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Beachtliche 900 Jahre Ortsgeschichte !!! 

Adoption des Galminus und Namensgebung

Berggeistsagen

Zwergensagen

Lokale Zwergensagen

Die Sagenstadt Gression

Literatur- und Quellenverzeichnis

 

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Galminus, der Stolberger Museumszwerg
gratuliert zum 900 jährigen Ortsjubiläum.
Zusammengestellt von Friedrich Holtz.



Zu Anfang sei es gleich verraten,
sind Zwerge römische Penaten,
die, das stehet außer Frage,
auch fleißig waren unter Tage;
wo sie emsig tief im Boden,
Erze aus den Klüften hoben.

Und dieses edle Erzgestein
gab Kupfer einen gold'nen Schein,
zu Messing wurde es gebrannt;
und ist uns als Galmei bekannt.
Schlägel, Eisen, Bergmannstracht,
Galmei, woraus man Messing macht,
uralte Sagen, oft gereimt,
sind in der Gestalt des Galminus vereint.

Dieser kleine Bergmannswicht
tut heute wieder seine Pflicht.
Der kleine Zwerg, er will uns sagen,
was los war hier, vor vielen Jahren.

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Hinweis: Kleingedruckte Anmerkungen im Text verweisen auf das am Ende der Seite angeführte Literatur- und Quellenverzeichnis.


 

Beachtliche 900 Jahre Ortsgeschichte !!! 

Unser Stolberger Museumszwerg lässt sich von 900 Jahren allerdings kaum beeindrucken. Ganz im Gegenteil bei ihm gelten ganz andere Maßstäbe und er kann mühelos die Ortsgeschichte um weitere tausend Jahre ergänzen.

Zugegebenermaßen handelt es sich hierbei jedoch nicht um schriftliche, sondern nur um mündliche Überlieferung, die bei den Historikern völlig zu Recht eine eher zwielichtige, dubiose Rolle spielt, weil man nie so genau wissen kann, was in der langen Chronologie der Tradierung alles verfälscht, verstümmelt oder hinzugedichtet worden ist. Einen gewissen Anflug von Seriosität erhalten mündlich tradierte Berichte erst und nur dann, wenn archäologische Befunde den überlieferten Sachverhalt bestätigen.

Die urkundliche Erstnennung des Namens Stalburg erfolgte am 30. September 1118 als ein gewisser Reinardus von Stalburg als „Freier des Landes“ neben anderen Edlen die Gründungsurkunde des St. Georg-Stiftes zu Wassenberg siegelte WILLEMS, F. (1955) S. 11 ff. Das Geschlecht derer von Stalburg war namengebend für unsere Burg mit dem nahe gelegenen Siedlungsweiler und der heutigen Stadt Stolberg. Sieht man von der urkundlichen Erstnennung des Namens Stalburg ab, so ist die besagte Urkunde von 1118 für die eigentliche Ortsgeschichte kaum von Belang. So steht bspw. keinesfalls fest, ob Reinardus von Stalburg damals bereits über Grundbesitz an der Vicht verfügte oder mit einem Wohnsitz auf dem heutigen Burgfelsen vertreten war. SCHREIBER, H. (2001) S. 7

Als Geburtstag Stolbergs gilt ebenfalls (je nach Sichtweise) der 17. September 1156, wobei man sich auf eine kaiserliche Urkunde Friedrich Barbarossas bezieht. SCHREIBER, H. (2001) S. 11 Auch hier finden sich zur eigentlichen Ortsgeschichte keinerlei Angaben. In beiden Fällen ist für die eigentliche Ortsgeschichte einzig und allein die jeweilige Jahreszahl relevant. 

Allerdings hat die Jahreszahl 1156 den ganz praktischen Charme, dass genau 700 Jahre später der damaligen Gemeinde per Königlicher Kabinettsorder Stadtrechte verliehen wurden 
BRECHER, A. (1990) S. 55. Hieraus erklärt sich auch der Umstand, dass 1956 mit einer prunkvollen, unvergessenen Feier das 800 jährige Bestehen des Ortes und gleichzeitig das 100 jährige Bestehen der Stadt Stolberg inszeniert werden konnte und 62 Jahre später (nämlich 2018) bereits die 900-Jahrfeier ansteht.

Die trickreiche Einbeziehung des Jahres 1156 in die Diskussion erlaubte 1956 ein arithmetisch stimmiges Doppeljubiläum und hat zur Folge, dass sich in unserer Kupferstadt in regelmäßiger und gleich doppelter Abfolge immer wieder willkommener Anlass zu Jubiläumsfeiern bietet.

Ganz anders als bei den oben erwähnten Urkunden ergeben sich aus den mündlich tradierten Überlieferungen oft sehr eindeutige, manchmal aber auch verklausulierte, immer aber aufschlussreiche Hinweise zur Ortsgeschichte. Da archäologische Befunde den überlieferten Sachverhalt in vielen Fällen bestätigt haben, lassen sich die Geschichten um Galminus & Co. durchaus als Bereicherung und Ergänzung auffassen.


 

Adoption des Galminus und Namensgebung

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Sagen um Bergleute und Bergwerke

Ganz ähnlich wie bei den Seeleuten und sehr im Gegensatz zu Bauern und Handwerkern früherer Zeitepochen spielte sich das gefährliche Berufsleben der Bergknappen weit entfernt von Haus, Hof und Familie ab. Außenstehenden blieb die Welt des Bergbaus verborgen und wurde daher meist als geheimnisvoll und rätselhaft empfunden. Aber auch bei den Bergleuten selbst musste das Fluidum der dunklen Grubenbaue und die drohenden Gefahren bei der täglichen Arbeit Aberglaube und Geistervorstellungen geradezu provozieren. Hinzu kamen die Unwägbarkeiten bei der Auffindung neuer Bodenschätze sowie die stete Sorge und Ungewissheit bezüglich der Ergiebigkeit von erschlossenen und im Abbau befindlichen Förderstrecken. Die gesamte Arbeitswelt des Bergmannes bot somit fast paradigmatische Ansätze zur Sagenbildung. HEILFURTH, G. (1967) Seite 47, HEILFURTH G. (1981) Seite 208


Ausschnitt aus dem "Sächsischen Bergwerk", Einzelblatt um 1530.
Obschon man sich natürlich immer wieder über reiche Anbrüche und ergiebige Lagerstätten freute, machte man sich auch Gedanken darüber, wem die abgebauten Schätze wohl eigentlich gehörten, für wen sie einst erschaffen worden waren oder wer sie möglicherweise in den Erzgängen zusammengetragen haben könnte. Und irgendwann erzählte man dann vom Berggeist und von Zwergen als Besitzer und Hüter unermesslicher Schätze. Offensichtlich versuchte man, mit der imaginären Existenz dieser Wesen den Mineralvorkommen einen Sinn zu geben. Man konnte und wollte sich anscheinend nicht vorstellen, dass die Natur mit den Lagerstätten unterschiedlichster Art unermessliche Reichtümer geschaffen haben sollte, ohne damit irgendeinen Sinn zu erfüllen. Der Versuch, über die Existenz geheimnisvoller Wesen eine Begründung für das Vorkommen von nutzbaren und manchmal auch nur reizvollen Mineralbildungen zu finden, mag uns in der heutigen Zeit recht naiv vorkommen. Dennoch scheint diese Einstellung fast sympathischer zu sein, als die heute vorherrschende, recht beziehungslose Auffassung, alle Lagerstätten seien nur dazu da, möglichst schnell und rationell abgebaut zu werden.


 

Berggeistsagen

Während man sich die Zwerge als kleine, gesellige, hilfsbereite Wesen vorstellte, wurde der Berggeist als mächtige, furchterregende Singulärgestalt beschrieben, der den Bergmann gelegentlich belohnte, ihn bei ungebührlichem Verhalten aber auch verwarnte oder bestrafte. HEILFURTH, G. (1967) Seite 47 ff

Viele Erzähldetails lassen den eindeutigen Schluss zu, dass die Berggeistsagen des Stolberger Raumes zu Anfang der Industrialisierung von zugewanderten Bergleuten mitgebracht und auf die hiesigen Verhältnisse adaptiert wurden. Die lokalen Berggeistsagen enthalten nämlich meist Hinweise auf großtechnischen Gruben- bzw. Hüttenbetrieb, der in Stolberg erst in der ersten Hälfte des 19. Jh. eingesetzt hat. Die Übernahme ganzer Sagenkomplexe aus anderen Montanregionen war übrigens kein Einzelfall, sondern kann beispielsweise in den relativ spät angelegten Großgruben der Steinkohlereviere als Regel gelten.


Erzgrube Diepenlinchen, Ölgemälde
von Franz Hüllenkremer.
Häufig fand man im Stolberger Erzabbaugebiet Sagenmotive, die sich auf Fundweisungen durch den Berggeist bezogen. 
Hoffmann(1914) Nr. 239
 
Ebenfalls weit verbreitet war die Erzählgeschichte vom Berggeist, der einem Bergmann seine fast erloschene Funzel mit neuem Öl auffüllte, wobei der Symbolgehalt dieses Motivelementes noch dadurch unterstrichen wurde, dass sich das Öl des Berggeistes nicht verbrauchte und ein damit gefülltes Geleucht angeblich niemals wieder verlöschen würde.
Hoffmann(1914) Nr. 240  
In der absoluten, unheimlichen Dunkelheit der Stollen- und Schachtsysteme war für den Bergmann das Licht seiner Funzel natürlich von lebenswichtiger Bedeutung. Die heute in vielen Besucherbergwerken üblich gewordene Ausleuchtung lässt diesen Umstand häufig vergessen, ebenso wie die Tatsache, dass die oft eindrucksvolle Weite vieler Abbaukavernen von den früher dort tätigen Bergleuten nie in Gänze betrachtet werden konnte.


Froschlampe.
Foto: Werbestudio Toporowsky
Im Zusammenhang mit den Berggeistsagen fällt allerdings auf, dass Sagenmotive, die den Berggeist als schreckliche, furchterregende Gestalt schilderten, in der Stolberger Region nahezu gänzlich fehlten. Wo der Berggeist auftauchte, wurde er durchweg als menschenfreundliches, hilfreiches Wesen dargestellt. Hoffmann(1914) Nr. 242

Die Tatsache, dass die strafenden und furchterregenden Wesenszüge des Berggeistes als Sagenmotiv in anderen Montanbereichen durchgängig verbreitet waren, in der lokalen Sagenlandschaft dieser Region jedoch so gut wie nicht vorkamen, muss natürlich einen Grund haben. Die Verhältnisse in den gut ausgebauten Großgruben der beginnenden Industrialisierung und auch die Arbeitsatmosphäre im teilweise noch parallel betriebenen, nebenberuflichen Kleinbergbau wurden offensichtlich als weniger unheimlich und bedrohlich empfunden, als dies bei den tiefer bauenden Erzgruben früherer Bergbauepochen anderer Montanregionen der Fall gewesen ist.

Die Bereitschaft, bedrohlich wirkende Motive der Berggeistsage zu übernehmen und auf die örtlichen Verhältnisse zu adaptieren (anzupassen), muss folglich recht gering gewesen sein, da man sich mit den darin anklingenden Stimmungen nicht identifizieren konnte. Der lokal vorliegende Sagenbestand wurde also ganz offenkundig durch Motivselektion gebildet und zeigt recht deutlich, dass die Frage nach dem Wahrheitsgehalt einer Sage von recht untergeordneter Bedeutung sein kann. Der Denkansatz, den Sagenstoff als Ausdruck von Vorstellungen und Gefühlen wie Ängste, Bedrohungen oder Hoffnungen zu akzeptieren, führt zu erheblich interessanteren Einblicken. Hierbei wird die Frage nach der wirklichen Existenz von Berggeistern völlig bedeutungslos - so man diese Frage überhaupt noch stellen sollte.


 

Zwergensagen

Die Wurzeln unserer Zwergensagen und insbesondere der Ursprung der hilfreichen Heinzelmännchen sind in der Mythologie der frühen Römerzeit zu finden. Die damals stark polytheistisch ausgerichtete Weltanschauung war geprägt von der Vorstellung, dass eine Vielzahl von einzelnen Gottheiten für jeweils einen bestimmten Lebensbereich bzw. für ein bestimmtes Naturphänomen zuständig waren.

Aurora
Aurora, römische Göttin der Morgenröte, Stuckrelief am Kupferhof Rosental. Foto: F. Holtz

Unter anderem glaubte man an kleine Hausgeister, die als Penaten bezeichnet wurden. Diese gutmütigen Geister, so stellte man sich vor, lebten zusammen mit den Menschen in den Wohnhäusern und hatten ihren Platz in der Nähe der Feuerstelle. wo sie sehr zurückgezogen und versteckt lebten. Die Penaten waren von großer Bedeutung, denn man glaubte, dass sie Haus, Hof, Stallungen, Scheunen sowie auch die dort wohnenden und arbeitenden Menschen schützen und vor Unheil bewahren würden.

Aus diesen römischen Penaten sind dann später in der Vorstellung der Menschen Heinzelmännchen geworden. Ähnlich wie die Penaten wollten auch die Heinzelmännchen nicht beobachtet werden, wenn sie in den Nachtstunden ganz heimlich den Menschen halfen und vielfältige Arbeiten in Haus und Werkstatt verrichteten.

Wie war zu Cöln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich.
Da kamen bei Nacht,
Eh' man's gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten.
Und eh' ein Faulpelz
noch erwacht,
War all sein Tagewerk bereits gemacht.

Entsprechend der römischen Provenienz dieser Sagenmotive, muss man als originäres Verbreitungsgebiet die ehemals römisch beherrschten Gebiete annehmen. Es ist ja möglicherweise nur Zufall, dass sich August Kopisch mit seinem Gedicht von den Heinzelmännchen auf Köln bezieht. Aber dieses Gedicht und der ursprünglich dahinter stehende Sagenkomplex ist der ehemals römischen Metropole sozusagen passgenau auf den Leib geschneidert. Dieses durch das raffinierte Zusammenspiel von Wortwahl, Metrik, Rhythmus und Stilistik bestechende Gedicht machte die Kölner Heinzelmännchen im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt.
Kölner Heinzelmännchenbrunnen
Detaildarstellungen
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Bild Fotos: F. Holtz Bild

In den Zwergensagen klingt häufig ein weiterer, ein montanhistorischer Aspekt an. Während diese Facette bei den Kölner Heinzelmännchen gänzlich fehlt, sind die montanhistorischen Bezüge bei den Stolberger Zwergen höchst evident. Somit sind die Stolberger Zwerge in gewisser Weise fast interessanter als die berühmten Heinzelmännchen aus Köln.

Zur Erklärung der bergbaulichen Motivelemente sind zunächst die früheren Lebensumstände zu berücksichtigen. Über viele Jahrhunderte wurden in den früheren Dorfgemeinschaften alle Arbeiten entweder im Haus oder im unmittelbaren Umfeld verrichtet. Der Bauer arbeitete entweder im Stall, in der Scheune oder auf einem nahe gelegenen Feld. Der Handwerker, ob Schuster, Schreiner oder Schmied, arbeitete in seiner am Haus befindlichen Werkstatt und jeder, der wollte, konnte hineinsehen und zuschauen. Buchstäblich jedem Kind war die berufliche Tätigkeit des Vaters, des Nachbarn, und eines jeden Dorfbewohners bekannt.

Ganz anders war das bei den Bergleuten. Sie zogen jeden Morgen zu ihren Schürfstellen in Wald und Heide und gingen dort ihrer geheimnisvollen Beschäftigung nach. Ganz ähnlich wie bei den Penaten, den Hausgeistern, konnte man die Bergleute bei ihrer Arbeit nicht beobachten. Viele von ihnen schufteten in finsteren Erdstollen, in ewiger Nacht also.

Und diese ewige Dunkelheit ließ auch an Penaten denken, die ja ebenfalls nur bei dunkler Nacht erschienen und dann fleißig arbeiteten. Außerdem waren die früheren Bergleute häufig von kleinem Wuchs, was ihnen die Arbeit in den engen Stollensystemen erleichterte. Mit anderen Worten: Penaten und Bergleute hatten so viel gemeinsam, dass die Leute später überhaupt nicht mehr zwischen Hausgeistern und Bergleuten unterschieden, sondern in ihren Erzählungen und Geschichten nur noch von Zwergen und Heinzelmännchen sprachen.

Neben den aus montanhistorischen Aspekten bestehenden Erweiterungen der Zwergensagen, muss sich im Laufe der Zeit auch das geographische Verbreitungsgebiet der Erzählgebilde um Zwerge und Wichtel erheblich ausgedehnt haben. Spätestens im ausgehenden Mittelalter nämlich tauchten in praktisch allen Bergbaugebieten (auch dort, wo die Römer nie gewesen sind) Geschichten von Zwergen und Penaten auf. Auch hier trugen die Zwergengestalten durchaus freundliche und hilfsbereite Wesenszüge. Teilweise wurden diese Wichtel auch als Gütel bezeichnet; ein Begriff, der sich von gut oder gutmütig ableitet. 
HEILFURTH, G. (1967) Seite 108

Diese Entwicklung wird in einem um 1490 entstandenen Holzschnitt aus dem Werk Iudicium Iovis von Paulus Niavis (Paul Schneevogel) recht gut verdeutlicht. HEILFURTH, G. (1967) Seite 93 ff

In dieser Darstellung steht ein Bergmann als Angeklagter vor dem Thron Jupiters, weil ihm zahlreiche Verletzungen der Terra Mater (Mutter Erde) vorgeworfen werden.


Bergmann als Angeklagter vor dem Thron Jupiters.
Bildquelle: P. Niavis um 1490

Schützend um den in Kapuzentracht gekleideten, mit Schlägel und Eisen ausgerüsteten Bergmann sind in dieser Abbildung drei Penaten gruppiert, die entsprechend ihrer charakteristischen Wesenszüge dem Angeklagten auch in dieser Situation helfend zur Seite stehen. Sieht man von der Kleinwüchsigkeit ab, ist das Erscheinungsbild dieser Penaten allerdings noch recht unspezifisch.

Im Prinzip spiegelt sich in dieser Abbildung der uralte Konflikt zwischen dem Agrarwesen und den bergbaulichen Aktivitäten wider. Der etwas sehr selbstbewusste und in Montankreisen durchaus übliche Spruch: "wo Erz ist zu vermuten, steht uns das Schürfen frei", dürfte kaum zu einer Entschärfung dieses Konfliktes beigetragen haben.

Ausgehend von den Motivelementen der römischen Penaten und unter Verwendung ihrer charakteristischen Wesenszüge bildete sich ein eigenständiger, montanspezifischer Sagenkomplex aus. Wie bereits erwähnt, stellte man sich die Zwerge u.a. auch als Hüter oder Besitzer unermesslicher Schätze vor. Hieraus folgend ist die imaginäre, aber durchaus subjektiv spürbare Gegenwärtigkeit von Zwergen und Kobolden bei den früheren Bergleuten ein gern gesehenes Phänomen gewesen. Häufig wurden Zwerge und Kobolde sogar herbeigewünscht, da dort, wo sie auftraten, gute Anbrüche und reiche Vorkommen zu vermuten waren. Und natürlich mussten die Zwerge von kleinem Wuchs sein, wenn sie, wie man sich vorstellte, in engen Felsspalten und Klüften wohnen sollten und dort reger Schürftätigkeit nachgingen.
HEILFURTH, G. (1967) Seiten 152, 169

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Mittelalterlicher Bergmann bei der Seilfahrt, Quelle: Bersch 1898.
Entsprechend dieses Gedankens ging später auch die mittelalterliche Arbeitstracht mit Kapuze und Bergleder in das imaginäre Vorstellungsbild ein, welches man sich von den Zwergen machte. Dieses Vorstellungsbild war letztlich völlig unabhängig davon, ob die Zwergensagen vor montanhistorischem Hintergrund erzählt wurden, oder ob bei den Heinzelmännchen häusliche oder landwirtschaftliche Motivelemente vorherrschten.

Eine Darstellung aus dem späten 19. Jh. zeigt beispielsweise einen mittelalterlichen Bergmann, dessen Gestalt aus heutiger Sicht das gängige Zwergen-Klischee nahezu perfekt bedient. Auch das Erscheinungsbild der vielbelächelten Gartenzwerge mit ihren Zipfelmützen ist geprägt von eben dieser bergmännischen Kapuzentracht.

Als Warnung sollen die Zwerge den Bergleuten häufig Staub und feinkörniges Rieselgut auf den Kopf geschüttet haben, wenn sie sich an gefahrvollen Stellen aufhielten. Auch hier ist wieder der freundliche, hilfsbereite Wesenszug der Penaten erkennbar. Ein häufig lebensrettender Wahrheitsgehalt dieses Motivelements bestand darin, dass sich ein Stolleneinbruch oder das Verstürzen eines Schachtes eigentlich immer durch herabrieselndes Lockermaterial ankündigt. Für einen Bergmann jedenfalls, der auf Grund einer derartigen Warnung mit knapper Not einem niedergehenden "Sargdeckel" ausweichen konnte, war die Frage nach der wirklichen Existenz von Zwergen relativ belanglos.

Die kennzeichnenden Aspekte der Zwergensagen, nämlich:

waren und sind in der Vorstellung bzw. in der Phantasie der Menschen tief verwurzelt:

Was die Zwerge mir vertrauten,
die in fernen Waldrevieren
still in Spalten und in Klüften
ihren kleinen Haushalt führen.

Welch ein Glitzern, welch ein Funkeln,
gleich, als wollten eitle Zwerge
einmal zum Verwundern zeigen
all den Reichtum ihrer Berge;
 
All den Hort geheimer Schätze,
die sie rastlos schürften, scharrten
aus der Erde dunklen Tiefen,
wo sie edlen Schatz bewachten.
 
Nach Friedrich Wilhelm Weber: Dreizehnlinden.

 

Lokale Zwergensagen

Während in den Zwergengeschichten der weitaus meisten Sagenlandschaften entweder die Erzählungen von den hilfreichen Geistern oder aber Bergbaumotive aus meist mittelalterlicher Zeit dominierten, waren im Stolberger Raum beide Motivelemente gleichwertig vertreten.

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Schematische Darstellung der Beziehungen zwischen
naturräumlichen, bergbaulichen sowie geschichtlichen Gegebenheiten
und deren Einfluss auf lokale Sagenmotive. (Skizze: F. Holtz)

Es gibt aber auch insofern noch eine weitere Besonderheit in der Sagenlandschaft dieser Region, als dass sich die montanhistorischen Motivelemente hier nicht auf mittelalterlichen, sondern auf keltisch-römischen Bergbau beziehen. Somit entstammen, ebenfalls anders als in sonstigen Sagenlandschaften, beide beherrschenden Motivelemente, nämlich Heinzelmännchenerzählungen und montanhistorische Bezüge, der gleichen (römischen) Zeitepoche. Dieser Umstand findet deutlichen Ausdruck in den Namensbegriffen, die zur Bezeichnung der Zwergengestalten üblich gewesen sind.

Quärrismännchen
Da wären als erstes die Zwerge zu nennen, die um Mausbach - Gressenich gehaust haben sollen, und die meist Quärrismännchen genannt wurden, wobei sich die Vorsilbe "Quärris" von "Querge = Zwerge" ableitet. Ebenso gebräuchlich war allerdings auch der Ausdruck "Römermännchen"; ein Begriff, der vor dem Entstehungshintergrund dieser Erzählgeschichten im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnend ist. Diese Quärris- oder Römermännchen stellte man sich als kleine, bärtige Kerlchen vor, die in Höhlen oder Erdlöchern gewohnt haben sollen. Sie schadeten den Leuten nicht, waren ihnen aber auch nicht von besonderem Nutzen. Für ihre Festgelage tief unter der Erde borgten sie sich manchmal Geschirr, das sie am nächsten Tag blank geputzt zurück gaben. Verweigerte man ihnen die benötigten Gerätschaften, so holten sie abends Töpfe und Teller einfach selbst und brachten sie über und über mit Schmutz besudelt zurück.
Hoffmann(1914) Nr. 252, 282, 481


Zwergensteine als Landmarke in den 1920er Jahren, Quelle: Ortsarchiv Mausbach.
Eine Motivvariante der Quärrismännchensage weiß davon zu berichten, dass in der Gegend des Hitzbergs (Örtlichkeit zwischen Mausbach, Gressenich und Werth) die Quärrismännchen begraben sein sollen. Die Sage spricht eine recht eigenwillig ausgebildete Felsformation an, die in früherer Zeit einmal einen markanten Geländepunkt darstellte. Heute ist dieser Gesteinskörper weitgehend überwuchert und im Gelände nur noch schwer auszumachen. Im Volksmund wurde die Felsgruppe "Quärressteen", Zwergensteine oder Römersteine genannt. Die Erscheinungsform dieser Kalksteinfelsen hat möglicherweise die Vorstellung von Grabsteinen entstehen lassen, welche man dann mit den Quärrismännchen assoziierte.

Gedicht Quärrismännchen

Killewittchen
Der montanhistorische Aspekt in den lokalen Zwergensagen ist bei den Killewittchen besonders deutlich ausgeprägt. Bei den Killewittchen handelt es sich um Zwerge, die sich in der Gegend von Hastenrath herumgetrieben haben und den Leuten während der Nacht fleißig zur Hand gegangen sein sollen. Vor ihrem Verschwinden haben sie dem Vernehmen nach lange in der Erde gegraben, die kostbaren Schätze verpackt und diese mitgenommen.
Hoffmann(1914) Nr. 285a-c

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Quelle: Bersch 1898.
Es bleibt zunächst unklar, was mit den reichen Schätzen der Killewittchen gemeint sein könnte. Ein möglicher Interpretationsansatz ergibt sich aus dem Umstand, dass sich genau dort, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, im Untergrund gut ausgebildete Karsthöhlen befinden. Diese Höhlen, so wird erzählt, sollen der Zwergenschar als Wohnung und Unterschlupf gedient haben. Fernerhin befinden sich in diesem Höhlensystem spektakuläre Kalkspatbildungen. Ob Kalksinter, Tropfsteine, Tropfleisten oder Kalkspatkristalle, diese Gebilde sind allesamt von wirklich hervorragender, modellhafter und optisch attraktiver Ausprägung. Die exquisite Schönheit der Mineralgebilde könnte durchaus zu der Vorstellung verleitet haben, es handele sich bei den glitzernden und funkelnden Kristallen um den Sagenschatz der Killewittchen.

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Kalkspatkristalle aus dem Killewittchen-Steinbruch.
Sammlung u. Foto: F. Holtz
Eine weitere und möglicherweise wesentlich plausiblere Erklärung ergibt sich aus der These, dass der mitgenommene Schatz der Killewittchen nicht aus realen Kostbarkeiten und Pretiosen bestand. Was die frühgeschichtlichen Berg- und Hüttenleute beim Abzug der Römer mitgenommen haben, war das Geheimnis um Galmei und Messing. Und dieses Wissen um die lukrative Herstellung der goldfarbenen Messinglegierung war zur damaligen Zeit so wertvoll wie ein kostbarer Schatz. In der Tat hat es über 600 Jahre gedauert, bis man in unserer Region wieder Messing herstellen konnte.

Letztlich versteckt sich in dem Wort Killewittchen ein weitere Hinweis darauf, dass die überlieferten Zwergensagen unserer Region frühgeschichtlichen Ursprungs sind und sich nicht nur auf Penaten, sondern gleichermaßen auf einen sehr frühen Bergbau beziehen. Die Wortsilbe "Kille" in Killewittchen ist nämlich abzuleiten von dem keltischen Wortstamm "cill", der für Erdhöhlen jeglicher Art gestanden hat. Der gleiche etymologische Zusammenhang gilt auch für die im rheinischen Raum gebräuchlichen Begriffe wie Kuhle, Kaule, Kull, die sich allesamt auf Schürfstellen jeglicher Art und insbesondere auch auf Bergwerke und Steinbrüche beziehen.


 

Die Sagenstadt Gression

Eingangs bereits wurde die Bedeutung des Stolberger Wirtschaftsraumes zu römischer Zeit angesprochen, und in diesem Zusammenhang fand ebenfalls die Sagenstadt Gression Erwähnung. Der Sagenkomplex um diese Stadt Gression ist nun in noch viel höherem Maße von regionalspezifischem Charakter, als dies bei den Erzählgebilden um Zwerge und Kobolde der Fall war. Es ist durchaus kein Zufall, dass zwischen dem Namen dieser Sagenstadt und dem Namen des Ortes Gressenich eine auffallende phonetische Ähnlichkeit besteht. Und in der Tat, Gressenich kann in gewissem Sinne als geographischer, ganz sicher aber als inhaltlicher Zentralpunkt dieses Sagenkomplexes gelten.
Hoffmann(1914) Nr. 233

Die Sage um die Stadt Gression hatte ein weites Verbreitungsgebiet innerhalb des Großraumes Aachen - Köln, ist jedoch im Überlieferungsbestand der einzelnen Ortschaften nur fragmenthaft erhalten geblieben. Ein wesentlich geschlosseneres Bild ergibt sich dann, wenn man die unterschiedlichen Restbestände aus den einzelnen Lokalbereichen zusammenfasst: Gression soll in uralter Zeit eine so gewaltige Stadt gewesen sein, dass sie mit keiner anderen verglichen werden konnte. Die meisten Varianten der Sage geben den Durchmesser der Stadt Gression mit sieben Stunden an, wobei es allerdings auch Versionen gibt, die den Durchmesser mit zwei Stunden und wiederum andere, die den Umfang mit hundert Stunden angeben wollen. Bezüglich der geographischen Erstreckung berichtet die Sage über den Raum Aachen, Köln, Düren, Jülich. Andere Versionen wiederum verlegen die Stadt Gression in den engeren Bereich Kornelimünster, Gressenich, Düren, Jülich, wobei der letztere, etwas enger gefasste Bereich noch um die Jahrhundertwende auch dem Verbreitungsgebiet der Sage entsprach.

Die Sage weiß von einem bedeutenden Bergbau in der Stadt Gression zu berichten. Durch die Ergiebigkeit der Erzlagerstätten soll großer Reichtum in die Stadt geflossen sein. Dies verleitete die Bewohner zu Üppigkeit, Verschwendungssucht und Lasterhaftigkeit, was den Zorn Gottes herausforderte. Die Stadt soll daher mit völliger Vernichtung bestraft worden und durch ein schreckliches Schicksal untergegangen sein.

Der in der Sage erwähnte Erzabbau bezieht sich zweifelsohne auf römischen Bergbau, der für die Gebiete um Gressenich, Mausbach und Breinig auch historisch belegt ist. Es gilt als sicher, dass zur damaligen Zeit u.a. das hier lagernde Galmeierz zur Herstellung von Messing geschürft wurde. Und Messing wiederum erfreute sich zu römischer Zeit einer hohen Wertschätzung. Die sogenannten Hemmoorer Eimer, glockenförmige, oft mit umlaufendem Relieffries ausgestattete Prunkgefäße römischer Herkunft, bestehen beispielsweise aus einer Messinglegierung.

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Hemmoorer Eimer, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover.
Diese Gefäße wurden nach einem Fundort bei Cuxhaven benannt, waren aber, wie zahlreiche Funde zeigen, vom Donauraum bis nach Skandinavien weit verbreitet und sind offensichtlich begehrtes Handelsgut gewesen, welches aus damals römischem Gebiet nach Germanien exportiert wurde. Häufig waren die Relieffriese mit Emaille-Einlagen und Silbertauschierungen (eingehämmertes Silber) versehen. Die Möglichkeit, dass diese hochwertigen Behältnisse im Stolberger Raum hergestellt wurden, ist zwar letztlich immer noch spekulativ, liegt aber dennoch im Bereich einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

Unabhängig davon, ob die Hemmoorer Eimer in Stolberg hergestellt wurden, dürfte die römische Messingherstellung ein durchaus einträgliches Gewerbe gewesen sein. Insofern hat der in der Sage erwähnte Reichtum dieser Stadt durchaus auch einen historischen Hintergrund. Die in der Sage angesprochene außergewöhnliche Größe der Stadt Gression wird nun allerdings mit objektiver Faktizität sehr viel weniger zu tun gehabt haben. Es ist eher anzunehmen, dass mit diesem Erzähldetail die Bedeutung der Stadt oder der Region unterstrichen werden sollte.


Skizze: F. Holtz

Wenn man bedenkt, dass der Bergbau in der Stolberger Gegend nach dem Eindringen fränkischer Volksstämme über Jahrhunderte geruht hat, ist die Tradierung eines Sagenkomplexes mit ausgeprägten Bezügen zu frühgeschichtlichem Bergbau eigentlich recht erstaunlich. Die bergbaulichen Bezüge nämlich mussten den neuen, bäuerlich geprägten Dorfgemeinschaften wesensfremd sein, die solche Überlieferungen weitergetragen haben. Aber man sollte etwas anderes auch nicht vergessen. Gleichgültig ob das Imperium Romanum nun als Schutzmacht oder als Besatzungsmacht anzusehen war, die Zeit des römischen Reiches brachte in Europa und natürlich auch für die damaligen Messinggießer der Voreifel eine langandauernde Epoche stabiler und friedlicher Verhältnisse (Pax Romana).


Römervilla aus Stolberg Atsch, Rekonstruktionszeichnung von
H. Albrecht.
Nicht nur dass sich unter diesen Rahmenbedingungen Handel und Wandel bestens entwickeln konnten, nein, auch die nicht-römische Bevölkerung hatte sich größtenteils mit den Römern arrangiert und wusste durchaus auch die Vorteile eines wohlgeordneten Staatswesens zu schätzen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Glanz dieser Zeit hinüberstrahlte auf nachfolgende, weniger ruhige Epochen, und dass dieser Wohlstand als teilweise überzeichnete Überlieferung in den Erzählungen weiterlebte. In Erinnerung an bessere Tage wurde aus dem zweifelsfrei vorhandenen Wohlstand der damaligen Wirtschaftsregion märchenhafter Reichtum, der mit der Sagenstadt Gression unwiederbringlich untergegangen war.


Motivelemente zum Untergang der Stadt Gression. Skizze: F. Holtz

Bezüglich des Untergangs der Sagenstadt Gression enthält der Überlieferungsbestand drei unterschiedliche Varianten:

Allen drei Varianten ist gemeinsam, dass es sich bei dem Untergang der Stadt um ein Strafgericht Gottes gehandelt haben soll. Im Laufe der Zeit wurde eine Vielzahl von Geländebefunden angeführt, welche einerseits die Geschichte vom Untergang einer Stadt glaubhaft und plausibel machen sollten, wobei die Existenz dieser zum Teil befremdlichen Befunde andererseits aber interpretierbar wurde.

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Reste des gallo-römischen Tempelbezirkes Varnenum bei Kornelimünster. Foto: F. Holtz
Da wären zunächst die römischen Fundamente und Bebauungsreste zu nennen, die allerorten und immer wieder beim Pflügen und anderen Erdarbeiten zum Vorschein kamen und auch immer wieder neue Bezüge zu den altbekannten Erzählgeschichten entstehen ließen. Diese Bezüge ergaben sich hinsichtlich der Siedlungsrelikte unabhängig davon, welche der drei Varianten man über den Untergang der Stadt erzählte. Das Auffinden römischer Siedlungsspuren erstreckte sich über einen sehr weiten Bereich, was auch die außergewöhnliche Größe der Sagenstadt erklären könnte. Eine große Zahl von Dorfgemeinschaften war folglich mit dem gleichen Phänomen konfrontiert, so dass in vielen Orten bzw. Ansiedlungen gleiche oder ähnliche Erzählgeschichten kursierten.


Fossilien, wie beispielsweise Brachiopoden, galten als Indiz für eine gewaltige Flutwelle.
Sammlung u. Foto: F. Holtz
Die Erzählvariante, nach der die Stadt durch eine gewaltige Flut hinweggeschwemmt worden sei, fand weite Verbreitung, offensichtlich weil im Gelände häufig Befunde anzutreffen sind, von denen man glaubte, sie als Indizien für eine Flutwelle interpretieren zu können. In der Gegend von Gressenich führt die Sage das Vorhandensein von versteinerten Muscheln, die in den Kalksteinbrüchen oft zu beobachten sind, als deutlichen Hinweis für eine Überflutung an. Hiermit dürften die in den Devonformationen dieses Gebietes häufig auftretenden Brachiopoden gemeint sein, deren Erscheinungsbild dem der Muscheln sehr ähnlich ist.


Im Gelände auftretende Sandmassen wurden als Hinweis auf den Untergang der Sagenstadt gesehen. Foto: F. Holtz
Im Bereich Langerwehe - Lucherberg gelten die dort lagernden Sand- und Geröllmassen als Anhaltspunkt für eine gewaltige Flutwelle. Im gleichen Bereich werden die in der Braunkohle vorkommenden Baumstämme einer Brandkatastrophe zugeschrieben, die durch fremde Kriegshorden verursacht worden sein soll.

Reichtum und Vergänglichkeit, so könnte man zusammenfassend sagen, wurden in dieser Geschichte reflektiert, und vor dem Hintergrund einer lukrativen Messingherstellung zu römischer Zeit wird die Tatsache nur allzu verständlich, dass diese Sage erstens überhaupt entstehen konnte und zweitens dann auch weitererzählt wurde.

Anfang des 20. Jh. wurden, entsprechend des damaligen Zeitgeistes, die uralten Sagenmotive aufgegriffen und literarisch bearbeitet. So entstanden auch zum Thema Gression zwei Gedichte, die um 1920 von Peter Bündgens verfasst worden sind.


Glocken von Gression Sagenstadt
Gression
Gedichte von Peter Bündgens

 

Literatur- und Quellenverzeichnis

BRECHER, A. (1990): Geschichte der Stadt Stolberg in Daten, Beiträge zur Stolberger Geschichte und Heimatkunde, Band 17, Herausgeber: Stolberger Heimat- und Geschichtsverein.

HEIFURTH, G. (1967): Bergbau und Bergmann in der deutschsprachigen Sagenüberlieferung Mitteleuropas, Marburg. Veröffentlichung des Instituts für mitteleuropäische Volksforschung an der PHILIPPS-Universität, Marburg.

SCHREIBER, H. (2001): Stolberger Burgherren und Burgfrauen 1118-19109, Beiträge zur Stolberger Geschichte, Band 25, Herausgeber Stolberger Heimat- und Geschichtsverein.

WILLEMS, F. (1955): Stolberger Burgherren und ihre Nachkommen in alten Urkunden rheinischer Geschichte 1118-1364. Hg. Stadtbücherei Stolberg.

 

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