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lokale Motivelemente und ihre überregionale Einordnung. |
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Eingebettet in den Ausläufern der Eifelberge befinden sich im Süden Stolbergs Erzlagerstätten mit Zink- Blei- und Eisenerzen, die seit der Römerzeit für die Entwicklung der Region von entscheidender Bedeutung gewesen sind. Insbesondere die Zinkerze, und hiervon wiederum hauptsächlich die des Galmei-Types, stellten über Jahrhunderte einen prägenden, entwicklungsbestimmenden Standortfaktor dar.
![]() Zelliger Galmei aus den Lagerstätten um Stolberg. Sammlung u. Foto: F. Holtz |
Aber es gibt auch Überbleibsel ganz anderer Art, deren Wurzeln weit zurückreichen in die Frühzeit des hiesigen Erzabbaus. Und auch diese Überbleibsel geben in gewisser Weise Anlass zur Sorge, weil sie (sehr im Gegensatz zu den Altlasten) dabei sind, von ganz alleine zu verschwinden und in Vergessenheit zu geraten. Im Bereich der oben erwähnten Erzfelder nämlich spukten, geisterten und vagabundierten in den Erzählgeschichten längst vergangener Tage immer wieder Zwergengestalten, die vor langer Zeit hier gehaust haben sollen. Ebenfalls gab es Geschichten um den Berggeist und um die untergegangene Bergbaustadt Gression mit ihrem "sagenhaften" Reichtum.
![]() Galminus, der neue Museums- zwerg mit alter Tradition. |
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| Name: | Galminus |
| Nationalität: | römisch, keltischer Abstammung |
| Alter: | ca. 2000 Jahre |
| Größe: | winzig |
| Besondere Kennzeichen: | gutmütig, freundlich, hilfsbereit, fleißig |
| Wohnort: | Sagen- und Bergbaustadt Gression, die vor langer Zeit untergegangen ist. |
| Hauptberuf: | Bergmann |
| Nebenberuf: | Hausgeist, der mit einer kleinen Kollegenschar (Penaten) für den Schutz von Haus und Hof verantwortlich war. |
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Fernerhin besitzt Stolberg seit dem Spätsommer 2009 einen Bronzebrunnen des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg, der eine Vielzahl lokalspezifischer Besonderheiten zeigt. Unter anderem ist hier auch der Zwerg Galminus dargestellt. Nach einem Aufruf zur Namengebung in der Lokalpresse und aus den eingegangenen Vorschlägen ergab sich der Begriff Galminusbrunnen als Name für das neue, attraktive Kunstwerk am Rande der Stolberger Altstadt.

Die noch zu Anfang des 20. Jh. in den Stolberger Erzfeldern als Allgemeingut kursierenden Sagenmotive und Erzählelemente können einerseits als breiter Abriss dessen gelten, was auch in anderen, ebenfalls früh entstandenen Erzbergbauregionen des deutschsprachigen Raumes an Tradierungsmustern zu finden ist. Bei näherem Hinsehen jedoch unterscheidet sich die Stolberger Sagenlandschaft sowohl bezüglich der Entstehungshorizonte als auch hinsichtlich der tradierten Motivelemente z.T. recht deutlich von den klassischen Montanregionen, wie beispielsweise Erzgebirge oder Harz.
Der Archetyp der Sage im Allgemeinen - und somit auch der Bergbausage - wird als kurzes, wenig ausgeschmücktes Erzählgebilde charakterisiert, welches idealerweise in seiner mündlich tradierten Fassung vorliegt oder als möglichst unverfälschte Aufzeichnung derselben erhalten ist. Obschon bei der Aufzeichnung und insbesondere bei der "Überarbeitung" des Sagengutes häufig ausschmückendes und/oder moralisierendes Beiwerk hinzugefügt wurde, lassen sich zu den meisten Sagenkomplexen schriftlich niedergelegte Versionen finden, welche den Originalfassungen weitgehend entsprechen. Dies ist insbesondere den Gebrüdern Grimm zu verdanken, die sich auch bei der Aufzeichnung von Sagen um Authenzität bemühten. Ihrem Beispiel folgten viele und glücklicherweise widerstanden manche der Versuchung, aus den einfachen Ereignis- und Stimmungsberichten spannende bzw. unterhaltsame Geschichten zu machen. Für den Stolberger Raum wäre in diesem Zusammenhang die mustergültig zusammengestellte Sagensammlung von HOFFMANN, H. (1914) zu nennen.
![]() Gebrüder Grimm. Quelle: Brüder Grimm Gesell- schaft Kassel. |
Da das Gemeinwesen in früherer Zeit maßgeblich auf Agrarwirtschaft ausgerichtet war, und ein hoher Bevölkerungsanteil dort sein Auskommen fand, vollzog sich die Sagenüberlieferung mit entsprechenden Themenkreisen größtenteils in bäuerlichen, dörflichen Lebensgemeinschaften. Natürlich gab es auch andere Arbeitswelten und Berufsstände, die sich teilweise in noch viel höherem Maße den geheimnisvollen, scheinbar willkürlich und schicksalhaft auftretenden Naturgewalten ausgesetzt fühlten und deren Arbeit mit einer höheren Erlebnisintensität verbunden war. Diese Lebens- bzw. Berufsbereiche wiederum bildeten Sagenkomplexe aus, die sich inhaltlich von der bäuerlich geprägten Tradierung deutlich unterschieden.
Als typisches Beispiel hierfür können die Seefahrer gelten. Die unendliche Weite und unergründliche Tiefe der Meere, das plötzliche Aufkommen von gefährlichen Stürmen und Orkanen und die Einsamkeit auf offener See müssen als idealer Nährboden für das Entstehen und Überliefern von Sagen mit ihren Elementen des Übernatürlichen angesehen werden.
Ganz ähnlich wie bei den Seeleuten und sehr im Gegensatz zu Bauern und Handwerkern früherer Zeitepochen spielte sich das gefährliche Berufsleben der Bergknappen weit entfernt von Haus, Hof und Familie ab. Außenstehenden blieb die Welt des Bergbaus verborgen und wurde daher meist als geheimnisvoll und rätselhaft empfunden. Aber auch bei den Bergleuten selbst musste das Fluidum der dunklen Grubenbaue und die drohenden Gefahren bei der täglichen Arbeit Aberglaube und Geistervorstellungen geradezu provozieren. Hinzu kamen die Unwägbarkeiten bei der Auffindung neuer Bodenschätze sowie die stete Sorge und Ungewissheit bezüglich der Ergiebigkeit von erschlossenen und im Abbau befindlichen Förderstrecken. Die gesamte Arbeitswelt des Bergmannes bot somit fast paradigmatische Ansätze zur Sagenbildung.
![]() Ausschnitt aus dem "Sächsischen Bergwerk", Einzelblatt um 1530. |
Während man sich die Zwerge als kleine, gesellige, hilfsbereite Wesen vorstellte, wurde der Berggeist als mächtige, furchterregende Singulärgestalt beschrieben, der den Bergmann gelegentlich belohnte, ihn bei ungebührlichem Verhalten aber auch verwarnte oder bestrafte. Viele Erzähldetails lassen den eindeutigen Schluss zu, dass die Berggeistsagen des Stolberger Raumes zu Anfang der Industrialisierung von zugewanderten Bergleuten mitgebracht und auf die hiesigen Verhältnisse adaptiert wurden. Die lokalen Berggeistsagen enthalten nämlich meist Hinweise auf großtechnischen Gruben- bzw. Hüttenbetrieb, der in Stolberg erst in der ersten Hälfte des 19. Jh. eingesetzt hat. Die Übernahme ganzer Sagenkomplexe aus anderen Montanregionen war übrigens kein Einzelfall, sondern kann beispielsweise in den relativ spät angelegten Großgruben der Steinkohlereviere als Regel gelten.
![]() Erzgrube Diepenlinchen, Ölgemälde von Franz Hüllenkremer. |
![]() Froschlampe. Foto: Werbestudio Toporowsky |
Die Bereitschaft, bedrohlich wirkende Motive der Berggeistsage zu übernehmen und auf die örtlichen Verhältnisse zu adaptieren (anzupassen), muss folglich recht gering gewesen sein, da man sich mit den darin anklingenden Stimmungen nicht identifizieren konnte. Der lokal vorliegende Sagenbestand wurde also ganz offenkundig durch Motivselektion gebildet und zeigt recht deutlich, dass die Frage nach dem Wahrheitsgehalt einer Sage von recht untergeordneter Bedeutung sein kann. Der Denkansatz, den Sagenstoff als Ausdruck von Vorstellungen und Gefühlen wie Ängste, Bedrohungen oder Hoffnungen zu akzeptieren, führt zu erheblich interessanteren Einblicken. Hierbei wird die Frage nach der wirklichen Existenz von Berggeistern völlig bedeutungslos - so man diese Frage überhaupt noch stellen sollte.
Die Wurzeln unserer Zwergensagen und insbesondere der Ursprung der hilfreichen Heinzelmännchen sind in der Mythologie der frühen Römerzeit zu finden. Die damals stark polytheistisch ausgerichtete Weltanschauung war geprägt von der Vorstellung, dass eine Vielzahl von einzelnen Gottheiten für jeweils einen bestimmten Lebensbereich bzw. für ein bestimmtes Naturphänomen zuständig waren.

Unter anderem glaubte man an kleine Hausgeister, die als Penaten bezeichnet wurden. Diese gutmütigen Geister, so stellte man sich vor, lebten zusammen mit den Menschen in den Wohnhäusern und hatten ihren Platz in der Nähe der Feuerstelle. wo sie sehr zurückgezogen und versteckt lebten. Die Penaten waren von großer Bedeutung, denn man glaubte, dass sie Haus, Hof, Stallungen, Scheunen sowie auch die dort wohnenden und arbeitenden Menschen schützen und vor Unheil bewahren würden.
Aus diesen römischen Penaten sind dann später in der Vorstellung der Menschen Heinzelmännchen geworden. Ähnlich wie die Penaten wollten auch die Heinzelmännchen nicht beobachtet werden, wenn sie in den Nachtstunden ganz heimlich den Menschen halfen und vielfältige Arbeiten in Haus und Werkstatt verrichteten.
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Mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul, man legte sich Hin auf die Bank und pflegte sich. Da kamen bei Nacht, Eh' man's gedacht, Die Männlein und schwärmten Und klappten und lärmten Und rupften Und zupften Und hüpften und trabten Und putzten und schabten. Und eh' ein Faulpelz noch erwacht, War all sein Tagewerk bereits gemacht. |
In den Zwergensagen klingt häufig ein weiterer, ein montanhistorischer Aspekt an. Während diese Facette bei den Kölner Heinzelmännchen gänzlich fehlt, sind die montanhistorischen Bezüge bei den Stolberger Zwergen höchst evident. Somit sind die Stolberger Zwerge in gewisser Weise fast interessanter als die berühmten Heinzelmännchen aus Köln.
Zur Erklärung der bergbaulichen Motivelemente sind zunächst die früheren Lebensumstände zu berücksichtigen. Über viele Jahrhunderte wurden in den früheren Dorfgemeinschaften alle Arbeiten entweder im Haus oder im unmittelbaren Umfeld verrichtet. Der Bauer arbeitete entweder im Stall, in der Scheune oder auf einem nahe gelegenen Feld. Der Handwerker, ob Schuster, Schreiner oder Schmied, arbeitete in seiner am Haus befindlichen Werkstatt und jeder, der wollte, konnte hineinsehen und zuschauen. Buchstäblich jedem Kind war die berufliche Tätigkeit des Vaters, des Nachbarn, und eines jeden Dorfbewohners bekannt.
Ganz anders war das bei den Bergleuten. Sie zogen jeden Morgen zu ihren Schürfstellen in Wald und Heide und gingen dort ihrer geheimnisvollen Beschäftigung nach. Ganz ähnlich wie bei den Penaten, den Hausgeistern, konnte man die Bergleute bei ihrer Arbeit nicht beobachten. Viele von ihnen schufteten in finsteren Erdstollen, in ewiger Nacht also.
Und diese ewige Dunkelheit ließ auch an Penaten denken, die ja ebenfalls nur bei dunkler Nacht erschienen und dann fleißig arbeiteten. Außerdem waren die früheren Bergleute häufig von kleinem Wuchs, was ihnen die Arbeit in den engen Stollensystemen erleichterte. Mit anderen Worten: Penaten und Bergleute hatten so viel gemeinsam, dass die Leute später überhaupt nicht mehr zwischen Hausgeistern und Bergleuten unterschieden, sondern in ihren Erzählungen und Geschichten nur noch von Zwergen und Heinzelmännchen sprachen.
Neben den aus montanhistorischen Aspekten bestehenden Erweiterungen der Zwergensagen, muss sich im Laufe der Zeit auch das geographische Verbreitungsgebiet der Erzählgebilde um Zwerge und Wichtel erheblich ausgedehnt haben. Spätestens im ausgehenden Mittelalter nämlich tauchten in praktisch allen Bergbaugebieten (auch dort, wo die Römer nie gewesen sind) Geschichten von Zwergen und Penaten auf. Auch hier trugen die Zwergengestalten durchaus freundliche und hilfsbereite Wesenszüge. Teilweise wurden diese Wichtel auch als Gütel bezeichnet; ein Begriff, der sich von gut oder gutmütig ableitet.
Diese Entwicklung wird in einem um 1490 entstandenen Holzschnitt aus dem Werk Iudicium Iovis von Paulus Niavis (Paul Schneevogel) recht gut verdeutlicht. In dieser Darstellung steht ein Bergmann als Angeklagter vor dem Thron Jupiters, weil ihm zahlreiche Verletzungen der Terra Mater (Mutter Erde) vorgeworfen werden.

Schützend um den in Kapuzentracht gekleideten, mit Schlägel und Eisen ausgerüsteten Bergmann sind in dieser Abbildung drei Penaten gruppiert, die entsprechend ihrer charakteristischen Wesenszüge dem Angeklagten auch in dieser Situation helfend zur Seite stehen. Sieht man von der Kleinwüchsigkeit ab, ist das Erscheinungsbild dieser Penaten allerdings noch recht unspezifisch.
Im Prinzip spiegelt sich in dieser Abbildung der uralte Konflikt zwischen dem Agrarwesen und den bergbaulichen Aktivitäten wider. Der etwas sehr selbstbewusste und in Montankreisen durchaus übliche Spruch: "wo Erz ist zu vermuten, steht uns das Schürfen frei", dürfte kaum zu einer Entschärfung dieses Konfliktes beigetragen haben.
Ausgehend von den Motivelementen der römischen Penaten und unter Verwendung ihrer charakteristischen Wesenszüge bildete sich ein eigenständiger, montanspezifischer Sagenkomplex aus. Wie bereits erwähnt, stellte man sich die Zwerge u.a. auch als Hüter oder Besitzer unermesslicher Schätze vor. Hieraus folgend ist die imaginäre, aber durchaus subjektiv spürbare Gegenwärtigkeit von Zwergen und Kobolden bei den früheren Bergleuten ein gern gesehenes Phänomen gewesen. Häufig wurden Zwerge und Kobolde sogar herbeigewünscht, da dort, wo sie auftraten, gute Anbrüche und reiche Vorkommen zu vermuten waren. Und natürlich mussten die Zwerge von kleinem Wuchs sein, wenn sie, wie man sich vorstellte, in engen Felsspalten und Klüften wohnen sollten und dort reger Schürftätigkeit nachgingen.
![]() Mittelalterlicher Bergmann bei der Seilfahrt, Quelle: Bersch 1898. |
Eine Darstellung aus dem späten 19. Jh. zeigt beispielsweise einen mittelalterlichen Bergmann, dessen Gestalt aus heutiger Sicht das gängige Zwergen-Klischee nahezu perfekt bedient. Auch das Erscheinungsbild der vielbelächelten Gartenzwerge mit ihren Zipfelmützen ist geprägt von eben dieser bergmännischen Kapuzentracht.
Als Warnung sollen die Zwerge den Bergleuten häufig Staub und feinkörniges Rieselgut auf den Kopf geschüttet haben, wenn sie sich an gefahrvollen Stellen aufhielten. Auch hier ist wieder der freundliche, hilfsbereite Wesenszug der Penaten erkennbar. Ein häufig lebensrettender Wahrheitsgehalt dieses Motivelements bestand darin, dass sich ein Stolleneinbruch oder das Verstürzen eines Schachtes eigentlich immer durch herabrieselndes Lockermaterial ankündigt. Für einen Bergmann jedenfalls, der auf Grund einer derartigen Warnung mit knapper Not einem niedergehenden "Sargdeckel" ausweichen konnte, war die Frage nach der wirklichen Existenz von Zwergen relativ belanglos.
Die kennzeichnenden Aspekte der Zwergensagen, nämlich:
waren und sind in der Vorstellung bzw. in der Phantasie der Menschen tief verwurzelt:
Lokale Zwergensagen
Während in den Zwergengeschichten der weitaus meisten Sagenlandschaften entweder die Erzählungen von den hilfreichen Geistern oder aber Bergbaumotive aus meist mittelalterlicher Zeit dominierten, waren im Stolberger Raum beide Motivelemente gleichwertig vertreten.

Es gibt aber auch insofern noch eine weitere Besonderheit in der Sagenlandschaft dieser Region, als dass sich die montanhistorischen Motivelemente hier nicht auf mittelalterlichen, sondern auf keltisch-römischen Bergbau beziehen. Somit entstammen, ebenfalls anders als in sonstigen Sagenlandschaften, beide beherrschenden Motivelemente, nämlich Heinzelmännchenerzählungen und montanhistorische Bezüge, der gleichen (römischen) Zeitepoche. Dieser Umstand findet deutlichen Ausdruck in den Namensbegriffen, die zur Bezeichnung der Zwergengestalten üblich gewesen sind.
Quärrismännchen
Da wären als erstes die Zwerge zu nennen, die um Mausbach
- Gressenich gehaust haben sollen, und die meist
Quärrismännchen
genannt wurden, wobei sich die Vorsilbe "Quärris"
von "Querge = Zwerge" ableitet. Ebenso gebräuchlich
war allerdings auch der Ausdruck "Römermännchen";
ein Begriff, der vor dem Entstehungshintergrund dieser
Erzählgeschichten
im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnend ist. Diese Quärris-
oder Römermännchen stellte man sich als kleine,
bärtige
Kerlchen vor, die in Höhlen oder Erdlöchern gewohnt
haben sollen. Sie schadeten den Leuten nicht, waren ihnen aber
auch nicht von besonderem Nutzen. Für ihre Festgelage tief
unter der Erde borgten sie sich manchmal Geschirr, das sie am
nächsten Tag blank geputzt zurück gaben. Verweigerte
man ihnen die benötigten Gerätschaften, so holten sie
abends Töpfe und Teller einfach selbst und brachten sie
über
und über mit Schmutz besudelt zurück.
![]() Zwergensteine als Landmarke in den 1920er Jahren, Quelle: Ortsarchiv Mausbach. |
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Killewittchen
Der montanhistorische Aspekt in den lokalen Zwergensagen ist bei
den Killewittchen besonders deutlich ausgeprägt. Bei den
Killewittchen handelt es sich um Zwerge, die sich in der Gegend
von Hastenrath herumgetrieben haben und den Leuten während
der Nacht fleißig zur Hand gegangen sein sollen. Vor ihrem
Verschwinden haben sie dem Vernehmen nach lange in der Erde gegraben,
die kostbaren Schätze verpackt und diese mitgenommen.
![]() Quelle: Bersch 1898. |
![]() Kalkspatkristalle aus dem Killewittchen-Steinbruch. Sammlung u. Foto: F. Holtz |
Letztlich versteckt sich in dem Wort Killewittchen ein weitere Hinweis darauf, dass die überlieferten Zwergensagen unserer Region frühgeschichtlichen Ursprungs sind und sich nicht nur auf Penaten, sondern gleichermaßen auf einen sehr frühen Bergbau beziehen. Die Wortsilbe "Kille" in Killewittchen ist nämlich abzuleiten von dem keltischen Wortstamm "cill", der für Erdhöhlen jeglicher Art gestanden hat. Der gleiche etymologische Zusammenhang gilt auch für die im rheinischen Raum gebräuchlichen Begriffe wie Kuhle, Kaule, Kull, die sich allesamt auf Schürfstellen jeglicher Art und insbesondere auch auf Bergwerke und Steinbrüche beziehen.
Eingangs bereits wurde die Bedeutung des Stolberger Wirtschaftsraumes zu römischer Zeit angesprochen, und in diesem Zusammenhang fand ebenfalls die Sagenstadt Gression Erwähnung. Der Sagenkomplex um diese Stadt Gression ist nun in noch viel höherem Maße von regionalspezifischem Charakter, als dies bei den Erzählgebilden um Zwerge und Kobolde der Fall war. Es ist durchaus kein Zufall, dass zwischen dem Namen dieser Sagenstadt und dem Namen des Ortes Gressenich eine auffallende phonetische Ähnlichkeit besteht. Und in der Tat, Gressenich kann in gewissem Sinne als geographischer, ganz sicher aber als inhaltlicher Zentralpunkt dieses Sagenkomplexes gelten.
Die Sage um die Stadt Gression hatte ein weites Verbreitungsgebiet innerhalb des Großraumes Aachen - Köln, ist jedoch im Überlieferungsbestand der einzelnen Ortschaften nur fragmenthaft erhalten geblieben. Ein wesentlich geschlosseneres Bild ergibt sich dann, wenn man die unterschiedlichen Restbestände aus den einzelnen Lokalbereichen zusammenfasst: Gression soll in uralter Zeit eine so gewaltige Stadt gewesen sein, dass sie mit keiner anderen verglichen werden konnte. Die meisten Varianten der Sage geben den Durchmesser der Stadt Gression mit sieben Stunden an, wobei es allerdings auch Versionen gibt, die den Durchmesser mit zwei Stunden und wiederum andere, die den Umfang mit hundert Stunden angeben wollen. Bezüglich der geographischen Erstreckung berichtet die Sage über den Raum Aachen, Köln, Düren, Jülich. Andere Versionen wiederum verlegen die Stadt Gression in den engeren Bereich Kornelimünster, Gressenich, Düren, Jülich, wobei der letztere, etwas enger gefasste Bereich noch um die Jahrhundertwende auch dem Verbreitungsgebiet der Sage entsprach.
Die Sage weiß von einem bedeutenden Bergbau in der Stadt Gression zu berichten. Durch die Ergiebigkeit der Erzlagerstätten soll großer Reichtum in die Stadt geflossen sein. Dies verleitete die Bewohner zu Üppigkeit, Verschwendungssucht und Lasterhaftigkeit, was den Zorn Gottes herausforderte. Die Stadt soll daher mit völliger Vernichtung bestraft worden und durch ein schreckliches Schicksal untergegangen sein.
Der in der Sage erwähnte Erzabbau bezieht sich zweifelsohne auf römischen Bergbau, der für die Gebiete um Gressenich, Mausbach und Breinig auch historisch belegt ist. Es gilt als sicher, dass zur damaligen Zeit u.a. das hier lagernde Galmeierz zur Herstellung von Messing geschürft wurde. Und Messing wiederum erfreute sich zu römischer Zeit einer hohen Wertschätzung. Die sogenannten Hemmoorer Eimer, glockenförmige, oft mit umlaufendem Relieffries ausgestattete Prunkgefäße römischer Herkunft, bestehen beispielsweise aus einer Messinglegierung.
![]() Hemmoorer Eimer, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover. |
Unabhängig davon, ob die Hemmoorer Eimer in Stolberg hergestellt wurden, dürfte die römische Messingherstellung ein durchaus einträgliches Gewerbe gewesen sein. Insofern hat der in der Sage erwähnte Reichtum dieser Stadt durchaus auch einen historischen Hintergrund. Die in der Sage angesprochene außergewöhnliche Größe der Stadt Gression wird nun allerdings mit objektiver Faktizität sehr viel weniger zu tun gehabt haben. Es ist eher anzunehmen, dass mit diesem Erzähldetail die Bedeutung der Stadt oder der Region unterstrichen werden sollte.

Wenn man bedenkt, dass der Bergbau in der Stolberger Gegend nach dem Eindringen fränkischer Volksstämme über Jahrhunderte geruht hat, ist die Tradierung eines Sagenkomplexes mit ausgeprägten Bezügen zu frühgeschichtlichem Bergbau eigentlich recht erstaunlich. Die bergbaulichen Bezüge nämlich mussten den neuen, bäuerlich geprägten Dorfgemeinschaften wesensfremd sein, die solche Überlieferungen weitergetragen haben. Aber man sollte etwas anderes auch nicht vergessen. Gleichgültig ob das Imperium Romanum nun als Schutzmacht oder als Besatzungsmacht anzusehen war, die Zeit des römischen Reiches brachte in Europa und natürlich auch für die damaligen Messinggießer der Voreifel eine langandauernde Epoche stabiler und friedlicher Verhältnisse (Pax Romana).
![]() Römervilla aus Stolberg Atsch, Rekonstruktionszeichnung von H. Albrecht. |

Bezüglich des Untergangs der Sagenstadt Gression enthält der Überlieferungsbestand drei unterschiedliche Varianten:
Allen drei Varianten ist gemeinsam, dass es sich bei dem Untergang der Stadt um ein Strafgericht Gottes gehandelt haben soll. Im Laufe der Zeit wurde eine Vielzahl von Geländebefunden angeführt, welche einerseits die Geschichte vom Untergang einer Stadt glaubhaft und plausibel machen sollten, wobei die Existenz dieser zum Teil befremdlichen Befunde andererseits aber interpretierbar wurde.
![]() Reste des gallo-römischen Tempelbezirkes Varnenum bei Kornelimünster. Foto: F. Holtz |
![]() Fossilien, wie beispielsweise Brachiopoden, galten als Indiz für eine gewaltige Flutwelle. Sammlung u. Foto: F. Holtz |
![]() Im Gelände auftretende Sandmassen wurden als Hinweis auf den Untergang der Sagenstadt gesehen. Foto: F. Holtz |
Reichtum und Vergänglichkeit, so könnte man zusammenfassend sagen, wurden in dieser Geschichte reflektiert, und vor dem Hintergrund einer lukrativen Messingherstellung zu römischer Zeit wird die Tatsache nur allzu verständlich, dass diese Sage erstens überhaupt entstehen konnte und zweitens dann auch weitererzählt wurde.
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