzungszeit sind zahllose Arbeiten, darunter auch wertvolle Kunstwerke, wieder in die Messingöfen gewandert.


 

 

Altstadt: Die Ortschaft Stolberg entwickelte sich aus einem unterhalb der Burg gelegenen Siedlungsweiler (Burgflecken). Bereits 1342 müssen Anfänge dieses Weilers bestanden haben, da eine Abgabe von 48 Kapaunen an die Stolberger Herrschaft urkundlich überliefert ist.

Eine frühe Darstellung der Stolberger Altstadt liefert die Walschaple-Karte von 1544. Hier ist der heutige Altstadtbereich als kleinere Ansiedlung abgebildet, die damals aus höchstens einem guten Dutzend Häusern bestand.

Burg 1548

Der Zuzug der Kupfermeister bewirkte gegen Ende des 16. und im beginnenden 17. Jh. im Bereich der heutigen Burgstraße eine deutliche Verdichtung der Bebauung. Auch im Haupttal der Vicht entstanden neue Kupferhöfe, die sich allerdings sehr viel weiter auseinandergezogen entlang des Bachlaufes erstreckten.

Obschon auf der Abbildung aus der Mitte des 16. Jh. eindeutig Fachwerkbebauung zu erkennen ist, und auch das älteste, noch stehende Wohnhaus aus dem Jahr 1529 in Fachwerk ausgeführt wurde, sind Fachwerkhäuser in der heutigen Altstadt nur sehr selten anzutreffen. Da in früheren Zeiten zu jedem Kupferhof auch Messingöfen gehörten und man mit entsprechendem Funkenflug rechnen musste, waren aus Stein gebaute Häuser bezüglich der Brandgefahr sehr viel sicherer.

Die in unserer Region im 19. Jh. einsetzende Industrialisierung mit dem damit verbundenen Bedarf an zusätzlichen, auswärtigen Arbeitskräften führte zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahl. Obschon viele Betriebe mit der Errichtung von Werkssiedlugen (z.B. Schafberg u. Kolonie) versuchten, Facharbeiter an ihr Unternehmen zu binden, waren viele Arbeiterfamilien gezwungen, im vorhandenen Baubestand Wohnung zu nehmen. Hierzu gehörten u.a. auch die Betriebsgebäude der ehemaligen Kupfer- u. Tuchmacherhöfe. Der hier geschaffene Wohnraum hatte allerdings in vielen Fällen den Charakter von Notquartieren. Das Heim, die Stätte, an der sich der Mensch heimisch fühlen sollte, wurde vielfach zum würdelosen Ort seiner Selbstentfremdung. OSTEROTH, D. (1985) Seite 30

Kolonie Seifenhof
Zinkhütte Birkengang, im Vordergrund die sogenannte Kolonie. Zur Wohnanlage  umgewidmeter Seifenhof um 1900.

Mit der in der zweiten Hälfte des 19. Jh. einsetzenden Entstehung u. Entwicklung der Neustadt (Steinweg- Rathausstraße etc.), wo Häuserzeilen in bester Gründerzeitarchitektur entstanden, ging eine spürbare Vernachlässigung der Altstadt einher. Wohlhabende, bürgerliche Familien verließen in zunehmendem Maße den Altstadtbereich u. wandten sich der entstehenden Neustadt zu, wobei der freiwerdende Wohnraum von nachziehenden Arbeiterfamilien belegt wurde. Hierdurch kam es zu einer (wie man sich damals auszudrücken pflegte) Proletarisierung ganzer Teilbereiche der Altstadt.

Handelskammer
Gründerzeithaus (ehemalige Handelskammer) in der Rathausstraße.
Foto: F. Holtz

Diese Tendenz setzte sich bis weit nach dem zweiten Weltkrieg fort, bis es letztlich teilweise zur Verwahrlosung mit punktueller Bildung von sozialen Brennpunkten in der Altstadt kam.

1962 begannen erste Planungen zu einer umfassenden Altstadtsanierung. Entsprechend der damals (nicht nur in Stolberg) üblichen Vorstellungen war in den anfänglichen Konzepten auch eine mehr oder weniger großflächige Spitzhackensanierung vorgesehen. Die Burgstraße sollte beispielsweise erheblich verbreitert werden, was in hohem Maße zum Verlust historischer Bausubstanz geführt hätte. Auch der etwas vorschnelle und aus heutiger Sicht höchst bedauerliche Abriss des Kronenhofes muss der wenig sensiblen Auffassung der damaligen Zeit zugeschrieben werden.

Die durchaus visionäre Vorstellung, man könne mit erhaltender Sanierung und pfleglicher Instandsetzung der vorhandenen Altbauten in Verbindung mit punktueller, sorgsam angepasster Neubebauung ein städtebauliches Kleinod schaffen bzw. neu entstehen lassen, setzte sich nur langsam und mühsam durch, was bei dem desolaten Zustand u. dem traurigen Erscheinungsbild der damaligen Altstadt kaum verwunderlich ist.

Die erhebliche Verzögerung bei der Realisierung des Altstadtprojektes von deutlich mehr als 15 Jahren muss rückblickend als Glücksfall gewertet werden, da das Konzept einer bestandserhaltenden Sanierung zwischenzeitlich breiten Konsens gefunden hatte, u. ein Totalabriss der alten Bausubstanz somit vermieden wurde.

Nachdem der Rat der Stadt Stolberg im Dezember 1977 eine Altstadtsanierung nach dem Städtebauförderungsgesetz beschlossen hatte, erfolgte im Juli 1980 die Genehmigung durch den Regierungspräsidenten. Die Realisierung des mit knapp 33 Millionen DM veranschlagten Projektes erfolgte in Zusammenarbeit mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Bereits 1986 konnte mit der Bebauung des „Pleys“ das letzte Großprojekt der Altstadtsanierung abgeschlossen werden.

Parallel zur eigentlichen Altstadtsanierung führte man weitere, flankierende Maßnahmen durch, die eine zusätzliche Aufwertung des Altstadtbereichs zur Folge hatten. Hierzu gehörte beispielsweise die Anlage eines stadtnahen, biotopartigen Erholungsgebietes im ehemaligen Steinbruch Gehlen (Gehlens Kull) mit Renovierung der lokaltypischen alten Kalköfen.

Kalkofen Restaurierter Kalkofen im Steinbruch Gehlen.
Foto: F. Holtz

Nach erfolgter und durchaus gelungener Altstadtsanierung und unter Einbeziehung des malerischen Ortskerns von Breinig gelang es der Stadt Stolberg, Mitglied in den prestigeträchtigen „Arbeitsgemeinschaften Historische Stadt- und Ortskerne des Landes Nordrhein-Westfalen“ zu werden.

Altstadt
Stolberger Altstadt,
historischer Ortskern mit Denkmalstatus.
Foto: F. Holtz

Quellen: HILGERS, F. (1983) Seiten 4, 6. BRECHER, A. (1990) Seiten 162, 184, 193,
OSTEROTH, D. (1985) Seite 30


 

 

Altwerk: Flurname in Zweifall, der mit der früheren Existenz eines Reitwerkes erklärt wird. Ebenfalls Grubenfeld um Zweifall (Erzfelder).

Quellen: SCHREIBER, K. und H. (1993) Seite 124


 

 

Amalia-Schacht: An der heute gleichnamigen Straße in Münsterbusch gelegener Schacht der James-Grube.


 

 

Ambacht: Gewerbegenossenschaft ähnlich wie Zunft oder Innung (Kupferambacht). In den Niederlanden ist der Ausdruck Ambacht auch heute noch geläufig u. steht dort für Handwerk bzw. Facharbeit.


 

 

Ammoniak-Soda: Unter Verwendung von Ammoniak nach dem Solvay-Verfahren hergestellte Soda.


 

 

Ammoniak-Soda-Verfahren: Solvay-Verfahren


 

 

Anbruch: Bergm. Ausdruck für das Freilegen eines aufgefundenen Erz-Ganges bzw. für die hierdurch freigelegte Fläche, die den Gangverlauf u. meist auch seine Mächtigkeit erkennen lässt. Bei entsprechender Qualität u. Quantität der aufgefundenen Erzmittel spricht man von einem guten oder reichen Anbruch.


 

 

Andreasgang: Gangartiger Erzkörper in der Erzgrube Diepenlinchen. Erzführung: in den oberen Teufen silberreicher Bleiglanz, in den unteren mit Blende vermischt.


 

 

Anna: Erzfelder in Stolberg


 

 

Anna: Mutter Mariens u. somit auch Großmutter des Jesuskindes. Ähnlich wie St. Barbara wurde u. wird die Heil. Anna von den Bergleuten in besonderer Weise verehrt.

Diese Verehrung hat ihren Ursprung in der mittelalterlichen Symbolik u. Vorstellungswelt. Gold, das edelste aller Metalle, stand nämlich als Symbol für Jesus Christus. Das weniger edle Silber symbolisierte die Gottesmutter Maria, während Zinn als Sinnzeichen für die heil. Anna stand. In der genealogischen Entsprechung wurde also Zinn zu Silber u. Silber zu Gold.

Dies drückt nicht nur die damalige Vorstellung von der Entstehung der Edelmetalle (zunehmende Veredelung) aus, sondern man glaubte hierin auch das Ideal einer stetigen Vervollkommnung zu erkennen. Die Heil. Anna war also die Mutter der Edelmetalle; sie galt als Erzmacherin.

Diese Vorstellung findet ihren Ausdruck in der üblichen Darstellungsform der heil. Anna, die meist als "Anna selbdritt" gezeigt wird. In der Umgangssprache ist der Ausdruck "selbdritt" stark antiquiert, entsprach aber unserem heutigen "zu dritt". Die heil. Anna wird also meist zusammen mit ihrer Tochter u. ihrem Enkelkind dargestellt.

Auch in unserer Region ist die Verehrung der Heil. Anna im Montanbereich erkennbar. Die größte Zeche in Alsdorf beispielsweise trug den Namen dieser Bergbauheiligen.

Fernerhin findet man in der Pfarrkirche von Gressenich eine figürliche Darstellung der Heil. Anna. Hierbei handelt es sich um eine gotische, gefasste Eichenholzskulptur niederrheinischer Provenienz aus der zweiten Hälfte des 15. Jh.

St. Anna
St. Anna
Fotos:
Werner Olbertz
Darstellung der Heiligen Anna
in der Pfarrkirche von Gressenich.

 

 

Annaschacht: Schacht im Bereich des Brockenberges (Büsbacherberg).


 

 

Anonyme Gesellschaft Eschweiler Bergwerks- Verein: ESCHWEILER BERGWERKS- VEREIN


 

 

anthropogen: durch den Menschen entstanden, verursacht oder beeinflusst. Bei alten Grubenfeldern, wo die Pingen-Züge noch als Unebenheiten in der Gelände-Morphologie erkennbar sind, sagt man beispielsweise, der Bereich sei anthropogen überprägt.


 

 

Anthropogeologie: Geologie


 

 

Antiklinale: Falte


 

 

äolische Sedimente: durch Wind abgelagerte Sedimente


 

 

aquatische Sedimente: durch Wasser abgelagerte Sedimente


 

 

ARBED (Aciéres Réunies de Burbach-Eich-Dudelange): Luxemburgisch- Saarländisches Großunternehmen der Eisenhüttenindustrie, welches seit 1913 durch einen Interessengemeinschaftsvertrag mit dem EBV verbunden ist u. in den 1920er Jahren dessen Hauptaktionär wurde.


 

 

Arck: Erk


 

 

Arco: Rohmessing


 

 

Arnolds Mühle: 1872 von der Familie Arnold errichtete Großmühle, deren Hauptbau heute als Wohnanlage genutzt wird. Der Mühlenbetrieb wurde 1984 eingestellt. Die Mühlentradition reicht an diesem Standort bis ins 15. Jh. zurück. Ursprünglich stand hier die Zwangs- und Bannmühle der Unterherrschaft Stolberg.

Bild
Foto: F. Holtz

Quellen: BRECHER, A. (1990) Seite 65, HAMACHER, R. (1956) Seite 72


  

 

Argentan: Neusilber


 

 

Armeria elongata: Grasnelke


 

 

Arschleder: Bergleder


 

 

Arthur-Schleicher-Stollen: 1929 angelegter Zugangsstollen zum Fetisschacht.


 

 

Asturische Phase: Orogenese


 

 

Atsch: Stadtteil im Norden von Stolberg, bis 1935 zu Eilendorf gehörend. Die Atsch liegt im oberen (westl.) Teil der Indemulde an der Grenze zwischen Münsterkohlberg u. Eschweiler Kohlberg. Die hier lagernden Steinkohle-Flöze wurden seit dem 14. Jh. in kleinbergbaulichem Betrieb (Pingen) abgebaut.

Im Zuge der um die Mitte des 19. Jh. einsetzenden Industrialisierung ging der EBV nach dem Ausbau der Grube Atsch zu großtechn. betriebenem Bergbau über. Auf der Basis der hier u. in den benachbarten Abbaugebieten Münsterkohlberg u. Binnenwerke des Eschweiler Kohlbergs lagernden Kohle entwickelte sich die Atsch zu einem bedeutenden Industriestandort mit Betrieben der Glashüttenindustrie, der Großchemie (Rhenania) u. der Zinkindustrie (Zinkhütte Steinfurt). Zusammen mit den Glas- u. Zinkhütten des benachbarten Münsterbusches, der Eisenhüttenindustrie am ebenfalls benachbarten Eschweiler Kohlberg u. den weiteren Steinkohlebergwerken der unmittelbaren Umgebung bildete die Atsch das erste Industriegebiet in Deutschland.


 

 

Atsch (Grube): Ehemaliges Steinkohlebergwerk im Bereich von Atsch Dreieck, welches zu den Außenwerken des Eschweiler Kohlberges gehörte. Der im Gebiet der Atsch seit dem 14. Jh. umgehende Kleinbergbau auf Kohle (Pingen-Bauweise) wurde im 18. Jh. durch den Einsatz von wassergetriebenen Pumpwerken (Atscher Pumpe) erweitert, so dass ein Abbaubetrieb unterhalb des Grundwasserspiegels bzw. auch unterhalb der Talsohle des Münsterbaches möglich wurde.

Am 26. Juni 1738 wurde den sogenannten Atscher Gesellen (Christophel Tilmanns, Matthias Eßer, Peter Graff, Johann Küpper, Wilhelm Ubach, Gerhard Beyer) durch Kurfürst Karl Philipp als Herzog von Jülich die Erlaubnis zum Bau einer ‘Vertiefungs-Pumpe‘ erteilt, die einen weiteren Ausbau der Grube Atsch zur Teufe hin ermöglichen sollte. Bis 1772 erreichte der Abbaubetrieb eine Teufe von rund 40 m. Nach weiteren 30 m hätte man das Flöz Großkohl erreicht, welches auf Grund seiner großen Mächtigkeit von besonderem Interesse gewesen wäre. Hierzu jedoch reichte die verfügbare Wasserkraft nicht aus. Der Grubenbetrieb muss vor 1784 eingestellt worden sein, da das zur Wasserhaltung benutzte Kunst-Gefälle dem Kupfermeister Johann Peltzer übertragen wurde. Ab 1810 diente die Wasserkraftanlage dem Betrieb der neu errichteten Atscher Mühle.

Da sowohl die Existenz des Flözes Großkohl als auch dessen Mächtigkeit u. die damit verbundene Bauwürdigkeit bekannt waren, achteten die Anteilseigner der Grube Atsch darauf, die aus ihren Anteilen resultierenden Rechtsansprüche für den Fall einer Wiederaufnahme des Grubenbetriebs aufrecht zu erhalten. Allerdings setzte, hauptsächlich durch Vererbung, eine starke Zersplitterung (bis zu 1/144) der Anteile ein.

Flöze
Abfolge der Steinkohleflöze im Bereich der Grube Atsch
Skizze: F. Holtz

Ähnlich wie schon in anderen Teilen des Eschweiler Kohlbergs, versuchte die Familie Wültgens-Englerth, Anteile der Grube Atsch in ihren Besitz zu bringen u. den Grubenbetrieb wieder aufzunehmen. Bereits 1800 hatte Karl Englerth einen Konzessions-Antrag auf Ausbeutung der Binnenwerke sowie der Außenwerke Birkengang u. Atsch gestellt. Der Teilantrag jedoch, welcher sich auf die Grube Atsch bezog, wurde wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg zurückgezogen.

Bis zum Jahr 1832 gelang es Christine Englerth, 62/72 aller Anteile der Grube Atsch zu erwerben; u.a. von Andreas Edmund Graff zu Maastricht (5/72), Matthias Leonhard Schleicher (5/72), Dr. Voßen (11/72), Franz Schuppen (6/72). Lediglich der Stolberger Grobschmied Johann Rüben weigerte sich beharrlich, seinen Anteil von 10/72 zu verkaufen.

Somit wurde am 1.4.1832 eine Sociation civile zur Wiederinbetriebnahme der Grube Atsch gegründet. Im September 1834 erfolgte durch Konzessionsverordnung eine Neufestsetzung der Besitzverhältnisse auf 9/10 zu 1/10. Erst 1866 gelang es dem EBV, die Restanteile der Grube Atsch zu erwerben.

Der Betrieb der Wasserhaltung erfolgte anfangs mit einem Pferde-Göpel u. später mittels Dampfmaschinen.

1845 begann man mit der Neueinrichtung der Grube Atsch. In der Nähe der von der Sebastianusstr. u. der Würselener Str. gebildeten Ecke wurde der neue Förder-Schacht angesetzt. Das zentrale Grubengebäude steht heute noch und fällt durch sein markantes Pyramidendach mit mittig aufgesetztem, laternenartigem Dachreiter auf. Die Anlage wurde im Volksmund als ‘Küllche‘ bezeichnet.

Bei dem Schachtgebäude der Grube Atsch handelt es sich um einen ehemaligen Förderturm, der statt der später üblichen stählernen Fördergerüste als massiver Ziegelsteinbau errichtet wurde. Dieses Bauwerk kann als Vorstufe der später allgemein üblichen „Malakow-Achitektur“ gelten. *NIEDERHAGE-MANN, S. und TEMPEL, N. (2014)

Bei besagtem Dachreiter dürfte es sich um einen architektonischen Rückgriff auf eine in früherer Zeit (insbesondere im erzgebirgischen Bergbau) weit verbreitete Einrichtung handeln, in welcher ursprünglich die sogenannte Bergglocke untergebracht war. Berücksichtigt man das vergleichsweise geringe Alter des Atscher Schachtgebäudes, so wird in dem Dachreiter wohl kaum eine Bergglocke, möglicherweise aber eine Schichtglocke installiert gewesen sein.

Grube Atsch
Quelle:
Kohlhaas (1965)
Grube Atsch
Foto: F.Holtz

Mit etwas mehr als 50.000 t wurde in den Jahren 1857 u. 58 die höchste Förderrate erreicht. Dies entsprach allerdings lediglich ca. 15% der Gesamtförderleistung des EBV’s. In den 1860er Jahren fielen die Jahresförderzahlen der Grube Atsch auf nahezu 10.000 t ab.

1861 schaffte man durch Vortrieb eines Verbindungsstollens den Zugang zum Förderschacht der Grube Probstei, der über einen direkten Eisenbahnanschluss verfügte.

Die Grube Atsch erreichte bereits 1860 ihre max. Teufe von 220 m u. wurde im Oktober 1870 auf Grund mangelnder, bauwürdiger Kohlevorräte aufgegeben.

QuellenKOHLHAAS, A. (1965) Seiten 16-27 u. 77
NIEDERHAGE-MANN, S. und TEMPEL, N. (2014) in Zeitschrift für Denkmalpflege, Landschaft, Sozial,- Umwelt- und Technikgeschichte.




 

 

Atscher Mühle: Ehemaliger Industriestandort im heutigen Berthold-Wolff-Park süd-östl. der Rhenaniastr. mit zwei noch vorhandenen, 1980 restaurierten Glühöfen.

Glühöfen
Glühöfen der Atscher Mühle
Foto: F. Holtz

Bereits um 1500 hat an der Stelle, wo sich heute die Glühöfen befinden, ein Pumpenhaus gestanden (Atscher Pumpe).

1784 wurde die Wasserkraftanlage zunächst von Johann Peltzer *BRECHER, A. (1990) Seite 33 u. später von Matthias Leonhard Schleicher *BRECHER, A. (1990) Seite 38 übernommen, der 1810 mit seinen Söhnen dort die Atscher Mühle mit einer Latschmühle u. dem ersten Walzwerk für Messing in Stolberg errichtete. DODT, G: Der historische Wanderweg von Atsch bis Elgermühle, Der Betrieb wurde 1873 zur heutigen Eisenbahnstr. verlegt, wo er sich auch heute noch befindet (Stolberger Metallwerke).

Ebenfalls noch vorhanden ist der Atscher Weiher, der als Stauanlage für das Aufschlagwasser der Atscher Mühle diente.

Das Gelände wurde 1875 von der Rhenania erworben, die hier, zum Abfüllen ihrer chemischen Produkte, eine Faßbinderei betrieb.

QuellenBRECHER, A. (1990) Seiten 33, 38 . DODT, G: Der historische Wanderweg von Atsch bis Elgermühle


 

 

Atscher Pumpe (Atscher Pomp): Pumpenanlage, die ursprünglich im heutigen Berthold-Wolff-Park süd-östl. der Rhenaniastr. nahe der Stelle errichtet wurde, wo die Glühöfen der Atscher Mühle stehen. Die Atscher Pumpe diente der Wasserhaltung für den dort umgehenden Abbau von Steinkohle u. wurde 1783 in unmittelbarer Nachbarschaft durch eine neue Anlage ersetzt, deren Gebäude heute noch stehen.

Quellen: KOHLHAAS, A. (1965) Seite 13


 

 

Atscher Villa (Atscher Römervilla): Römische „villa rustica“ (ländlicher Gutshof), die 1876 im Probsteier Wald (Nähe Bahnhof) entdeckt und von dem damaligen Aachener Museumsdirektor Fritz Berndt als römische Anlage erkannt wurde. In den Jahren 1880/81 wurde die Gesamtanlage freigelegt sowie der ehemalige Grundriss (ca. 38 x 20 m) dokumentiert.

In Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege sorgte 2002 ein Schülerprojekt im Rahmen des Lateinunterrichts (Viktoria Schule Aachen) für eine Wiederherstellung der ursprünglichen Fundsituation.

Der Grabungsbefund lässt deutlich eine Einzelhofanlage des Types „villa rustica“ erkennen, der eine im gallisch- germanischen Raum weit verbreitete Siedlungsform repräsentiert.

Aus geomorphologischer Sicht dürfte der Standort der Anlage unweit der Inde-Aue im unteren Bereich des Anstiegs zum heutigen Probsteier Wald durchaus vorteilhaft gewesen sein, denn:

Bild Römervilla aus Stolberg Atsch, Rekonstruktionszeichnung
von H. Albrecht.

 

 

Ätznatron (Natriumhydroxid) NaOH: Weiße, undurchsichtige, Substanz mit stark ätzender Wirkung. Man verwendet Ätznatron fast ausschließlich in der analytischen Chemie als Aufschlussmittel.

In früherer Zeit wurde zur Gewinnung von Ätznatron Natronlauge in offenen gusseisernen oder silbernen Kesseln eingedampft. Wenn die Natronlauge, die zur Gewinnung des Ätznatrons Verwendung fand, nach dem Kalk-Soda -Verfahren hergestellt worden war, bezeichnete man das so produzierte Ätznatron als kaustische bzw. kaustifizierte Soda oder auch als Sodastein (Kaustifizierung).

Im Stolberger Raum wurde Ätznatron in der Rhenania nach dem Kalk-Soda- Verfahren hergestellt.


 

 

Ätzplatte: Zinkdruckplatte


 

 

Aue: Ehemalige, im heute gleichnamigen Ortsteil von Eschweiler gelegene Steinkohlegrube des Eschweiler Kohlbergs


 

 

Aufbereitung: bergm. Ausdruck für das Trennen u. Aussortieren der nutzbaren Fördergüter aus dem Haufwerk u. meist auch dessen notwendige Zerkleinerung oder die Gesamtheit aller Vorrichtungen u. Anlagen, die zu diesem Zweck errichtet u. betrieben werden. Im Falle der Aufbereitung von Erzen erhält man das Erzkonzentrat, das in den Hütten weiterverarbeitet wird.

Die Aufbereitungsanlagen befinden sich meist in unmittelbarer Nähe zu den Bergwerken, um den Weitertransport (z.B. zu den Hütten) nicht mit den Frachtkosten für Berge zu belasten.

Die Aufbereitung bedient sich mechanisch- physikalischer Arbeitsweisen, indem sie die unterschiedlichen Eigenschaften der Mineralien ausnutzt. Die mineralischen Metallträger (Erze) weisen meist hinreichend große Gewichtsunterschiede zum Nebengestein auf, so dass eine Trennung nach dem spezifischen Gewicht möglich ist (Dichtesortierung). Das gilt häufig auch für unterschiedliche, der gleichen Paragenese zugehörenden Erze, die nach dem gleichen Prinzip nicht nur vom Nebengestein, sondern auch untereinander getrennt werden können.

Es sind noch zwei weitere Trennungsverfahren üblich, welche ebenfalls die unterschiedlichen spezifischen Gewichte der Mineralien ausnutzen, in Stolberg jedoch nicht von Bedeutung waren:

  1. Das Schwertrübeverfahren, welches mit Flüssigkeiten (meist Wasser) arbeitet, deren Dichte über den Zusatz von feinstgemahlenen Schwerstoffen künstlich erhöht wird.
  2. Das Hydrozyklonverfahren, welches, ähnlich wie bei der Zentrifuge, die Fliehkraft ausnutzt.

Ein anderes Prinzip zur Trennung unterschiedlicher Mineralien findet bei der Flotation (Schwimmaufbereitung) Anwendung, u. ergibt sich aus den teilweise stark verschiedenartigen Oberflächeneigenschaften der Mineralien. Dieses Verfahren, welches nach der Jahrhundertwende in zunehmendem Maße eingesetzt wurde, ist zwar höchst effektiv, setzt aber eine sehr weitgehende u. aufwendige Zerkleinerung des Haufwerkes voraus. Das durch Flotation erhaltene Konzentrat ist somit ebenfalls sehr feinkörnig u. muss vor der Verhüttung in Schachtöfen gesintert werden (Sintern).

Die im feingemahlenen Haufwerk vorliegenden Mineralien sind teils sehr gut benetzbar (hydrophil), teils eher wasserabstoßend (hydrophob), wobei die hydrophoben Teilchen eine deutliche Affinität zur Luft besitzen. Durch Wasserzufuhr wird ein Feststoff-Wasser-Gemisch (Trübe) gebildet, in welches feinverteilte Luft eingebracht wird. Diese eingebrachte Luft hängt sich in Bläschenform an die hydrophoben Teilchen u. bringt diese zum Aufschwimmen. Die hydrophoben Erzbestandteile sammeln sich also, getragen von den anhaftenden Luftbläschen, in einer Schaumschicht an der Wasseroberfläche u. können durch eine Abstreifvorrichtung separiert werden. Die wasserbenetzbaren (hydrophilen) Bestandteile des gemahlenen Haufwerkes (meist sind es die als Gangart vorkommenden, wertlosen Mineralien) verbleiben in der Trübe u. können als Schlamm ausgetragen werden. Mit verschiedenen chem. Zusätzen lässt sich die Stabilität der Luftbläschen u. deren Affinität zu den Mineraloberflächen steuern.

Die stärkste Schwimmfähigkeit haben die Sulfide der Schwermetalle. Deshalb hat die Flotation größte Bedeutung bei der Aufbereitung von Blei- Zinkerzen erlangt. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Möglichkeit, Erze mit zwei oder mehreren nutzbaren Mineralien selektiv zu flotieren, d.h. die Mineralien der verschiedenen Metalle (in Stolberg waren dies Zinkblende, Bleiglanz u. Eisenkies) voneinander zu trennen u. in gesonderten Konzentraten zu sammeln.

Nach der Umstellung auf großtech. Abbaubetrieb wurden für die Stolberger Erzgruben (Breinigerberg, Diepenlinchen) in den späten 1840er Jahren neue Aufbereitungsanlagen errichtet, die nach dem Prinzip der Dichtesortierung arbeiteten. Grobe Körnungen wurden in sogenannten Setzmaschinen unter fließendem Wasser verarbeitet (gesetzt), wobei die Tische (oft auch Siebe) sich in schnellem Rhythmus auf- u. ab bewegten. Die feinkörnigen Anteile wurden auf sogenannten Herden (Stoß- oder Schüttelherde) verarbeitet. Unter schwachem Wasserstrom brachte man das sandige Gut auf den leicht geneigten Herd auf. Durch die Schüttelbewegung des Herdes legen die spezifisch schwereren Erzteilchen den größeren Weg zurück u. wurden somit von den leichteren Gangartteilchen (Gangart) getrennt.

Diepenlinchen erneuerte 1898/99 seine ursprüngliche Anlage und schuf hiermit eine Kapazität von 100 t Haufwerk pro Tag. Diese neue Anlage lag unmittelbar am Hauptschacht und war dort in zunehmendem Maße auftretenden Bodensenkungen ausgesetzt bzw. auch den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen. 1907 wurde daher in größerem Abstand zum Hauptschacht eine neue Anlage errichtet, die 257 t Haufwerk pro Tag durchsetzen konnte. Diese Anlage galt damals nicht nur in Deutschland als eine der fortschrittlichsten ihrer Art.

Diepenlinchen

Auf dem Betriebsgelände der ehemaligen Grube Diepenlinchen wurde in den Jahren 1927/28 (also lange nach Aufgabe der Grube) eine Flotations-Anlage mit einer Kapazität von 5t/Stunde errichtet, die zunächst der Nachbehandlung alter, noch sehr erzhaltiger Teich- u. Haldenschlämme diente. 1933 konnten auf diese Weise noch über 4.000 t nutzbares Erzkonzentrat gewonnen werden. Nach 1933 wurde bis 1942 in zunehmendem Maße auch Haldengrobmaterial zerkleinert und verarbeitet.


 

 

Aufgeber: Gichter


 

 

aufgeblasenes Leimkraut: Taubenkropf


 

 

Aufschlagwasser: Wasser, das bei einer Mühlenanlage (Mühlen) auf die Schaufeln oder in die Kammern eines Wasserrades zu dessen Antrieb aufschlägt.

Aufschlagwasser


Skizze: Bürger, Albrecht u. Partner,
Agentur für Kommunikation u. Design GmbH

Abschlagwasser


 

 

Aufschluss: Stelle im Gelände, an der das anstehende Gestein unverhüllt einzusehen ist. Man unterscheidet natürliche Aufschlüsse (Felswände Steilufer usw.) sowie künstliche Aufschlüsse wie Steinbrüche, Straßen-, Bahneinschnitte, u. Schürfgräben.

Im Stolberger Raum ist es im Bereich der Talflanken durch die Tätigkeit der Fließgewässer häufig zu natürlichen Aufschlüssen gekommen (z.B. Jungfernstein, Burgfelsen, Kluckensteine, Tatternsteine). Die größten u. häufigsten Aufschlüsse sind jedoch durch künstliche Eingriffe wie Steinbruchtätigkeiten u. Straßen- bzw. Wegebau (unbewachsene Böschungen) entstanden.


 

 

Ausbiss: An der Tagesoberfläche anstehender Querschnitt einer Gesteinsschicht, insbesondere eines Ganges oder Flözes. Ausbisse entstanden in aller Regel durch Erosion, wobei die ursprünglich tief im Gebirgskörper eingelagerten Gänge oder aufgefalteten Flöze angeschnitten u. somit an der Tagesoberfläche freigelegt wurden.

Ausbiss
Skizze: F. Holtz

 

 

Asten: von Asten


 

 

Atzenach: Süd-westl. von Büsbach gelegener Kalksteinbruch (Kalkstein), der seit 1907 von den Gebrüdern Gussen betrieben wird. Die Atzenach lieferte u.a. auch Material an die Rhenania (Herstellung von Soda nach dem Leblanc-Verfahren).


 

 

Außenwerke: Betriebspunkte des Steinkohle-Abbaus im Eschweiler Kohlberg, die außerhalb des Muldenkerns lagen (Atsch, Probstei, Birkengang).


 

 

Auth-Busch (Orthbusch): Erzgrube im Bereich Burgholz, die zu vorindustrieller Zeit in Pingen- bzw. Packenbauweise betrieben wurde.

 

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