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Ehemalige Erzfelder

Entstehung der Galmeiflora

Naturschutz

  


   

Galmeiveilchen und Messing,
zwei Glanzlichter der Kupferstadt Stolberg.
 

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Friedrich Holtz

Neben Altstadt und Burg hat Stolberg zwei weitere touristische Besonderheiten zu bieten, die auf Grund ihrer Einzigartigkeit beide als Alleinstellungsmerkmal zu werten sind. Zunächst sind in diesem Zusammenhang unsere Kupferhöfe zu nennen, die der Herstellung und Verarbeitung von Messing (Legierung aus Kupfer und Zink) dienten. Als frühneuzeitliche und reizvolle Architekturelemente sind diese Wohn- und Betriebshöfe sowohl in der Innenstadt als auch in der näheren Umgebung zu finden.

Bild Kupferhof Bleibtreu an der Eisenbahnstraße, auch unterster Hof genannt, Foto Axel Pfaff.

Zu den Besonderheiten zählen aber auch die Standorte unserer weltweit einzigartigen Galmeiflora, eine endemische, auf die speziellen Bodenverhältnisse der regionalen Erzfelder bestens angepasste Pflanzengesellschaft.

Obwohl beide Besonderheiten völlig unterschiedlichen Themenkreisen zuzurechnen sind, besteht bei näherem Hinsehen zwischen beiden ein enger thematischer und übergreifender Bezug: Die oben erwähnte Pflanzengesellschaft ist benannt nach einem speziellen Zinkerz, dem sogenannten Galmei, der im oberflächennahen Bereich der ehemaligen Abbaufelder charakteristischer Teil der lokalen Erzführung gewesen ist. Galmei ist aber auch der Stoff, aus dem einst Messing wurde, beziehungsweise es war der einzig mögliche Stoff, aus dem in früherer Zeit (in Verbindung mit Kupfer) Messing hergestellt werden konnte. 

Wenn man so will, haben sowohl die Kupferhöfe als auch unsere Schwermetallflora mit ihrer saisonalen Blütenpracht im Mai die gleiche Grundlage, nämlich das für Stolberg so bedeutsame Galmeierz. Der Anspruch auf Alleinstellung bezieht sich somit nicht nur auf die beiden zur unverwechselbaren „Location“ Stolberg gehörenden Einzelthemen, sondern erhält aus dem Gesamtzusammenhang eine ganz neue Wertigkeit. 

 

Ehemalige Erzfelder

Mit Naturschutzgebieten wie bspw. Schlangenberg oder Brockenberg und den dort anzutreffenden botanischen Raritäten besitzt unsere Kupferstadt naturräumliche Besonderheiten, welche nicht nur als Naherholungsgebiet interessant, sondern auch von überregionaler Bedeutung sind und jedes dieser beiden Schutzgebiete wird von vielen (auch auswärtigen) Naturfreunden als wahres Landschaftsjuwel wahrgenommen bzw. eingestuft. Zu oben genannten Raritäten gehört auch unsere Galmeiflora, die sowohl bezüglich des Vorkommens einer bestimmten Art, des Galmeiveilchens nämlich, als auch hinsichtlich der Artenzusammensetzung als weltweit einzigartig gelten kann. 

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Naturschutzgebiet Schlangenberg,
Foto: F. Holtz.
 

Im heutigen Sprachgebrauch wird der Landschaftstypus der Galmeifluren als Offenlandfläche und manchmal auch als Bergbaufolgelandschaft bezeichnet. Der letztere Begriff ist durchaus adäquat, solange man ihn als Hinweis auf die frühere Geländenutzung versteht. Im Kontext mit der Galmeiflora ist dieser Begriff allerdings weniger glücklich, weil er suggerieren könnte, das Vorkommen oder gar die Entstehung der Galmeiflora sei eine Folge bergbaulicher Aktivitäten gewesen. 

Dieser Eindruck wäre völlig falsch, denn diese Pflanzengesellschaft war Teil des Landschaftsbildes lange bevor der Mensch begann, unsere Bodenschätze abzubauen und zu nutzen. Zur Entstehung der hiesigen Galmeiflora bedurfte es unglaublich lang andauernder geologischer Abläufe, die sich über mehrere hundert Millionen Jahre erstreckten. 

 

Entstehung der Galmeiflora

Bezüglich der Herkunft und Entstehung ist diese Vegetationsgemeinschaft als eiszeitliche Reliktgesellschaft zu betrachten. Mit beginnender Vergletscherung zu Anfang der letzten Eiszeit wurden die einzelnen Arten dieser Pflanzengesellschaft aus ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Richtung sub-nivaler Klimazonen (gemäßigtes Eiszeitklima) verdrängt und konnten auch in der hiesigen Region recht gut überleben.

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Aletsch Gletscher, Foto: M. Holtz.

Als mit beginnender Warmzeit die Vegetation wieder üppiger wurde, blieb den Arten, die während der Eiszeit hier Zuflucht gefunden hatten, nichts anderes übrig, als sich zunächst auf kargere Böden zurückzuziehen, die von Pflanzen mit stärkeren Wuchsformen gemieden wurden.

Zu diesen Refugien gehörten ganz offensichtlich auch die wenig tiefgründigen, kargen und trockenen Böden im Bereich der Kalkstein-Züge unserer Region. Aber auch hier wurde im Laufe der Zeit der Populationsdruck so groß, dass die während er Glazialzeit eingewanderten Arten immer mehr in Richtung der Schwermetall-Böden verdrängt wurde. Über eine Vielzahl von Pflanzengenerationen bildete sich hierdurch eine gewisse Schwermetalltoleranz aus, und im Laufe der Zeit entwickelten sich durch Anpassung und natürliche Auslese neue, eigenständige Unterarten. 

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Galmeiveilchen, Foto: F. Holtz.

 

Naturschutz

Sowohl das geographisch sehr begrenzte Verbreitungsgebiet (Stolberger Raum und Teile von Ostbelgien) als auch die meist nur kleinflächigen Galmeiflora-Standorte innerhalb dieses Bereiches erfordern und rechtfertigen einen höchstmöglichen Naturschutzstatus dieser Flächen (Natura 2000).

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den Standorten von Galmeiveilchen & Co. in der Regel um Offenlandflächen, wo häufig Bodenbrüter (z.B. Heidelerchen) ein Refugium gefunden haben. Beim Verlassen der Wege zertritt man also nicht nur die schützenswerte Vegetation, sondern stört auch das Brutgeschäft des selten gewordenen Vogels, der unsere Rücksichtnahme im Frühjahr mit seinem typischen Trällern reichlich belohnt. Zu dieser Rücksichtnahme gehört natürlich auch, dass man vierbeinige Wegbegleiter nicht frei herumlaufen lässt.

Während der Schlangenberg einen außergewöhnlichen Artenreichtum aufweist (alleine 49 Pflanzenarten stehen auf der "Roten Liste"), ist die auf dem Grubenfeld Brockenberg heute anzutreffende Galmeiflora hinsichtlich der Populationsdichte von Galmeiveilchen und Grasnelke mehr als bemerkenswert. 

Dieser Standort ist jedoch nicht nur bezüglich der idealtypisch ausgebildeten Zinkpflanzengesellschaft interessant, sondern stellt zugleich auch eines der letzten, halbwegs erhaltenen Erzschürfgebiete aus vorindustrieller Zeit dar. Das stark zerfurchte Gelände wäre somit auch als montanhistorisches Zeugnis durchaus schützenswert.

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Taubenkropf und Grasnelke,
Foto: F. Holtz.
 
Uns Stolbergern sei abschließend gestattet, unsere Gäste in rheinischer Mundart (Überersetzung im Anschluss) aufzufordern, uns bei der Erhaltung und Bewahrung unserer botanischen Preziosen mit den Charakterarten: Grasnelke, Frühlingsmiere, Galmeitäschel, Taubenkropf und Schafschwingel zu unterstützen.

Et schünnste Blömche, jääl un kleen,
dat kenn ich at van Kengerbeen.
Am schünnste blöht et en d'r Mai;
hat singe Nahm van d`r Galmei.

Et wääßt merr hee, es nett jelohre,
do kött'er jedderenne vrohre.
Sießte de Blöhtcher, dausend Stöck;
dann best'e heem, wat för e Jlöck.

Se löhte jääl als wör et Jold,
du has dich nie su jott jevolt.
Bekick se dich un freu dich drömm,
et jitt se merr bei oss erömm.

Söns op de Welt, dat ess a Dänge,
kanns'te die Veilcher nerjens venge.
D'r Herrjott, dat äss onjelohre,
hat se os zom Schotz empfohle.

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Das schönste Blümchen, gelb und zart,
das ist von ganz besond'rer Art.
Am schönsten blühet es im Mai;
hat seinen Namen vom Galmei.

Es wächst nur hier, ganz ohne Zweifel,
am Rande uns'rer schönen Eifel.
Siehst Du die Blütchen, tausend Stück,
bist Du zu Hause, welch ein Glück.

Wie schön sie leuchten, welche Wonne,
wenn sie erstrahlen in der Sonne.
Sie deuten hin auf Erzes Spuren,
versteckt im Erdreich unsrer Fluren.

Sonst auf der Welt, wer mag's verstehen,
gibt’s diese Veilchen nicht zu sehen.
Der Herrgott, das ist nicht gelogen,
hat sie uns zum Schutz empfohlen.

Bild
Taubenkropf und Grasnelke,
Foto: F. Holtz.
 

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