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Alphabet der
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Tafelstreifen: Aus Plattenmessing ausgehämmerte, dünne Blech-Streifen, die in der Latschmühle hergestellt u. auf der Drahtschere zu Drahtriemen geschnitten wurden, wobei letztere wiederum als Rohlinge für den Drahtzug dienten.
Tag(e): Besitzanteil(e) an einem Reitwerk, wobei ein Tag einem Anteil von 1/24 entsprach. Der Gesamtwert eines Reitwerkes unterlag also einer Stückelung von 24 gleichen Teilen. Anders als bei sonstigen Kapitalbeteiligungen waren die im Besitz befindlichen Tage Reitwerk nicht mit einer Gewinnbeteiligung verbunden, sondern mit einem Nutzungsrecht der (Hochofen-) Anlage für die Anzahl der von dem jeweiligen Gewerken gehaltenen Tage (Anteile) innerhalb eines sich stetig wiederholenden Zykluses von 24 Tagen, der für die Dauer einer Hüttenkampagne beibehalten wurde.
Diese Beteiligungs- bzw. Nutzungsform dürfte sich dadurch entwickelt haben, dass ein Hochofen einerseits einen über längere Zeit (Hüttenkampagne) kontinuierlichen Betrieb (Tag u. Nacht) erforderte, die Reitmeister jedoch andererseits direkt u. persönlich an den Arbeiten beteiligt waren u. somit den Ansprüchen der Hochofentechnologie als Einzelperson nicht entsprechen konnten.
Tagebau: offene, bergm. angelegte Gruben, Mulden oder Talflankeneinschnitte (Pingen) zum Abbau von Lagerstätten, die entweder unmittelbar zu Tage liegen (an der Erdoberfläche) oder durch Abtragung aufliegender Deckschichten erreicht werden können.
tagesnah: Bergm. A. für Grubenbaue oder Lagerstätten, die sich nur wenig unterhalb der Erdoberfläche befinden (Tagebau, Pinge)
Tagesoberfläche: Bergm. A. für die Erdoberfläche im Bereich eines Grubenfeldes. Mit Tagesoberfläche werden jeweils genau die Horizonte bezeichnet, wo Grubenbaue wie Stollen bzw. Schächte oder Erzmittel bzw. Flöze (Ausbiss) aus dem Erdinneren zu Tage treten.
Tagesschacht: Schacht
Tatternsteine: Aus Konglomerat bestehende Felsformation im oberen Inde- (Gedau-) Tal. Zahlreiche Sagen aus diesem Bereich berichten von Zwergen, die in Höhlen und Kavernen der Tatternsteine gelebt haben sollen.
Taube Lage: Berge
Taubenkropf (Silene inflata): weiß-blühendes, schwermetallresistentes Nelkengewächs, das häufig auch Leimkraut oder aufgeblasenes Leimkraut genannt wird. Unterhalb der Blütenblätter bilden die zusammengewachsenen Kelchblätter einen hohlen, dünnwandigen, wie aufgeblasen aussehenden Kropf. Von diesem "aufgeblasenen" Kelch leitet sich sowohl der A. Taubenkropf als auch die Adjektive "inflata" im lateinischen Namen u. "aufgeblasen" in der Leimkrautbezeichnung ab.
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Zeichnung: H. Kaußen |
Taubenkropf mit Grasnelke |
Foto: R. Ethen |
Der Taubenkropf kommt in Stolberg hauptsächlich als Charakterart der Galmeiflora vor.
Während der Taubenkropf normalerweise eine Wuchshöhe von bis zu knapp einem Meter erreicht, ist der Galmeitaubenkropf erheblich kleinwüchsiger. Trotzdem kann er als das stattlichste Kraut innerhalb der Zinkpflanzengesellschaft gelten.
Taubes Gestein: Bergm. A. für nicht brauchbares, taubes Gestein. Berge
Teich: Künstlich als Bodenmulde angelegter Wasserspeicher, der angefüllt u. später wieder abgelassen werden kann; u.a. zum Sammeln von Antriebswasser (Aufschlagwasser) für Wasserräder (Mühlräder). Der A. Teich ist ebenfalls gebräuchlich für künstlich angelegte Wasserläufe (Mühlgräben), die das Wasser von einem Bach zu den Mühlen-Anlagen leiten.
Teiche sind in Stolberg hauptsächlich von den Kupfermeistern u. von den Reitmeistern zum Betrieb ihrer Hammerwerke u. der Blasebälge für die Messing- bzw. Hochöfen angelegt worden.
Tektonik: Lehre vom Bau der Erdkruste u. von den Bewegungen bzw. Kräften, welche zu den Baustrukturen innerhalb der Erdkruste geführt haben. Bruchtektonik bezieht sich auf Zerbrechungserscheinungen wie Fugen, Klüfte, Spalten, Verwerfungen, Störungen u. deren Bildung. Faltentektonik umfasst die Bauformen von Falten u. deren Entstehung (Orogenese).
tektonisch: durch Tektonik verursacht oder selbige betreffend.
tetragonal: Kristallsystem
Teufe: Bergm. A. für Tiefe.
Teufen: Plural von Teufe oder auch als Verb für abteufen gebräuchlich.
Teufelsinsel: Volkstümlicher A. für die Werkssiedlung der früheren Zinkhütte Birkengang am oberen Ende der heutigen Friedrich Ebert Str. Der Name Teufelsinsel dürfte durch die Tatsache zu erklären sein, dass diese Siedlung inmitten eines tristen, öden Halden-Geländes gelegen hat, welches zwischenzeitlich allerdings saniert u. begrünt worden ist.
Thelen-Pfanne: Flaches, pfannenförmiges Gefäß, das mit mechanisch angetriebenen Kratzern ausgerüstet war u. zum Eindampfen von Sodalauge Verwendung fand. Durch die dauernde Bewegung der über den Pfannenboden kratzenden Schaber wurde ein Festbrennen der bereits auskristallisierten Soda verhindert. Die Thelen-Pfanne wurde in der Stolberger Rhenania entwickelt u. führte zu einer erheblichen Produktivitätssteigerung bei der Sodaherstellung.
Theuerkauf: Teilfeld der Erzgrube Diepenlinchen in Mausbach. Die Straßenbezeichnung Düre Koof erinnert noch heute an den Namen dieses Teilfeldes.
Thlaspi alpestre: Galmeitäschel
Tiefmühle: Hammerwerk zur Herstellung von Tiefwaren.
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Quelle: Krünitz (1802), Vorbereiten und Austreiben von Messingblechen zu Tiefwaren. |
Tiefmüle im Untersten Hof. Quelle: Privatarchiv Schleicher |
Tiefwaren: Gebrauchsgegenstände in Form von Hohlkörpern wie Kessel, Pfannen, Töpfe, Schüsseln usw. Tiefwaren wurden in Stolberg durch Aushämmern in den Tiefmühlen u. vorzugsweise aus Messing hergestellt. Die runden Blech-Rohlinge zur Herstellung der Tiefwaren wurden in den Latschmühlen gefertigt u. Böden oder Becken genannt. In späterer Zeit (ab letztem Viertel des 19. Jh.) wurden Tiefwaren auf Drückbänken hergestellt. Die Firma M.L. Schleicher führte dieses Verfahren 1864 in Stolberg ein.
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Lissabonner Pfanne Foto: Klaus Heymann |
Kalabasse |
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Tiegel: Feuerfeste, gebrannte Ton- bzw. Keramikgefäße, die in der Metallurgie zum Schmelzen von Metallen verwendet werden. Dieses Schmelzen bezieht sich sowohl auf das Erschmelzen von Metallen aus ihren Erzen, als auch auf das Aufschmelzen bereits verhütteter Metalle (beispielsweise zum anschließenden Vergießen).
Zur Zeit der Kupfermeister wurden in Stolberg zur Herstellung von Messing Schmelztiegel aus namischer Erde verwendet.
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Tiegel, hergestellt aus namischer Erde. |
Tiegel (Zinkhütte Münsterbusch). |
Titanzink: Zink mit geringen Legierungszuschlägen (insbesondere Titan), welche beim Auswalzen die für das Zink typischen Anisotropien weitgehend vermeiden (Walzzink).
Tombak: Messing mit einem Kupfer-Gehalt von mehr als 70%.
tonnlägig: Bergm. A. für eine (Schacht-) Richtung, die von der Senkrechten mehr oder weniger stark abweicht (geneigt, schräg nach unten verlaufend).
Toschée: Schächte im Grubenfeld Breinigerberg.
Toschée-Stockwerk: Stockwerkartiger Erzkörper in der Erzgrube Breinigerberg.
Tourils: aus säurefestem Steinzeug gefertigte Behälter, die mittels Verbindungsleitungen zu einem System von 50 Stück oder mehr zum Zwecke der Gewinnung von Salzsäure hintereinandergeschaltet wurden.
Durch diese Systeme wurde das in den Natriumsulfatöfen anfallende Salzsäuregas (Chlorwasserstoff) geleitet, wobei die einzelnen Tourils jeweils bis etwa zur Hälfte mit Wasser bzw. wässriger Salzsäure gefüllt waren.
An der Flüssigkeits-Oberfläche nahm die wässrige Säure in den Tourils durch Kondensation begierig Salzsäuregas auf. Relativ zur Stömungsrichtung des Gases durchfloss die wässrige Säure mittels entsprechender Verbindungsleitungen das System im Gegenstrom. Hierdurch konnte sich die Säure allmählich aufkonzentrieren bis eine Konzentration von über 30% erreicht war.
Das Restgas wurde abschließend mittels Wasser ausgewaschen, wobei die hierbei entstehende, sehr dünne Säure als Speisewasser für den Gegenstrom-Durchfluss in den Tourils genutzt wurde.
Tradierung: (Mündliche) Überlieferung (von u.a. auch Märchen u. Sagen).
Tranchot, Jean Joseph: Franz. Oberst, unter dessen Leitung (1801 bis 1814) das erste exakte topographische Kartenwerk des Rheinlandes entstand (Tranchot-Karte).
Tranchot-Karte: Die erste exakte topographische Kartierung der Rheinlande, die von 1801 bis 1814 unter der Leitung des franz. Oberst Jean Joseph Tranchot entstand. Die Originalaufnahmen wurden überwiegend im Maßstab 1:20.000 ausgeführt. Fortgesetzt u. abgeschlossen wurden die Arbeiten zu diesem aus 171 Einzelblättern bestehenden Kartenwerk unter dem preußischen Generalmajor Friedrich Karl Ferdinant Freiherr von Müffling (1816-1828.
Transgression: Das Vordringen eines Meeres über ein Festland infolge Senkung des Landes oder Hebung des Meeresspiegels. Im Stolberger Raum war eine Abfolge mehrerer Transgressionen u. Regressionen an der Bildung der Steinkohle beteiligt (Indemulde).
Treibarbeit: Prozess des Abscheidens von Edelmetallen aus Bleischmelzen im Treibofen.
Treiben: Herstellung u. Formgebung von Metall- Blechen in kaltem Zustand mittels Hämmern (Kaltverformung). Durch Treiben ließen sich auch an vorgefertigten Gegenständen Verzierungen anbringen (Dinanderien). Das Treiben fand auch zur Herstellung von Tiefwaren Anwendung u. wurde später durch das Verfahren des Drückens abgelöst.
Treibofen: Industrieofen zum Abscheiden von Silber- u. Gold-Anteilen aus Bleischmelzen. Hierzu wurden die Edelmetalle zunächst in Seigeröfen soweit als möglich aufkonzentriert. Das in der so aufkonzentrierten Schmelze enthaltene Blei wurde dann im Treibofen unter starker Hitze u. Luftzufuhr oxydiert, bis das Edelmetall zurückblieb.
Bei hinreichend hohen Goldanteilen wurde die im Treibofen zurückbleibende Edelmetall- Legierung auch Güldischsilber genannt.
Treiböfen wurden im Labormaßstab auch bei der Prüfung von Erzen auf ihren Edelmetallgehalt eingesetzt (Dokimastik).
Das Verfahren des Abscheidens der vorwiegend Silber-, aber auch Goldanteile mittels Treiböfen fand auch in den Stolberger Bleihütten Anwendung u. erhöhte die Ertragslage der Hütten teilweise recht erheblich.
trigonal: Kristallsystem
triklin: Kristallsystem
Tropfsteine: In den meisten Fällen aus Kalziumkarbonat bestehende, in Karsthöhlen anzutreffende Gebilde, die durch tropfendes, kalkhaltiges Wasser entstanden sind. Man unterscheidet bei den Tropfsteinen zwischen Stalaktiten und Stalagmiten, wobei erstere als zapfenförmige, relativ schlanke Gebilde von der Höhlendecke herabwachsen, während die Stalagmiten sich vom Höhlenboden aus aufbauen und eine vergleichsweise gedrungene, massige Gestalt aufweisen. Manchmal vereinigt sich ein von oben herabwachsender Stalaktit mit seinem stalagmitischen Partner zu einer durchgehenden Säule, welche dann Stalagnat genannt wird.
Tropfsteine kommen im Stolberger Raum recht häufig in den Karsthöhlen der Kalksteinformationen vor.
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Stalaktit |
Stalaktit |
Stalagmit |
Sehr viel seltener kam es auch zur Bildung von Erzstalaktiten (Schalenblende).
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Trübe: berm. A. für hauptsächlich in der Aufbereitung anfallende Wässer, die von feinstkörnigen, schwebstoffartigen Partikeln durchsetzt sind (Feststoff-Wasser-Gemisch). In Schlämmfässern (Dolly Tubs) konnten sich diese Partikel als Schlamm absetzen, der teilweise weiter aufbereitet wurde.
Trum: bergm. A. für gering-mächtigen Gang von relativ kurzer Erstreckung.
Trümer: Plural für Trum